Kitabı oku: «Die chinesische Messaging-App WeChat als virtuelle Sprachinsel», sayfa 8
5. WeChat als Kommunikationstool1
Die in der Einführung getroffene Aussage zu WeChat als integralem Teil des täglichen Lebens in China ist bemerkenswert, da WeChat erst 2011 von der Firma Tencent in China auf den Markt gebracht wurde (Zhou/Hentschel/Kumar 2017: 3). Im März 2016 hatte der Dienst bereits 762 Millionen mindestens einmal pro Monat aktive UserInnen (Zhou/Hentschel/Kumar 2017: 3), Ankenbrand (2018) nennt knapp eine Milliarde UserInnen. Zunächst war WeChat als eher ,einfacher‘ Messengerdienst konzipiert worden, über den Text- sowie Sprachmitteilungen versendet werden konnten und der Konkurrenzprodukten wie Feixin oder QQ Mobile stark ähnelte (Zhou/Hentschel/Kumar 2017: 3). WeChat wurde jedoch über eine Vielzahl von Features (vgl. unten) stetig erweitert und als Art „all-in-one mobile application“ (Zhou/Hentschel/Kumar 2017: 3), die einen Großteil der mobil nutzbaren und gebrauchten populären Dienste unmittelbar oder mittelbar innerhalb einer einzigen Applikation anbietet, schnell für eine große Masse von UserInnen nicht nur populär, sondern de facto unverzichtbar. „WeChat is more conducive to information diffusion than former social media because of its unique functions and information flow mechanism, it combines mobile phone, social media and Internet in one platform“ (Yao/Wu 2016: 388; vgl. auch Wu/Jakubowicz/Cao 2013). Diese Kombination müsse genauer erforscht werden: „Its combination deserves deeper consideration and study.“ (Yao/Wu 2016: 389) Dieser Aufforderung trägt die vorliegende Studie Rechnung.
Zand (2016) schreibt: „Die Universal-App WeChat hat den Alltag von 800 Millionen Menschen revolutioniert.“ Wurzel (2017) kommt zu einer ähnlichen Einschätzung: „Die Allzweck-App des Konzerns Tencent hat sich zu einem De-Facto-Betriebssystem fürs iPhone entwickelt“.
Was kann WeChat konkret? Bei Zhou/Hentschel/Kumar (2017) findet sich eine nur eher kurze funktionale Beschreibung, ebenso in Che/Ip (2018: 47-49), weshalb in der Folge hier eine ausführlichere Darstellung erfolgt. Dies dient auch dazu, um aufzuzeigen, welch umfassenden Anspruch WeChat mittlerweile verfolgt und innehat. Meiner Darstellung wird allerdings eine praktische Übersicht der 2016 in WeChat enthaltenen Funktionen aus Che/Ip (2018) vorangestellt:
Abb. 1:
Funktionen von WeChat (Che/Ip 2018: 50, Abb. 2.2.)
Schaut man auf das allgemeine Interface, das man beim Öffnen der App sieht, so kann man nicht unmittelbar erkennen, dass sich vielfältige Möglichkeiten zur Interaktion bieten2:
Abb. 2:
Das allgemeine Interface von WeChat
Am unteren Bildrand der Abbildung 23 sind vier Hauptbedienelemente zu sehen. Die hier hauptsächlich interessante kommunikative Interaktion wird über den Bereich ,Chats‘ ganz links abgewickelt (ausführliche Betrachtungen unten). Der Bereich ,Kontakte‘ dient zur Verwaltung individueller Kontakte, die man suchen oder mit denen man sich über individuelle QR-Codes (vgl. Che/Ip 2018: 53-54) verbinden kann (Negro 2017: 193-194 nennt noch die bemerkenswerte Möglichkeit zur Verknüpfung mit einem Facebook-Account, trotz der Tatsache, dass Facebook in China geblockt ist), sowie von Abonnements eigens für WeChat eingerichteter Newsfeeds, d.h. offiziellen Accounts (vgl. nachstehende Abbildungen; Che/Ip 2018: 64-65 unterscheiden drei Typen offizieller Accounts, den subscription account zum Abonnieren von Informationen, den service account für Dienstleistungen und den enterprise account zur intraorganisationalen Kommunikation, der praktisch ein Firmen-Intranet ersetzen kann), zur Einrichtung von Gruppenchats und zur Markierung von Kontakten über sog. thematische ,Tags‘, über die sich die markierten Kontakte suchen und verwalten lassen. Diese sind aber nur entfernt ähnlich zu den v. a. von Twitter bekannten Hashtags, denn sie dienen nicht zur Markierung nach außen, sondern zur Bildung von Personengruppen, denen man bestimmte Posts schicken möchte, um nicht immer von Hand auswählen zu müssen.
