Kitabı oku: «Sizilianische Gesetze», sayfa 4

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Überraschung wird zum Überlebenskampf

Bei allem Glück, das sie empfand, die süße Kleine zu Hause zu haben, wurde ihr schon sehr schnell bewusst, welch anstrengende Zeit vor ihr lag.

Weil Romina als Frühchen noch so zart und pflegebedürftig war, musste sie die ersten vier bis sechs Wochen alle vier Stunden, rund um die Uhr, gefüttert werden. Da Ute durch das „Abstillen“ keine Milch hatte, hieß das, immer ein frisches Fläschchen zubereiten. Dadurch erfuhr sie hautnah, was Schlafentzug bedeutet.

Am ersten Weihnachtstag kam niemand, selbst ihre Kinder riefen nur kurz an um ihr ein frohes Fest zu wünschen, den restlichen Tag verbrachte sie alleine mit dem Säugling.

Annette rief ebenfalls nur an, erkundigte sich nach ihrem Befinden und stöhnte, dass sie bei dem „gierigen Griechen“ alle Feiertage, sogar Heiligabend, arbeiten musste, versprach danach reinzuschauen.

Am zweiten Weihnachtstag hatte Ute mittags die Kleine gerade wieder in ihr Bettchen gelegt als es klingelte. Verwundert drückte Ute den Türöffner und glaubte ihren Augen nicht zu trauen, als ihr Stiefvater herein kam.

Schüchtern murmelt er, dass er die Kleine sehen wolle, worüber Ute sich sehr freute, aber die Frage nach ihrer Mutter verkniff sie sich. Eigentlich hatte sie gehofft, dass ihrer Mutter Besuch an ihrem Krankenbett an der ablehnenden Haltung etwas geändert hätte. Das war offenbar nicht der Fall.

Ihrer Mutter offensichtliches Desinteresse an ihrem jüngsten Enkelkind tat Ute zwar sehr weh, aber umso mehr freute sie sich über die Haltung ihres Stiefvaters, mit dem sie eigentlich nie besonders engen Kontakt hatte.

Geduldig saß er dann drei Stunden lang in Utes Wohnzimmer, trank einen Kaffee nach dem Anderen und wartete darauf, dass die kleine Prinzessin endlich erwachte. Gut dass es Fernsehen gab, denn der Gesprächsstoff war sehr schnell zu Ende. Weil Ute fand, dass er etwas unruhig wirkte, bot sie an, die Kleine zu wecken. Das lehnte er ab, lieber wollte er ein anderes Mal wiederkommen.

Bevor er ging, öffnete sie die Schlafzimmertür, sodass er das schlafende Baby im Lichtschein der Türöffnung sehen konnte. Ganz zaghaft trat er an ihr Bettchen und betrachtete die schlafende Kleine lächelnd. Dann ging er zufrieden hinaus.

Noch lange dachte Ute über ihren so ungeliebten Stiefvater nach, und in ihrem Kopf entstand plötzlich ein ganz anderes Bild von diesem unbeholfenen Menschen. Er hatte ihr sein Einverständnis und seine Zuneigung durch das Interesse an ihrem dritten Kind gezeigt. Auch Ramona, ihre Große, hatte ihm immer genauso am Herzen gelegen wie jetzt Romina, nur mit ihrem Sohn war er nie richtig warm geworden. Das Verhältnis war immer desinteressiert und kühl geblieben.

Weil Ute mit der Versorgung des Säuglings angebunden war, sowieso nicht aus dem Haus gehen konnte, hatte sie ihrer Tochter ihr Auto überlassen. Ramona war sehr erfreut gewesen, da sie schon länger kein eigenes Autos hatte. Deshalb rief sie entweder an, oder kam kurz vorbei, um nachzusehen ob sie Besorgungen für Ute machen solle.

Auch Utes Freundin kam des Öfteren mal kurz rein, bevor sie zur Arbeit fuhr, und erkundigte sich, ob alles in Ordnung sei.

Nur einer ließ sich nicht sehen, Vito.

Wie gehabt musste Ute sich und ihre finanziellen Bedürfnisse in Erinnerung bringen. Schon nach den ersten Anrufen ging er einfach nicht mehr ans Telefon, sondern sein Bruder nahm das Gespräch an.

Da sie für die Kleine Babyartikel und auch normale Lebensmittel brauchte und schließlich immer noch zur Hälfte an dem Casino beteiligt war, ließ sie nicht locker.

