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Das Projekt SprachLernBegleitung
Um den genannten hochschuldidaktischen Grundsätzen der Lernendenzentrierung und Kompetenzorientierung zu entsprechen, ist es treffpunkt sprachen ein Anliegen, in einem konstruktiven und persönlichen Umfeld auf die Lern- und Entwicklungsbedürfnisse der Studierenden einzugehen. Neben anderen informellen und offenen Lernformen, wie dem Tandem-Sprachenlernen, welches am Zentrum seit mehreren Jahren erfolgreich organisiert und durchgeführt wird, wurde im Rahmen eines fachdidaktischen Projekts die sogenannte SprachLernBegleitung eingeführt und etabliert. In einer coachenden Situation begleitet dabei ein SprachLernCoach in jeweils 50-minütigen Einheiten einen/eine StudentIn in Fragen des Sprachenlernens. Auch mehrmalige Treffen sind bei Bedarf möglich. Diese Beratung ist für Studierende kostenlos und die SprachLernBegleitenden, erfahrene und einfühlsame Lehrende, erhalten pro SprachLernBegleitung ein Honorar. treffpunkt sprachen bietet den SprachLernBegleiterInnen einmal pro Semester eine Weiterbildung an, in der sie in ihrer Tätigkeit unterstützt werden. Darüber hinaus finden regelmäßige Treffen, Supervisionen, statt, in denen Literatur ausgetauscht und über methodische Instrumente diskutiert wird. Die Organisation der einzelnen Sitzungen wird gesondert von Angestellten vorgenommen, sodass sich die SprachLernBegleitenden voll und ganz auf ihre Beratungstätigkeit konzentrieren können (zur Qualitätssicherung von Sprachlernberatungen siehe Spänkuch 2010, S. 134ff.).
Das Projekt SprachLernBegleitung startete im Studienjahr 2013/2014. Vor der Durchführung erster SprachLernBegleitungen im Sommersemester 2014 erfolgte die Erstellung eines Projektkonzepts, welches folgende Aspekte bzw. Themenbereiche abdeckt:
Formulierung von Projektzielen,
Festlegung auf einen systemisch orientierten Beratungszugang (siehe oben),
Organisation sowie Ablauf einer SprachLernBegleitung,
Konzeption von Weiterbildungsmodulen für SprachLernBegleitende,
Möglichkeiten der Evaluierung von durchgeführten SprachLernBegleitungen.
Als Projektziele der SprachLernBegleitung lassen sich im Wesentlichen formulieren:
Implementierung und Etablierung von SprachLernbegleitungen für Studierende von treffpunkt sprachen,
Unterstützung der SprachLernBegleitenden durch Weiterbildungen sowie Supervisionen und Arbeitsgemeinschaften sowie Bereitstellung von hilfreicher Literatur und Arbeitsmaterialien,
Erstellung eines Evaluierungsformulars für Studierende, um die Sichtweisen und Stellungnahmen der Studierenden im weiteren Projektverlauf berücksichtigen zu können.
Prozessbegleitende und zu diesem Zeitpunkt nicht abgeschlossene Projektevaluierung unter Berücksichtigung qualitativer Erhebungsverfahren, wie z.B. der Gruppendiskussion (vgl. Hofer 2015; S. 43ff. und Mayring 2002, S. 76ff.).
Wie zuvor erwähnt, ist es den Projektleitenden ein Anliegen, die Organisation einer SprachLernBegleitung nicht den SprachLernBegleitenden selbst zu übergeben, damit sich diese voll und ganz ihrem beratenden Wirken widmen können. Denn auch der administrative Bereich des Projekts ist durchaus arbeitsintensiv.
