Kitabı oku: «Handbuch des Deutschen in West- und Mitteleuropa», sayfa 6

Yazı tipi:

Forderungen der Hardliner aus dem Jahr 2015

Angesichts der Erkenntnis, dass es seit der „Sprachpolitischen Zielsetzung“ aus dem Jahr 2010 und trotz Unterstützung durch den Europarat (das Expertenkomitee der Sprachencharta und der Rahmenkonvention) keine Fortschritte in Bezug auf die Verwendung des Deutschen gab, hat die Minderheit beschlossen, eine Arbeitsgruppe Sprachenpolitik einzurichten. Im Jahr 2015 präsentierte der BDN seine „Sprachpolitischen Forderungen der deutschen Minderheit. Strategie 2015–20“, die sich auf den Gebrauch des Deutschen in öffentlichen Einrichtungen und im öffentlichen Raum konzentrieren. Es sind keine Wünsche mehr, sondern Forderungen, und die Minderheit bezieht entschlossen Stellung. Wann dies zu Ergebnissen führt, ist noch nicht absehbar, aber es zeigt, dass die verhältnismäßig kleine Gruppe inzwischen eine Stärke gewonnen hat, die sie vorher nicht hatte. Einer der Gründe für diese Stärke ist, dass die Minderheit, auch mit Hilfe der Sprachencharta des Europarats, in den vier südjütischen Kommunen und im Folketing (Parlament) eine stärkere politische Vertretung erreicht hat. Das Strategiepapier des BDN setzt zur Erreichung seiner Ziele ausdrücklich auf die Unterstützung der Stadtratsmitglieder der Schleswigschen Partei, des Kopenhagener Kontaktausschusses und des Europarats.

Die Bedeutung der deutschen Sprache für die Minderheit wird in dem Strategiepapier besonders hervorgehoben:

Die deutsche Sprache ist das wichtigste Erkennungsmerkmal der deutschen Nordschleswiger. Sie ist nicht nur das wichtigste Werkzeug der Kommunikation, sondern verbindet und zeigt Zugehörigkeit. Die Förderung und Pflege der deutschen Sprache gehört zu den wichtigsten Aufgaben der deutschen Volksgruppe. Dies gilt nicht nur in den eigenen Einrichtungen und Vereinen, sondern auch im öffentlichen Raum, um so auch die Wahrnehmung der deutschen Minderheit zu verbessern. (Bund Deutscher Nordschleswiger 2015b: 1)

Die sieben konkreten Ziele (die durchaus eine unterschiedliche Granularität aufweisen) lauten:

 Benennung von deutschsprachigen Ansprechpartnern in den Kommunen

 Erstellen einer Sprachstrategie für kommunale Pflegeheime und regionale Krankenhäuser

 Produktion einer Broschüre über die Möglichkeit der Vorlage von relevanten Dokumenten auf Deutsch gegenüber der öffentlichen Verwaltung und den Gerichten

 Aufstellung eines Autobahnhinweisschildes „Knivsbjerg/Knivsberg“

 Aufstellung von zweisprachigen Ortstafeln

 Förderung der Deutschen Museen.

9 Zusammenfassung

Insgesamt ist die fast hundertjährige Geschichte der deutschen Minderheit in Nordschleswig von Kontinuität und Wandel geprägt. Seit 1920 ist die Zukunft der Minderheit ungewiss, aber die Minderheit existiert auch heute noch, wobei sich ihr heutiger Charakter von dem früherer Zeiten unterscheidet. Die alten Bestrebungen, die Grenze zu revidieren, sind verschwunden und wurden durch eine breite Zusammenarbeit in der gesamten Region, sowohl nördlich als auch südlich der Grenze, ersetzt.

