Kitabı oku: «Pragmatik der Veränderung», sayfa 3
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Helfendes Handeln
Zum Begriff sprachlichen Helfens und seinen Implikationen für Veränderung
Ina Pick & Claudio Scarvaglieri
Abstract: This article develops a concept of helping in and through language and analyzes transcripts of helping conversations from a linguistic perspective. We understand helping in and through language as taking on (parts of) actions in the pursuit of a common goal. Such helping in and through language transpires as a communicative pre-structuring of alternatives of thinking and/or acting. Such a pre-structuring can be performed in weak (formulating or activating of knowledge), intermediate (evaluating alternatives) or strong (explicit weighting of alternatives) ways. Our analyses show that in general the ‘action complex’ of helping in and through language can be performed within different institutional constellations. However, depending on the overarching institutional constellation in which the action complex is embedded, we find varying degrees of pre-structuring alternatives (from weak to strong) as well as differences regarding the pre-structuring of alternatives of thinking versus alternatives of acting in relation to the different settings. We consider helping in and through language endemically geared towards change. Based on our analyzes, change is discussed here in two dimensions: first, change relates to the result of the action process in practice supported by the helping (inter-)actions. Second, change relates to a mental process that is initiated by helping in and through language in the person seeking help. This process is initiated before change becomes evident in practice on the action level.
Keywords: Helping in and through language; communicative action; discourse analysis; change as process; change as outcome
1. Helfendes Handeln – Eine begriffliche Annäherung
Das Konzept des Helfens ist in einer Reihe professionalisierter gesellschaftlicher Domänen – etwa Schule, Bildung, Beratung, Soziale Arbeit – von Bedeutung und gibt entsprechend auch den helfenden Berufen bzw. helfenden Professionen ihren Namen, ohne dass das spezifisch ‚Helfende‘ der so bezeichneten professionalisierten Tätigkeiten präzise bestimmt wäre. Mit diesem Artikel möchten wir zu einer Präzisierung des Begriffs institutionalisierten sprachlichen Helfens beitragen. Dazu gehen wir von einem handlungstheoretischen, prozessorientierten und interaktionalen Verständnis alltäglichen Helfens aus, das wir datenbasiert zu einer Bestimmung von sprachlichem institutionalisiertem Helfen weiterentwickeln.
Im Alltag wird ethnokategorial in Situationen von Helfen gesprochen, in denen Aktant*innen bestimmte Handlungen oder Zwischenschritte von Handlungen abgenommen werden. Dies muss nicht immer sprachlich geschehen, sondern kann auch durch nichtsprachliches Handeln vollzogen werden. Dies ist z.B. dann der Fall, wenn ein Kind seine Schuhe zwar anziehen, sie aber noch nicht selbst binden kann, wenn eine verunfallte Person nicht aufstehen und sich in Sicherheit bringen kann oder wenn jemand krankheits- oder altersbedingt nicht in der Lage ist, Nahrung eigenständig zu sich zu nehmen. In all diesen Fällen übernimmt eine helfende Person eine der Teilhandlungen, bindet also etwa den Schuh zu, zieht die verunfallte Person zur Seite, führt den Löffel zum Mund. Dabei können, je nach Grad der Handlungseinschränkung, dem Hilfebedürftigen mehr oder weniger Handlungen abgenommen werden: einem Kind, das gerade dabei ist zu lernen, wie man eine Schleife bindet, muss ggf. nur beim letzten Schritt, dem Zuziehen der beiden Schlaufen, geholfen werden, während einem anderen Kind alle Teilhandlungen des Schuhebindens abgenommen werden müssen.
