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Kitabı oku: «Das Schweigen der Prärie», sayfa 6

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III

Während sie darauf warteten, daß das Abendmus sich abkühle, beobachteten sie den Zug, der den Abhang herauf und auf die Hügelkuppe zulenkte. Der erste Wagen gelangte auf die Kuppe, fuhr ein kleines Stück bergab, hielt; sogleich hielten alle die übrigen in einem Halbmond um den Hügel, dessen Bogen Per Hansens Hütte zugekehrt war. — Sie spannten die Pferde aus und ließen sie weiden. Per Hansens Gesicht erhellte sich immer mehr. Die Leute führten schwerlich etwas Böses im Schilde! —

Aber — da war es, als verlöre Sörines Kuh, die soeben noch friedlich auf der Prärie geweidet, plötzlich den Verstand. Sie gab ein langes Brüllen von sich, warf den Kopf hoch und jagte auf die Wagen zu. — Alle sahen es verdutzt. Der Sörine kam das Weinen, weil sie so kurz von Gedanken gewesen war und die Kuh nicht mitgenommen hatte. Per Hansen schickte dem Biest einen innigen Segenswunsch nach! Und jetzt schlug der Wahnsinn unversehens auch die beiden andern Kühe: kaum hörten sie das Brüllen, so rannten sie hinterher, Buntscheck voran, Kjerstis Kuh Tüpfel hinterher — die Schwänze steil in die Höhe!

»Da ging die Milch zu unserm Mus heidi! Der Böse verpfeffre ihnen gründlich die Hintern!« murmelte der Per Hansen grimmig. Und kaum war‘s heraus, so ertönte ein kräftiges Brüllen aus Norden, und schon kam die Daisy der Solumbuben angehetzt.

Jetzt mußte der Per Hansen aber doch lachen. »Willst du diesen Winter nicht trocknes Mus im Maule mahlen, so sieh zu, wie du die Kuh jetzt einholst!« meinte er, zum Sam gewandt.

Die Weiber nahmen das Unglück jede auf ihre Weise. Die Kjersti wimmerte, es sei das schlimmste, was sie je gehört! Auch bei der Sörine glitzerte etwas in den Augen; die Beret blieb vollkommen ruhig, war eher überrascht als erschrocken. Warum ging keiner der Männer den Kühen nach ? — Als sie sie sitzen bleiben sah, legte sie den Löffel hin und stand auf.

»Wir müssen sogleich nach,« sagte sie; »zieht der Indian heut nacht weiter, gehen die Kühe mit, — das ist ausgemacht!« Sie nahm das Gössel auf den Arm und wollte sich auf den Weg machen.

»Gott tröste mich wegen deiner, Beret, — ich glaub‘, du bist toll!« rief die Kjersti außer sich. Per Hansen aber strahlte seine Frau an, sein Gesicht war jetzt geradezu schön. Ein wackres Weib! Er sprang auf und trat neben sie.

»Iß du nur erst, du Beretmutter! Ich besorg‘ das schon, — das hat Weile, bis wir satt sind. Und — es ist auch unschicklich, sogleich auf Gäste zuzustürzen.« —

Während der Mahlzeit zog er den Sam bös mit der Grausamkeit der Indians auf, so daß es den Weibern kalt über den Rücken lief: »Das habe ich doch gehört wie gelesen, daß die Indians lieber eine Kuh skalpieren als einen Menschen. Du nicht? — Hö! merkwürdig! Die sollen rein wild hinter einem Kuhskalp her sein. Ja siehst du, den trocknen sie und brauchen ihn als Wintermütze!«

Die Beret sah ihn an. Ihr schien, das Geschwätz stände ihm wenig; was konnten die Frauen dafür, daß sie sich fürchteten? »Kannst du mit dem Geflunker nicht aufhören? — ‚s ist kein Heldenstück, Weiberleut, die sich schon ohnehin fürchten, noch mehr zu ängstigen,« sagte sie in ihrer gelassenen Art, ohne aufzusehen.

Per Hansen verstummte plötzlich, wurde feuerrot. In all den Jahren ihres Zusammenlebens hatte sie ihn noch niemals in Gegenwart anderer zurechtgewiesen. — — Er aß weiter; aber ihre Worte spukten und ritzten überall in ihm Schrammen.

Endlich legte er den Löffel hin und stand auf, steckte die kurze Pfeife in den Mund, ohne anzuzünden.