Im Allgemeinen hat die Mehrheit in Nordschleswig eine positive Einstellung gegenüber der deutschen Minderheit entwickelt, seit sie in den 1990er Jahren begann, sich mit der dänisch-deutschen Zweisprachigkeit als positives Phänomen zu identifizieren und als eine Gruppe zu betrachten, die den dänischen Dialekt Sønderjysk bewahrte. Viele Mitglieder der Mehrheitsgesellschaft sehen das Deutschsein nur als eine Frage der deutschen Sprache, die zum dänischen Dialekt Sønderjysk und zu Standarddänisch hinzukommt; die nationale Identität steht nicht im Mittelpunkt. Dies kann als ein allgemein abnehmendes Interesse an der nationalen Identität angesehen werden, dem nur einige wenige offene Nationalisten entgegenstehen. Diese wenden sich auch gegen die jungen Mitglieder der Minderheit, die sich selbst als deutsche Südjütländer betrachten. Für diese nationalgesinnten Dänen ist hingegen Südjütländer ein regionaler Identitätsmarker, der nur Dänen umfasst. Anders herum lehnt auch die ältere Generation der Minderheit die Selbstbeschreibung als deutsche Südjütländer ab und sieht sich eher als Nordschleswiger, was die Zugehörigkeit zur Minderheit betont.

Die Kombination aus zunehmender Regionalisierung und Denationalisierung hat die Barrieren zwischen der Mehrheit und der Minderheit abgebaut, und beide haben sich wiederum füreinander geöffnet. Minderheitenkindergärten und -schulen werben um die Kinder der Mehrheit; einige ihrer Eltern wählen diese Einrichtungen aktiv, vor allem, damit ihre Kinder als dänische und deutsche Zweisprachige aufwachsen. Darüber hinaus nutzen insbesondere einige Senioren aus der Mehrheitsbevölkerung die Angebote des Sozialdienstes. Auch im Bereich der Politik wurden die Grenzen zwischen Dänisch und Deutsch durchbrochen, v.a. durch die regionale Profil- und Sprachkampagne der SP, die zu einer Verdoppelung der Stimmen für die SP geführt hat. Von der Mehrheit wurde vorgeschlagen, dass die Wahllokomotive der SP in Sonderburg/Sønderborg Bürgermeister im Stadtrat sein sollte. Letztlich wurde er jedoch nicht dazu gewählt.

Die Offenheit der Minderheit hat aber auch zu einigen Missverständnissen geführt. Einige Dänen haben vorgeschlagen, einen dänischen und einen deutschen Kindergarten zusammenzulegen, da die Kinder zu Hause dieselbe Sprache sprechen. Darüber hinaus haben einige vorgeschlagen, den Landwirtschaftlichen Hauptverein für Nordschleswig in sein dänisches Pendant einzugliedern, um die finanziellen und fachlichen Ressourcen optimal zu nutzen. Die Ablehnung beider Vorschläge ist jedoch ein Ergebnis des Wunsches der Minderheit, Integrität zu wahren und Assimilation zu vermeiden, so dass die Offenheit am besten als solche verstanden wird, die auf Initiative der Minderheit und nicht der Mehrheit ersucht werden sollte.

Literatur

Becker-Christensen, Henrik (1990): Det tyske mindretal i Nordslesvig 1920–1932, I +II. Aabenraa: Institut for Grænseregionsforskning.

Brücke 2017/2018. Abrufbar unter: http://knivsberg.dk/files/layout/Knivsberg/Die%20Brücke%202017_2018.pdf. (Letzter Zugriff 29.10.2018).

Buck, Anna/Bonhoff, Lena/Clausen, Ruth/Rasmussen, Réne (2011): Auf den Spuren des Minderheitenlebens 2009–10. Sønderborg: Museum Sønderjylland-Sønderborg Slot.

Bund Deutscher Norschleswiger (2015a): Satzung des Bundes Deutscher Nordschleswiger. Abrufbar unter: http://www.bdn.dk/files/$misc/BDN%20Satzungen%202015.pdf. (Letzter Zugriff 29.10.2018).

Bund Deutscher Norschleswiger (2015b): Sprachpolitischen Forderungen der deutschen Minderheit. Strategie 2015–20. Abrufbar unter: http://www.nordschleswig.dk/files/$misc/Sprachpolitische%20Forderungen2015-HV-Endfassung-redigiert.pdf. (Letzter Zugriff 5.12.2018).