Abb. 3:
Bereich ,Kontakte‘ – Startseite
Abb. 4:
Offizielle Konten (Newsfeeds)
Der dritte Hauptbereich nennt sich ,Entdecken‘ und weist funktional folgende Elemente auf (vgl. Abb. 5): Neben dem hier zu findenden bereits erwähnten QR-Code-Interface, das zum Hinzufügen von Kontakten genutzt wird, kann über die Funktion ,Schütteln‘ nach Personen gesucht werden, die zeitgleich das Smartphone schütteln und so ihre Bereitschaft zur Interaktion signalisieren (vgl. Che/Ip 2018: 55). Ebenso können über diesen Bereich Musik- sowie TV-Inhalte abgerufen werden. Personen in der Nähe (unter Angabe der ungefähren geographischen Entfernung) werden ebenso sichtbar gemacht (wenn sie ihre Zustimmung dazu gegeben haben). Auf den Bereich der aufrufbaren Spiele gehen wir hier aus Relevanzgründen nicht ein (hierzu vgl. etwa Che/Ip 2018: 105 bzw. 107-108).
Abb. 5:
,Entdecken‘
Den wichtigsten Teil machen hier die sog. ,Momente‘ aus (vgl. Che/Ip 2018: 56-58), die im Prinzip den Statusupdates gleichen, so wie sie in der westlichen Welt von Facebook her bekannt sind:
Abb. 6:
,Momente‘
In der Abbildung 6 ist – analog wie bei Facebook – die Strukturierung des oberen Teils der Seite mit Profil- und Titelbild erkennbar, bevor man die letzten Beiträge der eigenen Kontakte darunter sieht. Man kann im ,Momente‘-Bereich nur mit den eigenen Kontakten interagieren: „User privacy is an extremely important component in WeChat. All users must have mutual friend status in order for them to see each other’s contributions.“ (Che/Ip 2018: 45) Hierbei ist anzumerken, dass im Unterschied zu Facebook keine ausschließlich textbasierten Postings möglich scheinen, sondern es so aussieht, dass vom Interface her immer eine multimodale Mitteilung kommuniziert werden muss. Hierbei können Fotos, kurze Videos und/oder Links eingebunden und der Standort genannt werden. Es existiert jedoch eine gut verborgene Funktion, nur textbasierte Mitteilungen zu posten: Dazu muss das Kamerasymbol rechts oben länger angeklickt werden, und ein Fenster ,Text‘ öffnet sich. Offensichtlich kennen viele UserInnen diese Funktion aber nicht, da insgesamt kaum reine Textmitteilungen in WeChat gepostet werden (dies leitet sich aus unserem ethnographischen Wissen um Postings in WeChat ab; eine gesonderte quantitative Erhebung wurde hierzu nicht durchgeführt4).
Diese Beiträge können über den Bereich ,Mich‘ (vgl. etwa Abb. 4 rechts unten) hinzugefügt werden, wenn man die Funktion ,Meine Beiträge‘ wählt (vgl. die nachfolgende Abbildung 7):
Abb. 7:
,Mich‘
Auf die Benutzung dieser Funktion gehen wir unten ein. Es wurde mehrfach erwähnt, dass WeChat eine App sei, die praktisch ,alles in einem‘ könne. Dies ist, nimmt man den im folgenden Abschnitt behandelten Bereich der Chat-Kommunikation aus, v. a. mit dem in Abb. 7 zu sehenden Link ,Brieftasche‘ verknüpft (WeChat Wallet; vgl. Chen/Mao/Qiu 2018: 66-68), unter dem sich zahlreiche ,Apps in der App’ finden. Diese können zu verschiedensten Zwecken genutzt werden (nicht auf alle kann hier aus Umfangsgründen eingegangen werden): Neben Funktionen wie dem Aufladen des eigenen Prepaidhandys bietet WeChat weitreichende Bezahlfunktionen. So kann man virtuell Guthaben akkumulieren oder auf den eigenen Account laden, um an der Ladenkasse mittels eines QR-Codes5 zu bezahlen. Weiter sind Verknüpfungen zu Sub-Apps, sog. Miniprogrammen, enthalten (Ankenbrand 2018 nennt die Zahl von 580.000 solcher Programme), um z. B. Strom-, Wasser- usw. -rechnungen zu begleichen.