»Eigentlich müßtest du, Sam, der du dich ebenso gut auf österdölsch Mundart der Österdöler, der Bewohner Österdalens (= des Östlichen Tales) in Norwegen. wie auf indianisch zu bewegen verstehst, dein altes Kuhgerippe selber holen, — aber — hm, da drüben sind am End‘ Weiberleut, und vor denen kann man sich nie genug hüten!« warf er hin. »Ist schon das beste, ich gehe selbst.«

Wie der Blitz war der Große-Hans neben ihm, faßte leise seine Hand. Der Per Hansen sah ein Bubengesicht, das ihn schräg, rosig und lächelnd anstrahlte und gar so hübsch bettelte, ohne einen Ton von sich zu geben.

»Was sagst du? Hast recht!« meinte der Vater, nahm ihn fest bei der Hand und machte sich auf den Weg.

»Komm her, Hans!« rief die Mutter; jetzt klang Angst aus ihrer Stimme und eine Bitte.

»Nein,« sagte der Per Hansen kurz, »der Hans geht mit mir,« er wartete die Antwort nicht erst ab und ging.

IV

Der Große-Hans war viel zu sehr in seinen Gedanken, um den Auftritt zwischen den Eltern zu bemerken. Anfangs war er Feuer und Flamme, tat weite, männliche Schritte, schwätzte geschwind und gedämpft, kreiste aber stets um dieselbe Frage: Was wollte der Vater bei dem Indian?

»Was ich will?« weiter kam der Per Hansen nicht. Die Worte der Frau, die alle gehört, schellten unablässig in seiner Seele.

»Ja! Was willst du?«

»Wollen sehen.« Er riß sich aus seinen Grübeleien und setzte noch einmal kräftig hinzu: »Wollen sehen!«

»Willst du — willst du mit ihnen kämpfen?«

»Nein, wir wollen uns damit begnügen, sie zu skalpieren!«

Nun wußte der Große-Hans vom Skalpieren nur, daß es das schlimmste war, was es gab; er fragte also, was das sei, das Skalpieren ?

»O nichts weiter. Weißt du‘s denn noch nicht?«

»Nein; — so sag mir‘s doch, Vater!«

Der Per Hansen schob die kalte Pfeife in den andern Mundwinkel und schmunzelte: »Schau, Großer-Hans, wenn die Haut auf gewissen Köpfen so richtig trocken und reif wird, dann trennt sie ihnen der Indian ab!«.

»Wächst dann wieder eine neue nach?« Der Große-Hans lugte zum Vater auf; — und eine Hand faßte unwillkürlich unter die Mütz‘, ehe es noch verhindert werden konnte.

»O, das tut sie wohl. Freilich!«

»Aber — tut es — tut es nicht gräßlich weh?«

»Nein, gar nicht; das heißt: wenn sie richtig reif und trocken ist. Das ist doch klar!«

Das fand der Große-Hans auch. »Und was machen sie mit der Haut?«

»Was sie mit der Haut machen ? Ja, die brauchen sie wohl zu Fäustlingen und Ähnlichem; kehren halt die Haare nach innen, weißt du.«

»Ach, du flunkerst ja!« sagte der Große-Hans und riß die Beine auseinander, um mitzukommen.

»Könnt schon stimmen! Aber ich meinte halt, du hättest genug Witz es zu merken.«

Der Große-Hans hätte gar zu gern noch mehr gefragt; aber jetzt waren sie dem Lager schon so nahe, daß er vollauf damit beschäftigt war, seine Augen zu brauchen.

Und da gab es zu sehen! In der Lagermitte hatten die Indianer ein großes Zelt errichtet; auf jeder Seite standen vier kleinere. Halbnackte braune Kinder sprangen zwischen den Zelten herum. — Die spielen gewiß, dachte sich der Große-Hans und bekam gleich mehr Mut. Und da waren ja auch Frauen! — nein, hier drohte gewiß nicht Gefahr! —

Die Zelte standen hinter dem Wagenring. In dem Raum zwischen Zelt und Wagen waren jetzt einige Indianer dabei, ein Feuer anzufachen, und holten dazu Brennwerk von den Wagen; um das Feuer herum hockten mehrere Männer auf gekreuzten Beinen.

Alle rauchten, — das merkte sich der Per Hansen als allererstes.