Byram, Michael (1986): Minority Education and Ethnic Survival: Case Study of a German School in Denmark. Clevedon: Multilingual Matters.

Deutscher Schul- und Sprachverein für Nordschleswig (o.J.a): Lehrpläne für die Deutschen Schulen in Nordschleswig. Vorbemerkungen. Abrufbar unter: http://www.dssv.dk/files/dssv/dateien/Lehrpläne/Vorbemerkungen%20Lehrplan.pdf. (Letzter Zugriff 5.12.2018).

Deutscher Schul- und Sprachverein für Nordschleswig (o.J.b): Lehrpläne für die Deutschen Schulen in Nordschleswig. Lehrplan Dansk 99. Abrufbar unter: http://www.dssv.dk/files/dssv/dateien/Lehrpläne/Lehrplan%20Dansk%2099.pdf

Deutscher Schul- und Sprachverein für Nordschleswig (2004): Sprachförderung in den Institutionen des Deutschen Schul – und Sprachvereins für Nordschleswig. Abrufbar unter: http://www.dssv.dk/files/dssv/dateien/Dokumente_Sprache/Sprachf%C3%B6rderung%20in%20den%20Institutionen.pdf. (Letzter Zugriff 29.10.2018).

Deutscher Schul- und Sprachverein für Nordschleswig (2013): SATZUNG des Schul- und Sprachvereins für Nordschleswig DSSV. Abrufbar unter: http://www.dssv.dk/files/dssv/dateien/DSSV%20SATZUNG%202013-04-24.pdf. (Letzter Zugriff 29.10.2018).

Deutscher Schul- und Sprachverein für Nordschleswig (2016a): En fortælling i tal om elever fra de tyske skoler i Sønderjylland. Abrufbar unter: www.dssv.dk/epinion-analyse.69142.aspx. (Letzter Zugriff 29.10.2018).

Deutscher Schul- und Sprachverein für Nordschleswig (2016b): Jahresbericht 2016. Abrufbar unter www.dssv.dk/files/dssv/DSSV_Jahresbericht_2016.pdf. (Letzter Zugriff 1.11.2017).

Deutscher Volkskalender Nordschleswig (1975, 2002, 2003, 2004).

Fredsted, Elin (2016): Language contact in the German-Danish border area in the twenty-first century. Multilingualism at the interface between oral and written language use. In: STUF, 69, 3, S. 437–465.

Hansen, Carsten Yndigegn/Pedersen, Karen Margrethe/Schack, Michael (2002): Unges holdninger til nabolandet. Aabenraa: Institut for Grænseregionsforskning.

Henningsen, Lars N./Lubowitz, Frank (2011): Stemmer fra mindretallene/Stimmen aus den Minderheiten. Flensborg/Apenrade: Studieafdelingen ved Dansk Centralbibliotek/Archiv der deutschen Volksgruppe.

Kardel, Harboe (1982): Fortegnelse over nordslesvigske stednavne på dansk og tysk. Rødovre: ROLV forlag.

Pedersen, Karen Margrethe (1983–2013): Længdesnitsundersøgelsen: Mødet mellem sprogene i den dansk-tyske grænseregion. Unpublished.

Pedersen, Karen Margrethe (1986): Mødet mellem sprogene i den dansk-tyske grænseregion. En- to- og flersprogede børn i Sønderjylland. Aabenraa: Institut for Grænseregionsforskning.

Pedersen, Karen Margrethe (1987): German Minority Children in the Danish Border Region: Code-switching and Interference. In: Journal of Multilingual and Multicultural Development, 8, 1 & 2, S. 111–120.

Pedersen, Karen Margrethe (1988): Second Language Learners in the German Minority in Denmark. In: Holmen, Anne et al. (Hrg.): Bilingualism and the Individual. Clevedon/Philadelphia, Pa: Multilingual Matters, S. 1–13.