Abb. 8:
Mikro-Apps
Dies sind Dienste, die das mobile Onlinebanking oder das aufgrund der ausgeprägten Bürokratie sehr zeitaufwändige Bezahlen in einer Bankfiliale praktisch ersetzen und daher sehr populär sind. Taxis können mittels einer Version der populären App Didi Chuxing (chin. 滴滴出行, Pinyin Dīdī Chūxíng; Uber ist derzeit in China nicht benutzbar) bestellt werden, ebenso können z. B. Mietfahrräder der Firma Mobike angemietet werden. Zug- und Flugtickets können direkt aus der App gebucht, Kinokarten können erworben werden etc. Es existiert ein Link zu einer Plattform der App Dazhong Dianping (chin. 大众点评, Pinyin Dàzhōng Diǎn Píng), über die neben zahlreichen Informationen und Buchungen zu Unterhaltungsangeboten auch online Essen bestellt werden kann. Innerhalb dieser App sind auch Kundenbewertungen möglich und andere Userkommentare zugänglich. Wie aus diesen kurzen Ausführungen ersichtlich wird, sind über WeChat, fokussiert man vorerst auf China, praktisch alle Bereiche des Lebens virtuell zugänglich.
Im Folgenden betrachten wir die Möglichkeiten der Nutzung der in WeChat enthaltenen Chat-Funktionen. Es wird die eigentliche Chat-Oberfläche innerhalb von WeChat vorgestellt. Hierzu werden wie oben auch Screenshots benutzt, da davon ausgegangen werden kann, dass nicht jede RezipientIn der vorliegenden Studie mit der App vertraut ist.
Begibt man sich in den Chat-Bereich von WeChat, so sieht die Oberfläche zur Eingabe wie folgt aus:
Abb. 9:
Chat-Oberfläche in WeChat
Wie aus Abb. 9 hervorgeht, unterscheidet sich die Oberfläche zur Eingabe von Text nicht sehr von anderen Messengerdiensten, etwa WhatsApp, auch Gruppenchats (vgl. Che/Ip 2018: 62) sind ebenso möglich. Die Eingabe von Emojis/Stickern6, die in China vergleichbar populär sind wie Handyklingeltöne in Europa zu Beginn der 2000er Jahre7, erfolgt über eine eigene Schaltfläche rechts neben dem Textfeld. Die verfügbaren Emojis/Aufkleber sind bei Zhou/Hentschel/Kumar (2017: 3, Abb.1 und 2) zum Teil dokumentiert. Es gibt technisch die Möglichkeit, die ständig wachsende im Internet genutzte Palette von Emojis zu erweitern, teils auch über In-App-Käufe. Eine genaue Kartierung der verfügbaren/potenziell nutzbaren Emojis würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen, deswegen sehen wir davon ab (vgl. Gu i.V. für genauere Einschätzungen). Sprachmitteilungen (vgl. Che/Ip 2018: 60-61) können, wie ebenfalls aus Abb. 9 ersehen werden kann, ebenso wie in WhatsApp (vgl. hierzu König/Hector 2017) versendet werden.
