Kitabı oku: «Die chinesische Messaging-App WeChat als virtuelle Sprachinsel», sayfa 7

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3.10.4. Deutschlandbezogene Infrastruktur

Mit deutschlandbezogener Infrastruktur ist begrifflich vereinfacht gemeint, dass viele kommerzielle infrastrukturelle Angebote mit Bezug zum gesamten deutschsprachigen Raum in China existieren. Kurz illustriert bedeutet das – auf ganz unterschiedliche Standorte in China erweiterbar – mit Bezug zu meinem eigenen Erfahrungshintergrund in Shanghai zwischen 2014 und 2017, dass z. B. Brauereien wie Paulaner und Hofbräu eigene Restaurants und Ausschankbetriebe unterhalten. Es existiert an verschiedenen Stellen die Möglichkeit, deutsche oder österreichische Backwaren zu kaufen oder sich liefern zu lassen, ebenso existieren Schweizer Restaurants und Metzger. Verschiedene Fach- und Zahnärzte aus dem deutschsprachigen Raum bieten ihre Dienste an. Im frei empfangbaren Fernsehen (CCTV 5) werden zahlreiche Spiele der Fußball-Bundesliga, oft zu attraktiven Sendezeiten (wegen der Zeitverschiebung nahezu zur Prime Time am Samstagabend), gezeigt. Viele chinesische Supermärkte, nicht nur solche, die sich auf die Bedürfnisse von Expatriates eingestellt haben, führen verschiedenste aus den deutschsprachigen Heimatländern bekannte Produkte, v. a. aber Lebens- und Genußmittel, von Fleisch über verschiedene alkoholische Getränke bis hin zu Süßigkeiten. Es würde im vorliegenden Kontext zu weit führen, für alle genannten Entitäten die (offiziellen oder eher informellen) WeChat-Kanäle anzugeben; ein Großteil der Anbieter unterhält solche offiziellen Accounts.

3.10.5. Sonstige Aktivitäten

Es existieren innerhalb der verschiedenen Expatriate-Communities zahllose informelle Aktivitäten, die teils im offenen Internet sichtbar, teils ab von einer digitalen Öffentlichkeit über Messenger-Kontakte, schwerpunktmäßig über WeChat, organisiert werden. Diese hier auch nur ansatzweise abzubilden, ist schier unmöglich und wird nicht ansatzweise angestrebt. Bei der Rezeption des vorliegenden Kapitels ist zu bedenken, dass es tagtäglich in China viel mehr Aktivitäten rund um das Deutsche und die Kultur der deutschsprachigen Länder gibt, als man über Internetsuchen herausfinden kann. Insofern ist die hier gegebene Zusammenstellung nur ein auf die hauptsächlichen offiziellen diplomatischen, wirtschaftlichen, kulturellen und sonstigen Entitäten beschränkt. Denjenigen RezipientInnen, die keine weitergehenden Kenntnisse deutsch(sprachig)er Aktivitäten in China besitzen, sei dies mit auf den Weg gegeben.

4. Forschungsstand zu WeChat

Die Basis der vorliegenden Zusammenschau der Literatur findet sich in Szurawitzki (2020b). Für die vorliegende Publikation ist diese signifikant erweitert und aktualisiert worden. Zunächst steht ein Abschnitt zu WeChat allgemein (4.1.), bevor auf den Forschungsstand zu Messengerkommunikation und/mittels WeChat referiert wird (4.2.).

