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Kitabı oku: «Das Schweigen der Prärie», sayfa 5

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IX

Eines Abends kam der Per Hansen mit den Ochsen zum Hans Olsen und wollte dessen neuen Wagen geliehen haben; er wolle weg und Holzwerk zu Dachsparren holen.

Der Per Hansen hatte seine Pläne.

An einem Bach, zehn Meilen weiter südlich, hatten die andern kümmerliches Krummholz gefunden, gerade zum Notbehelf, mehr nicht. Und ihre Dächer taugten nicht viel; fraglich, ob sie bis zum Frühling hielten. Nein, er hatte Besseres vor. Die Frühlingsbestellung hatte er hinter sich; jetzt wollte er verschnaufen und die Prärien rundum ein wenig befahren. Wie er gehört hatte, war Sioux River nur fünfundzwanzig bis dreißig Meilen weit entfernt; da sollten guter Wald und schon seit mehreren Jahren ganze Siedlungen von Tröndern Bewohner des Amtes Trondhjem (Drontheim). sein; und da war gewiß so manches andere noch, was er sich jetzt anschauen wollte. —

Er erzählte dem Hans Olsen von seinen Absichten: »Das wollen wir aber für uns behalten; du weißt ja, wir müssen auf einen Ausweg sinnen, wie wir ausreichend Brennwerk für den Winter bekommen.« —

Er kam mit dem Wagen heim und sagte nur, daß er und der Große-Hans ins Holz fahren wollten. Der Ole habe währenddessen die Farm zu betreuen und gut auf Volk und Vieh zu achten.

Der Große-Hans geriet fast aus dem Häuschen vor Wonne; der Bruder aber hätte am liebsten laut losgeheult über diese unerhörte Ungerechtigkeit. Daß der Vater auch so unverständig war, den Kleinen mitzunehmen und den Erwachsenen untätig daheimzulassen! — Und das schlimmste war, daß der Ole alle Vorbereitungen zur Reise mitansehen mußte; das war ja eine Umständlichkeit, als bereiteten sie sich darauf vor, weiter nach Westen auszuwandern. Ein Kessel wurde mitgenommen, Mehl und Salz, Kaffee und Milch und andere Eßwaren eingepackt. Als er dann aber das Riflegewehr, die Lange Marie, aus der großen Lade herauskommen sah, da flennte er vor Wut. Und Äxte und Taue und Säcke kamen mit, — und dieses Dreckbüblein tat sich obendrein so wichtig, wollt‘ nicht mehr mit ihm reden, schwänzelte bloß um den Vater herum, tuschelte geheimnisvoll und war doch zu nichts nütze und überall im Weg. Die Fragen troffen ja förmlich von dem herab. Sollte dies mit und jenes und das dort? Als er aber auch mit einer langen Ankerkette angezogen kam und behauptete, die sei unentbehrlich, da lachte der Vater auf: »Nein, du Großer-Hans, du Großer-Hans; da wäre ich fast ohne Ankerkette abgesegelt, hättest du es nicht rechtzeitig gemerkt! Und was hätten wir im Forst ohne Ankerkette angefangen?«

Die Beret machte den Mundvorrat zurecht. Das ernste Antlitz war traurig. — Freilich mußte das Haus unter Dach kommen, das sah sie ein; wie hätten sie in einer Hütte ohne Dach wohnen sollen? Aber jetzt blieb er zwei Tage weg, zwei ganze Tage und eine Nacht! — Mit den Tagen ging es zur Not, aber die Nacht!

»Nun gehst du mit den Kindern morgen abend zur Sörrina hinüber,« riet der Per Hansen unbekümmert, »bleibst da den Abend und plauderst mit ihr; dann wird dir die Zeit nicht lang, Sollst du sehen, Beretmutter.«

Sie antwortete darauf weder ja noch nein. Sie wußte zu gut, sie werde es nicht tun. Sie dachte an den Abend, als er in Sioux Falls war und sie mit den Kindern von der Kuppe zu den Wagen kam: wie unheimlich war es damals um sie her gewesen. Die Wagen so grau im Schummerlicht! Und es war gewesen, als sammle sich alle Verlassenheit und lege einen Ring um sie. Sie hatte geradezu sehen können, wo der Ring lag, hatte sich Gewalt antun müssen, über ihn hinwegzusteigen.