Die nachfolgende Abbildung zeigt eine erweiterte Palette von Funktionen, die unten diskutiert werden und teils noch nicht aus anderen Messengersystemen bekannt sind:
Abb. 10:
Erweiterte Chatfunktionen in WeChat
Am unteren Bildrand sind die in den Chat einzubindenden Elemente sichtbar (aufgezählt von links oben nach rechts unten): Zunächst ist die Funktion ,Bilder‘ zu erkennen, mit der bereits im Fotospeicher des Smartphones abgespeicherte Fotos als Mitteilungen versendet werden können (diese Bilder können vor dem Versenden mit einer eigenen separaten Beschriftung versehen werden). Ein direkter Zugriff auf die eingebaute Kamera ist mittels ,Kamera‘ möglich. Die Videoanruffunktion ist aus WhatsApp ebenfalls schon bekannt. Eine Sprachanruffunktion gibt es auch; diese ist im Vergleich etwas umständlicher über die Kontakte aufzurufen (hier nicht gesondert gezeigt), aber insgesamt populär, da sonst kostenpflichtige Telefonanrufe ersetzt werden (vgl. auch die empirischen Resultate in Kapitel 7.). Über das häufig vorhandene frei zugängliche WLAN an öffentlichen Orten in China können problemlos solche Anrufe getätigt werden.
Seinen Standort kann man als eigene Mitteilung posten, ebenso wie (über der Emoji-Schaltfläche als Piktogramm sichtbar) eine kurze Zeit vorher aufgenommene Screenshots aus dem Smartphone, wenn man unmittelbar nach Aufnahme des Screenshots in den Chatbereich von WeChat wechselt (diese Funktion ist oft praktisch, wenn im Alltag z. B. Ausschnitte von Landkarten, Navigationen etc. aus anderen Apps dringend verschickt werden müssen).
Mit ,Red Packet‘ ist hier ein digitales Geldgeschenk gemeint, das man einer Einzelperson mit einer definierten Geldsumme zwischen CNY 0.01-200 zusenden kann. Solche ,Red Packets‘ können auch mit kleineren zufällig generierten Summen innerhalb von Gruppenchats versendet werden (vgl. zu den Red Packets Park 2016, Ji 2017, Chen/Mao/Qiu 2018: 63-65 sowie Gatti/Richter 2019: 25-27). Der Name leitet sich von dem chinesischen Ausdruck hóngbāo (红包) ab, der wörtlich ,roter Umschlag‘ bedeutet und v. a. in der ,realen Welt‘, nicht bloß virtuell, verschenkt wird. Diese Art des Geld-Schenkens ist in China überaus populär, z. B. zum Frühlingsfest, dem wichtigsten Fest im Jahr, das vom Stellenwert etwa dem christlichen Weihnachtsfest entspricht.
Neben hóngbāo sind auch Direktüberweisungen möglich, die an andere WeChat-Mitglieder getätigt werden können. Diese Geldtransfers kommen i.d.R. innerhalb von Sekunden an und werden entweder über ein virtuelles Konto, das bereits in der App enthalten ist, oder über die mit dem WeChat-Konto verlinkte Bankkarte der UserIn abgewickelt. Falls man nicht direkt über WeChat mit der ZahlungsempfängerIn verbunden ist, so gelingt sehr schnell eine Verbindung über die in China omnipräsenten QR-Codes (so funktioniert auch das Bezahlen im Laden; man scannt einen QR-Code ab, tippt die Summe, wenn sie nicht schon voreingestellt ist, in das Smartphone ein, bestätigt, und die Zahlung ist meist in unter fünf Sekunden getätigt). Bei dem in China bekannt sehr bürokratiebasierten Bankwesen, in dem am Schalter getätigte Überweisungen bisweilen 30 Minuten pro Überweisung (!) dauern können [persönliche Erfahrung; MSZ], hat speziell dieses Feature für Furore gesorgt, nicht nur bei Expatriates, die nicht auf Chinesisch in der Bank zu interagieren vermögen. Kontaktkarten (eigene und fremde) wie gelikte Favoritenlinks können ebenso als eigenständige Mitteilungen im Chat versendet werden.
Eine weitere Besonderheit ist, dass UserInnen von WeChat nur einen einzigen Account verwenden können, der explizit an eine Mobilfunknummer angebunden ist. Will man mehrere Accounts steuern, muss dies entsprechend über mehrere Nummern geschehen. Hierzu muss ergänzt werden, dass man sich in China beim Kauf einer SIM-Karte registrieren lassen muss:
[…] WeChat is the only notable platform that does not permit the use of multiple accounts. Each WeChat account must bind to a unique mobile number, and […] one consequence of this is that WeChat is becoming a direct substitute for mobile phone services as well as negating the need for an explicit real-name user policy. This validity of this process [sic] is made possible since the majority of Chinese mobile SIM cards can only be purchased with proof of a Chinese citizen ID card. Thus, each WeChat user is, by default, already in possession of each user’s identity. (Che/Ip 2018: 120-121)
Nachdem bis hierhin die hauptsächlichen Funktionen von WeChat erläutert worden sind, blicken wir im folgenden Kapitel auf die für die vorliegende Studie gewählte methodische Herangehensweise.