4.1. WeChat allgemein

„[D]ie absolute Killer-App“ (Agten/König 2018: 185) oder „Super-App“ (Gatti/Richter 2019: 23; vgl. auch 24-30) WeChat greift in sehr viele Lebensbereiche aus: „Im Westen ist […] keine App wie WeChat so rundum ins Leben integriert“ (Agten/König 2018: 186). Vgl. zur Geschichte von WeChat Wu (2016) sowie Chen/Mao/Qiu (2018, Kap.1, 19-45). Zur neueren Entwicklung von WeChat vgl. China Academy of Information and Communications Technology (2014, 2017), Tu (2016), Harwit (2017) sowie China Tech Insights (2017). Zum allgemeinen Forschungsstand mit Blick auf WeChat vgl. Montag/Becker/Gan (2018), zu Vergleichen unterschiedlicher Applikationen Sun (2020) und für einen aktuellen Überblick der gesellschaftlichen Relevanz mobiler Kommunikation Ling et al. (2020), darin speziell zu WeChat den Beitrag von Cui/Li (2020). WeChats Omnipräsenz im chinesischen (Alltags-)Leben führt dazu, dass es innerhalb der Forschung zu ganz unterschiedlichen Disziplinen Thema wird oder mit anderen Themen verknüpft ist. Die hier gebotene Zusammenschau der Literatur nimmt sich entsprechend thematisch heterogen aus. Die Ordnung ist primär chronologisch, es ist die Bestrebung, so möglich, parallel eine thematische Linie mit zu integrieren.

Die Studie von Kuang (2018) [2014]1 befasst sich mit sozialen Medien in China und widmet WeChat einen eigenen Abschnitt (7.3.: 189-199) im Kapitel zu Mobile Phone Media. Kuang (2018 [2014]: 190) nennt Vorteile, die WeChat gegenüber anderen Kommunikationsmedien besitze: „WeChat is changing the way of interpersonal communication quietly and has incomparable advantages over the other media. It is free of charge and, relative to short messaging, its voice and video dissemination functions make both information disseminators and receivers more direct and real, and highly reachable“. Kuang (2018 [2014]: 190-191) bewertet die kommunikative Effizienz von WeChat als hoch und die Applikation insgesamt als sehr positiv; zu einer ähnlichen Einschätzung kommen Yao/Wu (2016: 393), die schreiben: „WeChat is the tool through which users could fulfill or accomplish their goals.“ Trotz der Vielfalt der gebotenen kommunikativen Möglichkeiten kommt er zu einer aus meiner Sicht zweifelhaften Einschätzung, welches das zentrale Feature sei: „The main function of WeChat is making voice calls, which are kind of like phone calls.“ (Kuang 2018 [2014]: 191) Diese eher trivial anmutende Feststellung ist nicht empirisch belegt und legt gleichzeitig nahe, dass aus der Fülle der Kommunikationsmöglichkeiten die de facto traditionellste die wichtigste sei. Dies widerspricht nicht nur dem Zeitgeist, sondern auch meinen Beobachtungen im Feld in China. Für unsere Studie wird diese These im Lichte der erhobenen Daten zu überprüfen sein (vgl. Kap. 7.5.6. unten). Chen/Mao/Qiu (2018: 50) sehen WeChat mit Bezug auf Lakoff/Johnson (2003) als „three metaphors – walkie-talkie, bazaar and wallet“ – und mehr: „WeChat has become increasingly a communication tool for work.“ (Chen/Mao/Qiu 2018: 57) Brühl (2020) schreibt:

In China gibt es Wechat, auch eine Art Mega-App, in die so ziemlich alles integriert ist – vor allem ein funktionierendes Bezahlsystem. Eine Plattform, die alle anderen Plattformen ersetzt: Es wäre nur konsequent nach der Machtkonzentration im Silicon Valley. Geschafft hat es bislang nur Wechat. […] Kleine Messenger wie Threema aus der Schweiz garantieren zwar den Schutz der Privatsphäre, sind aber zu klein für jene Netzwerkeffekte, die soziale Medien so attraktiv machen („Es sind ja schon alle anderen dort!“). Die gibt es nur auf Instagram oder Wechat. (Brühl 2020: 49)

Huo et al. (2015) schreiben zu der Verwendung von WeChat bei öffentlicher Dokumentation von Kulturerbe, Wang/Gu (2016) verzahnen ideologische und technische Aspekte der Applikation. Olschewski (2015) untersucht WeChat in Deutschland aus wirtschaftswissenschaftlicher Perspektive. Li et al. (2016) untersuchen die Nutzung von WeChat bei der Verbreitung von Informationen zu Malariaerkrankungen bei chinesischen Expatriates im afrikanischen Niger. Xu et al. (2016) studieren den Einfluss von WeChat auf die Schlafqualität von Studierenden. Li (2016) weist auf WeChat als zu nutzenden Kanal beim Erreichen chinesischer Sportfans durch internationale Sportorganisationen hin. Statista (2017) bietet umfangreiches Zahlenmaterial. Zhou et al. (2018) untersuchen Abstimmungen auf WeChat.

