Kitabı oku: «Handbuch des Deutschen in West- und Mitteleuropa», sayfa 5

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6.2 Sprachkompetenz

Die Längsschnittstudie „Mødet mellem sprogene i den dansk-tyske grænseregion“ (‚Treffen zwischen den Sprachen der dänisch-deutschen Grenzregion‘) (Pedersen 1983–2013) hat unter anderem einen qualitativen Einblick ergeben in die individuelle Sprachkompetenz im Deutschen von Kindheit an im deutschen Kindergarten, in der Schule sowie im Erwachsenenalter. Die Schüler, die mit Deutsch als Zweitsprache die Minderheitenschule verließen, beherrschten Nordschleswigdeutsch mündlich und Standarddeutsch schriftlich, aber als Erwachsene war ihre Deutschkompetenz abhängig von ihrer Verbindung mit den Minderheiteninstitutionen und -verbänden. Mehrere Personen ohne engeren Kontakt hatten Schwierigkeiten, fließend Deutsch zu sprechen, hatten lexikalische Lücken und Unsicherheiten in der Syntax. Diejenigen, die in Minderheitenarbeit tätig waren, beherrschten Nordschleswigdeutsch immer noch.

6.3 Sprachgebrauch (Schriftsprache)

Beim Schreiben wird die Wahl zwischen Hochdeutsch, Standarddänisch und Sønderjysk durch den Kontext bestimmt. Hochdeutsch wird intern in der Minderheit und im Kontakt mit Deutschland verwendet. Standarddänisch wird für Adressaten innerhalb der Mehrheit verwendet. Die Minderheit möchte jedoch auch ihre Minderheitensprache Deutsch im Kontakt mit Behörden verwenden können; manchmal wird es akzeptiert, manchmal nicht, offenbar in Abhängigkeit von der Sprachkompetenz des Empfängers. Der Dialekt Sønderjysk hat keine standardisierte Schrift. Er wird jedoch in verschiedenen Kontexten verwendet, um eine regionale Identität und einen Gruppenzusammenhalt zu unterstreichen. In der Öffentlichkeit wird er vor allem von der Schleswigschen Partei in der Kommunikation mit den Wählern (Pedersen 2011) und in den sozialen Medien genutzt. In einer Studie über die Sprachwahl junger Minderheitsmitglieder bei Facebook (Westergaard 2013, 2014, 2015) wird gezeigt, dass ihre Kommunikationsstrategien vielfältig sind. Sie verwenden ihre drei Sprachen für verschiedene Zwecke und Adressaten: Standarddänisch für einen gemischten Mehrheit- und Minderheitenkontext, Sønderjysk für sønderjysksprechende Freunde aus der Minderheit und Deutsch, wenn es um die Minderheitenschule geht. Vor allem im Dialekt sind Code-Switching zu Deutsch und deutsche Lehnwörter ebenso präsent wie in der mündlichen Sprache in dieser dreisprachigen Gruppe. Der Gebrauch von Sønderjysk bei Facebook durch die jungen Mehrheitsmitglieder ist nach Westergaard (2015) hingegen ein anderer. Der Dialekt ist nicht die wichtigste Sprache der Kommunikation, sondern wird nur symbolisch verwendet. Dieser Unterschied kann ein Indiz dafür sein, dass Sønderjysk für die Minderheit noch stärker als Wir-Code fungiert und in höherem Maße Gruppenzusammenhalt impliziert als für die Jugendlichen der Mehrheitsgesellschaft.

6.4 Sprachgebrauch in den Minderheitenorganisationen

Aus Interviews und teilnehmenden Beobachtungen geht hervor, dass sich der Sprachgebrauch im BDN seit 1955 nicht verändert hat und Deutsch nach wie vor das bevorzugte Kommunikationsmittel ist. In Bezug auf die Minderheit als solche war die Sprachpolitik des BDN stets darauf ausgerichtet, die deutsche Sprache zu fördern und zu schützen. Dänisch wird für Informationen wie zum Beispiel auf den Webseiten des BDN und in der Kommunikation mit den Mitgliedern der Mehrheit verwendet. Deutsch ist die offizielle Sprache der Organisation in Wort und Schrift. In seinem Verwaltungszentrum, dem Deutschen Generalsekretariat, wird Deutsch auch in der alltäglichen Kommunikation gesprochen, wobei es zu Abweichungen zwischen dem offiziellen Sprachgebrauch der deutschen Sprache und der informellen Kommunikation zwischen den Delegierten in der BDN-Delegiertenversammlung kommen kann. So können informelle Gespräche in Deutsch oder im dänischen Dialekt Sønderjysk stattfinden. Eine ähnliche Sprachverteilung ist bei der Neujahrstagung und beim „Deutschen Tag“ zu beobachten.