6. Methode: Online-Umfrage
Bei der Wahl der Methode gab es zunächst zwei Alternativen, nämlich eine klassische Umfrage mittels vorzubereitender physischer Fragebögen vs. eine Online-Umfrage. Letztlich wurde die Online-Umfrage gewählt, aber die traditionelle Alternative mit Fragebögen schien lange durchführbar. Diese hätte den Vorteil gehabt, dass man im Rahmen der Umfrage offline hätte agieren können, um nicht eventuell eine Kontrolle/Überwachung durch chinesische Behörden auf den Plan zu rufen. Es hatten sich in der Anbahnungsphase der Umfrage bereits einige HelferInnen bereit erklärt, die Fragebögen am Rande geeigneter deutschsprachiger Expatriate-Veranstaltungen (Gottesdienste, Treffen der Handelskammer etc.) zu verteilen und ausgefüllt wieder einzusammeln. Allerdings stellte sich früh in der Anbahnung die Frage, ob viele Expatriates ohne gesonderte Bewerbung die Umfrage ausgefüllt und somit einen geeignet großen Rücklauf generiert hätten. Diese Skepsis ließ mich von der Papiervariante Abstand nehmen. Im Rahmen des Pretests einer Papierversion (vgl. 6.2. unten) hatte zudem ein Tester große Zweifel an der Umsetzbarkeit geäußert, da die Beantwortung eines Fragebogens von mehreren Seiten Länge InformantInnen potenziell abschrecke.
6.1. Vorbereitung und Umfragedesign
Vorbereitung
Zunächst waren die Fragebögen, zu deren Inhalt ich im vorliegenden Abschnitt komme, für eine Umfrage auf Papier konzipiert und inhaltlich ausgearbeitet worden (Spätsommer 2018). Aus den oben angeführten Gründen musste nun die Überlegung in Richtung eines Online-Fragebogens gehen. Die nächste Überarbeitung erfolgte somit in eine PDF-Version mit anklick- und ausfüllbaren aktiven Elementen (Herbst 2018). Zu dieser gab es mehrere kritische Stimmen, die v. a. die tatsächliche Verwendbarkeit in Frage stellten: Würde man wirklich ein viele Seiten langes PDF-Dokument am (Smartphone-)Bildschirm ausfüllen? Bei den diskutierten Vorbehalten gegen Papier- und PDF-Versionen ging der Fokus somit in Richtung einer Online-Umfrage, die mit möglichst wenig finanziellem Mehraufwand realisiert werden sollte. Bei Recherchen innerhalb meiner Organisation, der Universität Duisburg-Essen, stieß ich auf die Software SoSciSurvey, die primär für Umfrageprojekte in den Sozialwissenschaften konzipiert ist, in meinem weiteren Umfeld bereits für verschiedene Projekte verwendet worden und somit einigen potenziellen InformantInnen bekannt war (www.soscisurvey.de)1. Bei der näheren Prüfung der Software stellte sich die web-basierte Schnittstelle sowohl als professionell genug wie auch relativ leicht bedienbar heraus. Darüber hinaus wurde eine Überprüfung meines Umfragethemas durchgeführt, auch mit Blick auf die spätere Verwendung der Daten und die Publikation der Ergebnisse. Hierbei stellte sich heraus, dass ich die Software ohne Mehrkosten würde verwenden dürfen, zumal die Universität Duisburg-Essen Lizenznehmer von SoSciSurvey ist. Damit war gesichert, dass somit die anbahnenden Vorbereitungen für das Umfrageprojekt zur Nutzung von WeChat durch deutschsprachige Expatriates in China abgeschlossen waren und die finale Umsetzung und Einrichtung der online zu stellenden Umfrage beginnen konnte. Diese wird nachfolgend erläutert.