Es wurde eine folgenreiche Fahrt sowohl für die, welche sie unternahmen, wie für die Daheimgebliebenen. Diese lebten in tödlicher Angst, weil die beiden gar nicht wiederkehrten. Der erste Tag verging und der nächste; und die Nacht dazwischen und die Nacht darauf; der dritte Tag kam heran, — es wurde Mittag, und noch immer waren sie nicht zu erblicken.

Die Beret war darauf vorbereitet, daß sie nicht so bald zurückkommen würden; der Per Hansen hatte sie geheißen, ihn nicht eher zu erwarten, als bis sie seiner ansichtig werde; gleichwohl begann sie den Himmelsrand nach ihnen abzusuchen, als kaum der Mittag des ersten Tages verstrichen war! Sie sagte sich selber, daß es töricht sei, konnte es aber nicht lassen. — An dem Abend legten sie und die Kinder sich frühzeitig schlafen.

Am nächsten Abend spähten sie alle drei von der Hügelkuppe aus über die östliche Ebene. Im Osten erhob sich der Abenddunst, er ging in schwarzblaues Dämmern über; das barg so vielerlei Seltsamkeit in sich, kroch ihr und den Kindern immer näher. Aber kein Wagen und keine Ochsen kamen daraus hervor. — — Der Ole fand es weit kurzweiliger, nach Steinen zu suchen, als in die Ferne zu starren!

Der Tag war fast hinabgesunken; da fühlte die Beret, sie müsse heute Menschensprache hören von andern als den beiden Kindern, und so ging sie trotz allem zum Hans Olsen.

War der Per Hansen immer noch nicht heimgekommen?

Nein, sie könne auch nicht begreifen, was aus ihm geworden sei; er hätte um diese Zeit schon zu Hause sein müssen, antwortete sie versonnen.

Nun ja, sie dürfe sich seinetwegen keine Sorgen machen, er habe diesmal einen weiten Weg und beabsichtige gewiß, zugleich nach Winterholz herumzuhören.

Nach Winterholz? — Daran hatte sie noch gar nicht gedacht! Aber freilich, falls sie hier den Winter über bleiben wollten, brauchten sie welches. Und verwundert bedachte sie, wieviel doch der Per Hansen zu überlegen und zu betreuen habe; aber sie fühlte doch auch eine gewisse Bitterkeit, weil er ihr nichts gesagt. — Winterholz? Ja freilich brauchten sie Holz zum Winter! —

Die Sörine merkte, daß die Nachbarin heute abend nur gerade noch die allerletzte Beherztheit aufzubringen vermochte. Gewiß war es trübselig für sie, drüben im Wagen allein zu liegen. Beim Aufbruch der Gäste erhob sich auch die Sörine, nahm die Tochter mit und begleitete die andern bis zum Wagen. Sie plauderten fröhlich auf dem ganzen Weg, — — und daher war für die Beret an diesem Abend auch kein Ring zu übersteigen! —

Erst am dritten Tag um die Mittagszeit kamen die zwei Mannsleut wieder heim, mit einer Fuhre so groß, daß die Ochsen sie kaum den Hügel hinaufziehen konnten. — Und es war die reine Märchenfuhre! Ein Dachfirst war da und Pfetten und Sparren. Zu unterst aber lagen sechs Bündel Bäumchen, die Kronen beschnitten und die Wurzelenden sorglich in Erde und Borke gehüllt. »Das hier, das soll ums Haus gepflanzt werden!« erläuterte der Große-Hans. »Und kannst du raten, Mutter, was es ist? Zwölf Pflaumenbäume, — die tragen große, große Pflaumen! Ein Mann hat uns davon erzählt.« Der Große-Hans verschluckte sich rein vor Eifer. Der Ole aber tat bei allem selbstverständlich; wozu waren die denn sonst gefahren!