Yao/Wu (2016: 387) stellen die steil ansteigenden Nutzerzahlen von WeChat, v. a. im Vergleich zu Facebook, das innerhalb von 56 Monaten 100 Mio. NutzerInnen hatte, und WhatsApp, das 30 Monate brauchte, um diese Zahl zu erreichen, fest: „[W]hen it comes to WeChat, it took only 15 months to reach 100 million users“. Nan/Qian (2016: 83) stellen zum zentralen Einfluss von WeChat fest: „The sheer size of mobile social media users of […] WeChat in the hundreds of millions in China has attracted increasing attention among scholars who want to research Chinese public opinion“. Chan et al. (2016: 199) bestätigen dies, ebenso wie van Cayzeele (2017) und Qiu (2018). Wen et al. (2016) untersuchen die Rolle von WeChat beim Einsatz in der Konsumwirtschaft. Pang et al. (2016) streichen heraus, dass WeChat, wie einige andere Applikationen auch, vor allem für den mobilen Einsatz angelegt ist:

For instance, WeChat, Whatsapp, and Line are micro-messaging applications that have features of instant messaging, but are now more elaborate with social networking features such as the ability to build and connect to one’s social networks, post and view newsfeeds from the social network, and make new connections via others. (Pang et al. 2016: 146)

Zhang et al. (2017) forschen zum Einsatz von WeChat bei der Akquise von Informationen zur Gesundheit. Zhao/Wei (2017) legen eine Analyse zum akademischen Impact von WeChat vor. Hierbei geht es um die Verbreitung von Forschungsresultaten, zu der WeChat beitragen kann. Xue et al. (2017) untersuchen das Flirtverhalten mittels ortsbasierter Kontaktaufnahme durch WeChat. Ai et al. (2017) erforschen die Möglichkeit der Verbreitung von öffentlicher Meinung via WeChat. Feng et al. (2017) studieren die Nutzung von WeChat als Rückkopplungskanal für postoperative Kommunikation nach einer Behandlung der Nase.

Schrader (2017: 57-58) nimmt kurz Bezug auf WeChat. Er schreibt: „Mit diesem Dienst organisieren Chinesen immer größere Teile ihres Alltags.“ Diese Beobachtung lässt sich aufgrund der häufigen Nutzung der Applikation m.E. auch auf die in China ansässigen Deutschsprachigen übertragen. Schrader (2017: 57) führt weiter aus: „WeChat vereint Commerce, Payment, Social, Mobile Local und über Application Programming Interfaces (APIs) unzählige andere Dienste in einer mobilen App.“ Die besondere Stärke der Applikation beschreibt er wie folgt:

WeChat ist ein Transformationales Produkt par excellence. Je nach Blickwinkel ist es eine mächtige Plattform, das Frontend für beliebige Dienstleistungen oder die Serviceschicht für eine Vielzahl von Produkten. […] Als Frontend für Dienstleistungen setzt es sich, ähnlich wie Google und Facebook, an die Schnittstelle zwischen Anbieter und Nutzer – und konkurriert somit um die Kundenbeziehung. Noch einen Schritt weiter geht WeChat, indem es zur Serviceschicht für Produkte wird – die damit letztlich austauschbar werden. Wer beispielsweise ein Taxi braucht, kann dieses sofort in WeChat bestellen. Mobilitätsdienste wie mytaxi oder Uber werden von WeChat quasi aufgesogen und obsolet gemacht. Die Messenger-Plattform strebt danach, alle denkbaren mobilen Use Cases direkt zu integrieren. (Schrader 2017: 58)