Zu Beginn jedes Studiensemesters wird die SprachLernBegleitung zunächst beworben. Dies erfolgt über die Verbreitung von Flyern sowie mittels PowerPoint-Präsentationen der Sprachlehrenden. Es ist von Bedeutung, dass die Sprachlehrenden den Studierenden die Zielsetzung einer SprachLernBegleitung darlegen und erläutern, unter welchen Umständen es sinnvoll und angebracht ist, diese in Anspruch zu nehmen. Es geht auch darum, die Studierenden dahingehend zu motivieren, dass sie die Scheu vor einer für sie vielleicht neuen Beratungssituation verlieren und dazu ermuntert werden, sich im Rahmen ihrer Probleme und Anliegen professionell begleiten zu lassen.
Zusätzlich weisen die Lehrenden während des Semesters auf das Projekt hin und sprechen Studierende, welchen eine individuelle Begleitung helfen könnte, gezielt an. Dies erfolgt vor allem dann, wenn unzureichende bzw. ausbaufähige Lernleistungen mit Problemstellungen, wie z.B. mangelnder Lernmotivation, Prüfungsängsten oder fehlender Lernorganisation, einhergehen. Aufgrund der hohen Studierendenzahlen und des relativ kurzen Zeitraums, in dem Lehrende mit den Studierenden arbeiten, sind sich diese oft nicht bewusst, welche Themenbereiche und Problemstellungen für die Lernenden relevant sind. Zudem sind nicht alle Studierenden bereit, sich in einer großen, „fremden“ Lerngruppe für persönlich relevante Themen zu öffnen. Ein Gespräch unter vier Augen bietet in solchen Fällen einen passenden Rahmen, in dem persönliche Anliegen offener besprochen werden können. Es ist zu beobachten, dass diese individualisierte Art des beratenden Lernens für viele Studierende noch ein neuartiges Lernsetting darstellt. Sie sind es nicht gewohnt, dass persönliche Lern- und Lebensumstände während des Studiums in dieser Form Berücksichtigung finden.
Entschließen sich Studierende eine SprachLernBegleitung in Anspruch zu nehmen, melden sie sich dafür via E-Mail an, woraufhin ein Termin mit einem/einer SprachLernBegleiterIn vereinbart wird. Die SprachLernBegleitung findet in einer konstruktiv-vertraulichen Besprechungsumgebung statt. Danach evaluieren die Studierenden die SprachLernBegleitung mittels eines elektronisch übermittelten Reflexionsformulars.
Das Evaluierungsformular (s. Anhang) wurde gemeinsam mit den SprachLernBegleitenden entwickelt. Zum einen sollen damit Informationen gesammelt werden, wie etwa Angaben zum Studium oder zum Thema der SprachLernBegleitung, die der Weiterentwicklung des Projekts dienlich sind und auch zu Forschungszwecken genutzt werden können. Zum anderen dienen die Rückmeldungen der Studierenden den SprachLernBegleitenden dazu, das eigene beratende Handeln zu reflektieren und anzupassen. Punkt 1 der Evaluierung betrifft Angaben zur Person (Geschlecht, Studienfach, Alter und Herkunftsland). In einem weiteren Schritt (Punkt 2) werden Informationen zur Organisation der SprachLernBegleitung gesammelt. In Punkt 3 bekommen die Studierenden die Möglichkeit, die Arbeit der SprachLernBegleitenden zu evaluieren. Dabei wird auf den Aufbau bzw. den Ablauf der Sitzung, die Beratungsatmosphäre, das Auftreten und die Empathie Wert gelegt. Die Evaluierungspunkte 4‒6 betreffen den persönlichen Reflexions- und Entwicklungsprozess der Studierenden. Diese sollen Aufschluss darüber geben, inwiefern die SprachLernBegleitung ein Unterstützungsinstrument im Rahmen von Sprachlernprozessen ist. Fokussiert werden die Lernmotivation, die Selbstsicherheit beim Sprachenlernen sowie die Formulierung der eigenen Erkenntnisse/Veränderungen durch die SprachLernBegleitung. Punkt 7 bietet Platz, weitere Wünsche und Anregungen zu formulieren.