Manchmal schickte Vito seinen Bruder, der ihr widerwillig einen Hunderter reichte und gleich wieder schnell verschwand. Und als sie mehr Geld verlangte, weil sie die Miete bezahlen musste, erschien Vito selbst.

Voller Wut flog stampfte er in ihre Wohnung, und noch in der Tür schlug er ihr erst ins Gesicht, bevor er ihr die Scheine vor die Füße warf. Es war der Horror.

Das Kind hatte nichts an seinem Verhalten ihr gegenüber verändert. Er beachtete die Kleine nicht einmal, sondern ging sofort wieder hinaus.

Nichts mehr war von seinen Vaterfreuden und von seinen Versprechungen übrig geblieben. Und Ute wagte gar nicht daran zu denken, wovon sie mit dem Kind leben sollte, wenn das Casino mal wieder geschlossen würde und Vito dann auch telefonisch nicht mehr zu erreichen wäre. Wie und wo sollte sie ihn dann suchen?

Sie war total deprimiert, aber sie nahm sich zusammen, denn sie hatte die Verantwortung für ihr Neugeborenes übernommen, welches sie von Tag zu Tag mehr liebt. Aber wegen ihres Kindes musste sie sehen wie sie zurechtkam. Irgendwann kroch Ute fast auf allen Vieren, so zehrte der Schlafentzug an ihr.

Nach vier Wochen konnte Annette sich die Müdigkeit ihrer Freundin nicht mehr ansehen. Durch den vierstündigen Rhythmus zu füttern hatte Ute akuten Schlafmangel, aber sie versuchte sich noch auf den Beinen zu halten.

„So, das guck sie mir nicht mehr länger an“, sagte Annette eines Tages, „ich nehme die Kleine jetzt mit zu mir, damit du dich mal richtig ausschlafen und erholen kannst. Bei uns geht die Versorgung besser als hier, wir sind mehr Personen, die sich alle gerne um die Süße kümmern. Pack mal genügend Sachen zusammen, dann kannst du bei uns erscheinen, sobald du wieder bei Kräften bist. In Ordnung?“

Obwohl Ute ihrer Freundin sehr dankbar war, und endlich mal in Ruhe alleine sein konnte, hatte sie die ersten zwei Tage Probleme einzuschlafen, bis sie sich an die himmlische Ruhe gewöhnt hatte. Sie genoss es fünf Tage lang.

Körperlich fit holte Ute ihre Kleine ab und suchte zum ersten Mal den Kinderarzt auf. Zum Glück hatte Ramona ihr das Auto wieder zurückgegeben, sodass Ute endlich wieder Autofahren konnte, denn mittlerweile war es eisig kalt.

Der Arzt war sehr freundlich und sanft im Umgang mit Kindern. Nach der gründlichen Erstuntersuchung meinte er: „Sie ist zwar ein sehr zartes Kind, aber um die müssen Sie sich keine Sorgen machen, die ist zäh. Sie wird alle Kinderkrankheiten spielend schnell hinter sich bringen, falls die bei ihr überhaupt richtig ausbrechen. Das kleine Mädchen hat gute Abwehrkräfte.“

Die nächste Zeit war ein ständiges Auf- und Ab in jeder Richtung.

Natürlich passierte genau das, was Ute schon befürchtet hatte, ihre einzige Überlebungschance wurde durch eine Razzia geschlossen. Das hieß, der Ernährer war mit samt ihrem Geld in der Versenkung verschwunden. Zwar erfuhr sie schon bald, dass Vito sich in einem Räuberzock, einer Würfelbude in der Nachbarstadt eingekauft hatte, aber für Ute hieß das, dass sie keinerlei Einblick mehr kriegen konnte.

Schnell hatte sie durch Annette auch die Rufnummer dieser Bude, und obwohl dort eine weibliche Bedienung arbeitete, kam Ute weder telefonisch noch persönlich an Vito heran. Er blockierte jede Möglichkeit ihn zu sprechen, und ließ Ute auch finanziell einfach hängen.

Ihr blieb keine Wahl, sie musste arbeiten. Welch ein Glück dass sie in der Glücksspiel-Branche gute Kontakte hatte, aber die waren leider alle in Holland.

Ihre Telefonate brachten ihr die erfreuliche Einladung nach Amsterdam zu Heribert, einem großen Veranstalter. Zügig war Rominas Unterbringung mit Annette geklärt, Fahrkarte gekauft, und bereits am nächsten Tag saß Ute im Zug nach Amsterdam.