Innerhalb des Dachverbandes Deutscher Jugendverband für Nordschleswig (DJN) und seines Jugend- und Sportverbandes ist Deutsch die dominierende Sprache in der schriftlichen Kommunikation. Aber es gibt auch Beispiele für die Verwendung von Sønderjysk und auch eine Kombination von Sønderjysk und Deutsch wie beispielsweise in der Bezeichnung Æ Mannshaft für die Fußballmannschaft für die Europeada, die Fußballeuropameisterschaft der autochthonen, nationalen Minderheiten, organisiert von der Föderalistischen Union Europäischer Volksgruppen (FUEV). Darüber hinaus wirbt der DJN auf der Homepage 2017 für Æ Trainingstag Faustball und Æ Trainingstag Fussball. In den drei Beispielen kommt der definitive Artikel Æ aus dem dänischen Dialekt Sønderjysk. Die teilnehmende Beobachtung zeigt auch eine Verwendung von Sønderjysk unter den Teilnehmern im Sport.

Eine gleichmäßige Sprachverteilung in Schrift und Sprache soll in der Pflege, Altenpflege und Beratung im Sozialdienst Nordschleswig stattfinden. Die Sprachwahl in der persönlichen Kommunikation hängt jedoch in erheblichem Maße von der Muttersprache der Sprecher in den Organisationen ab. Wenn es Deutsch ist, wird die Minderheitensprache gewählt. Laut Byram (1986) sprechen die meisten Minderheitsmitglieder nur bei einer sehr begrenzten Anzahl von Kulturveranstaltungen Deutsch. Er kommt zu dem Schluss, dass Deutsch in der alltäglichen Kommunikation unter den Mitgliedern keine große Rolle spiele und eher ein Symbol der Zugehörigkeit zur Minderheit sei.

Im Minderheitenkontext haben die Politiker der Minderheit immer in deutscher Sprache geschrieben, und Deutsch dominiert auch die Rede auf höchster Ebene, während die Politik auf lokaler Ebene auch auf Sønderjysk stattfinden kann. Im Kontext der Mehrheitsgesellschaft benutzen die Politiker entweder Sønderjysk oder heute auch Standarddänisch. Dies ist die einzige Änderung in der Wahl des gesprochenen Dänisch nach 1955. Seit 1920 wurde auch Dänisch gewählt, weil Wahlplakate für das Folketing (Parlament) sowohl die Minderheit als auch die Mehrheit ansprachen. Für die Kommunal- und Regionalwahlen in den 1990er Jahren veröffentlichte die Schleswigsche Partei in dänischen Tageszeitungen auch zweisprachige Anzeigen auf Deutsch und Sønderjysk und signalisierte damit ihre regionale Zugehörigkeit.

Obwohl die Verwendung von Sønderjysk als Muttersprache in der Mehrheit der Bevölkerung rückläufig ist, vor allem bei den nach 2000 Geborenen, gibt es immer noch eine große Gruppe, die sich mit dem Dialekt identifiziert. Zwar ist der Dialekt nicht unbedingt die Alltagssprache, aber er gehört zur lokalen und regionalen Kultur und zur Identität als Sønderjyder (Südjütländer). Die Schleswigsche Partei hat im Wahlkampf im Zusammenhang mit den Kommunalwahlen 2009, 2013 und 2017 das Beste aus diesem Identitätsmerkmal in Minderheit und Mehrheit gemacht. Auf Sønderjysk wurden Reden gehalten, die SP-Kandidaten verteilten kleine, persönliche Kochbücher mit regionalen Gerichten geschrieben in Dialekt und 16 Lektionen im Dialekt Sønderjysk, die jeweils ein neues Wort mit der Übersetzung ins Standarddänische enthielten. Junge Rapper traten auf lokalen Bühnen mit Raps über die SP auf Sønderjysk auf, die von der Juniorenvereinigung der SP, den Jungen Spitzen, produziert wurden. Der Appell an das regionale Selbstbewusstsein war sehr deutlich und richtete sich an Jung und Alt, Minderheit und Mehrheit. Die Partei hat bei diesen drei Wahlen in den vier Gemeinden Nordschleswigs ihre höchste Zahl an Mandaten erreicht.