Die Weiterbildung der SprachLernBegleitenden
Das Konzept der SprachLernBegleitung sieht kontinuierliche Weiterbildungen in modularer Form für die SprachLernBegleitenden vor. Diese sollen sicherstellen, dass sie bedarfsgerecht, theoriegeleitet und trotzdem praxisbezogen auf die beratende Tätigkeit mit den Studierenden vorbereitet und kontinuierlich begleitet werden, um gemachte Erfahrungen reflektieren lassen zu können. Die Weiterbildungen eröffnen den SprachLernBegleiterInnen die Möglichkeit, ihre fachliche Kompetenz zu erweitern, und bieten gleichzeitig einen Rahmen, um ihnen auch in ihrer persönlichen Weiterentwicklung zur Seite zu stehen. Ein Erfahrungsaustausch ist zudem ein fundamentaler Baustein für die Optimierung des gesamten Projekts. Die modularen Weiterbildungen wurden und werden vom Autor des vorliegenden Beitrags konzipiert und durchgeführt. Bislang fanden sechs gemeinsame Weiterbildungen statt, die im Folgenden präsentiert werden, um einen Einblick in deren inhaltliche Gestaltung zu bekommen. Sie sollen einen fließenden Übergang vom Lehren zum Beraten bewerkstelligen und den Beteiligten die Zeit geben, von der Lehrendenrolle in die des/der Beratenden zu wechseln. Es ist festzuhalten, dass jene Lehrenden für die Tätigkeit als SprachLernBegleitende ausgewählt wurden, die nicht nur das notwendige Interesse an einer beratenden Tätigkeit, sondern auch die entsprechenden Basiskompetenzen dafür mitbrachten. Aus der Sicht der Projektleitenden sind dies neben mehrjähriger Lehrerfahrung, Reflexionsfähigkeit, Einfühlungsvermögen, Gesprächskompetenz und die Bereitschaft, sich aus dem Bereich der Lehre herauszubegeben. Wesentlich ist darüber hinaus eine Transferkompetenz. Darunter versteht man die Fähigkeit, das fachliche Wissen bezüglich Sprachenlernen auf den beratenden Kontext zu übertragen. Des Weiteren ist eine Begleitungskompetenz notwendig, um abseits der Rolle des Fachvortragenden Selbsterkenntnisprozesse der Studierenden fördern zu können. Auf dem Kenntnisstand der ausgewählten SprachLernBegleitenden aufbauend, haben die Module das Ziel, Wissens- und Erkenntniserwerb im Bereich des coachenden und beratenden Settings zu ermöglichen. Dies schließt sowohl grundlegende theoretisch-wissenschaftliche Aspekte als auch methodische Umsetzungsinstrumentarien für das praktische Handeln ein. Neben den fachlich orientierten Lehrinhalten, welche in den Modulen vermittelt und erprobt werden, sei noch einmal ihr partizipativer Charakter erwähnt. Die Weiterbildungen werden auch dazu herangezogen, gemeinschaftlich am Projekt mitzuarbeiten und mitzuwirken. Dies betrifft etwa die gemeinsame Konzeption des Evaluierungsformulars, aber auch die forschende Beteiligung der SprachLernBegleitenden. So reflektieren sie etwa ihre Position und Erfahrungen als Lehrende und Beratende. Im Rahmen des dritten Moduls führte der Autor des vorliegenden Beitrags mit den SprachLernBegleitenden und Projektleitenden eine Gruppendiskussion durch. Darüber hinaus ist es den Projektleitenden ein Anliegen, durch die Umsetzung der SprachLernBegleitung am treffpunkt sprachen das beratende Lehren als Kernelement in die universitäre Lehre zu integrieren. Bevor die Ergebnisse der Gruppendiskussion thematisiert werden, werden an dieser Stelle die Module 1–6 angeführt.
Modul 1: Das Konzept der SprachLernBegleitung: Grundlagen des Systemischen Coachings
In Modul 1 wird das Konzept des Projekts SprachLernBegleitung mit seinen Möglichkeiten und Grenzen vorgestellt und gemeinsam diskutiert. Zudem erhalten die TeilnehmerInnen in theoretischer und praktischer Hinsicht einen Einblick in verschiedene Aspekte des systemischen Beratens. Fokussiert werden kommunikative Modelle, systemische Gesprächs- und Fragetechniken sowie die systemische Grundhaltung. Sie bekommen die Möglichkeit, sich als Coaches zu erproben und gemachte Erfahrungen zu reflektieren.
Modul 2: Systemisches Beraten und Begleiten: Methoden und Werkzeuge
In Modul 2 werden die persönlichen Ressourcen der SprachLernBegleitenden besprochen und deren Kompetenzen ausgebaut. Ziel ist es, an den individuellen Entwicklungsmeilensteinen zu arbeiten und diese zu reflektieren. Zudem stellt der Seminarleiter Methoden und Settings aus dem Bereich des Coachings vor: Einschätzungsinstrumente zum eigenen Lernerfolg, Selbsteinschätzungsbögen, Metaphernbildung, Visualisierungstechniken und Rollenspiele. Zudem runden die Besprechung von relevanten Texten und die Präsentation neuer Fachliteratur das Modul ab. Es soll Raum und Zeit gegeben werden, sich als Coach und SprachLernBegleiterIn zu erproben.
Modul 3: Die Rollen und Aufgaben von HochschuldidaktikerInnen
Modul 3 fokussiert das Arbeitsspektrum von Hochschullehrenden. Schwerpunkt ist die Reflexion des Tätigkeitprofils als Beratende, Lehrende, Forschende. Folgende Fragestellungen finden dabei Berücksichtigung: Hat sich das Selbstverständnis als universitäre Lehrperson gewandelt und, wenn ja, inwiefern? Was verbirgt sich hinter der Bezeichnung HochschuldidaktikerIn? Wie lassen sich die einzelnen Tätigkeitsbereiche Lehre, Forschung und Beratung miteinander verbinden? Wie können die Segmente gewinnbringend in den Arbeitsalltag integriert werden? Die SprachLernBegleiterInnen besprechen, inwiefern Sprachenlehre, Beratung und Forschung eine bereichernde Verbindung darstellen.
Modul 4: Feedback und Evaluierung
Zum einen werden Erfahrungen aus den Beratungssituationen besprochen und gemeinsam reflektiert, zum anderen stehen die Themen Feedback und Evaluierung im Mittelpunkt. Die von den Studierenden ausgefüllten Evaluierungsformulare werden besprochen. Weitere methodische Inputs sollen das Handlungsfeld der SprachLernBegleitenden erweitern. Darüber hinaus werden systemische Feedbackmöglichkeiten im Rahmen von Beratungssituationen erarbeitet.
Modul 5: Lerntechniken für Sprachenlernende
In Modul 5 richtet sich das Hauptaugenmerk auf das Thema Lerntechniken beim Sprachenlernen. Oftmaliges Anliegen der Studierenden ist es, beim Lernen innerhalb der einzelnen Kompetenzbereiche unterstützt zu werden. Auch wollen ältere Studierende, die sich nach Längerem wieder einer Sprache widmen, bei ihrem Wiedereinstieg in das Sprachenlernen begleitet werden. Aus diesem Grund sollen die Themenbereiche Lerntechniken, Lernstrategien und Lernen lernen in der Sprachenlehre beleuchtet werden. Die SprachLernBegleitenden reflektieren ihre diesbezüglichen Erfahrungen in bisher stattgefundenen Sitzungen. Des Weiteren wird ergründet, ob und inwiefern sich hinter Lernschwierigkeiten auch Metathemen, wie z.B. Ängste oder andere Lernhemmungen, verbergen können. Auf einer strukturellen Ebene werden Leit- und Anamnesefragen entwickelt, die verwendet werden können, um dem bisherigen Sprachlernverhalten der Studierenden nachzuspüren. Diese sollen eine methodische Hilfe in den Beratungen sein. Besprechungen von lernpsychologischen und neurodidaktischen Erkenntnissen runden das Modul ab.