Obwohl Ute wusste, dass Ulf, ihr Verflossener, und Heribert dicke Freunde waren, ihr auch klar war, dass Ulf sich in Holland aufhielt, war sie dennoch unangenehm überrascht als Ulf sie am Bahnsteig erwartete.

Er strahlte vor Wiedersehensfreude, sie machte gute Miene zu bösem Spiel. Denn das war es wirklich. Heribert hatte Ulf beauftragt, weil er hoffte, dass sich die beiden wieder versöhnen würden. Das lehnte Ute direkt klipp und klar ab.

Trotzdem verbrachte sie ein sehr schönes Wochenende in Amsterdam, denn Heribert war ein großzügiger Gastgeber. Ein Firstclass Hotelzimmer für Ute, und ein gemeinsames Dinner zu viert, in einem sehr edlen japanischen Restaurant waren Selbstverständlichkeiten, die der Gastgeber bot.

Am Ende des Wochenendes akzeptierte Heribert, dass es mit ihr und Ulf keine Gemeinsamkeit mehr geben werde. Bevor Ute abreiste verkaufte sie an Heribert noch einen Weißgold-Brillant-Armreif zu einem guten Preis. Außerdem sagte Heribert ihr einen Job an der Kasse seines Black-Jack-Casinos zu.

Mit dreißig Mark in der Tasche war Ute angekommen, mit Zweitausend reiste sie wieder ab. Sie hatte gute Laune, durch die euphorische Hoffnung, dass sie bald wieder auf die Füße kommen werde.

Aber ihre gute Stimmung schlug in panische Angst um, als Annette ihr berichtete, dass Vito sich Zutritt zu ihrer Wohnung verschafft hatte. Er hatte Annette gezwungen Utes Schlüssel rauszugeben, mit der Drohung, sonst das Kind mitzunehmen und zu seiner Frau zu bringen.

Vorsichtshalber ging Ute daraufhin mal erst ohne die Kleine nach Hause. Das war ein Fehler. Vito prügelte sie auf dem Boden fest, als sie ihm gesagt hatte, wo sie gewesen war. Zum Schluss trat er auf sie ein. Dann nahm er ihr das Geld ab, steckte es in seine Tasche und stampfte gelassen ins Bad.

Nur durch einen Anruf ihrer Nachbarin bei der Polizei, wurde Ute von dem Gewalttäter befreit. Die Beamten kannten Vito wohl, denn sie sprachen ihn mit Namen an, als sie ihn aufforderten freiwillig mitzugehen. Ute rieten sie zur Strafanzeige.

Annette und Ramona kamen gleichzeitig und erschraken sich über Utes verbeultes Gesicht. Sie hatte zugeschwollene Augen, konnte nur noch durch Schlitze sehen und blutende aufgesprungene Lippen, aber am schlimmsten schmerzten ihre Rippen, denn Vito hatte wie ein Irrer zugetreten. Während Annette auf die Kleine aufpasste begleitete Ramona sie ins Krankenhaus.

Der Notarzt konnte ihr nur Salbe fürs Gesicht und Schmerzmittel geben und feststellen, dass 2 Rippen gebrochen waren.

„Viel machen kann sie nicht“, sagte der Arzt, „das Gesicht wird wieder in Ordnung sein, und wenn sich die Blutergüsse zurück gebildet haben. Auch an den Rippen-Brüchen kann sie nichts machen, die müssen ganz alleine wieder zusammen wachsen. Sie dürfen nur nicht schwer heben, möglichst ruhig liegen, sich nicht unruhig im Bett wälzen, dann heilt das von alleine. Aber ein paar Wochen wird das schon dauern. Nehmen Sie was gegen die Schmerzen und schonen Sie sich.“ Sagte der junge Arzt mitleidig.

Dann fragte er ob sie eine Krankmeldung benötige, als sie verneinte, gab er mir ein Attest, und sagte dabei: „Falls Sie Anzeige erstatten wollen.“

Ute verneinte, sie dachte nur: >Meine Krankmeldung ist bestimmt schwierig, weil ich meinen ersten Arbeitsantritt verschieben muss. Hoffentlich gibt es da kein Problem<.

Als sie mit Ramona zu Hause reinkamen erwartete Ute eine Überraschung. Ihre Mutter saß mit versteinerter Miene in der Küche und hielt die Kleine im Arm.

Sie sagte zu Annette: „Wenn du arbeiten musst, kannst du ruhig gehen, ich kümmere mich um die Kleine.“

Man vereinbarte, dass Annette die Kleine besser zu sich nehmen solle, während Utes Mutter vorerst blieb, besorgte Ramona Utes Einkäufe und andere Erledigungen. Natürlich brauchte sie dafür noch mal Utes Auto.