Pedersen, Karen Margrethe (1992): Det levende sprog. In: Sønderjysk Månedsskrift, 4, S. 131–135.

Pedersen, Karen Margrethe (1993): Functional Regional Bilingualism. In: Journal of Multilingual and Multicultural Development, 14, 6, S. 463–481.

Pedersen, Karen Margrethe et al. (1993): Vi bor i Sønderjylland. Sprog og kultur i lokalsamfundet – et materiale til dansk og tværfaglig undervisning. Aabenraa: Amtscentralen i Sønderjylland.

Pedersen, Karen Margrethe (2000): German as First Language and Minority Second Language in Denmark. In: Hogan-Brun, Gabrielle (Hrg.): National Varieties of German outside Germany. German Linguistic and Cultural Studies. A European Perspective. Oxford/Bern: Peter Lang, S. 195–221.

Pedersen, Karen Margrethe (2000b): A National Minority with a Transethnic Identity – the German Minority in Denmark. In: Wolff, Stefan (Hrg.): German Minorities in Europe. Ethnic Identity and Cultural Belonging. New York/Oxford: Berghahn Books, S. 15–29.

Pedersen, Karen Margrethe (2005): Languages and Identities in the National Minorities in the Danish-German Border Region and in the Bonn-Copenhagen Declarations. In: Kühl, Jørgen/Weller, Marc (Hrg.): Minority Policy in Action. The Bonn-Copenhagen Declarations in a European Context 1955–2005. Aabenraa: Institut for Grænseregionsforskning, S. 91–139.

Pedersen, Karen Margrethe (2010): Das Erlernen von Minderheiten- und Nachbarsprachen im Lichte von Sprachnationalismus und -pluralismus im deutsch-dänischen Grenzraum. In: Geiger-Jaillet, Anemone (Hrg.): Lehren und Lernen in deutschsprachigen Grenzregionen. Bern/Wien: Peter Lang, S. 47–57.

Pedersen, Karen Margrethe (2011): Valgkamp på sønderjysk. In: Arboe, Torben/Hansen, Inger Schoonderbeek (Hrg.): Jysk, ømål, rigsdansk mv. Festskrift til Viggo Sørensen og Ove Rasmussen. Aarhus: Peter Skautrup Centret for Jysk Dialekt forskning, S. 185–206.

Pedersen, Karen Margrethe (2011): Sønderjysk sang og rap. In: Schoonderbek Hansen, Inger/Widell, Peter (Hrg.): 13. Møde om Udforskningen af Dansk Sprog. Aarhus: Aarhus Nordisk Institut/Aarhus Universitet, S. 237–251.

Sievers, Kai Detlev (1975): Beiträge zur Frage der ethnischen Identifikation des Bundes deutscher Nordschleswiger. Flensburg: Akademie Sankelmark.

Sørensen, Nils Karl (2016): Gyngerne og karrusellen. Sønderjyllands økonomi i næsten 5 årtier. In: Pluk, S. 11–14.

Toft, Gösta (1982): Die bäuerliche Struktur der deutschen Volksgruppe in Nordschleswig. Flensburg: Institut für Regionale Forschung.

Tästesen, Anke (2015): German. The German Language in Eucation in Denmark. Ljouwert/Leeuwarden: Mercator Education. Abrufbar unter: https://www.mercator-research.eu/fileadmin/mercator/documents/regional_dossiers/german_in_denmark.pdf. (Letzter Zugriff 29.10.2018).

Westergaard, Astrid (2008): Strukturelle und pragmatische Verwendungsmuster im bilingualen Sprachgebrauch bei Jugendlichen. Hamburg: Verlag Dr. Kovac.

Westergaard, Astrid (2013): De unge og sønderjysk – åbner Facebook nye muligheder for bevarelse af dialekt? In: Schoonderbek Hansen, Inger/Hougaard, Tina T./Widell, Peter (Hrg.): 14. Møde om Udforskningen af Dansk Sprog. Aarhus: Aarhus Nordisk Institut/Aarhus Universitet, S. 485–500.