Modul 6: Psychologische Aspekte der SprachLernBegleitung
Aus dem familiären oder sozialen System, der Schule oder anderen Bildungseinrichtungen bringen Studierende individuelle Lernerfahrungen in den universitären Sprachunterricht mit. Diese wirken prägend und können auf das weitere Lernverhalten Einfluss nehmen. Im Modul besprechen die SprachLernBegleitenden, wie sich derartige Prägungen entwickeln bzw. manifestieren können. Dabei wird eine psychologische Perspektive eingenommen. Im Fokus stehen neuronale Netzwerke, Selbst- und Fremdwahrnehmung, Wahrnehmungseffekte und das Etablieren von lernhemmenden Mustern und Glaubenssätzen. Aus dem Blickwinkel des coachenden Settings werden Methoden und beratende Zugänge aufgezeigt, um Sprachlernprägungen und Ängste im Hinblick auf das Lernen zu reflektieren und zu hinterfragen.
Analyse einer Gruppendiskussion: SprachLernBegleitende im Gespräch
In diesem Abschnitt werden relevante Gesprächs- und Reflexionsergebnisse von sechs SprachLernBegleitenden und zwei Projektleitenden, die sich im Rahmen einer Gruppendiskussion getroffen haben, zusammengefasst. Wie zuvor formuliert, ist es ein Teilziel, das mit der Unterrichtspraxis verwobene Projekt mittels qualitativer Forschungsverfahren evaluierend zu begleiten. Als eine Erhebungsmethode wurde die Gruppendiskussion eingesetzt, da diese einen Wissensaustausch unter den SprachLernBegleitenden ermöglichte. Eine derartige Methode bot sich zudem an, da diese im Rahmen der modularen Weiterbildungen stattfinden konnte. Dabei wurde dem Ablaufmodell der Gruppendiskussion nach Mayring (vgl. 2002, S. 79) Folge geleistet. Dieses sieht unter anderem die Formulierung von Fragestellungen vor. Die Fragestellungen sind in Abbildung 1 ersichtlich. Darin sind die für die Gruppendiskussion relevanten Forschungsfragen zu erkennen. Frage A geht auf die Grundstruktur der SprachLernBegleitungen ein: Wie stellt sich die beratende Tätigkeit im Gegensatz zum unterrichtenden Schwerpunkt dar? In Frage B sollen die entsprechenden Beratungskompetenzen herausgearbeitet werden, die in diesem Arbeitsbereich vonnöten sind. In diesem Kontext stellt sich auch die Frage: Welche Kompetenzen sollten SprachLernBegleiterInnen mitbringen? Frage C betrifft den Rahmen des beratenden Tätigkeitsfelds: Mit welchen Herausforderungen und Problemstellungen sehen sich Lehrende in der Beratung konfrontiert? Frage D beschäftigt sich mit dem wissenschaftlich-theoretischen Aspekt der SprachLernBegleitungen. So soll untersucht werden, in welche Disziplinen das Projekt aus Sicht der Beteiligten eingebettet ist. Ein weiterer Kernbereich des Ablaufmodells nach Mayring ist die freie Diskussion. Ausgehend von den formulierten Fragestellungen wurde diese vom Autor des vorliegenden Beitrags moderiert. Die wesentlichsten Gesprächsergebnisse wurden während der Diskussion mitprotokolliert. Das Ergebnisprotokoll diente als Datenmaterial zur Formulierung der unten stehenden Diskussionsergebnisse.