Als Ute alleine war rief sie in Amsterdam an. Sie meldete sich krank und bat später antreten zu dürfen, wenn es ihr besser ginge. Zum Glück hatte ihr zukünftiger Chef Verständnis.

Über das Erscheinen ihrer Mutter war Ute besonders erfreut, weil es zeigte, dass deren Abkehr endlich vorbei war.

Annette brachte ihr täglich Mittagessen vorbei, bevor sie zur Arbeit fuhr. Sie beruhigte Ute, dass die Kleine auch in ihrer Abwesenheit durch ihre großen Kinder gut versorgt werde.

Als Ute sich langsam wieder bewegen konnte, ging sie zur Polizei und erstattete Strafanzeige wegen Körperverletzung gegen Vito. Die Polizei fügte den Zusatz „schwer“ der Anzeige hinzu, denn Vitos Vorstrafen wegen Körperverletzung waren dort bestens bekannt. Wegen seines Hobbys „Kickboxen“ stufte man seine Tritte als sehr gefährliche Waffe ein.

Wechselbad der Gefühle

Zwei Wochen später trat Ute ihren neuen Arbeitsplatz an. Mangels Wohnung konnte sie bei dem befreundeten Ehepaar, John und Marga unterkommen. Sie kannte John durch Ulf, da er auch einmal bei ihr in Wülfrath gewohnt hatte, nahm sie das Angebot gerne an.

Leider hatte sie nur drei Wochen Ruhe, dann stand Vito plötzlich vor ihr. Er bettelte und schwor dass sich so ein Ausraster nie wieder ereignen werde. Dummerweise bot John auch Vito die Unterkunft an. Er glaubte wohl dass er Ute damit einen Gefallen tat. Das Gegenteil war der Fall. Dadurch hatte sie diese Klette wieder am Hals.

Es wurde ihr unsäglich peinlich, weil Vito versuchte sich bei dem Chef einzuschmeicheln, was ihm allerdings nicht gelang. Heribert blieb auf Distanz.

Leider machte Vito mir durch seine penetrante Anwesenheit diesen Job kaputt, da er an meiner Schleppe kleben blieb, weil seine Geschäfte in Deutschland mal wieder der polizeilichen „Schließung“ zum Opfer gefallen waren.

Es dauerte nicht lange, bis die beiden Veranstalter „Heribert und der Tübinger“ diese „Wanze“ loswerden wollten, weil sie erkannten, dass Vito ein lästiges Hindernis war. Deshalb wurde Ute gekündigt und war erneut ohne Arbeit. Ute wusste, dass ihr Chef lieber auf sie verzichtete, als ihren herumlungernden arbeitslosen Anhang, Vito und John im Casino sitzen zu haben. Das konnte Ute ihm nicht einmal übel nehmen.

Da auch John arbeitslos war, kamen er und Vito auf den Gedanken ihr Glück in Breda zu versuchen. Angeblich kannte John einen dortigen Veranstalter sehr gut, sodass sie dort alle vier Arbeit fänden, versicherte er.

Ob Ute wollte oder nicht, sie musste mit, weil ja auch Johns Frau mitkam.

In Breda gab es keine Arbeit, nur Vito wurde überraschender Weise fündig. Ein paar Tage hockten auch John und Freundin mit Ute in einem Ferien-Bungalow, dann reisten die beiden ab. Nun saß sie alleine dort, weit außerhalb von dem Ortskern, und Vito arbeitete die ganze Nacht und schlief am Tage. Damit sie nicht heimlich abreiste, beauftragte Vito Annette, die Kleine zu uns zu bringen. Ute wurde einfach nicht gefragt. „Ich bin der Mann – ich bestimme, Basta!“ war sein einziger Kommentar.

Dann hockte Ute mit Kleinkind in einem dünnwandigen Sommer-Bungalow und fror. Zu ihrem Glück bekam Vito nach einer Woche plötzlich die Kündigung, weil er einen größeren Verlust verschuldet hatte. Einen Tag später hatte die Heimat sie wieder.

Leider hatte Ute ab dem Moment ihr Bett wieder belegt. Denn Vito zog ungefragt wieder bei ihr ein. Dass seine Ehefrau ihn rausgeworfen hatte, erfuhr sie durch Gerüchte, was ihr aber nichts nützte. Für Vito war es selbstverständlich, dass er sich seine Wohnung aussuchte.