Westergaard, Astrid (2014): Om sammenhængen mellem sprogvalg og kommunikativ rækkevidde på facebook. In: NyS, 46, S. 65–101.

Westergaard, Astrid (2015): Revitalisierung von Dialekt in neuen Medien. In: Fredsted, Elin/Langhanke, Robert/Westergaard, Astrid: Modernisierung in kleinen und regionalen Sprachen. Hildesheim/Zürich/New York: Georg Olms.

Westergaard, Niels (2000): Die Literatur der deutschen Minderheit in Nordschleswig, Dänemark. Eingrenzung und Übersicht. Flensburg: Futura Edition.

Wung-Sung, Tobias Haimin (2017): We Remain What We Are – Wir bleiben was wir sind? North Schleswig German Identities in Children’s Education After 1945. In: Venken, Machteld (Hrg.): Borderland Studies Meets Child Studies. A European Encounter. Frankfurt am Main: Peter Lang, S. 139–165.

Deutsch in Ostbelgien

Heinz Bouillon

1 Einleitung

2 Geographische Lage und Demographie

3 Geschichtliche Gegebenheiten

3.1 Vor 1919

3.2 Vom Versailler Vertrag bis zum Zweiten Weltkrieg

3.3 Der Zweite Weltkrieg

3.4 Vom Zweiten Weltkrieg bis 1963

3.5 Die verschiedenen Staatsreformen in Belgien

4 Die Politik und die rechtliche Stellung der DG heute

4.1 Überblick

4.2 Befugnisse

4.3 Offene Frage: Separatismus

4.4 Eine siebte Staatsreform?

5 Die wichtigste Kompetenz: das Schulsystem

6 Medien und Kultur

6.1 Treffen der Staatsoberhäupter der Länder mit Amtssprache Deutsch

6.2 Rat für deutsche Rechtschreibung

6.3 Die Medien

6.4 Kultur in Ostbelgien

7 Soziolinguistische Aspekte

7.1 Sprache und Dialekt

7.2 Qualität der Sprache und schulische Leistungen

7.3 Zweisprachigkeit

8 Linguistic Landscape

9 Schlussfolgerung

Literatur

1 Einleitung1

Deutsch ist die Muttersprache einer kleinen Minderheit in Belgien. Es geht im Folgenden darum, diese Deutschsprachigen geografisch zu situieren und auf ihre jüngste sehr bewegte Geschichte einzugehen. Ihre jetzige Sonderstellung in einem sich stetig wandelnden belgischen Staat soll in einem weiteren Teil beschrieben werden. Anschließend werden einige mögliche Wege perspektivisch für diese Minderheit angezeigt. Die Autonomie der Deutschsprachigen Gemeinschaft (DG) drückt sich vor allem im Schulunterricht aus, weshalb die Kompetenzen in diesem Bereich näher untersucht werden müssen. Schließlich wird die verwendete Sprache, auch im weiteren Kontext der Zweisprachigkeit, aus soziolinguistischer Perspektive näher beschrieben. Abschließend wird die Identität dieser kleinen Bevölkerungsgruppe ansatzweise charakterisiert.

2 Geographische Lage und Demographie

Im Vergleich mit der Weltbevölkerung ist die Bedeutung der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens mit ihren zirka 77.000 Einwohnern verschwindend klein.

Abb. 1:

Die Deutschsprachige Gemeinschaft in Belgien1

Die neun Gemeinden, die die heutige Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens bilden, liegen im Osten Belgiens und grenzen an die Niederlande, Deutschland und Luxemburg an. Ihre Fläche beträgt 854 km2. Der Sitz der Regierung und des Parlaments ist Eupen.

Zwischen dem Norden, wo sich mehrere Industrieschwerpunkte befinden (Kabelwerke, NMC, präzisionsmechanische Betriebe usw.), und dem Süden, mit dem Zentrum Sankt Vith, liegt das Hohe Venn. Diese Landschaft, die oft als belgische Eifel bezeichnet wird, ist hauptsächlich durch Forst- und Landwirtschaft charakterisiert.