| A | SprachLernBegleitung ist eine Form des individualisierten bzw. informellen Lernens. Welche Hauptunterschiede erkennen Sie, vor allem im Gegensatz zum Unterricht mit großen Gruppen? |
| B | Aus Ihrer bisherigen Erfahrung als SprachLernBegleitende: Welche Kompetenzen sollten SprachLernBegleitende mitbringen bzw. entwickeln, um Sitzungen gekonnt und sicher zu gestalten? |
| C | Welche Herausforderungen stellen sich für Sie als SprachLernBegleitende? |
| D | Welche Fachdisziplinen wirken aus Ihrer Sicht noch in die Tätigkeit ein? |
1:
Tabelle Fragen in der Gruppendiskussion
Frage A zielt auf einen Vergleich zwischen universitärer Lehr- und Beratungstätigkeit ab. Dieser bietet sich an, zumal die SprachLernBegleitenden sowohl als Lehrende als auch als Beratende tätig sind. Einen Hauptunterschied sehen die SprachLernBegleitenden zwischen Inhalt und Methode. Während im Unterricht an sich das „Was?“, sprich der Unterrichtsinhalt und die Lernziele, im Blick behalten werden müssen, können sich die SprachLernBegleitenden im Beratungssetting voll und ganz auf das „Wie?“ konzentrieren: Wie lernen die Studierenden am besten? Das methodische Lernvorgehen der Studierenden ist zentral. Demzufolge ist ein Hauptmerkmal die individuelle Begleitung, welche in dieser Form in Lehrveranstaltungen nicht möglich ist. Zudem entsteht ein persönlicher Kontakt, anders als etwa bei mediengestützten Lernsettings. Ein großer Vorteil ist zudem der zeitliche Rahmen. Fragestellungen können detailliert besprochen werden, und die unzähligen Kurzgespräche vor und nach einer Lehrveranstaltung oder per E-Mail reduzieren sich, was eine Arbeitsentlastung bedeutet. Viele didaktische Konzepte, welche Lernkonzepte oder Lerntypen betreffen, können individuell angewandt werden und müssen nicht in die Arbeit mit großen Gruppen integriert und so verallgemeinert präsentiert werden. Die Studierenden bekommen die Möglichkeit, ihren Lernprozess auf einer Metaebene zu betrachten. Die Begleitung ermöglicht eine andere Perspektive, welche Stärken und Entwicklungspotentiale erkennbar werden lässt.
Um gezielt an einer Professionalisierung der SprachLernBegleitung arbeiten zu können, wurden die SprachLernBegleitenden in der Frage B nach den notwendigen Anforderungen und Kompetenzen gefragt, die sie, vor allem außerhalb der Rolle als Lehrperson, als notwendig erachten. In den Supervisionen und reflektierenden Gesprächen werden die einzelnen Lern- und Entwicklungsbedürfnisse der SprachLernBegleitenden klar, welche zwischen dem Wunsch nach mehr Abgrenzungsfähigkeit und einer klaren Zielformulierung innerhalb der Sitzung schwanken. Die SprachLernBegleitenden nennen und beschreiben vor allem solche Kompetenzen und Fähigkeiten, die sich von der Lehre abgrenzen und sich relativ klar auf das coachende Arbeiten beziehen. Einige Beispiele dafür sind: aktiv zuhören zu können; selbst nicht zu viel zu sprechen; keine Nachhilfe zu geben; sich emotional gut abzugrenzen; einen sicheren Gesprächsrahmen in kurzer Zeit aufzubauen; durch gezielte Fragen bzw. Interventionen Denkprozesse anzuregen; Selbstreflexion zu initiieren und zu begleiten; Wissen zum Bereich Coaching zu internalisieren; Lernziele gemeinsam zu bestimmen – es gibt keine vorgegebenen Lernziele; eine gute Balance zwischen Einfühlen und Abgrenzen aufzuweisen; das Wesentliche auf den Punkt zu bringen; eine strukturierte Sitzung zu gestalten; die Sitzung gekonnt abschließen zu können; neutral zu bleiben. Die Reflexionen ergaben, dass auch das Thema Grenzen setzen können in den SprachLernBegleitungen zentral ist. Diese Grenzen beziehen sich auf das besprochene Thema und den Inhalt, sind aber auch emotionaler und sprachlicher Natur. An dieser Stelle ist auf Gesprächstechniken zu verweisen, welche für eine gelungene Sprachlernberatung genannt werden (vgl. Spänkuch 2010, S. 129).