Und noch weit merkwürdigere Dinge enthielt die Fuhre. Hinten offenbarte sich, als der Vater ablud, eine Höhle, ungefähr so, als wäre dort eine Stube eingebaut. Da drin lagen zwei Säcke, — zwei Säcke voll von seltenen Dingen; in dem einen waren Fische; in dem anderen lag ein ganzes geschlachtetes und gehäutetes Kalb, — wenigstens hielt der Ole es dafür und wollte wissen, wo sie denn das aufgetrieben hätten?

»Kalb!« rief der Große-Hans. »Hö! Glaubst du etwa, das hier sei Kalb?«

Aber da zwinkerte der Per Hansen dem Reisekameraden zu: es sei vielleicht ratsam, jetzt nicht mehr zu sagen — nicht gerad jetzt!

Und da stand nun der Große-Hans zum Platzen voll von den seltsamsten Geheimnissen.

Die Beret nahm all die Herrlichkeiten still und staunend entgegen; sie war so herzensfroh, daß sie wieder alle um sich hatte, daß sie laut hätte weinen mögen; sie streichelte die Ochsen und flüsterte ihnen zu, sie seien tüchtige Kerle, daß sie eine so große Fuhre hätten heimziehen können.

»Well,« sagte der Per Hansen, als er endlich abgeladen hatte, »ich und der Große-Hans beabsichtigten sozusagen zu Mittag frische Fische zu schmausen, auf rechte Nordlandsweise gekocht, mit Suppe und allem Zubehör, — und wir haben fast uns und die Ochsen zuschanden gefahren, um rechtzeitig herzukommen. Aber — was Kuckuck nehmen wir jetzt für Kochgerät, um sowohl die Fische wie auch das Wildbret darin aufzusetzen, du Beretmutter?« —

An dem Tage war der Große-Hans nicht satt zu kriegen; es war, als hätte der Bub keinen Boden mehr. — Der Vater schickte ihn nach dem Mittagessen sofort ins Bett, und der Große-Hans war darüber auch gar nicht ungehalten. Es wurde Abend, und die Mutter versuchte, ihn wieder zum Leben zu erwecken, mußte es aber aufgeben; so weit, daß er im Bette saß, bekam sie ihn zwar, aber auch nicht weiter; dann warf er sich wieder hin und schlief wie ein Stein. —

Diese Ausfahrt des Per Hansen erhielt für die neue Siedlung westlich am Spring Creek große Bedeutung.

Da waren zunächst die Bäume, die er mitgebracht hatte und anpflanzte. Tönset‘n wollte in heller Begeisterung sogleich aufbrechen, sich auch welche zu holen; der Hans Olsen und die Solumbuben meinten jedoch, dazu sei es noch an der Zeit im Herbst, wenn sie ans Holzfahren müßten. So ging es zu, daß hier üppige Haine entstanden, ehe noch sonstwo dort in der Gegend ein Busch zu erblicken war. — Außerdem aber wurden sie mit den Tröndern östlich vom Sioux River bekannt. Hier in Amerika war es nämlich nicht wie auf dem Lofotmeer: hier hatten sie um nichts zu hadern, und Helgeländer Helgeland = Landschaft nördlich von Trondhjem. und Trönder wurden die besten Kameraden der Welt; jene bedurften der Hilfe, und diese waren mehr als willig, ihnen zur Hand zu gehen. — — Der Per Hansen borgte sich sofort bei dem Simon Baarstad einen Acre Waldland und hatte somit reichlich das Holz zur Verfügung, dessen er bedurfte.