Umfragedesign
Die Umfrage hat folgende Gliederung (vgl. auch die Screenshots in Anhang 1):
1 Metadaten
2 Kontakt mit WeChat und anderen Messengern
3 Häufigkeit der WeChat-Nutzung
4 Nutzung der Features von WeChat
5 Genutzte Sprachen und Sprachmischung
6 Sprachrichtigkeit
7 Deutsch und Chinesisch im Austausch mit der jeweils anderen Kultur
8 Übersetzungsfunktion
9 Internetsprache
10 Mündlichkeit und Schriftlichkeit
11 Kommentare zur Nutzung von WeChat
Die verschiedenen abgefragten Daten werden nun näher vorgestellt. Hierbei wird die Reihenfolge aus der Gliederung beibehalten.
Metadaten
Es werden von den InformantInnen Metadaten erhoben. Hierbei wird das Geschlecht (weiblich/männlich) erfragt, danach das Alter (jünger als 15 Jahre, 15-19, 20-24, 25-29, 30-34, 35-39, 40-44, 45-49, 50-54, 55-59, 60-64 Jahre, 65 Jahre oder älter). Die Alterskategorien sind von der Software vorgegeben. Die dritte Frage betrifft Sprachkenntnisse und lautet: „Sprechen Sie noch andere Sprachen auf Muttersprachenniveau außer Deutsch“? Die vorgegebenen Alternativen zur Beantwortung lauten „Nein“, „Chinesisch“ sowie (ausfüllbar über Texteingabe) „Andere. Welche?“
Daran anschließend wird abgefragt, seit wann die InformantInnen in China waren/leben, und zwar anhand der Alternativen „vor 2015“, „2015“, „2016“, „2017“, „2018“ sowie „2019“. Die darauf folgende Frage betrifft den Wirkungsort der InformatInnen und bietet die folgenden Antwortoptionen: „Beijing“, „Shanghai“, „Hongkong“ sowie „Anderer Ort. Welcher?“ (ausfüllbar über Texteingabe). Die letzte Frage innerhalb der Erhebung der Metadaten dreht sich um den beruflichen Status der InformantInnen im Reich der Mitte: „Wie war/ist Ihr beruflicher Status in China?“ Hierbei konnte zwischen den folgenden Möglichkeiten ausgewählt werden: „Angestellter“, „Selbstständig“, „SchülerIn der Deutschen Schulen“, „StudentIn“, „Begleitperson“ sowie „Sonstiger Status“.
Alle Fragen zur Erhebung der Metadaten haben gemein, dass jeweils nur eine Antwortalternative ausgewählt werden kann. Auch in die Textfelder (wo vorhanden) sollte idealerweise genau eine Antwortoption eingetragen werden.
Kontakt mit WeChat und anderen Messengern
Nach den Metadaten wird in der Umfrage auf WeChat und andere verwendete Messagingsysteme eingegangen. Zuerst steht die mit „ja“ oder „nein“ zu beantwortende Frage: „Kannten Sie WeChat, bevor Sie nach China kamen?“ Darauf wird abgefragt, wie die InformantInnen auf WeChat aufmerksam wurden (hierbei sind Mehrfachnennungen erlaubt). Die gebotenen Antwortoptionen lauten „Internet“, „Presse/Radio/TV“, „Freunde/Bekannte“, „KollegInnen“ sowie „Andere Quelle. Welche?“ (ausfüllbar über Texteingabe). Es folgt die Frage, ob noch andere Messaging-Dienste genutzt werden (mit „ja“ oder „nein“ zu beantworten); die hier möglichen Antwortoptionen nach Beantwortung der vorhergehenden Frage mit „ja“ (ansonsten gelangt man über einen Klick zum nächsten Bereich; vgl. unten) lauten „WhatsApp“, „Facebook Messenger“, „Telegram“, „Viber“, sowie „Anderer Messenger. Welcher?“ (ausfüllbar über Texteingabe). Auch hierbei sind Mehrfachnennungen erlaubt.
Häufigkeit der WeChat-Nutzung
Im hier behandelten Bereich wird die Häufigkeit der WeChat-Nutzung der InformantInnen mittels Selbsteinschätzung abgefragt. Es wird nach drei Nutzungsbereichen separat gefragt, und zwar sind dies „allgemein“, „beruflich“ sowie „privat“. Hierbei können die InformantInnen jeweils zwischen fünf Antwortoptionen wählen (genau eine muss ausgewählt werden): „nie“, „selten“, „gelegentlich“, „häufig“ und „sehr häufig“.
Nutzung der Features von WeChat
Der nächste Bereich ist der umfangreichste der gesamten Umfrage. Es geht hierbei um die Nutzung der unterschiedlichen Features, die WeChat bereitstellt. Wie im vorhergehenden Bereich können die InformantInnen jeweils zwischen fünf Antwortoptionen wählen (genau eine muss ausgewählt werden): „nie“, „selten“, „gelegentlich“, „häufig“ und „sehr häufig“. Die abgefragte Nutzung der Features hat folgende Reihenfolge:
Chats
Gruppenchats
Momente (verfassen)
Momente (lesen)
Momente (liken/kommentieren)
Sprachnachrichten
Fotos machen
Selfies machen
Fotos senden
Selfies senden
Videos machen
Videos senden
Telefonieren
Videotelefonie
Standort
Echtzeit-Standort
Rote Pakete senden (Hongbao)
Rote Pakete empfangen (Hongbao)
Geld überweisen
Überweisungen erhalten
Bezahlfunktion (WeChat Pay)
Kontaktkarten senden/empfangen
Personensuche
Genutzte Sprachen und Sprachmischung
Nach den Angaben zur Nutzung der verschiedenen Features von WeChat folgen Fragen zu den in den (Gruppen-)Chats verwendeten Sprachen. Die erste Frage lautet: „Welche Sprache nutzen Sie hauptsächlich im (Gruppen-)Chat?“ Die vordefinierten Antwortmöglichkeiten lauten „Deutsch“, „Chinesisch (Mandarin)“ (hiermit ist die Standardvarietät gemeint, abgesetzt von verschiedenen Regiolekten wie etwa dem Shanghaier Dialekt Shanghaihua), „Englisch“, sowie „Andere (Welche?)“ (ausfüllbar über Texteingabe).
Danach wird nach möglicher Sprachmischung gefragt: „Mischen Sie Sprachen innerhalb eines (Gruppen-)Chats?“ Als Hilfestellung zur Antwort steht dazu folgender Erläuterungstext: „Falls Sie ,ja‘ antworten, so klicken Sie bitte dazu die jeweiligen Sprachen an bzw. ergänzen Sie. Mehrfachantworten sind möglich. Sonst genügt ,nein‘.“ Neben den entsprechenden „ja“- und „nein“-Optionen finden sich die im vorhergehenden Absatz angegebenen Antwortmöglichkeiten.
Mit demselben Antwortrahmen wie für eine Sprachmischung in Gruppenchats operiert die dann folgende Frage: „Mischen Sie Sprachen innerhalb derselben Nachricht?“ Neben „ja“ und „nein“ stehen „Deutsch“, „Chinesisch (Mandarin)“, „Englisch“, sowie „Andere (Welche?)“ (ausfüllbar über Texteingabe) als Optionen zur Wahl.
Hiernach wird nach der bevorzugten Sprache, in der Sprachnachrichten in WeChat aufgenommen werden, gefragt. Analog können die InformantInnen zwischen „Deutsch“, „Chinesisch (Mandarin)“, „Englisch“, sowie „Andere (Welche?)“ (ausfüllbar über Texteingabe) wählen.
Sprachrichtigkeit
Im Bereich Sprachrichtigkeit werden die InformantInnen um Selbsteinschätzungen gebeten, wie häufig sie in der Kommunikation mit anderen UserInnen von WeChat auf die Sprachrichtigkeit ihrer Nachrichten achten. Parallel zum Aufbau einiger bereits oben behandelter Fragen können sie jeweils zwischen fünf Antwortoptionen wählen (genau eine muss ausgewählt werden): „nie“, „selten“, „gelegentlich“, „häufig“ und „sehr häufig“. Die Sprachen, zu denen Auskunft erbeten wird, sind Deutsch, Chinesisch, Englisch und der Bereich der darüber hinausgehenden Sprachen (hier ohne nähere Spezifikation, da bereits in vorherigen Fragen behandelt).