Diese Position passt zu der von Tang/Huang/Liu (2017), die die stark ansteigende Popularität von WeChat auf dem chinesischen Festland seit 2014 konstatieren (Negro 2017: 193 nennt 2013 das Jahr von WeChat und beschreibt den Aufstieg der App; ebd., 194-197; vgl. auch An/Harvey 2016: 303) und gleichzeitig – wohl aus der Sicht der chinesischen Führung perspektiviert – auf Probleme hinweisen (dies tut Kuang 2018 [2014]: 193-194 ebenso):

WeChat characterized by convenience and rapidity enables individuals to fully unleash their energy and show their presence by such means as releasing original writings, forwarding messages and writing comments, which have strengthened emotional ties within their respective circles of friends. Nevertheless, the unleashing of individuals‘ energy in these ways, plus uncontrolled information dissemination, also has caused new problems. Some internet users preach historical nihilism, some spread rumors that may threaten social stability, and others take advantage of friends‘ trust to spread fradulent information. (Tang/Huang/Liu 2017: 9)

Hier mahnen die offiziellen Stellen eine Art Verlust von staatlicher Kontrolle und/oder Deutungshoheit an, die das zweischneidige Potenzial von WeChat – Kontrollierbarkeit einerseits, jedoch kann andererseits nicht immer alles kontrolliert werden – aus Sicht der chinesischen Regierung deutlich werden lässt. Tang/Huang/Liu (2017: 11ff.) verbinden WeChat rhetorisch mit Bestrebungen nach ,Reformen‘, hier wohl eher Euphemismus für ,Kontrolle‘ und ,Propaganda‘. Gleichzeitig zeigen sie, dass die Regierung bestrebt ist, mittels WeChat über die Behörden für die BürgerInnen stetig erreichbar zu sein (Tang/Huang/Liu 2017: 15-16). Kuang (2017: 43) kommt im selben Sammelband in seiner quantitativen Studie zu dem Schluss, dass WeChat gegenüber Sina Weibo (für einen Vergleich s. Negro 2017: 202-205; Yao/Wu 2016: 390, Tab. 1, stellen traditionelle Medien, Weibo und WeChat einander gegenüber) eine glaubwürdigere Informationsquelle darstelle, gerade was die Medienberichterstattung anbeträfe. Gleichzeitig (Kuang 2017: 43-44) weist er auch auf inhärente Sicherheitsrisiken wie fehlende Privatsphäre und Missbrauch hin. Yu/Zhao/Tong (2017: 68, Tab. 4.1.) bieten eine Übersicht der wesentlichen technischen Upgrades und funktionalen Erweiterungen. Sie nennen die Zahl von bereits 40924 offiziellen Regierungs-Accounts (Yu/Zhao/Tong 2017: 72). Neben den Möglichkeiten der Interaktion heben sie hervor, dass „the opportunities for public discourse on WeChat would increase“ (Yu/Zhao/Tong 2017: 78). Negro (2017: 193) begründet WeChats Popularität auch technisch: „Weixin’s popularity is based on the fact that it can be used on most of the mobile platforms worldwide, such as Android, iPhone, Black Berry, Windows Phone and Sysmbian [sic]“.

Zhu (2018) stellt mit Perspektive auf Innovationskraft fest (vgl. Zhu 2018: 33-52), dass WeChat rapide Erfolg gehabt hat:

[…] WeChat carried out targeted innovation and rapid iteration, growing from an average messaging app to an omnipotent platform serving basic needs of everyday life. As a phenomenal product generating profound social and economic effects, WeChat has nurtured the largest ecology in the mobile Internet. (Zhu 2018: 33)