Zudem wird auch dann von Helfen gesprochen, wenn die hilfeempfangende Person an sich in der Lage wäre, die Handlungen selbst durchzuführen – wie etwa bei der Hilfe beim Umzug –, man sie jedoch aufgrund von Menge oder Komplexität der auszuführenden Handlungen entlastet, so dass diese schneller erledigt werden können oder physisch weniger belastend sind. Im Alltag erfolgt Helfen vielfach ohne unmittelbare Gegenleistung; dies ist besonders der Fall, wenn Eltern kleinen Kindern helfen – eine Art Urkonstellation des Helfens –, aber auch bei der sog. „Ersten Hilfe“ bei Unfallopfern, bei nachbarschaftlicher Hilfe u.ä. In modernen Gesellschaften findet sich das Helfen auch als institutionalisierte und organisierte Handlungsform, die in unterschiedlichen gesellschaftlichen Konstellationen mit verschiedenen Zwecksetzungen und für je spezifische Problemlagen durchgeführt wird und der dann auch Gegenleistungen eingeschrieben sind (monetäre Vergütungen, das Erreichen von institutionellen Zwecken, das Aufrechterhalten gesamtgesellschaftlicher Ziele etc.) (Luhmann 1975; Tomasello 2010: 46f.; 74; Oevermann 2013).
Dem Helfen liegt damit eine asymmetrische Grundkonstellation zugrunde (vgl. bereits Rehbein 1977: 323; Kallmeyer 2000: 241) – während die Hilfeempfangenden mit der Ausführung der Teil-Handlungen momentan oder generell überlastet sind, ist die helfende Person in der Lage, diese Handlungen durchzuführen. Helfen setzt entsprechend ein spezifisches Wissen bzw. Können auf Seite der Helfenden voraus. Die genannten Beispiele machen auch deutlich, dass Helfen unterschiedlich situiert sein kann und unterschiedliche Funktionen übernehmen kann: es kann im Sinne des Vormachens dazu dienen, die hilfeempfangende Person in die Lage zu versetzen, die entsprechenden Handlungen selbst durchzuführen (im Sinne der ‘Hilfe zur Selbsthilfe’, diskutiert u.a. bei Oevermann 2013), oder es kann als vollständiger oder teilweiser Ersatz einer Handlungsfähigkeit dienen, die zumindest kurz- oder mittelfristig nicht wiedergewonnen werden kann (etwa bei verunfallten oder dauerhaft erkrankten Personen). Wesentlich für ein gelingendes Helfen ist, dass helfende und hilfeempfangende Person das gleiche Ziel verfolgen bzw. eine geteilte Zielvorstellung diskursiv entwickeln (zum sprachlichen Helfen s.u. Kap. 2). Die Vorstellung über die mit dem Helfen anzustrebende Veränderung des gegebenen, in bestimmter Hinsicht als defizitär empfundenen Zustands kann entweder explizit ausgehandelt werden oder für bestimmte Situationen so typisch sein, dass sie von beiden Seiten vorausgesetzt wird. Beim Schuhebinden etwa ist das Ergebnis aufgrund von Handlungsroutinen vorhersehbar und muss nicht ausgehandelt werden, bei komplexeren Problemlagen gibt es dagegen meist unterschiedliche mögliche Ergebnisse, die im Hilfeprozess abgewogen werden müssen. Wie u.a. die hier analysierten Daten zeigen (u. Kap. 3), basiert Helfen auf der genuin menschlichen Fähigkeit der Perspektivenübernahme, also des zeitweisen Hineinversetzens in andere Handlungsrollen bei geteilter Aufmerksamkeit (Tomasello 2010: 64).
Die hier grundlegende Auffassung von Helfen als Übernehmen von (Teil-)Handlungen, welche die Handlungsfähigkeit der hilfeempfangenden Person überlasten würden, liegt unausgesprochen nicht nur der Ethnokategorie des Helfen zugrunde, sondern auch vielen sprach- und sozialwissenschaftlichen Arbeiten zu diesem Thema. So spricht Oevermann (2013: 120) davon, dass helfende professionalisierte Praxis dort einsetze, „wo primäre Lebenspraxen mit ihren Krisen nicht mehr alleine fertig werden können und deren Bewältigung an eine fremde Expertise delegieren müssen“, sieht also ebenfalls das Überwinden von Handlungsproblemen durch Abnehmen von Handeln als Wesen des Helfens. Schmitt versteht „Unterstützen im Gespräch“ (1997) als das Ausführen sprachlicher Handlungen, deren Vollzug anderen Sprecher*innen nicht gelingt (s. auch Schmitt 2012), Rehbein (1977: 316-324) unterscheidet beim Unterstützen von Handlungen zwischen dem vorschlagenden Entwickeln von Handlungsalternativen, die den Hilfebedürftigen fehlen, und dem ratgebenden Bewerten von alternativen Handlungszielen, das den Hilfebedürftigen abgenommen wird (s. dazu auch Pick 2015: 74f., Pick 2017b: 446-448).
