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Kitabı oku: «Briefe an Ludwig Tieck 3», sayfa 16
V
München, den 11ten März 28.
Endlich ist es mir gelungen, verehrter Freund, den König einmal privatim zu sprechen. Er hat sich Ihrer mit Güte erinnert, auch glaube ich bemerkt zu haben, daß Ihre Antwort, welche er selbst gelesen, keine Bitterkeit in ihm hervorgerufen oder nachgelassen hat. Uebrigens glaube ich wahrzunehmen, daß er an dem Theaterwesen weniger Freude hat, als wir lebhaften Theaterfreunde wohl wünschen könnten, was seine Gründe hat. Hier ist die Bühne sehr gesunken, Eßlair so fertig, daß ich mir Ihr strenges Urtheil sehr wohl erklären kann. Hie und da scheint einmal eine Erinnerung alter Zeit in ihm aufzusteigen, im ganzen spricht er (der alles Gedächtniß verloren haben soll) gedankenlos nach dem Soufleur. – Urban hat ein schönes Organ, stößt aber hie und da beym 4–6ten Wort, offenbar in der Meinung, den ungeheurn Raum auszufüllen. Uebrigens sehen die Schauspieler in Tracht und Bewegung minder dürftig und hölzern aus, als auf den meisten Bühnen, wohl eine Wirkung der hier durchaus prädominirenden malerischen Geister. – In diesem Augenblick haben wir hier bey stillem Wetter italienisches Clima. Vor vier Tagen Schnee und Frost bei Südwestwind. Thauwetter an der einen, Frost an der Windseite der Häuser! – Ich glaube doch, Sie haben wohlgethan, den Ruf an hiesige Universität abzulehnen; wie ich, wie alle Freunde Münchens wünschen mögen, daß Sie hieher gekommen wären, wo Ihre vielseitig billige Denkungsweise vielleicht manche Widersprüche ausgeglichen hätte, deren Vereinigung und Ausgleichung schwer genug seyn mag, und vielleicht unmöglich ist. – Sie würden München nicht wiederkennen, so ist es erneut, der Pracht und Gediegenheitssinn des Königes giebt vielen Unternehmungen einen stattlichen Charakter. Bisweilen könnte die Anlage besser seyn. Doch bin ich mit der Gallerie zufrieden und habe in der Glyptothek, wo ein Saal gemalt, drey mit Statuen verziert sind, und welchen!! köstliche Stunden verlebt. – München wäre in mancher Beziehung ein sehr lebbarer Ort. Ich wollte ich wäre nie hinausgewichen. Doch würde es mir gegenwärtig Mühe kosten, mich wiederum darin einzuwohnen. Auch zieht mein junger Freund mich vorwärts. Er hat ein sehr hübsches Blatt radirt. Ich möchte, er machte eine ganze Folge, was vielleicht geschieht, ehe ich abreise.
Empfangen Sie noch meinen Dank, Sie und Ihre Freunde, für die schönen Stunden, welche Sie mich in Ihrer Gesellschaft haben verleben lassen. Es waren doch behagliche Tage in Dresden, Morgens Beschäftigung mit Kunstsachen, Nachmittags Umgang mit geistvollen Leuten. Was kann man mehr und besseres begehren. Ich wäre bey Ihnen hängen geblieben, hätte mich nicht Wort und Wunsch an das Schicksal meines Zöglings geknüpft, welcher vielleicht nicht so viel Liebe verdient, als ich ihm schenke, hingegen, wie ich glaube, der Künstlerwelt ein nützliches Beyspiel früher Entwickelung geben wird, was denn am Ende die Hauptsache ist.
Leben Sie wohl und empfehlen mich den Ihrigen. Wenn Neues vorfällt, erhalten Sie noch ein Schreiben von
IhremergebenenRumohr.
Sallet, Friedrich von
Geboren am 20. April 1812 zu Neisse, gestorben am 20. Febr. 1843 zu Reichau bei Nimptsch in Schlesien.
