Kitabı oku: «Das Neue Testament - jüdisch erklärt», sayfa 35
Lukas 21
1 Er blickte aber auf und sah, wie die Reichen ihre Gaben in den Gotteskasten einlegten. 2 Er sah aber eine arme Witwe, die legte dort zwei Scherflein ein. 3 Und er sprach: Wahrlich, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr als sie alle eingelegt. 4 Denn diese alle haben etwas von ihrem Überfluss zu den Gaben eingelegt; sie aber hat von ihrer Armut alles eingelegt, was sie zum Leben hatte.
Lk 21,1–4 Die Opfergabe der Witwe (Mk 12,41–44) 21,1 Gotteskasten, ein Gefäß für freiwillige Gaben (mScheq 2,1; 6,1; in Joh 8,20 bezieht sich der Begriff auf einen Raum im Tempel). 21,2 Scherflein, gr. lepton, vgl. Anm. zu 12,59. 21,4 Alles eingelegt, Jesus lobt die Wohltätigkeit der Frau (vgl. Anm. zu 6,30; WaR 3,5 zu Lev 1,17 erzählt die anschauliche Geschichte eines Priesters, der die Gabe einer Hand voll Essen von einer Frau ablehnt und daraufhin von Gott zurechtgewiesen wird). Entgegen mancher Kommentare verurteilt Jesus den Tempel nicht aufgrund von Ausbeutung. Hätte Jesus angenommen, die Frau würde ausgebeutet werden, hätte er sie anweisen können, die Münzen zu behalten.
5 Und als einige von dem Tempel sagten, dass er mit schönen Steinen und Weihegaben geschmückt sei, sprach er: 6 Es wird die Zeit kommen, in der von dem allen, was ihr seht, nicht ein Stein auf dem andern gelassen wird, der nicht zerbrochen werde.
Lk 21,5–6 Die Vorhersage der Tempelzerstörung (Mt 24,1–2; Mk 13,1–2) 21,5 Schöne Steine, Josephus beschreibt in Ant. 15,416 „[eine steinerne Wand, die] sehr exakt geglättet war, sodass, wer sie nicht gesehen, sich keine Vorstellung von ihrer Schönheit machen konnte, und dass der, welcher sie sah, in staunendes Entzücken geriet“ (Ant 15,392; Bell. 223). 21,6 Vgl. Anm. zu 19,43–44.
7 Sie fragten ihn aber: Meister, wann wird das geschehen? Und was wird das Zeichen sein, wenn das geschehen wird? 8 Er aber sprach: Seht zu, lasst euch nicht verführen. Denn viele werden kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin‘s, und: Die Zeit ist herbeigekommen. – Lauft ihnen nicht nach! 9 Wenn ihr aber hören werdet von Kriegen und Unruhen, so entsetzt euch nicht. Denn das muss zuvor geschehen; aber das Ende ist noch nicht so bald da. 10 Dann sprach er zu ihnen: Ein Volk wird sich erheben gegen das andere und ein Reich gegen das andere, 11 und es werden geschehen große Erdbeben und hier und dort Hungersnöte und Seuchen; auch werden Schrecknisse und vom Himmel her große Zeichen geschehen.
Lk 21,7–11 Die Zeichen der Endzeit (Mt 24,3–8; Mk 13,3–8) 21,7 Wann wird das geschehen, vgl. Anm. zu 17,20–21; Apg 1,6. 21,10 Ein Volk wird sich erheben gegen das andere, ein verbreiteter metaphorischer Ausdruck, der mit dem Erscheinen der göttlichen Gerechtigkeit assoziiert wird (Jes 19,2). 21,11 Erdbeben […] Hungersnöte […] Seuchen, übliche apokalyptische Sprache (z.B. Offb passim; 4Esr 9,3).
12 Aber vor diesem allen werden sie Hand an euch legen und euch verfolgen und werden euch überantworten den Synagogen und Gefängnissen und euch vor Könige und Statthalter führen um meines Namens willen. 13 Das wird euch widerfahren zu einem Zeugnis. 14 So nehmt nun zu Herzen, dass ihr euch nicht sorgt, wie ihr euch verteidigen sollt. 15 Denn ich will euch Mund und Weisheit geben, der alle eure Widersacher nicht widerstehen noch widersprechen können. 16 Ihr werdet aber verraten werden von Eltern und Geschwistern, Verwandten und Freunden; und sie werden einige von euch zu Tode bringen. 17 Und ihr werdet gehasst sein von jedermann um meines Namens willen. 18 Und kein Haar von eurem Haupt soll verloren gehen. 19 Seid standhaft, und ihr werdet euer Leben gewinnen.