Helfen lässt sich handlungstheoretisch also allgemein als Bewältigen von Handlungen bzw. Stadien innerhalb eines Handlungsprozesses durch die helfende Person für die hilfeempfangende Person fassen. Dies erfolgt an Stellen innerhalb des Handlungsprozesses, an denen die hilfeempfangende Person überlastet ist und basiert auf der mehr oder weniger expliziten Klärung des Handlungsziels. Wie die folgenden Ausführungen zeigen, ist in der Analyse helfenden Handelns mittels Sprache über diese Bestimmung noch hinauszugehen (vgl. Graf & Spranz-Fogasy 2018). Dabei gehen wir davon aus, dass sich sprachliches und nicht-sprachliches Helfen nicht gegenüberstehen, sondern dass beide Formen kombiniert vorkommen können und sich zum Teil gegenseitig ersetzen können (auszuführende Handlungen können z.B. zunächst beschrieben, dann vom Helfenden vertretend durchgeführt werden). Insofern bewegen sich sprachliche und nicht-sprachliche Formen des Helfens innerhalb eines Kontinuums.
2. Sprachliches Helfen
Wir möchten nun das sprachliche Helfen weiter bestimmen. Dabei verstehen wir die Rolle von Sprache als Mittel des Helfens. Sprache kann auch als Objekt des Helfens gedacht werden (z.B. bei der Sprachproduktion als Unterstützen, Kokonstruktion oder Abnehmen von Formulierungen, aber auch beim Erstellenhelfen bestimmter spezifischer Textsorten wie Behördenbriefe oder beim Scaffolding etwa beim Erzählen). Wir fokussieren hier zunächst auf die Betrachtung von Sprache als Mittel des Helfens, Situationen, in denen Sprache (auch) Objekt des Helfens ist, müssen Gegenstand einer eigenen Untersuchung sein, die hier den Rahmen sprengen würde.
Als zentral für das Helfen haben wir bisher die folgenden Elemente bestimmt: Ein Einvernehmen über das zu erzielende Ergebnis und damit über die zu erreichende Veränderung als Voraussetzung, um Helfen in Gang zu setzen; eine Befähigung der Helfenden die Hilfesuchenden bei der Erreichung des Ergebnisses zu begleiten; die Übernahme von (Teil-)Handlungen durch eine helfende Person, welche die Hilfeempfangenden (momentan) nicht selbst (in derselben Geschwindigkeit/ Qualität etc.) ausführen können. Grundlegend für unsere Betrachtung des Helfens ist, dass dieses darauf abzielt, in verschiedener Weise Veränderung zu induzieren. In welcher Hinsicht das Abnehmen von welchen (Teil-)Handlungen vereinbart wird, deutet in die Richtung der angestrebten Veränderung. Wir wollen nun weiter explorieren, welche kommunikativen und mentalen Aufgaben grundlegende Strukturmerkmale des Helfens darstellen. Diese werden wir zunächst theoretisch erörtern und in der Folge anhand von Beispielen aus helfenden Interaktionen in verschiedenen institutionellen Kontexten elaborieren.
Wie unsere Analysen zeigen, ist die Handlungsstruktur des Helfens in verschiedenen Handlungskonstellationen grundlegend dieselbe, sie ist aber, je nach Einbettung des Helfens, innerhalb von Kontinuen stärker oder schwächer ausgeprägt und zeigt sich entsprechend auch in ihrer sprachlichen Realisierung unterschiedlich (vgl. Pick 2017a). Wir gehen davon aus, dass das Helfen als ein Teil von verschiedenen Handlungskomplexen auftritt, in denen jeweils unterschiedliche übergeordnete Zwecke verfolgt werden. Helfen wird zudem gemeinsam von allen Beteiligten prozedural und interaktional vollzogen (s. auch Schmitt 2012), da auch die Hilfeempfangenden interaktional beteiligt sind, u.a. indem sie Hilfebedürftigkeit anzeigen, sich helfen lassen oder Ziele klären.