Gedichte (1835.) – Funken (1838.) – Schön Irla (1838.) – Laienevangelium (1840.) – Gesammelte Gedichte (1841.) – Die Atheisten und Gottlosen unserer Zeit (1844.) – Sämmtliche Schriften, 5 Bde. (1845.)
Unfehlbar haben die letzteren seiner Schriften vorbereitend gewirkt und viel beigetragen zu der antikirchlichen Bewegung, welche bald, nachdem jene erschienen waren, von Schlesien, von Breslau, ja gewissermaßen von dem Comptoir des Buchhändlers ausging, der Sallets Werke und andere geringere Schriften verlegte, und dafür begeistert war. Unfehlbar aber auch würde der Dichter, hätte ihn der Tod nicht in Jugendblüthe weggerafft, mehr geistiges Leben, mehr poetischen Sinn, mehr göttliche Bedeutung in eine Richtung zu legen verstanden haben, die theilweise die seinige genannt werden darf.
Sallet war ein liebenswerther talentvoller Mensch. Mag er Gläubigen großen Anstoß gegeben haben durch Lied und Wort… er war auch ein Gläubiger auf seine Weise; und der bitterste Gegner muß ihm nachrühmen, daß er wahr und ehrlich geblieben bis an’s Ende!
I
Breslau, d. 25ten Juli 1838.
Verehrtester Herr!
Zur Entschuldigung einer vielleicht belästigenden Zusendung von Seiten eines persönlich Ihnen ganz Unbekannten diene Folgendes:
Es bietet sich mir auf einer zu Anfang des nächsten Monats anzutretenden Reise von Breslau nach Trier, meinem Aufenthaltsorte, die erwünschte Gelegenheit, mich wenige Tage in Dresden aufzuhalten. Hieran knüpfte sich bei mir unmittelbar der lebhafte Wunsch, wenn auch nur flüchtig, einen Mann kennen zu lernen, dem alle Gebildeten Deutschlands Dank und Verehrung schuldig sind. Da mir aber wohl bewußt ist, daß Männer von bedeutendem Ruf nur zu sehr von unberufnen Zudringlingen belästigt sind, so würde ich meinen Wunsch gewiß unterdrückt haben, wenn ich seine Erfüllung nicht irgend einer Berechtigung verdanken dürfte. Durch meine bisherigen, in der Masse verschwindenden, literarischen Bestrebungen kann ich kaum hoffen, Ihnen, auch nur dem Namen nach, bekannt zu sein. Ich erlaube mir daher, Ihnen beiliegend ein Werkchen zuzusenden, das bis jetzt meine bedeutendste Arbeit ist, und in dem Sie, sollten Sie es übrigens auch als einen mißlungenen Wurf beurtheilen müssen, wenigstens den sittlichen und künstlerischen Ernst nicht verkennen werden. Aus diesem Geist des Ernstes werden Sie auch ersehn, daß ich wenigstens nicht zu jener Zahl literarischer Vagabonden gehöre, die berühmte Männer aufsuchen, um aus ihren Gesprächen, im Nothfall aus dem Schnitt ihres Rockes, Journalartikel zu fabriziren. Meine Absicht ist einzig und allein die, einen Mann zu sehn, der ein ganzes, ruhmvolles Leben, rastlos thätig, bald anregend, bald selbst schaffend, dem gewidmet hat, dem ich selbst das Streben eines Jüngers von ganzer Seele weihe – der Poesie.
In der Hoffnung, daß diese Zuschrift nicht belästigen und schon ein persönlicher Besuch mir gestattet sein möge, bin ich mit Hochachtung, verehrtester Herr
IhrErgebenster F. v. Sallet,Königl. Preuß. Lieutenant.
II
Breslau, d. 16/2. 39.
Verehrtester Herr Hofrath!