Das Feuer warf einen starken Schein ringsum; die Haut der in der Nähe Sitzenden erschien dadurch noch dunkelbrauner, das Haar noch glänzender schwarz. Schweigend rauchten sie ihre Pfeifen.

Die beiden Ankömmlinge standen im Feuerschein; einer der Männer deutete mit der Pfeife auf sie; es wurde etwas gesagt; im übrigen schien ihr Kommen nicht besonders zu überraschen.

Der Per Hansen trat vor und grüßte, — soviel Englisch konnte er noch. Der Gruß wurde in derselben Sprache beantwortet. — Einer der Männer sagte darauf etwas, was wie eine Frage klang; ein paar andere setzten etwas hinzu. — Nein, der Per Hansen verstand keine Silbe, er war ratlos.

Aber jetzt kam ihm der Große-Hans zu Hilfe — bisher hatte er sich hinter dem Vater gehalten; er flüsterte geschwind: »Sie wollen wissen, ob wir hier wohnen!«

»Yes! — Yes!« nickte der Per Hansen kräftig. »Und sag ihnen, sie könnten sich darauf verlassen, daß wir auch wohnen bleiben, aber sag es durchaus hübsch, hörst du!«

Der Große-Hans trat noch einen Schritt weiter vor und versuchte sich, so gut er konnte, mit den paar Brocken Englisch, die er letzten Winter aufgeschnappt hatte.

Die Antrittsvisite war vorüber; der Per Hansen hatte hier nichts mehr zu tun; die Kühe hatten sich bei den Wagen gemütlich hingelagert — alle viere nebeneinander; die waren bloß zu greifen und heimzuleiten. — Aber der Duft aus den Pfeifen mischte sich so ergötzlich und verlockend in die Abendbrise! Und über zwei Wochen hatte er keinen anständigen Tabak mehr geraucht! Und der hier war kräftiges Kraut, konnte er riechen.

Schließlich vermochte er der Versuchung einfach nicht mehr zu widerstehen. Er suchte sich das Gesicht aus, das ihm am besten gefiel, nahm die Pfeife aus dem Mund und machte Zeichen, daß er gern etwas da hinein haben wollte!

Ja, das verstand das Gesicht ausgezeichnet. Der Mann warf den andern lachend ein paar Worte zu, zog einen großen Beutel, den er an einer Schnur am Halse trug, aus dem Wams, öffnete ihn und bot an. Der Per Hansen griff begierig hinein und stopfte gut. »Dank sollst du haben, Mann! Und kommt der Hans Olsen zurück, ehe du deines Weges ziehst, soll‘s dir bei Gott vergolten werden! Hans, übersetz ihm das, so gut du irgend kannst. — Vertrackt, daß man nicht selber mit so bravem Volk zu reden versteht!« Der Per Hansen trat ans Feuer, scharrte sich ein glimmendes Holzstück heran, legte es auf die Pfeife und zündete mit langem, behaglichem Schmatzen an.

V

Als er vom Lagerfeuer zurücktrat, gewahrte er beängstigend nahe an der Glut ein Gesicht, das ihn aus einer bunten Decke heraus anschaute.

Der Per Hansen mußte es unausgesetzt ansehen; es starrte zurück. Der Gedanke durchfuhr ihn: der Mann hat entsetzliche Schmerzen; die Gesichtsmuskeln sind so verzerrt.

»Großer-Hans!« sagte er kurz, »frag einmal den Mann, ob ihm etwas fehlt; der sieht aus, als ringt er mit dem Tod!«

Wieder versuchte sich der Große-Hans mit seinem geringen Vorrat von Neusiedlerenglisch. Das Gesicht stöhnte schmerzlich auf, gab dann eine Antwort.

»Er sagt, er habe Schmerzen in der Hand!«

»So? — Schad‘ um den Mann! — Sag ihm, ich tät‘ seine Hand gern sehen.«

Aber der Große-Hans brauchte nicht mehr zu dolmetschen. Der Mann hatte sie beide eindringlich beobachtet; er stand jetzt auf, kam zu ihnen hin, wickelte erst die Decke vom Arm, zupfte dann eine Unmenge schmutziger, bunter Lappen von der Hand. Was der Mann da vorzeigte, sah böse aus; die Geschwulst hatte die Größe einer Haselnuß, und nicht nur die Hand, sondern auch Gelenk und Arm waren geschwollen. Das Übel schien von einer eitrigen Wunde in der Handfläche auszugehen. Der Per Hansen besah und befühlte, als hätte er sein Lebtag nichts anderes getan, als geschwollene Hände untersuchen. Die Hand war hart wie ein Holzklotz, die Wunde selbst jedoch geringfügig.