So ging das Hin und Her zwei Jahre lang weiter. Vito wechselte die Seiten, wo es ihm gerade besser ging oder gefiel. Wenn Ute sich weigern wollte flog er auch durch die geschlossene Etagentür, schlug sie und warnte sie dabei, sollte sie noch einmal Anzeige erstatten, das werde er ihr nicht noch einmal verzeihen. Er drohte, wenn er noch einmal ihretwegen eine Geldstrafe bezahlen müsse, werde er sie töten. Sie hatte keinen Grund ihm nicht zu glauben.

Auch geschäftlich und dadurch finanziell ging es Bergauf und Bergab. Mal Würfelzock, mal Roulette-Casino, mal in Deutschland oder wenn das gerade nicht ging, in Holland. Überschnitt es sich, dass Vito gerade gut im Würfelgeschäft war, und sie wieder einen Job in Holland angefangen hatte, kam er hinterher sobald seine „Anschaffe“ zu Ende war. Sie stand immer unter dem Druck, egal wie, sie musste ihr Kind ernähren.

Vito klebte an ihr wie eine Klette, er saugte ihre gesamte Abwehrkraft und Energie aus. Und Ute hatte keine Möglichkeit sich zu befreien, dazu hätte sie ihn töten müssen. Sie war verzweifelt, aber wehrlos.

Sie schwankte zwischen Angst und Hass, zerbrach sich den Kopf nach einem Ausweg, vergebens.

Allerdings dauerten ihre wechselnden Gefühle nicht lange, denn als Vito sich wieder ausschließlich mit „seinen“ Geschäften befasste, und plötzlich wieder umzog, erwachte erneut ihre Energie.

Er ging zu seiner Ehefrau zurück, weil er sich dort wohl mehr finanzielle Unterstützung erhoffte. Dadurch hatte Ute ihre Freizeit und die Möglichkeit sich nach neuer Arbeit umzusehen. Sie erfuhr, dass in dem Amsterdamer Casino der Inhaber gewechselt hatte, der Tübinger hatte den Laden übernommen. Das war gut für Ute.

Endlich sah sie wieder eine Chance, dem ständigen Kampf ums Haushaltsgeld und Vitos aggressiven Launen zu entgehen, deshalb rief sie nach einiger Zeit wieder den Tübinger an. Nur bei ihm konnte sie wieder an Arbeit und Brot kommen.

Auf ihren Anruf reagierte Eddi kurz angebunden aber positiv. „Komm nach Amsterdam, ich kann dich brauchen, aber ohne deinen abgebrochenen Riesen.“ Sagte er nur. Schon am nächsten Tag war sie unterwegs.

Erleichtert die finanzielle Belastung los zu sein, ließ Vito sie diesmal widerspruchslos fahren.

Die nächsten vier Wochen, in Amsterdam, waren für Ute chaotisch, dennoch glücklich ohne Druck. Weil an der Kasse Überbesetzung vorhanden war, sodass man dort die Vier-Tage- Woche eingeführt hatte, war dieser Job für Ute nicht zu haben. Das wunderte sie, weil sie nicht verstand wieso er gesagt hatte, er könne sie brauchen? Was hatte der Tübinger mit ihr vor? Wollte er ihr nur helfen? Denn er kannte Utes Situation ja.

Ute wurde mit lächerlichen, überflüssigen Arbeiten beauftragt. Der Chef erfand extra für sie eine neue Tätigkeit. Er machte sie zur Aufsicht über das Service-Personal. Außer die Einkäufe und Tätigkeit dieser Leute zu überwachen hatte sie nichts zu tun. Von zehn Stunden stand sie mindestens sieben dumm rum. Seltsame Sache.

Beliebt war sie durch diese Aufgabe bei den Kollegen natürlich auch nicht gerade. Man sah in ihr einen Spitzel und hielt sie (wie sie selbst auch) für überflüssig, sogar störend.

Da sie auch keine Wohnung fand, musste sie im Hause auf der dritten Etage hausen. Dort gab es zwei Zimmer mit spärlicher Möblierung, welche eher Rumpels-Kammern glichen. Ständig hatte sie das Gefühl von niedlichen kleinen Kriechtieren (Wanzen oder Läusen) umgeben zu sein. Nachts hatte sie am ganzen Körper Juckreiz. Sie zwang sich zum Durchhalten!