»Buntscheck! — Buntscheck!«

I

Die Vorräte schrumpften ein. Tüten und Säcke grinsten leer und hatten kaum noch etwas herzugeben. Man teilte miteinander, solange etwas da war; aber selbst beim Hans Olsen, bei dem doch alles so reichlich vorhanden gewesen, ging der Proviant auf die Neige. Bei den Mannsleuten war der Tabak so rar wie der Golddukaten. —

Der Sommer war auch schon vorgeschritten, so daß man bald ans Heuen denken mußte; kurz, es blieb kein andrer Ausweg: sie mußten jetzt zur Stadt.

Eines Sonntags also kamen die Männer zur Beratung zusammen. Eine Stadtreise war in jenen Tagen eine ernste Angelegenheit und mußte von Anfang bis Ende scharf durchdacht und genau geplant werden; die 70, 80 Meilen über unbewohntes Land waren eine eigne Sache — auf Hin- und Rückfahrt waren vier Tage mindestens zu rechnen, sogar mit Pferden. Schwieriger noch war es fast, in der Stadt auch wirklich alles Nötige zu erledigen; denn alles für das ganze kommende Vierteljahr mußte angeschafft werden, — Essen, Kleidung, Gerätschaft, soweit der Heller nur reichte. Und reichte er nicht, so mußten Auswege ersonnen werden. Noch war am Spring Creek niemand so weit, daß er etwas hätte feilbieten und in Waren oder Geld umsetzen können.

Ein paar von den Männern mußten daheim bleiben; so manches konnte geschehen! Es war seltsam damit: niemand erwähnte es, niemand sprach davon; und doch war wohl keiner in der kleinen Siedlung, der sich hier draußen vollkommen sicher gefühlt hätte. Ein unerklärliches, unbestimmbares Grauen konnte sie ohne jeden Anlaß plötzlich befallen, sich als Ruhelosigkeit über sie wälzen, sie bei allem Tun und Lassen übervorsichtig und -empfindlich machen. Die Mannsleut wurden unter diesem Druck schweigsam und arbeiteten ihn sich von der Seele. Die Weiber befreiten sich von ihm durch Plaudern; oft sprachen sie dann übereifrig und lärmend. Nur wenige waren sich der eigentlichen Ursache bewußt, niemand hätte seine Befürchtungen zugegeben.

Herre Gott! Mannes Macht war bisweilen wenig wert; das bekamen sie zu spüren! Ein rein ungeheuerliches Sturmwetter konnte aufziehen, — und so unbegreiflich jäh! Und die Sörine fürchtete sich so sehr vor den Stürmen. Erst vor einer Woche war Hans Olsens Zelt fortgerissen und die Sörine eingewickelt und mitgeschleppt worden, so daß sie fast erstickt wäre, obwohl der Hans Olsen das Seil über den Rücken gelegt und sich mit seiner ganzen Riesenkraft dagegengestemmt hatte. Er wurde mit weggefegt wie ein Flocken Wolle. Aber es war niemand zu Schaden gekommen.

Und dann die Indianer — die ›Indians‹, wie es den Leuten eingefallen war, die roten Kinder der weiten Steppe zu benennen. Die Kjersti fürchtete nicht den Sturm; der benahm sich doch auf Menschenart, — der skalpierte doch nicht die Leut! In ihr war die Angst vor den Indianern höchst lebendig.

— Einer lag da oben auf dem Quart vom Per Hansen, und wo die Toten lagen, erschienen wohl auch die Lebenden! Seit sie das gehört, starrte sie fast nur noch dort hinauf. — Übrigens war ihre Furcht begreiflich. Die Berichte von den Greueln des Jahres 62 hatten sie und der Syvert so oft gehört, daß sie sie auswendig konnten. Nach Filmore County, wo sie damals gewohnt, waren zwei Flüchtlinge von Norway Lake gekommen; die Erzählungen bauschten sich, während sie von Mund zu Mund wanderten, auf; als sie jetzt hier draußen, wo es kein Vergessen gab, in dem bangen Gemüt erwachten, nahmen sie phantastische Ausmaße an.

Tönset‘n jedoch fürchtete sich vor ›dem Indian‹ keineswegs, — bewahre! Weshalb denn nur? Die seien doch zivilisiert und alles, beruhigte er die andern. Wenn der Per Hansen Tönset‘n so reden hörte, dann grinste er ganz sonderbar: »Ja schau, du Syvert, der ›Indian‹, der ist jetzt in diesen zehn Jahren ein pikfeiner Herrenmann geworden, mit roter Zipfelmütze, Holzschuhen, Langpfeife und so. Keine Sache für einen Wilden, feines Benehmen zu lernen, wo es hier ringsherum von Menschen wimmelt!«

Bei den Tröndern östlich Sioux Creek hatte der Per Hansen nämlich vielerlei Bescheid bekommen; darunter auch den, daß unweit ein Ort sei, der soviel wie Flandreau heiße; westlich davon gehe eine Fährte nach Nebraska; zwischen den beiden Orten mache der rote Mann seine jährlichen Wanderungen. — Sehr wahrscheinlich, daß Per Hansens Quart mitten auf diesem Wege lag! — Nun, das werde sich zeigen, ehe noch der Sommer um war, und niemals lohnt es, den Hut zu lüften, ehe der Mann vor einem steht!

Die Männer sprachen in Gegenwart der Frauen nie von den Rothäuten. Aber der Ole und der Große-Hans hörten mit offenem Munde zu, bis er ihnen wässerte. Es gruselte sie jetzt zwar vor der Hügelkuppe; aber wegbleiben, — nein!

Die Kjersti hatte Angst vor den Indians, die Sörine fürchtete sich vor dem Sturm, und die arme Beret fand, ihr graue vor allem! — —

Das Ergebnis der Beratschlagung an jenem Sonntag entsprach der Lage der Dinge; es machte sich sozusagen ganz von selbst, daß der Hans Olsen, Tönset‘n und der Henry Solum, die alle Pferde und Wagen hatten, fahren sollten, — drei Männer mit je einem Gespann, die mußten wohl alles das heimschaffen können, was die Anwohnerschaft imstande war, auf einmal zu kaufen.

Der Per Hansen war gründlich verstimmt, mürrisch und vergrätzt, ließ kaum ein Wort fallen; — übrigens hätte er auch nicht viel zu sagen gewußt. Es schien von vornherein ausgemacht, daß er, der keine Pferde hatte, zu Hause bleibe, — er und der jüngere Solumbub, sie sollten nach allem sehen, obwohl das nicht besonders gesagt wurde. Und das schien dem Per eine schäbige Aufgabe für einen Mann zu sein! Es war doch klar, daß er für solch eine Fahrt besser taugte als Tönset‘n oder der Solumbub! Aber weder der Herrgott noch sonst wer wußte hier, was not tat! — Sie hätten es jedoch wissen müssen; darum hätte der eine oder andre ihm gern seine Pferde anbieten können. Aber Per Hansen war nicht der Mann, der sich aufdrängte. — Verdammt ärgerlich war es darum doch, daheim bei den Weibern zu hocken, während die andern auf Langfahrt zogen! — — Die Abenteuerlust brannte ihm im Blut.

Als die Männer am Montag in aller Frühe aufbrachen, war er so übelgelaunt, daß er gleichfalls bei Dämmerlicht aufstand, den Ole weckte und die Ochsen vor den Pflug spannte. An dem Tage brach er anderthalb Acre Neuland um und stellte damit — bei den damals verfügbaren Gerätschaften — den Rekord für die ganze Gegend auf. Als er Feierabend machte, das Stück abschritt und sah, was er ausgerichtet, kam ihm so frohe Laune, daß er sich ein Liedlein pfeifen mußte: Fürwahr! Beeilten sich die Kerle nicht, dann hatte er, bis sie heimkamen, die ganze Farm umgepflügt. Dann mochten sie sehen, wer am meisten taugte!—

II

Am folgenden Tag sah er schon alles ruhiger an, verrichtete aber doch noch ein ansehnliches Tagewerk.

Er und der Ole schlenderten heim von der Arbeit, er war wieder guter Stimmung: in diesen Tagen wollte er Tönset‘n einholen wie nichts!

Der Ole hatte müde Beine und eine heisere Kehle; denn er hatte nun schon zwei ganze Tage hintereinander die Ochsen antreiben müssen.

Sie waren noch nicht weit auf dem Heimweg, als der Große-Hans ihnen entgegengelaufen kam und schon von weitem atemlos rief:

»Vater, dort kommen Menschen!«

Diese Nachricht war so unfaßlich, sie kam so unerwartet, daß der Ole plötzlich stehenblieb und sich mit offnem Munde umschaute; der Vater aber sah seinen Herzensbuben, den Großen-Hans, zuversichtlich an und lachte herzlich:

»Aus‘ dir wird, meiner Treu, vielleicht mit der Zeit noch mal ein Mann, — ‚s ist freilich noch weit und hoch bis dahin!«

Doch der Große-Hans war viel zu eifrig, um auf des Vaters Worte zu achten. »Schau — schau dort!« Er zeigte nach Südwest. »Die Mutter meint, es seien Indians!«

Der Per Hansen fegte den westlichen Horizont mit den Augen. »Pöh!« machte er nur kurz und trocken, begann schneller auszuschreiten, beeilte sich mehr, je länger er hinsah, — jetzt ging er so schnell, daß die Buben, um mitzukommen, laufen mußten.

Die Beret stand unweit des Wagens mit dem Gössel auf dem Arm.

»Da haben wir sie,« sagte sie ruhig; aber das schöne, traurige Antlitz sah blaß und gespannt aus.

»Geh du nur hinein und sieh nach dem Essen!« Er sprach schnell, es lag ein harter Klang in der Weisung.

Er ging sogleich zur Hütte, die halb unter Dach war, — die Buben kamen hinterher; er rief sie geschwind und leise heran, — es klang ebenso hart:

»Du, Hans, gehst jetzt zum Sam und erzählst ihm, wer kommt. — Eil‘ dich!«

»Ja.« Der Bub blieb stehen.

»Eil‘ dich, sagt‘ ich!«

»Ja.« Und jetzt fand der Bub seine Beine und sauste davon.

»Und du, Ola, holst die Lange Marie,« wandte er sich an diesen. »Sie liegt in der großen Lade. Das Zubehör ist in der Beilade. Setz alles hinter der Tür zusammen. — Und jetzt paß gut auf: wenn ich pfeife, bringst du sie mir, vorher nicht! — Bist doch wohl nicht etwa bange, Bub?«

»N—nein.« — Der Ole lief davon.

Der Per Hansen machte sich ans Dachdecken, als sei alles in schönster Ordnung; nur die Augen beobachteten scharf den herannahenden Zug. Allmählich verlor sich die Spannung im Gesicht, es bekam wieder den halb schlauen, halb schelmischen Ausdruck, den es immer zeigte, wenn er frohgelaunt war.

Jetzt brachte der Ole die Rifle.

»Nein,« sagte der Vater — und er lachte schon wieder — »bring nur die ganze Geschichte wieder dahin zurück, wo du sie gefunden. Der Große-Hansel ist ein rechter Aff! Wie der uns fast zu Tode erschreckt hat! — Und komm gleich zurück.«

Der Bub lief weg und war im Umsehen wieder zur Stelle. Der Per Hansen saß, unverwandt nach Westen schauend, auf dem Dachrand, während er den Buben anwies: »Geh jetzt zur Sörine und erzähl ihr, wer kommt. Das sind ja ebenso friedliche Leut wie wir. Sag‘ ihr, daß die wohl die Nacht über auf der Hügelkuppe lagern werden; fürchtet sie sich, soll sie nur herkommen. — Und red‘ verständig, daß du die Bäuerin nicht ängstigst!«

Der Ole ging. Per Hansen holte Rasenstücke, legte sie aufs Dach, kletterte selbst hinauf und paßte sie ein.

Der Zug aus dem Westen kam langsam näher. Der Per Hansen überzählte die Wagen und kam auf vierzehn, aber vielleicht waren es noch mehr; sie fuhren dicht hintereinander und in gerader Richtung auf ihn zu. — Ja, ihre Fährte lag wohl wirklich da drüben! —

Plötzlich stand wer unter ihm; die Gestalt tauchte so jäh auf, daß es ihm einen Ruck gab. Der Sam war es, aufgeregt und erschrocken, die Büchse in der Hand. Er war so schnell gelaufen, daß der Große-Hans weit zurückgeblieben war.

»Willst heute abend noch auf die Jagd ?« fragte der Per Hansen trocken.

»Siehst du ihn denn nicht?« keuchte der Sam.

»Wen?«

»Siehst du denn nicht, daß der Indian dort gerad auf uns zukommt!‘«

»Hast Augen wie ein Trottel! — Was fuchtelst du hier mit dem Schießprügel herum ? Stell ihn sofort in die Hütte und hilf mir dann beim Dachdecken, und du, Hans, hilfst drinnen der Mutter.«

Sam tat, wie ihm geheißen, und starrte mit offenem Mund dem Zug entgegen.

Der Per Hansen hatte sich aufs westliche Dach gesetzt und beobachtete den Sam. »Es ist wohl nicht recht, daß wir die Kjersti nicht benachrichtigen, die doch so schreckhaft ist. Ich meine, du gehst und erzählst ihr, jetzt kämen unsere Nachbarn. — Aber schreck‘ sie nicht zu Tode!«

Der Sam zögerte, schien nicht gerad Lust zu dem Auftrag zu spüren.

»Oder sollen wir vielleicht die Indians das Weib skalpieren lassen?«

Der Sam setzte sich in Bewegung; fing plötzlich an zu rennen. Der Per Hansen schüttelte sich vor Lachen. »Nein, flitz nicht davon, als hätt‘st du Feuer im Hosenboden!« rief er ihm nach, »so arg eilt es nicht mit der Kjersti!«

Aber die Kjersti hatte die Herannahenden bereits erblickt; dort kam sie die Anhöhe herauf und zog die Kuh hinter sich her.

Und da kamen auch der Ole, die Sörine und das Dirnlein; Sörine hatte jedoch nicht an die Kuh gedacht, die ein Stück westlich von des Hans Olsens Hütte weidete.

Bald scharten sich alle zusammen, die drei Frauen, der Ole, und der eine Solumbub; nur der Große-Hans meinte, er sei sicherer beim Vater aufgehoben und kroch zu dem aufs Dach. —

Die Kjersti jammerte und schluchzte, daß ihr Syvert auch gerade in der Stunde der Prüfung des Herrn abwesend sein müsse. Die Sörine tröstete nach Kräften, — das seien doch auch nur Menschen, — nur Menschen! — Die Beret hörte schweigend zu.

Der Per Hansen rutschte behende vom Dach und kam zu der Schar.

»Wollt ihr hier einen Frauenverein gründen ? Ich meine, drei so schmucke Frauensleut dürfen sich fremden Männern nicht so zur Schau stellen! Die haben übrigens ihre Weiber mit, — und die mögen das vielleicht nicht! Geht lieber hinein.« —

Die Sörine machte sich sogleich beim Herrichten des Abendessens nützlich, die Kjersti lieh sich einen Eimer und molk ihre Kuh, und der Per Hansen konnte noch vorm Abendessen etliche Rasenstücke packen.

Yaş sınırı:
12+
Litres'teki yayın tarihi:
30 ağustos 2016
Hacim:
470 s. 1 illüstrasyon
Telif hakkı:
Public Domain