Wie beschrieben gehen wir davon aus, dass das sprachliche Helfen als ein Abnehmen von (Teil-)Handlungen zu bestimmen ist. Diese Handlungen beziehen sich beim sprachlichen Helfen nicht auf praktisches Handeln, sondern auf eine mentale Vorstrukturierung des Handelns. Zur weiteren Bestimmung des sprachlichen Helfens greifen wir zunächst auf Ergebnisse zum Beraten zurück. Beratendes Helfen eignet sich als Ausgangspunkt für unsere Überlegungen vor allem deshalb, weil zu diesem Handlungstyp eine Reihe linguistischer Ergebnisse vorliegen (Überblick bei Pick 2017c) und weil das Beraten einer der zentralen Handlungstypen sprachlichen Helfens ist (Kallmeyer 2000: 236). Da sich diejenigen Merkmale des Beratens, die sich auf das Helfen beziehen lassen, auch in nicht-beratenden Formen sprachlichen Helfens wiederfinden, entwickeln wir den Begriff sprachlichen Helfens zunächst anhand des Beratens.
2.1 Vorstrukturierung mentaler Prozesse bei der Planbildung
Das Abnehmen von (Teil-)Handlungen ist der zentrale Teil des Helfens. Die helfende Person strukturiert dabei je nach Ausprägung die Handlungsplanung, Lösung von Problemen oder die Intervention zur Problemlösung in unterschiedlichem Ausmaß verbal vor, indem sie Denk- und Handlungsalternativen bewertet und gewichtet. Bezogen auf das Beraten bezieht sich diese Vorstrukturierung auf das, was klassisch als Ratgeben beschrieben wurde (Searle 1971: 104f.; Rehbein 1977: 322-325). Ratgeben kommt immer nur eingebettet in den Handlungskomplex des Beratens vor (vgl. z.B. Auer 2013: Kap. 8), ist also als Handlungskomplex nur analytisch ablösbar. Dies scheint ebenfalls für das Helfen zu gelten, das in verschiedene (nicht nur beratende) Handlungskomplexe eingebettet realisiert wird.
Beim Ratgeben (= Helfen beim Beraten) kann Handeln auf verschiedenen Ebenen abgenommen werden (Pick 2017b: 448-454). Hier müssen Bewertungsprozesse in drei Stufen (mental und verbal) vollzogen werden. Zunächst muss relevantes Wissen sprachlich aktiviert werden (sei es z.B. bezogen auf Lösungsmöglichkeiten, auf Wissensbestandteile, auf Perspektiven der Klienten1), dann muss eine Auswahl von Handlungsmöglichkeiten (Denkalternativen, Lösungsmöglichkeiten, Plänen etc.) getroffen werden, die bezogen auf die Situation der Ratsuchenden anhand von bestimmten Maßstäben (meist Expertenwissen, aber auch Erfahrung, Können) bewertet werden. Weiter kann aus dieser Auswahl eine Alternative besonders gewichtet werden. Der idealtypische Rat („Ich rate Ihnen, X zu tun“) macht bestimmte Wissens-/Erfahrungsbestände relevant, wählt aus den Alternativen A-Z verschiedene mögliche aus (X, Y, Z) und gewichtet für die Situation des Hilfesuchenden Alternative X als die am besten passende.