Nach vier Wochen stellte man plötzlich ein zweites Bett in ihren Schlafraum. Man erklärte ihr, ein neuer Croupier aus England (männlich) müsse darin schlafen. Sofort beschwerte sie sich bei meinem Chef. Sie sagte ihm, dass dies unzumutbar sie und erhielt die unfreundliche Antwort: wenn mir etwas nicht passe, könne sie ja gehen.

Sie ging auf der Stelle, nachdem sie ihm ein paar boshafte Worte gesagt hatte.

Zu Hause angekommen, war sie ziemlich mutlos. Erst der Anblick meines Babys gab ihr ihre Energie zurück. Krampfhaft überlegten Annette (die auch mal wieder im finanziellen Engpass war) und Ute wie sie nun Geld verdienen könnten. Da Annette auch gerade arbeitslos geworden war und in Scheidung stand, lebte sie mit ihren Kindern von Sozial-Hilfe. Diesen Zustand wollte sie ändern.

Auch Ute wollte nicht wieder von Vitos Launen abhängig zu sein. Ihn ständig um Geld anbetteln zu müssen, obwohl er immer noch ihre gemeinsame Geschäftsgelder verwaltete. Sein Gestöhne über die schlechten Zeiten ging ihr gründlich auf die Nerven. Lieber wollte sie selbst sehen, wie sie zurechtkommen konnte.

Durch ein Telefonat mit einer Freundin, welche sie lange Zeit nicht gesprochen hatte, wurde sie auf die Idee gebracht. Agatha lebte seit Jahren vom Verkauf von allerlei alter Sachen und Antiquitäten auf Trödel-Märkten. Voller Begeisterung klärte Ute die erstaunte Annette nun über diese Möglichkeit auf. Gebrauchte Sachen hätten sie bestimmt auch genug zu verkaufen. Gedacht -getan!

Einige Wochen verdienten die Beiden sich mit dem Verkauf von Babysachen, Gardinen, Kleidern, Hausrat, und was ihr Haushalt, sowie der Haushalt und Keller ihrer Eltern alles an abgelegten Sachen hergab, ein nettes Taschengeld. Spaß machte ihnen der Verkauf auf den Trödel-Märkten auch noch. Als ihr Angebot erschöpft war, war auch diese lustige Trödel-Zeit beendet, was beide sehr bedauerten. Aber was nun? Und schon wieder hatten die Beiden eine neue Idee.

Sie hatten gesehen, dass die Fress- und Sauf-Buden auf allen Märkten am besten liefen. Also entschlossen sie sich, Bergische Waffeln und Reibekuchen zu verkaufen. Denn Würstchen-Buden gab es mehr als genug.

Der Gedanke ließ sich aber nicht so leicht in die Tat umsetzen, wie sie gedacht hatten. Die Markt-Veranstalter hatten mit den Wurstverkäufern Festverträge. Überall bekamen sie telefonische Absagen.

Nirgendwo war ein Standplatz für Speisen und Getränke frei. Annette hatte dann den Einfall bei Fußball-Vereinen anzufragen. Von vielen Anfragen bekamen sie tatsächlich von einem Verein eine Zusage: Bayer-Leverkusen. Die Geschäftsleitung des Leverkuseners Fußball-Verein war interessiert das Erfrischungs-Angebot für die Fans zu erweitern.

Auch die Platzmiete war im erträglichen Rahmen, sodass sich die Beiden begeistert ins nächste Abenteuer stürzten.

Für die Investition, wie Platzmiete, Stand, Pfannen, Kocher usw. musste wieder ein Schmuckstück von Ute dem Beleihen zum Opfer fallen. Bei der Gelegenheit sagte sie zu ihrer Freundin: „Eigentlich muss ich dem Ulf mal Dankeschön sagen, ohne seine Vorliebe für Schmuck hätte ich diese vielen kostbaren Stücke gar nicht. Damals fand ich seine Vorliebe für dieses ganze Zeug furchtbar, und die ganzen Brillies hässlich. Gut dass sie die noch habe.“

Dann machten sie sich voller Hoffnung und Elan an die Arbeit! Das Ergebnis war mehr als kläglich!

Als sie nach einigen Wochen Bilanz zogen, mussten sie feststellen, dass dies kein Geschäft sondern ein Hobby war. Die Verkaufs-Zeit in der Halbzeit-Pause war einfach zu kurz um genügen braten und verkaufen zu können. Investition, Standmiete und Arbeit waren im Gegensatz zu dem lächerlichen Umsatz gewaltig gewesen. Frustriert gaben sie unser Hobby auf.

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