7 Spracheinstellungen

Die offizielle Haltung der Minderheit gegenüber Nordschleswigdeutsch ist die einer breiten Akzeptanz. Solange die Kommunikation in Nordschleswig stattfindet, haben Nordschleswigdeutsch und Standarddeutsch einen äquivalenten Status. Innerhalb des Bildungssystems der Minderheit ist Hochdeutsch jedoch nach wie vor die unbestrittene Norm, mit dem Lehrer als Vorbild. In der Praxis wird allerdings der Sprachgebrauch der Schülerinnen und Schüler nur teilweise in Richtung der Standardnorm korrigiert. Änderungen finden nur in kommunikativen Veranstaltungen statt, bei denen Form und Inhalt im Vordergrund stehen, zum Beispiel in einer vorbereiteten Rede eines Schülers vor der Klasse. Diese billigende Politik wird befolgt, um den Schülern den Schulbesuch zu ermöglichen, positive Gefühle für die Zugehörigkeit zur Minderheit zu stabilisieren und die Zweisprachigkeit zu fördern. Der Status von Hochdeutsch ist objektiv hoch, aber Nordschleswigdeutsch konkurriert im mündlichen Gebrauch um eine ähnliche Position. Im schriftlichen Bereich ist aber Hochdeutsch die einzige Norm, und das geschriebene Deutsch der Schülerinnen und Schüler wird auf diese Norm hin korrigiert. Diese Spracheinstellungen führen zu einem Bewusstsein für die verschiedenen Funktionsbereiche der Sprachen, und je höher die Forderung nach einer funktionalen Trennung der beiden Varietäten ist, desto geringer ist die Zahl von auftretenden Sprachkontaktphänomenen wie Code-Switching – während die Sprachkontaktphänomene in der Prosodie unverändert bleiben (Pedersen 1993, 1983–2013).

Die Sprachpolitik der Minderheit

Die Sprachenpolitik der Minderheit war bis 2015 durch eine eher sanfte Linie geprägt, wie sie etwa in Leitbild und Zielsetzung zur Verwendung von Deutsch von BDN und DSSV zum Ausdruck kommt, die Wünsche in Bezug auf die Rolle der deutschen Sprache innerhalb der Minderheit und extern gegenüber der Mehrheit formuliert haben. Nach der Ratifizierung der Europäischen Charta für Regional- oder Minderheitensprachen durch Dänemark im Jahr 2000 gab es jedoch verstärkte Initiativen für eine engagiertere Sprachenpolitik, verbunden mit der Aufforderung an die Mitglieder der Minderheit, Deutsch zu sprechen. Auf dem „Deutschen Tag“ 2002, der unter dem Motto „Identität erhalten – Europa gestalten“ stand, betonte der BDN-Vorsitzende Hans Heinrich Hansen die Bedeutung der deutschen Sprache:

Zu unserem Leitbild gehört an ganz zentraler Stelle die deutsche Sprache. Sie ist unsere Identifikation nach aussen, aber auch nach innen. Heute vernachlässigten einige als falsch verstandene Anpassung das Deutsche zugunsten von Dänisch bzw. Sønderjysk. Ich schätze beides sehr und bin in beiden zu Hause, aber die Vernachlässigung der deutschen Sprache untergräbt unsere Arbeit und unsere Identität, denn die deutsche Sprache ist unser wichtigstes Erkennungszeichen. (Deutscher Volkskalender Nordschleswig 2002: 24)

Diese Rede macht den Zusammenhang zwischen Sprache und Identität sehr deutlich und bringt Hansens Auffassung zum Ausdruck, dass die nationale Identität parallel mit der Nationalsprache ist, es aber andererseits gleichgültig ist, ob es sich dabei um eine Muttersprache oder eine Zweitsprache, eine Familiensprache oder eine Minderheitensprache, die im Zuge der formalen Bildung erworben wurde, handelt. Insofern ist es eher ein sprachpluralistischer als ein sprachnationalistischer Standpunkt.

Im Jahr 2003 veröffentlichte der BDN das „Leitbild des Bundes deutscher Nordschleswiger“. Hier wird noch einmal die Bedeutung der Minderheitensprache betont. Darin heißt es:

Die deutsche Sprache ist das wichtigste Erkennungsmerkmal der deutschen Volksgruppe. […] Die deutsche Volksgruppe pflegt die deutsche Sprache und Kultur und erhält sie lebendig in ihren Institutionen – unter anderem in Schulen, Kindergärten, Büchereien, in ihrer Tageszeitung ‚Der Nordschleswiger‘ und in ihren Vereinen. (Deutscher Volkskalender Nordschleswig 2003: 22)

Bemerkenswert ist, dass dieses BDN-Leitbild aus dem Jahr 2003 und auch seine „Sprachpolitische Zielsetzung“ aus dem Jahr 2010 nichts über die Familiensprache aussagen. Offensichtlich wird akzeptiert, dass die meisten Mitglieder den dänischen Dialekt Sønderjysk zu Hause und als Familiensprache verwenden, und dass die Kinder die Minderheitensprache erst innerhalb des von der Minderheit organisierten Bildungswesens erwerben. Die Diskussion über eine Verschiebung der Familiensprache scheint aufgehört zu haben. Die Zweisprachigkeit wird in diesen sprachpolitischen Positionierungen nicht explizit erwähnt; im jüngsten Sprachförderungskonzept, das 2004 vom DSSV veröffentlicht wurde, wird die Bedeutung der deutsch-dänischen Zweisprachigkeit aber deutlich betont. Hier ist Spracherwerb Zweisprachigkeitserwerb.

Sprachpolitik 1920–2000

Die Wahrnehmung eines rückläufigen Deutschgebrauchs und die ernste Aufforderung, die Minderheitensprache in stärkerem Umfang zu nutzen, ist nichts Neues. Schon 1920 war die Einstellung zur sprachlichen Situation ähnlich. In der Zeitung Nordschleswig plädierte ein Redakteur dafür, dass Eltern mit ihren Kindern Deutsch sprechen sollten; ein Debattenteilnehmer favorisierte hingegen Sønderjysk als natürliche Alltagssprache. Zehn Jahre später sagte der Leiter der Minderheit, Johannes Schmidt-Wodder, in einem Interview in der Nordschleswigschen Zeitung, dass der Sønderjysk-Dialekt eines der Elemente sei, die die Heimatdeutschen mit dem Heimatboden verbanden und die Minderheit ihn deshalb als Muttersprache behalten solle. Andererseits sollten sie darauf abzielen, ihre Kenntnisse der deutschen Sprache zu vertiefen. Im schriftlichen Bereich war Deutsch laut Schmidt damals die einzig akzeptierte Varietät (Becker-Christensen 1990, I: 97f.).

In dieser Sprachdebatte hatten die beiden Standpunkte ein gemeinsames Ziel: das Deutsche sollte geschützt und gefördert werden. Die Befürworter des Deutschen als Familiensprache drückten die Idee einer Eins-zu-Eins-Korrespondenz zwischen der Nationalsprache als Muttersprache und der nationalen Zugehörigkeit aus. Eine deutsche Lebensweise wurde nicht als ausreichend angesehen, um die nationale Zugehörigkeit zu sichern. Die deutsche Sprache galt als Voraussetzung für den Zugang zur deutschen Kultur, zur deutschen Literatur und Geschichte, die von Deutschen in deutscher Sprache geschrieben wurde.

Für die andere Gruppe in der Sprachdebatte war Deutsch ebenfalls an die nationale Zugehörigkeit gebunden, allerdings als Zweitsprache, die in der Schule erlernt wurde. Der dänische Dialekt wurde hier nicht als Hindernis für das Fühlen, Handeln und Denken auf deutsche Weise gesehen. Nach Ansicht dieser Gruppe sollten die Kinder die deutsche Sprache durch Bildung erlernen und die deutsche Hochkultur durch Literatur und Geschichte kennen lernen. Aber die Schule war auch verpflichtet, sie dazu zu bringen, die deutsche Sprache in Wort und Schrift zu gebrauchen.

Spracheinstellungen in der Mehrheitsbevölkerung

Im Zusammenhang mit der Ratifizierung der Charta waren in der regionalen Mehrheitstageszeitung JydskeVestkysten einige Leserbriefe mit negativen Aussagen zur deutschen Sprache zu lesen. Es wurden (völlig abwegige) Befürchtungen geäußert, dass die Mehrheit bei bestimmten Gelegenheiten Deutsch sprechen müsste. Dies war ein indirekter Hinweis auf die preußische Herrschaft in der Region in den Jahren 1864 bis 1920, als Deutsch die Amtssprache war, und auf die nationalsozialistische Besetzung Dänemarks während des Zweiten Weltkriegs. Eine solche negative Einstellung zur deutschen Sprache ist oft mit negativen Stereotypen von Deutschen im Allgemeinen verbunden, die in den dänischen Medien noch immer vorhanden sind (Hansen/Pedersen/Schack 2002).

Im Grenzgebiet wird die dänisch-deutsche Zweisprachigkeit jedoch aus Sicht der einsprachigen Mehrheit als Vorteil angesehen, und zwar nicht nur, weil Deutschland der Nachbarstaat ist. Auch in der Handelskommunikation und im Exportgeschäft ist Deutsch von entscheidender Bedeutung, wobei die Bundesrepublik Deutschland der wichtigste Handelspartner Dänemarks ist. Die Mehrheit benötigt die Minderheitenmitglieder für die Kommunikation auf Deutsch, zumal die Deutschkenntnisse der Mehrheit in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren drastisch zurückgegangen sind; Englisch ist inzwischen die einzige Fremdsprache, die noch von Interesse ist.

Politisch gesehen ist die Haltung der dänischen Regierung gegenüber der deutschen Minderheit und ihrer Minderheitensprache seit der Kopenhagener Erklärung positiv; die Sprachencharta hat daran nichts geändert. Bisher war die Regierung nur verpflichtet, der einseitigen Kopenhagener Erklärung zu folgen, jetzt hat sie darüber hinaus Verpflichtungen im internationalen Kontext übernommen. Der dänische Staat muss dem Europäischen Rat regelmäßig Berichte vorlegen, und der Rat verfolgt die Umsetzung der Charta.

8 Linguistic Landscapes
8.1 Die Minderheitensprache in der Mehrheitsgesellschaft

Trotz Minderheitenorganisationen, Schulen, Kindergärten, Bibliotheken und der örtlichen Redaktionen von Der Nordschleswiger war die Minderheit in der Nachkriegszeit im öffentlichen Leben fast unsichtbar. Es gab kaum Schilder der deutschen Institutionen, und deutsche Straßenschilder, die aus der Zeit der preußischen Herrschaft vor 1920 übriggeblieben waren, wurden entfernt.

Unter sich verwendet die Minderheit die deutschen Namen von Straßen und Städten. Um diese Namen in der Minderheitenpresse und in deutschen Organisationen zu vereinheitlichen, veröffentlichte die Zeitung Der Nordschleswiger 1969 eine Liste von Ortsnamen in dänischer und deutscher Sprache. 1982 erschien diese in einem Buch (Kardel 1982), 1994 wurde sie im Deutschen Volkskalender Nordschleswig nachgedruckt. Diese Liste war in erster Linie ein Element der internen Minderheitensprachenplanung.

Erst in den späten 1980er Jahren begann die Minderheit, den Anspruch zu erheben, als Minderheit sichtbar zu sein, etwa durch deutsche oder zweisprachig dänisch-deutsche Schilder und die Verwendung der deutschen Sprache bei Behörden und in den öffentlichen Medien. Vor allem Kindergärten und Schulen brachten sichtbare Schilder an, und in mehreren Städten wurden einige öffentliche Schilder für deutsche Einrichtungen aufgestellt. Davon waren jedoch einige auf Dänisch, andere auf Deutsch und einige in einer Art neutralen Sprache, die sozusagen nur die halbe Wahrheit sagt, zum Beispiel das Schild „Museum“ am Deutschen Museum für Nordschleswig – im Dänischen wie im Deutschen wird dieses Wort gleich geschrieben. Ein ähnlicher Fall ist das deutsche Schild „Bibliothek“, das dem dänischen Bibliotek so nahe kommt, dass nicht unbedingt auf Anhieb erkennbar ist, dass es sich auf eine deutsche Bibliothek bezieht.

In den 1990er Jahren diente die Kopenhagener Erklärung von 1955 als Argument für die Anbringung öffentlicher Schilder in deutscher Sprache für die Minderheiteninstitutionen; seit 2001 wurde die Sprachencharta dafür verwendet. Nun begann die Minderheit unter Berufung auf die Charta auch, öffentliche zweisprachige dänisch-deutsche Schilder für Städte in der Region zu fordern.

Abb. 5:

Deutsche Institutionen, Tingleff/Tinglev

8.2 Zweisprachige Straßenschilder

Auf eine Frage bezüglich des Wunsches der Minderheit nach zweisprachigen Schildern erwiderte der politische Sekretär der Minderheit noch 2004, dass man die Mehrheit nicht provozieren wolle. Der Vorsitzende des BDN plädierte dagegen für eine Sprachenpolitik, die zumindest zweisprachige Ortsschilder zulässt. In einem Schreiben an den BDN im Jahr 2003 stellte das dänische Verkehrsministerium fest, dass zweisprachige Schilder in Dänemark nicht gesetzlich verboten sind, jedoch von der dänischen Straßenverkehrsbehörde genehmigt werden müssen. Das Ministerium vertrat die Auffassung, dass zweisprachige Schilder bei den Verkehrsteilnehmern zu Verunsicherung und Verwirrung führen können, d.h. zu einer verminderten Lesbarkeit und Orientierungslosigkeit, die wiederum ein erhöhtes Risiko von Verkehrsunfällen verursachen können. Der Verkehrsdirektion lagen zu diesem Zeitpunkt jedoch noch keine Anträge auf Genehmigung zweisprachiger Verkehrszeichen vor, so dass sie keine Stellung bezog. Im Jahr 2017 kam das Verkehrsministerium schließlich zu dem Schluss, dass zweisprachige Zeichen möglich sind.

Innerhalb der postalischen Adressen ist die Verwendung deutscher Ortsnamen durch die Minderheit in Dänemark nur noch selten anzutreffen. Die Minderheit verwendet die dänischen Namen, um die Adresse erkennbar zu machen. Dies wird von der Post verlangt, die ansonsten nicht garantiert, dass der Brief an die richtige Adresse zugestellt wird. Alle Briefe innerhalb Dänemarks, zum Beispiel vom BDN, werden mit dänischen Ortsnamen adressiert.

Im mündlichen Gebrauch ist die Tradition der Verwendung deutscher Ortsnamen in Bezug auf Städte auf jeden Fall stabil; im Zusammenhang mit Straßennamen ist die Situation jedoch eine andere. Welche Rolle hierbei externe Vorgaben des Postwesens spielen, ist schwer zu beurteilen. Jedenfalls sind aber die traditionellen deutschen Straßennamen Mitgliedern der Minderheit, die jünger als 60 Jahre sind, inzwischen kaum bekannt, und aus der Minderheit werden auch keine offiziellen Wünsche nach zweisprachigen Straßenschildern geäußert.

Im Jahr 2016 beschloss der Bürgermeister von Hadersleben/Haderslev, dem Wunsch der Minderheit entsprechend, zweisprachige Ortsschilder aufzustellen. Darauf war oben in größerer Schrift der dänische Namen Haderslev und darunter etwas kleiner der deutsche Name ‚Hadersleben‘ abgedruckt. Aufgrund von Vandalismus wurden diese Schilder jedoch schon nach einer Woche wieder entfernt. Dieser Vorfall zeigt, dass durchaus eine nationalistische Ideologie existiert, die nur dänische Städtenamen akzeptiert, und dass es noch immer Ressentiments gegenüber den deutschen Städtenamen gibt, die mit der preußischen Herrschaft oder auch mit dem Deutschland des Zweiten Weltkriegs verbunden werden. Andererseits werden die deutschsprachigen Schilder, die auf deutsche Institutionen hinweisen, nicht mehr zerstört.

Abb. 6:

Haderslev/Hadersleben

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9783823301745
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