Und er geht noch weiter: „WeChat has become an integral part of Chinese people’s daily life“ (Zhu 2018: 34; vgl. auch Chen/Mao/Qiu 2018: 2: „WeChat is now inseparable from its users’ everyday habits“). Auch im globalen Kontext sei WeChat, das als „instant audio messaging application – a cell phone walkie-talkie“ (Chen/Mao/Qiu 2018: 3) begonnen habe, einer der zentralen Player: „WeChat (overseas version), America’s WhatsApp, and Japan’s Line are recognized as the three giants in the field of mobile instant messaging.“ (Zhu 2018: 43) Ein übersichtsartiger Vergleich der drei genannten Applikationen findet sich in Zhu (2018: 44, Tab. 2). Chen/Mao/Qiu (2018: 3) betonen die auch funktional-pragmatische Ähnlichkeit von WeChat und WhatsApp: „[S]imilar to WhatsApp, WeChat is mostly used for small groups and private communication among friends, family members and work-related contacts“. Daran anschließend stellen sie fest, dass WeChat im Business-Bereich in China bereits der E-Mail den Rang abgelaufen habe: „In business communication, WeChat has a much higher penetration rate (90 %) than email (less than 30 %) in China“ (Chen/Mao/Qiu 2018: 4); und nicht nur in diesem Segment: „WeChat has grown into a mega-platform that has no equivalent elsewhere in the world“ (ebd.). Für viele Chinesen könne man praktisch die Konzepte ,Internet‘ und ,WeChat‘ synonym setzen: „To many Chinese today, for example, senior citizens, using mobile internet means little more than WeChat“ (Chen/Mao/Qiu 2018: 5). Hernig (2016) hält zur Rolle von WeChat fest:

Richtig ist, dass das Chat-Potenzial der Chinesen, die in Kürze [2016] mehr als 700 Millionen Smartphones von etwas über 2 Milliarden weltweit in Händen halten werden, gewaltig ist, und richtig ist auch, dass viele dieser Abermillionen Dauer-Chatter und Nonstop-User der erfolgreichsten chinesischen Plattform WeChat (weixin), einer Mischung aus What’s App [sic] und Facebook, auch ihre Sorgen, Ängste, und Kritiken untereinander teilen. Doch ist die quantitativ gewaltige Masse des sozialen Datenverkehrs via Smartphone erstens nicht politischer, sondern vielmehr privater und konsumorientierter Natur und zweitens oft so minimalistischer Art, dass hintergründige Kommunikation hier meist nicht zu finden ist. Chinas ultrabeschleunigte Gesellschaft scheint eher die Fähigkeit zu differenzierter Kommunikation durch starke Nutzung von „Online-Medien“ zu verlieren als qualitativ hinzuzugewinnen. […] Immerhin muss als Entwicklung anerkannt werden, dass Taxifahrer und andere Menschen in Dienstleistungsberufen, die nie zuvor eine Stimme in China hatten, sich diese nun mit Hilfe sozialer Plattformen wie We Chat [sic] oder anderen verschaffen können. Darin liegt in der Tat viel Potenzial. (Hernig 2016: 100-101)

Ahlheim et al. (2018) untersuchen WeChats Rolle bei der Einschätzung touristischer Präferenzen für ökologische Verbesserungen in China. Chen/Cheung (2018) forschen zu der Wahrnehmung und dem Schutz von Privatsphäre in sozialen Medien in China und legen eine Fallstudie zu WeChat vor. Guo et al. (2018) untersuchen das Portal Run4Love, eine WeChat-basierte Initiative zur Verbesserung der psychischen Situation von HIV-Patienten. Häring (2018; v. a. Kap. 4) fokussiert auf WeChats Bezahlfunktion (vgl. auch Hartmann/Maennig Stock 2018: 36). Jiang/Li (2018) untersuchen den Einsatz von WeChat in einem australischen Chinesisch als Fremdsprache-Lernkontext. Li/Jung/Park (2018) erforschen den Einfluss von WeChat bei der Kontaktpflege im Alumni-Kontext. Liu/Perry/Gadzinski (2018) legen Erkenntnisse zu WeChats Rolle bei der digitalen Vermarktung von Luxusmode in China vor. Montag et al. (2018) bieten erste Befunde zur WeChat-Sucht. Zhou et al. (2018) untersuchen Abstimmungsprozesse auf WeChat, während Zhu et al. (2018) WeChat und seinen Einfluss bei einer Kampagne gegen fette, essbare Ölpräparate erforschen. Qin (2018) untersucht die zentrale Rolle von WeChat für chinesische Immigranten in Belgien.