»Ja ja ja, — wird das hier nicht eine gediegene Blutvergiftung, so heiße ich nicht Per! — das heißt, wenn es nicht schon eine ist! — Sag ihm,« wandte er sich zum Großen-Hans »wir müßten sofort warmes Wasser und Lappen haben. Aber rein muß alles sein, hörst du, rein!«

Aber jetzt saß der Große-Hans fest. Daß der Vater warmes Wasser wollte, konnte er ihnen noch begreiflich machen; aber das mit den reinen, weißen Lappen, das ging über sein Vermögen.

Der Indianer hatte den Mann, der mit so kundiger Miene seine Hand untersuchte, nicht aus den Augen gelassen. Die andern waren nach und nach aufgestanden und dazugekommen. Auch die Weiber. Die Jungen ließen ihr Spiel und wutschten zwischen den Großen durch; zum Schluß stand das ganze Lager in dichtem Kreis um sie herum.

Der Per Hansen war ernst, tat aber doch tiefe Züge aus seiner Pfeife. »Ich sehe keinen andern Ausweg,« sagte er endlich, »als daß du, Großer-Hans, nach der Mutter läufst. Erzähl ihr alles und sage ihr, sie solle den kleinen Kessel mitbringen, und all die reinen Flicken, die sie irgend entbehren kann; aber weiß müssen sie sein — und auch eine Prise Salz brauchten wir. Sag ihr: dem Mann müsse noch heute Hilfe werden. — Und jetzt lauf! Fürchtest dich doch nicht etwa?«

O nein, der Große-Hans fürchtete sich nicht mehr; das war das prächtigste, was er je erlebt! — Er hatte sich bereits mit den Ellenbogen durch das Gedränge durchgearbeitet, als dem Vater noch etwas einfiel und er ihn zurückrief.

»Und der Sörrina sag, sie solle nachschauen, ob in des Hans Olsen großer Flasche noch ein Schluck übrig ist; und wär‘s auch nur ein Fingerhut voll. Denn hier geht‘s ums Leben! Und Mutter muß Pfeffer mitbringen. Und nun zeig‘, daß du ein flinker Bursch bist!«

Der Bub rannte.

»Yes, Wasser!« sagte jetzt der Per Hansen, tauchte die Hände und rieb sie sich, und der Mann verstand sogleich und brachte heißes Wasser in einem Blecheimer. Der Per Hansen wusch sich lange und gründlich, goß aus und gab zu verstehen, daß er noch mehr brauche. Mit dem frischen Wasser wusch er die Wunde. Aber schwarzbraun war diese Haut, und schwarzbraun blieb sie. Wie sollte der Per Hansen wissen, ob sie nun auch wirklich sauber sei? — Darauf nahm er den Mann bei der Schulter und setzte sich mit ihm möglichst dicht ans Feuer. Alle seine Erfahrungen als alterfahrener Lofotfischer kramte er aus dem Gedächtnis hervor. Er massierte um die Wunde herum, lange, — dann strich er das Handgelenk und schließlich den Arm; erst in kleinen Kreisen mit der Handfläche, leise und zart, darauf stärker; dazwischen hauchte er kräftig auf die Wunde.

Endlich kam der Große-Hans mit der Mutter und allem Erbetenen. Per Hansen sah, daß sie ihre Sonntagskleider angetan hatte, und das gefiel ihm an ihr. Als sie in den Lichtkreis trat, grüßte sie still und verneigte sich.

»Kannst du mir sagen, was du hier zu suchen hast?« fragte sie leise; in den Worten lag eher ein Vorwurf als Angst.

Erbittert dachte er an den Auftritt von vorhin!

Als sie keine Antwort bekam, setzte sie hinzu: »Die Kjersti weint, und mit den andern steht es nicht viel besser. Jeder möge für das Seine sorgen, — komm gleich mit heim!«

Dieses Verhalten war der Beret so unähnlich, daß Per Hansen sich zu täuschen glaubte.

»Gib jetzt zunächst den Kessel her!« sagte er. Und nun war der Große-Hans ja auch wieder zur Stelle: »Erzähl ihnen, Hans, es müsse reines Wasser sein, — ganz reines — und heiß muß es sein,« wies er ihn an.

Und nun hatte er Zeit für die Frau. »Der Kjersti geschieht heut nacht nichts Schlimmes! Meinst du aber, du könntest nicht dabei mittun, einem Menschen aus großer Not zu helfen, so magst du heimgehen,— gib mir die Sachen!« Ihre Worte von vorhin schellten ihm wieder vor den Ohren, und seine Worte klangen barsch; und er freute sich dessen.

Die Beret schwieg, blickte ihn unsicher an und errötete.

Der Kessel wurde ans Feuer gesetzt.

Und jetzt bereitete der Per Hansen jene bei allen Nordlandsfischern so hochberühmte ›Pferdekur‹ vor. Auf einen guten Eßlöffel Pfeffer und Salz in der Tasse goß er Whisky, setzte die Flasche — sie war noch halb voll — auf die Erde und bedeutete den Mann zu trinken!

Der Mann roch an der Tasse und lächelte, setzte sie an den Mund, nahm einen Schluck, schmatzte — und schnitt entsetzliche Grimassen!

»Sag ihm, du Großer-Hans, er müsse alles auf einmal hintergießen! Er überlebe es sicher; aber kratzen tät‘s freilich.«

Der Mann trank den Rest in einem Zuge.

»Und jetzt hilf mir, Alte! Tröpfle den Whisky auf die Hand, während ich ihn hineinreibe. Tut nichts, wenn‘s auf die Wunde kommt; aber immer nur ein Tropfen auf einmal, — — höh, hast du schon je eine so versaute Hand gesehen!«

Sie folgte seinen Anordnungen; ihre Hand zitterte dabei. Er sah, ihr Gesicht war heiß; an den Augenwimpern hingen Tränen. Und jetzt schellten jene Worte ihm nicht mehr in den Ohren.

Er rieb geraume Zeit und verbrauchte viel Whisky, ließ sich dann von ihr die Flicken geben, tauchte sie in das jetzt kochende Wasser, drückte sie aus und legte sie um, den einen um den andern; er brauchte sie sämtlich. Der Mann stöhnte und wimmerte.

»Und jetzt, Beretmutter, brauchten wir eine reine und trockene Hülle; aber dafür hast du wohl nichts mit?«

Sie überlegte, band sich dann die Schürze ab und reichte sie ihm. Es war ihre beste, wußte er.

»Gerad recht, Beretmütterlein! gerad recht! — Und jetzt gehst du mit der Mutter heim, du Großer-Hans; Grund zum Fürchten ist hier nicht, das seht ihr wohl ? — Die Kühe nehme ich später selber mit!«

»Und du?« fragte sie bange.

»Ich bleibe vorläufig hier. Der Umschlag muß jede halbe Stunde gewechselt werden, sonst geht der Alte, weiß der Kuckuck, drauf. — Und nun geht, ihr beiden!«

Die Beret zögerte; sie sah ihn schweigend an; ihr Mund zuckte. Nahm dann den Großen-Hans bei der Hand und ging.

VI

Der Per Hansen hielt die Nacht über Krankenwache und wechselte die Umschläge nach der Uhr; jedesmal rieb er mit ein paar Tropfen aus Hans Olsens großer Flasche ein. Daß der Schmerz nicht zunahm, war an dem Manne zu sehen; jetzt schlummerte er sogar ab und zu.

Mitternacht kam heran. Das ganze Lager schlief. Die Männer lagen, in ihre bunten Decken gewickelt, wie Mumien, die Füße zum Feuer gekehrt. Von Zeit zu Zeit erhob sich einer und legte Brennwerk auf — immer derselbe.

Die Nacht war still und erhaben.

Der Per Hansen fühlte, daß er müde und schläfrig wurde; jetzt hieß es sich zusammenreißen, wollte er die Hundewache Norw. Seemannsausdruck für die Mittelwache von 12 bis 4 Uhr nachts. bestehen!— — — Da plötzlich setzte er sich hellwach auf: Im Grase raschelten Schritte; — blieben stehen; — lauschten. Der Kranke schlief, ebenso das ganze Lager. Wer mochte das sein? — Er stand auf, trat näher zum Feuer. Da ließen sich die Schritte wieder vernehmen, wurden fest, kamen heran: Die Beret stand im Lichtkreis und sah ihn an.

Der Per Hansen fing ihr Bild ein, und es durchströmte ihn gut und warm.