Bezogen auf das sprachliche Helfen leiten sich daraus die folgenden Annahmen ab: Das Abnehmen verschiedener (Teil-)Handlungen vollzieht sich beim sprachlichen Helfen entlang unterschiedlicher Grade der mentalen Vorstrukturierung (von schwach bis stark). Es können also verschiedene Denk- oder Handlungsschritte (Entscheiden, Planen) abgenommen werden, die die Ausbildung einer Lösung unterstützen. Diese Handlungen können sich auf das Einbringen/Aktivieren von Wissen (z.B. „Diesel ist billiger als Benzin“2), das Bewerten von Alternativen (z.B. „ein Dieselfahrzeug ist im Verbrauch günstiger, in der Steuer teurer und belastet die Umwelt stärker“) und das Gewichten von Denk- und Handlungsalternativen beziehen („Ich an Ihrer Stelle würde einen Benziner nehmen“). Relevant für Fragen des Helfens ist, welche Leistung den Hilfesuchenden abgenommen wird und welche Schritte diese selbst durchführen. So wird bei einer schwachen Vorstrukturierung mentaler Prozesse, bei der nur das Aktivieren von Wissen als Handlung abgenommen wird, die Bewertung und Gewichtung den Hilfesuchenden überlassen. Hier ist also ein sehr schwaches Helfen, im Sinne eines schwachen Abnehmens von Handeln, angezeigt. Entsprechend verschiebt sich das Gewicht beim stärkeren Vorstrukturieren. Die verschiedenen Grade der mentalen Vorstrukturierung von Lösungsmöglichkeiten sind damit in einem Kontinuum zwischen einer schwachen Vorstrukturierung (Aktivieren/Nennen von Wissen als Expertenwissen, Perspektivenerweiterung, Fokussierung etc.), einer mittleren Vorstrukturierung (Bewerten von Alternativen bezogen auf die Situation des Hilfesuchenden) und einer starken Vorstrukturierung (Bewerten und Gewichten von Alternativen) zu verorten. Das schwache Vorstrukturieren kann auf der sprachlichen Oberfläche dem Vorschlagen (Rehbein 1977) ähneln, ein mittlerer Grad der Vorstrukturierung zeigt Formen des Empfehlens (Becker 2015), die starke Form der Vorstrukturierung entspricht den „kanonischen Äußerungsformen“ (Kallmeyer 2000: 230) für das Ratgeben. Vor diesem Hintergrund lassen sich auch von Auer (2013: 89) als „implizit-direkte“ bezeichnete Formulierungen (ich würde X tun) als stark vorstrukturierend einstufen, obwohl sie in ihrer Form eher einem Vorschlag ähneln.
Die verschiedenen Grade der Vorstrukturierung können sich sowohl auf Lösungen im mentalen Bereich als auch auf den Handlungsbereich (sprachlich, praktisch) der Klienten beziehen. Den Klienten kann also, bezogen auf ihre Ziele, das Aktivieren bzw. Benennen von Wissen bezogen auf Denk- und Handlungsalternativen (Deutungsperspektiven, Expertenwissen, Erfahrungswissen etc.), das Bewerten oder das Gewichten dieser Alternativen abgenommen werden.
Diese verschiedenen Stufen des Abnehmens von Handeln können aber nur dann ihre Funktion als gelingendes helfendes Handeln erfüllen, wenn die helfende Person aufgrund von Asymmetrien (Wissen, Können, Erfahrung etc.) mental bereits eine Bewertung und Gewichtung von Alternativen vorgenommen hat. Das bedeutet, auch das Nennen bzw. Aktivieren von Wissen muss bereits auf die Bewertung und Gewichtung von Alternativen hin zugeschnitten sein, die den Helfenden bei einer schwachen Vorstrukturierung präsent sein müssen, auch wenn sie nicht verbalisiert werden. Von helfenden Personen vorgenommene Gewichtungen von Handlungsmöglichkeiten und damit mental oder verbal vorgenommene Vorstrukturierungen fassen wir allerdings nicht statisch, sondern als Aushandlungs- und Veränderungsprozessen unterliegend, welche in Hilfeprozessen kommunikativ bearbeitet werden müssen. Diese Bewertung und Gewichtung kann sich im Laufe des weiteren Beratungsprozesses verändern oder verschieben, muss aber ausgebildet und interaktional bearbeitet werden. Es ist davon auszugehen, dass sich verschiedene Beratungsformate u.a. dadurch unterscheiden lassen, wie stark vorstrukturierend jeweils tendeziell geholfen (beraten) wird. Nichtsdestotrotz ist zu erwarten, dass in allen Beratungsformaten in den verschiedenen Durchläufen des helfenden Handelns verschiedene Grade der Vorstrukturierung mentaler Prozesse in denselben Beratungsformaten vorkommen (vgl. unsere Analysen zum Helfen unten).