Liu (2019: 144-149) weist darauf hin, dass WeChat auch in Kontexten chinesischer Proteste benutzt wird. DeLisle/Goldstein/Yang 2016: 3 schreiben WeChat eine Art Kontrollfunktion zu: „WeChat circles have become especially important means for citizens to weigh in on controversial legal cases, the regime’s handling of foreign policy, misbehavior by officials, and many other social and political questions“. Eine solche politische Frage ist die von Zhang (2016) behandelte zur Rolle von WeChat innerhalb kultureller Darstellungen von Nordkorea. Zhang (2016: 202, 208, 221) betont die WeChat von der chinesischen Regierung zuerkannte wichtige Rolle als Verbreitungsmedium politisch relevanter Informationen.

4.2. Forschungsstand zur Messengerkommunikation und WeChat

Bei den hier referierten Beiträgen gehe ich zeitlich bis kurz vor die Einführung von WeChat zurück und nehme nur solche Texte mit auf, die heute noch eine einschlägige Relevanz aufweisen. Die umfassendste einschlägige medienlinguistische Bibliographie bietet Marx (2019). Es sei vorab erwähnt, dass sich in den potenziell WeChat-affinen Kapiteln bei Marx aber kein einziger Eintrag zu der chinesischen Applikation findet. Mit diesen Kapiteln meine ich folgende: 5.4. Chat und Instant Messaging (Marx 2019: 62-66, Einträge 425-468), 5.5. SMS und Messenger (Marx 2019: 66-70, Einträge 469-519) sowie teils 5.6. Social Media: Facebook & Co. (Marx 2019: 70-77, Einträge 520-599).

Der erste in unserem Kontext zu nennende Artikel ist Beißwenger (2008), der auf die Eigenheiten von Chat-Kommunikation im Gegensatz zu face-to-face-Kommunikation verweist und somit unsere spezifische Rezeption von (auch WeChat-)Chat-Kommunikation anmahnt. Dresner/Herring (2010) arbeiten zur non-verbalen Dimension der CMC (Computer-Mediated Communication), zu der die für uns relevanten Emojis zu zählen sind (vgl. v. a. Dürscheid/Siever 2017, Beißwenger/Pappert 2019a,b, 2020). In vielen Teilen der Welt ist WhatsApp die meistgenutzte Messaging-Applikation: In Ablösung von der SMS liegen gleich mehrere vergleichende Studien vor, v. a. Dürscheid/Frick (2014), König (2015) sowie Wyss/Hug (2016). Interessant ist hierbei, dass es keine direkten analogen Vergleiche zwischen SMS- und WeChat-Kommunikation gibt. Kontrastive deutsch-chinesische Studien zu SMS-Kommunikation liegen mit Günthner/Kriese (2012) und Günthner/Zhu (2015) vor. Wu/Trautsch (2016) arbeiten kontrastiv deutsch-chinesisch zur Kommunikation mittels Emoticons, während Szurawitzki (2016) am Beispiel typisch finnischer Emojis Überlegungen zur Kulturspezifik von Emojis vorlegt. Pappert (2017) untersucht den Emoji-Gebrauch innerhalb von WhatsApp-Kommunikation. Ge/Herring (2018) fokussieren auf Emojis, wie sie bei der Kommunikation mit Sina Weibo (chin. 新浪微博, Pinyin Xīnlàng Wēibó) gebraucht werden.

Fischer (2014: 492) stellt eine Ähnlichkeit von WeChat zu Whatsapp fest. Liu (2018) hat die erste deutschsprachige Monographie zu WeChat vorgelegt, allerdings nicht mit linguistischem Blick, sondern er konzentriert sich auf WeChat als Tool für das Social Media Marketing. Vgl. auch Zhu (2018: 33), der schreibt: „WeChat is unlocking the potential of its official account platform in marketing and e-commerce“; zu WeChat im Werbekontext vgl. außerdem Yao/Wu (2016). Che/Ip (2018: 1) stellen fest, WeChat sei „mainly for close friends and private contacts“; dies sieht Creemers (2016: 103) mit Blick auf kontroverse Kommunikation als praktisch an: „Wary of the openness of the microblog medium, many users have migrated to WeChat, which is primarily designed to facilitate communication among small private groups“. Auch Svensson (2016: 70) beschreibt WeChat als „more private networking site“. Ob WeChat nur einen solchen eingeschränkten Horizont umfasst, darf bezweifelt werden. Andererseits sei die Fokussierung auf die eigenen Kontakte in der Applikation im Werbekontext ein Problem, da Werbung im Internet meist nicht für die Präsentation auf WeChat designt sei (Yao/Wu 2016: 401). Dem steht (s.o.) im Zuge des Erfolges der Applikation entgegen, dass gerade die chinesischen staatlichen Behörden WeChat zur Interaktion mit den BürgerInnen nutzen. Che/Ip (2018: 35-41) skizzieren den Aufstieg von WeChat zur führenden Messaging-App in China. Dies geschieht schrittweise anhand der für unsere Zwecke weniger zentralen Versionsupdates (Che/Ip 2018: 39, z. B. Tab. 1.9). Relevanter ist der einige Seiten weiter gebotene funktionale Vergleich zwischen WhatsApp und WeChat (für einen Vergleich von WeChat mit QQ vgl. Kuang 2018 [2014]: 195-199):

WhatsApp’s simplistic design remains focused on core IM functions whilst WeChat, despite possessing similar features during its initial release, has evolved into an expanded ecosphere for a vast range of services such as finding locals, WeChat Pay and taxi ordering. IM apps that are similar to WhatsApp in terms of simplicity and comparable functionalities have since been eliminated in the Chinese market due to the lack of expansion and innovative features. Thus, WhatsApp’s poor performance in China is due in large part to its inability to provide distinct and improved elements relative to its competitors in the region. (Che/Ip 2018: 41)

Die letzte zitierte Passage ist mittlerweile überholt, da WhatsApp seit ca. September 2017 in China blockiert ist und nur unter Verwendung eines VPN-Programms benutzt werden kann. Che/Ip (2018: 41) stellen fest, dass der chinesische Social Networking-Markt zwischen drei großen Plattformen aufgeteilt ist; dies seien neben WeChat noch QQ (vgl. zur Abgrenzung von QQ und WeChat Che/Ip 2018: 79-85) und Weibo (funktional ähnlich zu Twitter; Che/Ip 2018: 85-87 in der Abgrenzung zu WeChat). Seit 2016, so zeigt es Tab. 1.10 in Che/Ip (2018: 42), nimmt WeChat die führende Position ein.

Erste linguistische Perspektiven auf WeChat eröffnen Günthner (2018), Sandel et al. (2019) und Szurawitzki (2019a, b) sowie Gus (Gu i.V.) Dissertationsprojekt. Szurawitzki (2018) hat die Entwicklung hin zu immer mehr Digitalisierung in Bürokratie und organisationaler Schriftlichkeit im Fokus, wenn er schreibt: „[I]n China […] werden die Grenzen der digitalen Durchdringung des Alltags in privater wie öffentlicher, meist mobiler, Kommunikation ständig verschoben (v. a. über das multifunktionale soziale Netzwerk WeChat)“ (Szurawitzki 2018: 139-140). Insgesamt liegen daher zu WeChat noch sehr wenige schwerpunktmäßig linguistisch orientierte Veröffentlichungen vor, wenngleich m.E. aus der Einführung zu diesem Artikel sowie Zusammenschau der Forschung deutlich wird, dass es sich hierbei um eine relevante Applikation handelt, die in der Zukunft potenziell mehr Aufmerksamkeit von KollegInnen bekommen wird. Dies untermauert den hier gewählten Zugriff.

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