»Komm du nur her!« sagte er leise. »Hier schlummert das ganze Haus.«

Sie kam mit gesenkten Blicken zu ihm auf die andere Seite des Feuers. Das Gesicht war rot und verschwollen. Sie hat gewiß geweint, dachte er, und es reute ihn bitter, daß er sie mit harten Worten angelassen. Er faßte sie bei der Hand: »Du Armes! Hast dich jetzt wieder gefürchtet?«

Es zuckte in ihrem Gesicht, aber zu reden vermochte sie nicht; sie hockte sich auf den Boden. Er setzte sich daneben, legte den Arm gut um sie und faßte ihre Hand. — Da begann sie leise zu schluchzen; er streichelte ihr die Hand: »Sollst sehen, der Alte übersteht‘s,« fühlte aber sogleich, daß sich das gar seltsam anhörte und fragte nach den andern in der Siedlung.

Sie gab nicht Antwort; er hörte den Indianer sich bewegen und sah hin. Der Mann starrte sie beide mit seinen dunklen Augen an.

Der Per Hansen erneuerte den Verband, der Mann saß jetzt aufrecht; die Beret sah zu. »Wenn du etwas hättest, die Lappen festzubinden, so daß sie sich beim Trocknen nicht lockerten, würden sie die Wärme länger halten,« sagte sie leise.

»Da hast du freilich recht! Wer‘s bloß hätte!«

Sie kehrte sich ab und nestelte an ihren Strümpfen, kam dann schüchtern heran und reichte ihm das eine ihrer Strumpfbänder. »Geht das?«

»Geht das! — O nein, du Beret, du Beret! Gerad, was wir brauchen!« Und er legte den Verband diesmal fester an. »Dem Alten geht‘s besser, — ich seh‘s an seinen Augen, und die Hand ist auch nicht mehr so hart!«

Als der Indianer mit dem Umschlag versehen war, stand er auf, ging zu einem der Wagen, kam mit drei Decken zurück und reichte sie dem Per Hansen.

»Ja, so ist‘s, Beret, wenn man bei redlichen Leuten zu Gast ist! — Jetzt kann der Alte sich eine Stunde allein überlassen bleiben, und wir wollen in die Kojen!« Er wickelte sie in die eine Decke, sich selber in die zweite; dann kehrten sie die Füße zum Feuer und zogen die dritte gut über sich. »Und jetzt schlaf, du meine Gold-Beret!« Sie schlummerte sofort ein und erwachte erst, als über der östlichen Prärie der Morgen sich rötete.

Die Indianer blieben noch einen Tag und eine Nacht.

Erst um die Mittagszeit des dritten Tages zogen sie nach Norden weiter. Die kranke Hand sah noch übel genug aus; aber die Gefahr war einstweilen vorüber. Der Per Hansen hatte eine Armschlinge gemacht, in der der Mann die Hand jetzt trug.

Dort fuhren sie ihres Weges.

Aber was war das? Da kam ja der Alte auf die Hütte zu und führte ein völlig gesatteltes Pferd am Zügel hinter sich her! Weiter oben am Abhang wartete ein Wagen.

Der Mann wollte vielleicht seinen Dank abstatten, dachte der Per Hansen und ging ihm entgegen.

Der Fremde schritt geradeswegs auf den Per Hansen zu und sagte etwas, legte darauf die Zügel des Ponys in des andern Hand und sagte wieder etwas; machte eine kurze, steife Verbeugung, wandte sich und ging. — Es war ein hochgewachsener, stattlicher Mann, männlich und schön anzusehen.

»Ist der Kerl besessen?« rief der Per Hansen. »Verstehst du, was er damit meint?«

»Er will dir das Pferd schenken!« rief der Große-Hans, und seine Augen waren ganz rund.

Der Per Hansen eilte dem Mann nach. »Das geht aber nicht an!« rief er.

Doch der Indianer kletterte schon auf den Wagen und fuhr davon.

»Nein, so etwas!« staunte der Per Hansen; er hatte den Zügel um den Arm. »Und mit Sattel und allem Geschirr!«

Der Große-Hans schlug Rad. Noch nie in seinem ganzen Leben war er je so glücklich gewesen.

Yaş sınırı:
12+
Litres'teki yayın tarihi:
30 ağustos 2016
Hacim:
470 s. 1 illüstrasyon
Telif hakkı:
Public Domain