Auch die in Frage C genannten Herausforderungen beziehen sich auf das für den universitären Rahmen innovative Setting. Eine Herausforderung sehen die SprachLernBegleitenden darin, den Studierenden ihre aktive Rolle und Beteiligung zu verdeutlichen und den coachenden Schwerpunkt der Sitzungen zu betonen. Die Erwartungen der Studierenden gehen sehr oft in die Richtung, konkrete Anleitungen und Lernstrategien „vorgetragen“ zu bekommen. Als weiteren herausfordernden Aspekt nennen die SprachLernBegleitenden die zeitlichen Ressourcen. So sei es schwer, sich neben der Haupttätigkeit auch auf vertiefende Weise mit dem BeraterInnensetting auseinanderzusetzen. Darüber hinaus betonen die SprachLernBegleitenden die geforderte Flexibilität. Während für den Sprachunterricht Lehr- und Unterrichtskonzepte vorbereitet werden können, also didaktische Planbarkeit vorherrscht, sieht man sich in den Beratungen mit der Notwendigkeit der Unmittelbarkeit bezüglich des Vorgehens in der Sitzung konfrontiert. Das didaktische Konzept gibt in Unterrichtssituationen Halt, innerhalb einer SprachLernBegleitung wird die Fähigkeit vorausgesetzt, sich rasch auf die Bedürfnisse des Gegenübers einzustellen und Methoden spontan abrufen zu können. Als eine weitere Herausforderung nennen die SprachLernBegleitenden das realitätsbezogene Kommunizieren. Auch wenn die den Präsenzunterricht ergänzenden Sitzungen einen Raum darstellen sollen, um auf kreative Weise über das eigene Sprachenlernen nachzudenken, so ist das Aufzeigen von persönlichen Grenzen und dem tatsächlich vorhandenen Lernniveau durchaus zentral. Wertschätzend und motivierend darauf hinzuweisen, erlebten die SprachLernBegleitenden in den bisherigen Sitzungen nicht immer als vollkommen friktionsfrei.
Mit der Frage D galt es zu erörtern, inwiefern die SprachLernBegleitung ein interdisziplinäres Betätigungsfeld darstellt bzw. welche Fachbereiche auf sie Einfluss nehmen. Diesbezügliche Erkenntnisse stärken bzw. klären das Profil beratender Konzepte an der Universität und geben Aufschluss darüber, in welchem Bereich die SprachLernBegleitenden noch Wissens- und Unterstützungsbedarf haben. Dabei wurde die Psychologie als Bezugswissenschaft genannt bzw. Gebiete und Teilbereiche der Psychologie, etwa die Lernpsychologie, Entwicklungspsychologie oder Sozialpsychologie. Daneben erachten die SprachLernBegleitenden psychologisch orientierte Themen als vorherrschend, beispielsweise Motivation oder Kommunikation. Relevant sind aus Sicht der SprachLernBegleitenden des Weiteren die Erziehungswissenschaft, da es sich auch um eine pädagogische Begleitung handelt, und die Hochschuldidaktik, zumal das universitäre Lernsetting und Zielgruppen den Kern der Beratungen ausmachen. Auch als philosophisches Wirken werden die SprachLernBegleitungen empfunden, weil es innerhalb der Reflexionsprozesse auch darum geht, kritisches Denken anzuregen, verschiedene Blicke auf einen Sachverhalt zu werfen und durch erkenntnistheoretische Zugänge den eigenen Horizont zu erweitern. Neben dem fachlichen Hintergrundwissen (in diesem Fall die jeweilige Fremdsprache), haben gemäß der Ansicht der SprachLernBegleitenden die Psychologie, die Hochschuldidaktik und der Bereich des Study Abroad Research (vgl. Seidl 2016) relevanten Einfluss auf die universitäre Beratungstätigkeit.