Als ich die Ehre hatte, Ihre persönliche Bekanntschaft zu machen, waren Sie so gütig, mir eine spätere briefliche Mittheilung über mein Leben und Treiben zu erlauben. Ich fühle wohl, daß ich von diesem Rechte eigentlich nur dann Gebrauch machen sollte, wenn ich von errungenen Resultaten zu berichten hätte. Dennoch erlaube ich mir, auf Ihre Güte vertrauend, mich grade im entgegengesetzten Falle an Sie zu wenden, wo ich nehmlich daran gehe, mich in ein Unternehmen einzulassen, dessen Gelingen höchst zweifelhaft ist.
Ich habe nehmlich, wie ich schon längst beabsichtigte, meine Entlassung aus einem meinen Neigungen durchaus widersprechenden Dienstverhältniß nachgesucht und erhalten und mich vorläufig in Breslau festgesetzt, um mich literarischen Studien und Bestrebungen ungetheilt zu widmen. Hier wurde mir, ganz unerwartet und ungesucht, der Vorschlag gemacht, die Redaction eines schöngeistigen Journals zu übernehmen, das, unter dem Namen: Silesia von Ostern an in Breslau erscheinen soll. Obgleich ich nun keineswegs das ephemere journalistische Treiben als ernste und ächte Lebensbestimmung ansehen kann, so glaube ich doch, mich einer Arbeit nicht entziehen zu dürfen, die wenigstens dazu dienen kann, meine Kräfte zu üben, meinen Namen einigermaaßen zu verbreiten, so daß ich später auch für selbstständigere Leistungen auf mehr Antheil beim Publicum rechnen kann, und endlich vielleicht auch für den Augenblick dem Publicum Besseres zu geben, als es in den Spalten eines Journals zu finden wünscht und gewohnt ist. Ich habe wirklich die, vielleicht etwas nach einer Donquixoterie schmeckende, kecke Idee gefaßt, zu versuchen, ob es nicht möglich wäre, eine Zeitschrift vorherrschend aus künstlerisch gediegnen Elementen zu bilden, und, was das Schwierigste ist, das Publicum an solche Kost zu gewöhnen. Auf ein Gelingen kann ich natürlich nur hoffen, wenn die Tüchtigsten im Vaterlande es nicht verschmähen, sich mir anzuschließen.
Diese meine Absicht und der Umstand, daß Ew. Wohlgeboren meine Ansichten über literarische Dinge bekannt sind, mögen es entschuldigen, daß ich mich auch an Sie mit der Bitte um Beiträge zu wenden wage. Es ist einem längst erprobten Meister wohl eigentlich nicht zuzumuthen, sich in das verworrene Gewühl der Tagesliteratur zu mischen. Doch darf ich meinerseits nichts unterlassen, für mein Unternehmen wo möglich die tüchtigsten Kräfte zu gewinnen und so wage ich auch bei Ew. Wohlgeboren den Versuch, da ich in meiner Bitte wenigstens nichts Unschickliches sehen kann.
Sollten Sie sich dazu entschließen können, meine Bitte zu gewähren, so würden mir Gedichte, kürzere Novellen oder Mährchen, hauptsächlich aber auch kritische Uebersichten über Erscheinungen und Richtungen der neueren und neuesten Literatur hochwillkommen sein. Etwanige Beiträge bitte ich an die Friedländersche Buchhandlung in Breslau zu adressiren.
Was das Honorar anbetrifft, so kann ich Ew. Wohlgeboren freilich nicht für mehr, als zwei Louisdor für den Druckbogen zu 16 Spalten bürgen.
Sollte ich auch eine Fehlbitte gethan haben, so darf ich hoffentlich doch darauf rechnen, daß Ew. Wohlgeboren mein Vertrauen nicht übeldeuten werden.
Mit ausgezeichneter Hochachtung
Ew. Wohlgeboren
ErgebensterFriedrich v. Sallet,Lieutenant außer Dienst.
Schack, Adolph Friedrich von
Geb. am 2. Aug. 1815 zu Brüsewitz bei Schwerin.
Mecklenburgischer Geheimer Legationsrath; lebt gegenwärtig in München (?) und gilt sowohl für einen gründlichen Kenner spanischer Litteratur, für einen vortrefflichen, dichterisch reproducirenden Uebersetzer, als auch für einen gediegenen Philologen im Gebiete orientalischer Sprachen. Dafür zeugen schon die Werke:
Geschichte der dramatischen Litteratur und Kunst in Spanien, 3 Bde. (1845–46.) – Spanisches Theater, 2 Bde. (1845.) – Uebersetzung des Firdusi – u. a. m.
Auch seine Briefe sind uns ein höchst willkommener Beitrag zur Widerlegung verleumderisch erfundener Mährchen von Tieck’s Abgeschlossenheit und ungefälliger Zurückhaltung gegen jüngere Gelehrte.
I
Frankfurt a. M., den 29st. Dec. 1844.
Hochwohlgeborner Herr!
Hochgeehrter Herr Geheimerath!
Indem ich mir die Freiheit nehme, Ihnen, hochgeehrter Herr, ein Exemplar meines „Spanischen Theaters“ zu übersenden, erlaube ich mir zugleich, eine ganz gehorsamste Bitte an Sie zu richten, zu welcher mich Ihre frühere, mir so vielfach bewiesene, Güte ermuthigt. Es ist mir zur Vervollständigung meiner „Geschichte der dramatischen Literatur und Kunst in Spanien“ (welche nächstens bei Duncker und Humbolt erscheinen wird und schon im Druck begriffen ist) überaus wünschenswerth, auf kurze Zeit einige Bände der Comödien des Lope de Vega zum Gebrauche zu erhalten. Die Theile, welche ich besonders wünsche, sind Band 3, 5, 9, 10, 14, 17 und 19. Wollten Sie nun, Herr Geheimerath, die große Gefälligkeit haben, mir diese Bände auf drei Wochen zu leihen, so würden Sie mich zum innigsten Danke verpflichten und sich ein bleibendes Verdienst um meine literarische Arbeit erwerben. Sollten Sie Bedenken tragen, mir diese kostbaren Bände ohne Weiteres anzuvertrauen, so ist die hiesige Königl. Preußische Bundestags-Gesandtschaft bereit, die Bürgschaft dafür zu übernehmen, so wie ich auch selbst gern jede Art von Caution stellen will; willigen Sie dagegen sofort in mein Gesuch ein, so bitte ich, die bezeichneten Bände dem Herren Professor Röstell in Berlin zu übergeben, welcher mir dieselben zusenden wird. Nach Ablauf von drei Wochen erhalten Sie dieselben unversehrt zurück.
Genehmigen Sie, Herr Geheimerath, daß ich mich unterzeichne als Ihr
ganz gehorsamsterA. v. Schack,Großherzogl. MecklenburgischerLegations-Rath.
P. S. Sollten Ew. Hochwohlgeboren einzelne von den bezeichneten Bänden von Lope’s Comödien nicht besitzen, so würde ich statt derselben ganz gehorsamst um Band 8, 11, 21 oder 23 bitten.
Das „spanische Theater“ folgt mit der Fahrpost nach.
II
Frankfurt a. M., den 6ten August 1845.
Hochwohlgeborener Herr!
Hochverehrter Herr Geheimer Rath!
Schon vor nunmehr fast zwei Monaten, gleich nachdem meine „Geschichte der dramatischen Literatur und Kunst in Spanien“ im Druck vollendet war, übergab ich einem hier durchreisenden Freunde ein für Ew. Wohlgeboren bestimmtes Exemplar derselben, welches er in Berlin abzugeben versprach. Ich begleitete diese Sendung mit einem Schreiben, in welchem ich Ew. Hochwohlgeboren meinen verbindlichsten Dank für die mir mit so großer Gefälligkeit geliehenen Bände von Lope sagte. So eben erfahre ich nun zu meinem größten Schrecken, daß mein Freund auf der Durchreise in Cöln von einer schweren Krankheit befallen worden ist, an welcher er bisher darnieder gelegen hat, und daß durch diesen unglücklichen Zwischenfall die Beförderung des Briefes und der Bücher an Ew. Hochwohlgeboren unterblieben ist. Mögen Sie daher, hochgeehrter Herr Geheimer Rath, die Verspätung, mit welcher mein Buch in Ihre Hände kommt, entschuldigen, und dasjenige, was ganz ohne mein Verschulden durch eine unglückliche Fügung der Umstände herbeigeführt worden ist, nicht einer Versäumniß meiner Pflicht zuschreiben. Wenn ich glaubte hoffen zu dürfen, daß die beifolgenden Bände so wie der innige Ausdruck meines Dankes noch jetzt von Ihnen mit Wohlwollen aufgenommen würden, so würde mir dies eine große Beruhigung sein.
Was das übersendete Werk anbetrifft, so wage ich freilich damit nur zaghaft aufzutreten, indem ich weiß, daß ich es dem größten Kenner dieses Faches vorlege, indessen ermuthigt mich wieder der Gedanke, daß gerade die tiefste Kenntniß zur Nachsicht stimmt, indem sie die unsäglichen mit der Aufgabe verbundenen Schwierigkeiten in Anschlag bringt, und an den Anfänger nicht gleich die höchsten Forderungen stellt.
Genehmigen Sie, hochverehrter Herr Geheimer Rath, die Versicherung der ausgezeichnetsten Hochachtung, mit welcher ich die Ehre habe zu sein
Ew. Hochwohlgeborenganz gehorsamsterA. v. Schack,Großherzoglich MecklenburgischerLegations-Rath.
III
Frankfurt am Main, d. 17t. Nov. 1846.
Hochgeehrter Herr Geheimer Rath!
Eine mehrmonatliche Abwesenheit im Süden (in Catalonien und Valencia), während welcher mir wegen vielfach wechselnden Aufenthaltes keine Briefe nachgeschickt werden konnten, hat gemacht, daß mir Ihr hocherfreuliches Schreiben erst jetzt nach meiner Rückkunft zugekommen ist. Empfangen Sie nun, wenn auch verspätet, meinen innigsten Dank für die wohlwollend-nachsichtige Aufnahme, welche Sie meiner Arbeit angedeihen ließen, so wie für die vielen, mir gemachten, lehrreichen Mitteilungen. Ich verfehle nicht, Ihnen beifolgend das gewünschte Exemplar des dritten Bandes zu übersenden, indem ich die Hoffnung zu hegen wage, daß es für den Zweck, für welchen es bestimmt, nicht zu spät eintreffen werde. Sollte mich diese Hoffnung täuschen, so wird der angeführte Umstand meiner Entfernung von Frankfurt zu meiner Entschuldigung gereichen.
Genehmigen Sie, hochgeehrter Herr Geheimer Rath, die Versicherung der innigsten Verehrung und Hochachtung, mit welcher ich verharre
Ihrganz gehorsamsterA. F. v. Schack.
Schall, Karl
Geb. am 24. Februar 1780 zu Breslau, gestorben ebendaselbst am 18. August 1833.
Schall mag wohl nicht der einzige Poet sein, dessen eigentliche That- und Schöpfungs-Kraft durch liebenswürdige Gesellschaftsgaben und vielseitigen Verkehr im Kleinen gleichsam zersplittert worden sind. Er wußte viel, er erlernte täglich mehr, er konnte mit den Gelehrten verschiedenster Fächer wissenschaftliche Gespräche durchfechten, machte geistreiche, zierliche Gedichte, schrieb unzählige witzige pikante Billetchen, war und blieb ein Orakel für Schriftsteller, Schauspieler und Studenten, die sich um ihn schaarten, galt bei Männern aus allen Ständen für eine bedeutende Autorität, und brachte es dabei doch nur zu wenigen Lustspielen, von denen drei allerdings zu ihrer Zeit, wirklich Epoche machten:
Kuß und Ohrfeige – Trau schau wem – die unterbrochene Whistpartie. – Ein viertes: – Mehr Glück als Verstand – hat weniger gefallen. Und seine größte Arbeit – Theatersucht – ist auf dem Berliner Hoftheater (in Breslau machte sie Glück) ausgepfiffen worden, als sie neu war (1815); wohl hauptsächlich weil sie die Narrheiten der Dilettanten-Theater verspottet, und weil die zahlreichen Mitglieder derselben Anstalten sich gegen solchen Spott auflehnten. So ging das vorzüglichste seiner Lustspiele halb und halb verloren und dieses Mißgeschick hemmte die frischbegonnene Thätigkeit. Er ließ sich einschüchtern und wurde verzagt. Durch eine im Jahre 1827 versuchte Wiederaufnahme der Theatersucht, welche im königstädter Theater glücklich von Statten ging, ließ er sich neu anregen. Doch was er fürder mühsam schuf, ist breit, schleppend, ohne rechtes theatralisches Leben. Wenn man Stücke betrachtet wie: Das Kinderspiel – Eigne Wahl – der Knopf am Flausrock – Schwert und Spindel u. s. w. kann man nur bedauern, daß solche Fülle von Geist, Witz, Gemüth und Wissen zu einem wirkungslosen Hin- und Herreden verschwendet worden. Für „Schwert und Spindel“ waren zehnjährige Studien gemacht und ganze Stöße von Excerpten zusammen getragen worden, um einige – auf der Bühne langweilige – Scenen damit auszustaffieren! Und dies von einem berufenen Kenner dramatischer und dramaturgischer Zustände; von einem in’s Detail gehenden Theaterkritiker! – Es ist lehrreich, und fordert zu ernsten Betrachtungen auf, daß ähnliche Selbsttäuschungen fortwähren konnten bis zum Tode. (Siehe den vorletzten, ein Jahr vor seinem Ende geschriebenen Brief.) – Eines kleinen Gelegenheitsstückes haben wir noch zu gedenken, welches Schall für die Bühne seiner Vaterstadt schrieb, und in welchem Ludwig Devrient, damals in vollster Blüthe des Genie’s, die Hauptrolle gab. Es hieß: das Heiligthum, und galt dem Jahresfeste der Königin Luise von Preußen. Es war ein Meisterwerk dieser Gattung; es war zugleich ein kühnes Wagstück: umgeben von Spionen, unter französischem Drucke, treue Preußenherzen zu solcher Huldigung aufzurufen. – Nur Wenige der Jetztlebenden werden noch eine Erinnerung an jenen festlichen Abend in ihrer Seele bewahren; aber bei diesen wird sie auch erst mit dem Leben erlöschen.
I
Breslau, d. 16t. Febr. 1820.
Verehrtester!
Mit einer etwas verspäteten Erwiederung Ihres Schreibens vom 22ten Junius vorigen Jahres, welches mir durch Karl von Raumer zugekommen war, sandte ich Ihnen die beiden Schauspiele: Fair Em und Arden of Feversham, denen ich einige selbst verfaßte Lustspiel-Makulatur beigelegt hatte. Da ich nicht wußte, daß Sie zur Zeit der Absendung, von Ziebingen bereits ab und nach Dresden gereist waren, hatte ich das Paket nach dem ersteren Ort adressirt und abgeschickt. Es kam nicht zurück und ich setzte demnach voraus, es sey Ihnen nachgesandt worden. Von dieser Voraussetzung unterrichtete ich Sie durch einige nach Dresden geschriebene Zeilen. Da Sie, böser Mann, mir nun auf meine beiden Epistelchen nicht ein einziges kleines Sylblein geantwortet und mir den Empfang des Uebersandten keineswegs bestätigt haben; so kann ich es nun nicht länger anstehen lassen, und muß Ihnen hiermit noch einmal schriftlich zu Leibe gehen und Sie bey Shakspeare’s Schatten beschwören, mich recht bald wissen zu lassen: ob die dramata questionis in Ihren Händen sind; ob Sie selbige noch länger zu behalten wünschen; ob sie Lust haben sie zu übersetzen – nemlich die Englischen in’s Deutsche, nicht etwa meine Chosen in’s Englische; – was Sie davon halten u. s. w.
Ich bin seit dem 1. Januar anni currentis ein Zeitungsschreiber geworden und gebe hierselbst vom Fürsten Staatskanzler berechtigt und begünstigt eine politisch-szientivisch-artistische mit einem sogenannten Intelligenzblatt versehene Zeitung unter dem Titel Neue Breslauer Zeitung im Vereine mit einem sehr tüchtigen Mitarbeiter, meinem Freunde dem Doktor Löbell, einem Ihrer größten Verehrer, heraus. Meine hiesigen Freunde, Steffens, der sich sehr freundlich und lebhaft für mein Unternehmen interessirt, Hagen, Büsching, Menzel u. a. nehmen thätigen Antheil an meinem Blatt, mit dessen Erfolg ich für den Anfang alle Ursache habe zufrieden zu seyn. Auch Raumer hat mir schon einige Mittheilungen von Berlin aus gemacht, mit denen sich etwas sehr Spaßhaftes zugetragen hat, indem er jetzt selbst als Mitgleid der Ober-Censur-Commission über ein Paar Aufsätze zu richten hat, die er mir anonym geschickt hatte und denen von der hiesigen Censur das imprimatur verweigert wurde. Sie haben doch Nachrichten von ihm? Sein Aufenthalt in Berlin ist ihm durch Manches verleidet, besonders durch Solgers Tod, der auch Ihnen höchst schmerzlich gewesen seyn muß. Solgers trefflicher Schwanengesang, die Beurtheilung der dramaturgischen Vorlesungen Schlegel’s, ist mir im höchsten Grade erfreulich und belehrend gewesen. Könnten Sie nicht einen besonderen Abdruck dieses Aufsatzes veranlassen? mir scheint ein solcher sehr wünschenswerth und ersprießlich. In den geistreichen, tiefen, und zum Theil ganz neuen Ansichten sowohl Shakspeares als auch Calderons ist Ihre Mitwirkung unverkennbar. Warum lassen Sie Einen denn so ungebührlich lange schmachten und zappeln nach Ihrem Werke über Meister William, ach und nach so vielem, vielem Anderem!!??
Vielleicht ist es Ihnen nicht uninteressant zu erfahren, daß auf meine Anregung unser Theater sich kürzlich an eine Aufführung von Romeo und Julie, nach Schlegels Uebersetzung und sehr mäßig gestrichen, gewagt und zwar mit sehr glücklichem Erfolge gewagt hat. Ich habe mich in meiner Zeitung über dieses Wagstück des Breiteren vernehmen lassen. Der jetzige Dramaturg unserer Bühne, ein Regierungsrath Heinke, mit dem ich in gutem Vernehmen stehe, der sehr auf mich hört und achtet und Sinn für das Bessere und Beste hat, will im Laufe dieses Jahres noch mehrere Shakspeariana möglichst unbeschnitten auf unser hiesiges kleines o bringen14.
Doch genug, vielleicht schon zu viel des Gekritzels! Ehe ich aber die Ehre habe zu seyn &c. wage ich doch noch eine Bitte an Sie. Sie sollen sich nemlich zur Strafe, daß Sie mir noch nicht geschrieben haben, nicht nur die Verpflichtung auflegen: mir wirklich bald zu schreiben, sondern sich als Extra-Pönitenz noch zu irgend einigen Notizen verpflichten, die Sie mit Hochdero Namensunterschrift dem Herausgeber der Neuen Breslauer Zeitung als eine höchst erfreuliche Gabe zukommen lassen. Bitte, bitte, bitte!
Vale et faveTuo TuissimoK. Schall.
diese Hahnengrube
Faßt sie die Ebnen Frankreichs? stopft man wohl
In dieses o von Holz die Helme nur,
Wovor bei Agincourt die Luft erbebt?