Lk 21,12–19 Die Verfolgung der Jünger (Mt 24,9–14; Mk 13,9–13) 21,12 Hand an euch legen und euch verfolgen, es fanden zwar lokale Verfolgungen statt (z.B. die neronische Verfolgung im Jahr 64 u.Z. in Rom), jedoch gab es bis zur decischen Verfolgung im Jahr 250 u.Z. keine Maßnahmen, die im gesamten Reich durchgeführt wurden. Synagogen, vgl. Anm. zu 12,11. 21,14–15 Vgl. Lk 12,11–12. 21,16 Eltern und Geschwister, vgl. Anm. zu 12,51. 21,18 Kein Haar von eurem Haupt, deutet Unverletzlichkeit an; vgl. Lk 12,7; 1Sam 14,45; 2Sam 14,11; 1Kön 1,52; Apg 27,34. 21,19 Euer Leben gewinnen, ewiges Leben haben.
20 Wenn ihr aber sehen werdet, dass Jerusalem von einem Heer belagert wird, dann erkennt, dass seine Verwüstung nahe herbeigekommen ist. 21 Alsdann, wer in Judäa ist, der fliehe ins Gebirge, und wer in der Stadt ist, gehe hinaus, und wer auf dem Lande ist, komme nicht hinein. 22 Denn das sind die Tage der Vergeltung, dass erfüllt werde alles, was geschrieben ist.
23 Wehe den Schwangeren und den Stillenden in jenen Tagen! Denn es wird große Not auf Erden sein und Zorn über dies Volk kommen, 24 und sie werden fallen durch die Schärfe des Schwertes und gefangen weggeführt unter alle Völker, und Jerusalem wird zertreten werden von den Heiden, bis die Zeiten der Heiden erfüllt sind.
Lk 21,20–24 Die Verwüstung Jerusalems (Mt 24,15–22; Mk 13,14–20) 21,20 Von einem Heer belagert, vgl. Anm. zu 19,43–44. 21,22 Tage der Vergeltung, vgl. Jes 63,4; Hos 9,7. 21,23 Schwangere […] Stillende, vgl. Anm. zu 12,51. 21,24 Die Zeiten der Heiden, verweist vielleicht auf die Völkermission (vgl. Röm 11,25) oder auf die Zeit nach der Tempelzerstörung im Jahr 70 u.Z; es werden keine Unterscheidungsmerkmale oder zeitliche Beschränkungen dieses Zeitalters angegeben.
25 Und es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen, und auf Erden wird den Völkern bange sein, und sie werden verzagen vor dem Brausen und Wogen des Meeres, 26 und die Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die ganze Erde; denn die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen. 27 Und alsdann werden sie sehen den Menschensohn kommen in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit. 28 Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann seht auf[*] und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.
Lk 21,25–28 Das Kommen des Menschensohns (Mt 24,29–31; Mk 13,24–27) 21,25–27 Mit apokalyptischen Elementen aus Joel 3,3–4; Jes 24,19[LXX]; Ps 46,4; 65,8; 89,10; Weish 5,22. 21,25 Jes 13,10; Joel 2,10; Zef 1,15. 21,26 Kräfte der Himmel, Himmelskörper und/oder übernatürliche Wesen (Röm 8,38; Eph 6,12; Kol 1,16; Hebr 6,5; 1Petr 3,22). 21,27 Menschensohn, vgl. Anm. zu 5,24. Wolke, vgl. Dan 7,13; Apg 1,9.
29 Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Seht den Feigenbaum und alle Bäume an: 30 wenn sie jetzt ausschlagen und ihr seht es, so wisst ihr selber, dass der Sommer schon nahe ist. 31 So auch ihr: Wenn ihr seht, dass dies alles geschieht, so wisst, dass das Reich Gottes nahe ist.
32 Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis es alles geschieht. 33 Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen.
Lk 21,29–33 Die Lehre des Feigenbaums (Mt 24,32–36; Mk 13,28–32) 21,32 Vgl. Anm. zu 9,27. 21,33 Vgl. Lk 16,17. Meine Worte werden nicht vergehen, eine Kombination von Motiven aus Jesaja über Gottes zuverlässiges und dauerhaftes Wort (z.B. Jes 40,8 [„Das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich“]; 54,10).
34 Hütet euch aber, dass eure Herzen nicht beschwert werden durch Rausch und Saufen und mit täglichen Sorgen und dieser Tag nicht plötzlich über euch komme 35 wie ein Fallstrick. Denn er wird über alle kommen, die auf der ganzen Erde wohnen. 36 Wachet aber allezeit und betet, dass ihr stark werdet, zu entfliehen diesem allen, was geschehen soll, und zu stehen vor dem Menschensohn.
Lk 21,34–36 Ermahnung zur Wachsamkeit (Vgl. Mt 24,43–51; 25,13; Mk 13,33–37; vgl. auch Lk 12,35–48). 21,34 Saufen, vgl. Tob 4,15; Sir 31,30; Röm 13,13; Gal 5,21; 1Petr 4,3. 21,35 Wie ein Fallstrick, wie auch bei der Metapher des „Diebes in der Nacht“ können Vorkehrungen getroffen werden, aber das genaue Hereinbrechen des Eschaton kann nicht vorhergesagt werden. 21,36 Menschensohn, vgl. Anm. zu 5,24; Lk 21,25–28; die Bilder erinnern an Lk 18,1–8.
37 Er lehrte des Tags im Tempel; des Nachts aber ging er hinaus und blieb an dem Berg, den man den Ölberg nennt. 38 Und alles Volk machte sich früh auf zu ihm, ihn im Tempel zu hören.
Lk 21,37–38 Jesu Tätigkeit in Jerusalem 21,37 Ölberg, vgl. Anm. zu 19,29.
Lukas 22
1 Es war aber nahe das Fest der Ungesäuerten Brote, das Passa heißt. 2 Und die Hohenpriester und Schriftgelehrten trachteten danach, wie sie ihn töten könnten; denn sie fürchteten sich vor dem Volk.
3 Es fuhr aber der Satan in Judas, genannt Iskariot, der zur Zahl der Zwölf gehörte. 4 Und er ging hin und redete mit den Hohenpriestern und mit den Hauptleuten darüber, wie er ihnen Jesus überantworten könnte. 5 Und sie wurden froh und kamen überein, ihm Geld zu geben. 6 Und er sagte es zu und suchte eine Gelegenheit, dass er ihn an sie ausliefere ohne Aufsehen.
Lk 22,1–6 Judas Iskariot 22,1 Fest der ungesäuerten Brote, Mt 26,2–5; Mk 14,1–2; Joh 11,47–53, vgl. Ex 12,17; 23,15; 34,18; Lev 23,5–6 (wo Pesach und das Fest der ungesäuerten Brote als unterschiedliche Feiertage aufgeführt werden); Num 28,17; Dtn 16,16 (wo die zwei Feiertage anscheinend zusammenfallen); 2Chr 8,13 u.a. Das Passa heißt, wohl eine Erklärung für nichtjüdische Leserinnen und Leser. Auch im Talmud (bSan 43a) wird Jesu Tod mit der Zeit des Pesachfestes in Verbindung gebracht. 22,3–6 Vgl. Mt 26,14–16; Mk 14,10–11. Satan, vgl. Anm. zu 4,3; sein erneutes Erscheinen ist die „bestimmte Zeit“ von Lk 4,13; vgl. auch Joh 13,2. Judas, vgl. Anm. zu 6,16. Hohenpriester, vgl. Anm. zu 19,47.
7 Es kam nun der Tag der Ungesäuerten Brote, an dem man das Passalamm opfern musste. 8 Und er sandte Petrus und Johannes und sprach: Geht hin und bereitet uns das Passalamm, damit wir‘s essen. 9 Sie aber fragten ihn: Wo willst du, dass wir‘s bereiten? 10 Er sprach zu ihnen: Siehe, wenn ihr hineinkommt in die Stadt, wird euch ein Mensch begegnen, der trägt einen Wasserkrug; folgt ihm in das Haus, in das er hineingeht, 11 und sagt zu dem Hausherrn: Der Meister lässt dir sagen: Wo ist die Herberge, in der ich das Passalamm essen kann mit meinen Jüngern? 12 Und er wird euch einen großen Saal zeigen, schön ausgelegt; dort bereitet das Mahl. 13 Sie gingen hin und fanden‘s, wie er ihnen gesagt hatte, und bereiteten das Passalamm.
Lk 22,7–13 Vorbereitungen für Pesach (Mt 26,17–19; Mk 14,12–16; Joh 13,1) 22,7 Tag der Ungesäuerten Brote, vgl. Anm. zu 22,1. Passalamm, vgl. Ex 12,8.21. Bzgl. Pesach vgl. Anm. zu 2,41. 22,10 Ein Mensch […], der trägt einen Wasserkrug, Annahmen, er sei deshalb aufgefallen, weil das Wasserholen eine Arbeit von Frauen gewesen wäre, können nicht belegt werden. Wiederum ein Hinweis auf lokale Unterstützung; vgl. Anm. zu 19,30. 22,11 Herberge, gr. kataluma, vgl. Lk 2,7. 22,13 Bereiteten, bedeutet die Beschaffung eines Lammes (zum Opfer im Tempel), von ungesäuertem Brot und Bitterkräutern (vgl. die detaillierte Beschreibung in mPes). Passalamm, nach den synoptischen Evangelien ist das letzte Abendmahl ein Pesachmahl, nach dem JohEv nicht.
14 Und als die Stunde kam, setzte er sich nieder und die Apostel mit ihm. 15 Und er sprach zu ihnen: Mich hat herzlich verlangt, dies Passalamm mit euch zu essen, ehe ich leide. 16 Denn ich sage euch, dass ich es nicht mehr essen werde, bis es erfüllt wird im Reich Gottes. 17 Und er nahm den Kelch, dankte und sprach: Nehmt ihn und teilt ihn unter euch; 18 denn ich sage euch: Ich werde von nun an nicht trinken von dem Gewächs des Weinstocks, bis das Reich Gottes kommt.
19 Und er nahm das Brot, dankte und brach‘s und gab‘s ihnen und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis. 20 Desgleichen auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund[*] in meinem Blut, das für euch vergossen wird!
Lk 22,14–20 Das letzte Abendmahl (Mt 26,26–29; Mk 14,22–25; vgl. Joh 6,51–58) 22,14 Die Stunde, des Mahls. 22,17 Dankte, der Segensspruch vor dem Trinken. Nur bei Lukas wird der Kelch sowohl vor als auch nach dem Brot erwähnt. 22,18 Bis das Reich Gottes kommt, der Fokus liegt (im Gegensatz zu Lk 17,21) eher auf dem zukünftigen als auf dem gegenwärtigen Reich. 22,19 Brot, gr. artos, könnte ungesäuertes Brot bezeichnen. Dankte, vgl. Anm. zu 9,16. Das ist mein Leib, vgl. 1Kor 11,23–26. Jesus assoziiert seinen Leib mit dem Brot, was mitunter als Kannibalismus gedeutet wurde (Joh 6,60). 22,20 Neuer Bund, vgl. Jer 31,31; 1Kor 11,25; 2Kor 3,6; Hebr 8,8.13; 9,15; 12,24. Zur Verbindung zwischen Bund und Blut vgl. Ex 24,8.
21 Doch siehe, die Hand meines Verräters ist mit mir am Tisch. 22 Denn der Menschensohn geht zwar dahin, wie es beschlossen ist; doch weh dem Menschen, durch den er verraten wird! 23 Und sie fingen an, untereinander zu fragen, wer es wohl wäre unter ihnen, der das tun würde.
Lk 22,21–23 Vorhersage des Verrats (Mt 26,21–25; Mk 14,18–21; Joh 13,21–30) 22,21 Die Hand […] ist mit mir am Tisch, vielleicht eine Anspielung auf Ps 41,10 (der Freund, der an der Mahlzeit teilnimmt). 22,22 Menschensohn, vgl. Anm. zu 5,24. Weh dem Menschen, obwohl Jesu Tod vorherbestimmt ist und er ihn willentlich annimmt, trifft Judas dennoch Verantwortung. R. Aqiva sagte: „Alles ist vorhergesehen, und [doch] ist [den Menschen] Freiheit gegeben“ (mAv 3,15).
24 Es erhob sich auch ein Streit unter ihnen, wer von ihnen als der Größte gelten sollte. 25 Er aber sprach zu ihnen: Die Könige herrschen über ihre Völker, und ihre Machthaber lassen sich Wohltäter nennen. 26 Ihr aber nicht so! Sondern der Größte unter euch soll sein wie der Jüngste und der Vornehmste wie ein Diener. 27 Denn wer ist größer: der zu Tisch sitzt oder der dient? Ist‘s nicht der, der zu Tisch sitzt? Ich aber bin unter euch wie ein Diener.
28 Ihr aber seid‘s, die ihr ausgeharrt habt bei mir in meinen Anfechtungen. 29 Und wie mir mein Vater das Reich bestimmt hat, so bestimme ich für euch, 30 dass ihr essen und trinken sollt an meinem Tisch in meinem Reich und sitzen auf Thronen und richten die zwölf Stämme Israels.
Lk 22,24–30 Dienen als Leitung (Mt 20,24–28; Mk 10,41–45; vgl. Joh 13,3–16) 22,25 Wohltäter, gr. euergetai, wörtl. „die, die Gutes tun“; eine titulare Bezeichnung, die üblicherweise Königen zuteil wird (Jos.Bell. 3,469 [Vespasian]; 4,111 [Titus]). 22,27 Vgl. Anm. zu 12,37. 22,30 An meinem Tisch, vgl. Anm. zu 11,3. Sitzen auf Thronen, vgl. Mt 19,28; vgl. auch Ps 122,5.
31 Simon, Simon, siehe, der Satan hat begehrt, euch zu sieben wie den Weizen. 32 Ich aber habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre. Und wenn du dann umkehrst, so stärke deine Brüder. 33 Er aber sprach zu ihm: Herr, ich bin bereit, mit dir ins Gefängnis und in den Tod zu gehen. 34 Er aber sprach: Petrus, ich sage dir: Der Hahn wird heute nicht krähen, ehe du dreimal geleugnet hast, dass du mich kennst.
Lk 22,31–34 Vorhersage der Verleugnung des Petrus (Mt 26,30–35; Mk 14,26–31; Joh 13,36–38) 22,32 Für dich gebeten, vgl. Anm. zu 3,21. Dein Glaube nicht aufhöre, deutet an, dass man Satan widerstehen kann. 22,34 Vgl. V. 54–62.
35 Und er sprach zu ihnen: Als ich euch ausgesandt habe ohne Geldbeutel, ohne Tasche und ohne Schuhe, habt ihr je Mangel gehabt? Sie sprachen: Nein, keinen. 36 Da sprach er zu ihnen: Aber nun, wer einen Geldbeutel hat, der nehme ihn, desgleichen auch eine Tasche, und wer‘s nicht hat, verkaufe seinen Mantel und kaufe ein Schwert. 37 Denn ich sage euch: Es muss das an mir vollendet werden, was geschrieben steht (Jesaja 53,12): »Er ist zu den Übeltätern gerechnet worden.« Denn was von mir geschrieben ist, das hat ein Ende. 38 Sie sprachen aber: Herr, siehe, hier sind zwei Schwerter. Er aber sprach zu ihnen: Es ist genug.
Lk 22,35–38 Vorbereitung der Gefangennahme Jesu 22,35 Vgl. Lk 9,3; 10,4. 22,37 Vgl. Jes 53,12 im Kontext des leidenden Gottesknechts (vgl. auch Apg 8,32–35). 22,38 Zwei Schwerter, die Nachfolger Jesu sind bewaffnet (vgl. Lk 22,49–50; Jesus lehnt gewaltsame Vergeltung ab).
39 Und er ging nach seiner Gewohnheit hinaus an den Ölberg. Es folgten ihm aber auch die Jünger. 40 Und als er dahin kam, sprach er zu ihnen: Betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallt!
41 Und er riss sich von ihnen los, etwa einen Steinwurf weit, und kniete nieder, betete 42 und sprach: Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe! 43 [Es erschien ihm aber ein Engel vom Himmel und stärkte ihn. 44 Und er geriet in Todesangst und betete heftiger. Und sein Schweiß wurde wie Blutstropfen, die auf die Erde fielen.][*]
45 Und er stand auf von dem Gebet und kam zu seinen Jüngern und fand sie schlafend vor Traurigkeit 46 und sprach zu ihnen: Was schlaft ihr? Steht auf und betet, damit ihr nicht in Anfechtung fallt!
Lk 22,39–46 Todesangst auf dem Ölberg (Mt 26,36–46; Mk 14,32–42; Joh 18,1–2) Lukas vermeidet Aramaismen wie „Gethsemane“. 22,39 Nach seiner Gewohnheit, vgl. Lk 21,37. Ölberg, vgl. Anm. zu 19,29. 22,40 Anfechtung, vgl. auch V. 46 und Anm. zu 11,4. 22,41 Betete, vgl. Anm. zu 3,21. 22,42 Kelch, symbolisiert das Schicksal (Ps 11,6; 16,5) und nicht den göttlichen Zorn (Jes 51,17; Ps 75,9). 22,43–44 Todesangst […] sein Schweiß wurde wie Blutstropfen, obwohl sie in Handschriften des späten zweiten Jahrhunderts überliefert werden, fehlen diese Verse in wichtigen Bibeltexten des dritten und vierten Jahrhunderts. Mit der Entwicklung der Christologie lehnten Teile der christlichen Ausleger die Vorstellung ab, dass Jesus solch tiefe Emotionen haben könnte – vor allem wenn es so aussehen könnte, als fürchtete er sich vor dem Kreuz. 22,45 Vor Traurigkeit, Lukas schwächt das Versagen der Jünger wachzubleiben ab.
47 Als er aber noch redete, siehe, da kam eine Schar; und einer von den Zwölfen, der mit dem Namen Judas, ging vor ihnen her und nahte sich Jesus, um ihn zu küssen. 48 Jesus aber sprach zu ihm: Judas, verrätst du den Menschensohn mit einem Kuss? 49 Als aber, die um ihn waren, sahen, was geschehen würde, sprachen sie: Herr, sollen wir mit dem Schwert dreinschlagen? 50 Und einer von ihnen schlug nach dem Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm sein rechtes Ohr ab. 51 Da sprach Jesus: Lasst ab! Nicht weiter! Und er rührte sein Ohr an und heilte ihn.
52 Jesus aber sprach zu den Hohenpriestern und Hauptleuten des Tempels und den Ältesten, die zu ihm hergekommen waren: Ihr seid wie gegen einen Räuber mit Schwertern und mit Stangen ausgezogen? 53 Ich bin täglich bei euch im Tempel gewesen, und ihr habt nicht Hand an mich gelegt. Aber dies ist eure Stunde und die Macht der Finsternis.
Lk 22,47–53 Jesu Gefangennahme (Mt 26,47–56; Mk 14,43–52; Joh 18,2–12) 22,47 Küssen, vgl. 2Sam 20,9; die Begrüßung der Nachfolgerinnen und Nachfolger Jesu (Röm 16,16; 1Kor 16,20; 2Kor 13,12; 1Thess 5,26; 1Petr 5,14). 22,48 Menschensohn, vgl. Anm. zu 5,24. 22,49 Schwert, vgl. Lk 22,36–38. 22,52 Hohenpriestern, werden nur im lukanischen Bericht der Gefangennahme erwähnt (vgl. Anm. zu 19,47). Räuber, gr. lēstēs, kein einfacher Dieb, sondern jemand der Gewalt ausübt (Lk 10,30.36; 19,46). 22,53 Macht der Finsternis, vgl. Lk 1,79; 11,35–36; 23,44; Kol 1,13; Lukas stellt die Macht der Hohenpriester als kosmisch böse dar (vgl. auch Ps 82,5; 107,10.14 u.a.).
54 Sie ergriffen ihn aber und führten ihn ab und brachten ihn in das Haus des Hohenpriesters. Petrus aber folgte von ferne. 55 Da zündeten sie ein Feuer an mitten im Hof und setzten sich zusammen; und Petrus setzte sich mitten unter sie. 56 Da sah ihn eine Magd im Licht sitzen und sah ihn genau an und sprach: Dieser war auch mit ihm. 57 Er aber leugnete und sprach: Frau, ich kenne ihn nicht. 58 Und nach einer kleinen Weile sah ihn ein anderer und sprach: Du bist auch einer von denen. Petrus aber sprach: Mensch, ich bin‘s nicht.
59 Und nach einer Weile, etwa nach einer Stunde, bekräftigte es ein anderer und sprach: Wahrhaftig, dieser war auch mit ihm; denn er ist auch ein Galiläer. 60 Petrus aber sprach: Mensch, ich weiß nicht, was du sagst. Und alsbald, während er noch redete, krähte der Hahn. 61 Und der Herr wandte sich und sah Petrus an. Und Petrus gedachte an des Herrn Wort, wie er zu ihm gesagt hatte: Ehe heute der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. 62 Und Petrus ging hinaus und weinte bitterlich.
Lk 22,54–62 Die Verleugnungen des Petrus (Mt 26,69–75; Mk 14,66–72; Joh 18,12–27) 22,59 Galiläer, vermutlich konnte er aufgrund seines Akzents identifiziert werden. 22,61 Der Herr […] sah Petrus an, nur im LkEv.
63 Die Männer aber, die Jesus gefangen hielten, verspotteten ihn und schlugen ihn, 64 verdeckten sein Angesicht und fragten: Weissage, wer ist‘s, der dich schlug? 65 Und viele andere Lästerungen sagten sie gegen ihn.
Lk 22,63–65 Die Verspottung (Mt 26,67–68; 27,27–31a; Mk 14,65; 15,16–20a; vgl. Joh 18,22–24).
66 Und als es Tag wurde, versammelte sich der Rat der Ältesten des Volkes – Hohepriester und Schriftgelehrte –, und sie führten ihn vor ihren Hohen Rat 67 und sprachen: Bist du der Christus, so sage es uns! Er sprach aber zu ihnen: Sage ich‘s euch, so glaubt ihr‘s nicht; 68 frage ich aber, so antwortet ihr nicht. 69 Aber von nun an wird der Menschensohn sitzen zur Rechten der Kraft Gottes. 70 Da sprachen sie alle: Bist du denn Gottes Sohn? Er sprach zu ihnen: Ihr sagt es, ich bin es. 71 Sie aber sprachen: Was bedürfen wir noch eines Zeugnisses? Wir haben‘s selbst gehört aus seinem Munde.
Lk 22,66–71 Die Verurteilung durch den Hohen Rat (Mt 27,1; 26,59–65; Mk 14,55–63; 15,1; Joh 18,13–14.19–23) 22,66 Rat, gr. synedrion, Sanhedrin, die gerichtliche Instanz. In mSan wird von einem „großen Sanhedrin“ aus einundsiebzig Personen berichtet, der sich im Tempel traf; den Vorsitz hatte der Hohepriester, aber Mitglieder waren die Weisen (Rabbinen). Dieser Bericht ist historisch höchst fragwürdig, da die Mischna dazu tendiert, die Macht der Weisen über die der Hohenpriester zu stellen. Die Darstellung in der Mischna gibt auch zu erkennen, dass ein kompletter Prozess vor dem Sanhedrin in der ersten Nacht vor Pesach eher unwahrscheinlich und unrechtmäßig gewesen wäre (z.B. mSan 4,1, wo festgehalten wird, dass es verboten war, Kapitalgerichtsprozesse am Abend vor einem Sabbat oder einem Festtag abzuhalten). Im JohEv fehlt der Prozess vor dem Sanhedrin; dort wird nur eine Anhörung vor Hannas geschildert. 22,67 Bist du der Christus, die Anklage gegen Jesus in Lk 23,2. 22,68 So antwortet ihr nicht, soll vielleicht an Lk 20,7 erinnern: Die Anführer können nicht antworten, ohne sich selbst zu überführen. Durch ihr Schweigen sind sie allerdings bereits überführt. 22,69 Menschensohn, vgl. Anm. zu 5,24. Sitzen zur Rechten, vgl. Ps 110,1; vgl. auch Kol 3,1; Hebr 8,1. Kraft Gottes, der Ausdruck erinnert an Jdt 13,19 (Metapher für Erlösung); Weish 7,25 (Metapher für Weisheit); 2Makk 3,24.28 u.a. (Überwältigung von Feinden) ebenso wie an die Kindheitserzählung (Lk 1,35). 22,70 Ihr sagt es, Jesus antwortet nicht direkt (anders in Mk 14,62). 22,71 Keine der Anklagen trifft auf Jesus zu: Genau genommen hat er weder Gotteslästerung betrieben noch war er an einem Aufruhr beteiligt.