Deutsch und Chinesisch im Austausch mit der jeweils anderen Kultur
Im nächsten Segment der Umfrage werden Fragen zur WeChat-Nutzung im interkulturellen Spannungsfeld Deutsch-Chinesisch gestellt. Zunächst wird danach gefragt, ob Deutsch in der Interaktion mit Chinesinnen und Chinesen genutzt wird; danach steht die umgekehrte Frage, nämlich ob Chinesisch in der Interaktion mit SprecherInnen des Deutschen benutzt wird. Im gewohnten Muster können sie jeweils zwischen fünf Antwortoptionen wählen (genau eine muss ausgewählt werden): „nie“, „selten“, „gelegentlich“, „häufig“ und „sehr häufig“.
Übersetzungsfunktion
Die folgende Frage dreht sich darum, ob die UserInnen die Übersetzungsfunktion von WeChat (von der Objektsprache des zu übersetzenden Beitrages in die Zielsprache, d.h. in die Systemsprache von WeChat, vgl. 5. oben) anwenden, um Beiträge (besser) zu verstehen; die vorgenannten Antwortmöglichkeiten „nie“, „selten“, „gelegentlich“, „häufig“ und „sehr häufig“ stehen auch hier zur Verfügung.
Internetsprache
Die folgenden drei Fragen zur Nutzung von WeChat bilden einen thematischen Komplex, denn sie fokussieren auf die Verwendung typischer Elemente von Internetsprache. Zunächst wird gefragt: „Benutzen Sie internet-typische Abkürzungen wie ,lol‘ (laughing out loud) o.Ä.?“ Dann stehen Fragen zur Verwendung von Emojis und Stickern. Die UserInnen können für jede Frage jeweils zwischen fünf Antwortoptionen wählen (genau eine muss ausgewählt werden): „nie“, „selten“, „gelegentlich“, „häufig“ und „sehr häufig“. Falls keine Emojis oder Sticker benutzt werden sollten, gibt es die Möglichkeit, diese Fragen zu überspringen und zum nächsten Teil der Befragung weiterzuklicken. Werden laut Angaben der UserInnen Emojis/Sticker benutzt, so sollen sie Angaben zu den Funktionen machen, die die Emojis bzw. Sticker haben. Aus den folgenden Antwortoptionen können jeweils mehrere ausgewählt werden: „Positive Kommentare“, „Negative Kommentare“, „Ausschmückung“, „Ironie“, sowie „Andere (Welche)?“ (ausfüllbar über Texteingabe). Die Forschungen von Beißwenger/Pappert (2019a, b, 2020) zum Handeln mit Emojis, u. a. mit einer funktionalen Klassifizierung (speziell Kap. 4.4.1. in 2019b), lagen zum Zeitpunkt der Erstellung der Umfrage noch nicht vor; sie wären sonst schon hier berücksichtigt worden. Die Kontextualisierung meiner Resultate zum Emojigebrauch in WeChat kann dann aber vor der Folie dieser Studien erfolgen.
Mündlichkeit und Schriftlichkeit
Im Bereich Mündlichkeit und Schriftlichkeit werden die NutzerInnen um eine Selbsteinschätzung gebeten, ob sie im Chat mehr an der Schriftlichkeit oder an der Mündlichkeit orientiert mittels WeChat kommunizieren. Die Einschätzung wird (genau eine Antwort möglich) auf einer fünfstufigen Skala gegeben, deren Enden mit „Wie ich spreche“ (,1‘) bzw. mit „Wie ich schreibe“ (,5‘) bezeichnet sind. Wie auf einem Zahlenstrahl sind noch drei Zwischenstufen, die nicht näher bezeichnet sind, auswählbar, eine jeweils näher an „Wie ich spreche“ (,2‘) bzw. „Wie ich schreibe“ (,4‘) platziert, eine genau in der Mitte zwischen den Polen (,3‘).
Kommentare zur Nutzung von WeChat
Die Umfrage schließt mit drei Möglichkeiten, auf Fragen zu WeChat mittels selbst formulierter Kommentare zu antworten. Diese Kommentare sind keine Pflicht und können somit potenziell ausgelassen werden. Antworten können auf folgende Frageoptionen gegeben werden: „Sind Ihnen bei der Nutzung von WeChat Probleme aufgefallen (z. B. Datenschutz)?“; „Welche weiteren Features für WeChat wünschen Sie sich?“, sowie „Gibt es sonstige Kommentare zu WeChat?“.