Die Deutschsprachige Gemeinschaft ist Mitglied der Euregio Maas-Rhein. Zum grenzüberschreitenden Verbund der Euregio Maas-Rhein gehören folgende Regionen: die Deutschsprachige Gemeinschaft, die Provinz Lüttich, die Provinz Belgisch-Limburg, die Provinz Niederländisch-Limburg und die Region Aachen.

Die Euregio umfasst insgesamt etwa 3,8 Millionen Einwohner. Ziel der Euregio Maas-Rhein ist es, die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Grenzregionen zu fördern. Dazu werden Partnerschaftsprojekte in Bereichen wie Tourismus, wirtschaftliche Zusammenarbeit, Katastrophenschutz, Sprachenprojekte, Technologietransfer und Gesundheitsversorgung entwickelt. Als Entscheidungsinstanz für die Vergabe von europäischen Mitteln (Interreg-Gelder) hat die Euregio Maas-Rhein beträchtliche Mittel zur Mitfinanzierung von grenzüberschreitenden Projekten in der Deutschsprachigen Gemeinschaft beigesteuert.2

3 Geschichtliche Gegebenheiten
3.1 Vor 1919

Das, was man heute Belgien nennt, entstand nach den Religionskriegen 1648, als die damaligen protestantischen Niederlande ihre Unabhängigkeit errangen und den flämischen und südlichen Teil weiteren Besetzern überließen. Damals gehörte der Norden der deutschsprachigen Territorien der heutigen DG hauptsächlich zu Limburg und der südliche Teil zu Luxemburg (Hecking 1875/21977: 38). Die Regionen, die einmal Belgien werden sollten, standen nacheinander unter spanischer, österreichischer, französischer und schließlich bis 1830 unter niederländischer Herrschaft, wobei ein nicht unwichtiger Teil, das Fürstbistum Lüttich, bis 1789 dem Heiligen Römischen Reich angehörte. Ohne auf die vielen Herrschaftswechel der Gebiete einzugehen, sei ein Datum der jüngsten Geschichte mit besonderer Wichtigkeit herausgegriffen: Nach der Niederlage Napoleons wurden 1815 auf dem Wiener Kongress diese Territorien, Eupen-Malmedy-Sankt Vith genannt, die zum französischen Departement „Ourthe“ gehörten, Preußen zugeschlagen, das französischsprachige Malmedy einbegriffen (Maxence 1951: 15). Als Belgien sich 1830 von den Niederlanden loslöste und ein selbständiger Staat wurde, gehörte die deutschsprachige Minderheit also nicht dazu – wohl aber das heutige Großherzogtum Luxemburg, das Areler Land und die sogenannten altbelgischen Gemeinden um die Dörfer Beho und Bocholz.

Der unabhängige belgische Staat zählte zirka 250.000 germanophone Einwohner (Bergmanns 1986: 12), darunter bildeten die luxemburgischen Dialekte die größte Gruppe. Im Jahr 1838 kam es zur endgültigen Einigung über die territoriale Teilung zwischen Belgien und den Niederlanden.

Es war das Jahr, als das Großherzogtum Luxemburg als selbständiger Staat geschaffen wurde: Belgien trat einige Gebiete wie Südlimburg an die Niederlande ab und behielt nur einige germanophone Gemeinden im Areler Land (Witte 2005: 100–108), die Letzeburgisch sprachen, sowie die sogenannten altbelgischen Gemeinden. So ging natürlich auch die Bedeutung der deutschen Sprache stark zurück, denn die Gebiete der heutigen Deutschsprachigen Gemeinschaft mit Malmedy lagen in Preußen.

Türler ve etiketler

Yaş sınırı:
0+
Hacim:
561 s. 36 illüstrasyon
ISBN:
9783823301745
Telif hakkı:
Bookwire
İndirme biçimi: