Kitabı oku: «Gefährliche Geschäfte», sayfa 5
16
Und bereits eine Viertelstunde vor Drei fuhr Carl mit seinem Audi über die kiesbedeckte Zufahrt zum Anwesen Jakob Blumenstein. Das automatische und videoüberwachte Tor öffnete sich, als Carl ins Bild der Kamera geriet. Uralte gepflegte, riesige Ulmen säumten die grosszügige Allee zu den Gebäudetrakten.
Der dicht bewachsene, kurzgeschnittene Rasen hatte beinahe schon Golfplatzqualität. Farbenprächtige Blumenbeete aus Sommerflor und erlesene Büsche aus allen Teilen der Erde, sowie Sträucher aus Buchs und Zierahorn verwöhnten das Kennerauge. Künstlich angelegte, liebliche Teiche unterbrachen das üppige Wiesengrün, das einem Hauch des Schlossgartens von Versailles nachempfunden war.
Cremefarbig gestrichene Lusthäuschen mit gefasstem Fayenceglas, noch original aus der Belle Epoque erhalten, säumten die kiesgepflegten Gehwege, und unterstrichen die Exklusivität und Anmut des Anwesens.
Dieses selbst glich einem Schloss, hatte zwei Flügeltrakte und einem Mittelteil. Da und dort verzierten grössere und kleinere Erker die klobige Mauer aus Natursteinen. An allen Eckpunkten wuchsen schlanke Türmchen aus dem Mauerwerk mit langen, rötlichen Ziegelspitzdächern und farbigen Fähnchen obendrauf. Ganz oben verband ein schmaler, tiefgelegter und mit Zinnen bewehrter Spazierweg alle Eckpunkte miteinander. An der Südfassade hingen grössere und kleinere Balkone mit dazugehörigen Balustraden, die zum Bestaunen der Märchenlandschaft dienten.
Der Hauptteich, direkt vor der Haupttreppe, war geteilt mit einer filigran geschwungenen, weissen Holzbrücke. Vier Schwäne mit schlanken Hälsen, in edles Weiss gefiedert, durchpflügten erhobenen Hauptes das Wasser. Und auch der Geheimtipp Jakob Blumensteins sei hier verraten: Mystischen Kennern des Balletts Schwanensee offenbaren sie bei Vollmondlicht den Tanz der vier kleinen Schwäne. Ja, und es gab sogar Gäste die insistierten, die verzauberte Prinzessin Odette in einem der Schwäne erkannt zu haben.
Aber Carl scherte sich heute einen Deut um Schwäne und Seen. Er bremste hart direkt an der weit ausladenden, äusseren Haupttreppe, und hinterliess eine unschöne Bremsspur auf dem Kies. In stiller Vorfreude genoss er bereits seinen baldigen Triumpf über Blumenstein.
Die weiss rot gestreiften Flügel der hölzernen Eingangstüre öffneten sich wie auf Kommando gleichzeitig, und ein livrierter Hausdiener beeilte sich schnellen Schrittes, den Gast mit gebührender Aufmerksamkeit zu empfangen.
„Ich heisse Sie im Namen des Hausherrn Jakob Blumenstein herzlich Willkommen, Mister Boromeo!“, schnarrte der Diener, der jetzt wie ein Zinnsoldat vor ihm stand, um dann mit einer etwas weniger steifen Verbeugung fortzufahren:
„Herr Blumenstein erwartet Sie bereits in der Bibliothek. Bitte folgen Sie mir!“
Die Eingangshalle in weissem Kalkgemäuer wirkte schlicht prachtvoll. Sie war lichtdurchflutet, hoch geschnitten und mit einer wuchtigen Glaskuppel gedeckt. Die in Blattgold gefertigten Wandstuckaturen ergänzten sich prächtig mit Gängen und Treppen, die in schwarzem, unbehandelten Naturschiefer gehalten waren. Und sozusagen das Tüpfchen aufs i waren die schmideisernen Handläufe mit kunstvoll verzierten Tierköpfen. Man hatte seinerzeit bei der Rennovation auf jedes Detail geachtet. Zwei Haupttreppen führten von hier links und rechts in die Flügeltrakte.
Mit einladenden Handbewegungen animierte dieser wiederholt, dass Carl doch voranschreiten solle. Nach einigem Treppensteigen und durchschreiten ausladender Gänge erreichten sie die Bibliothek. Der Bedienstete klopfte dezent, und öffnete beide Türflügel weit. Er entliess Carl mit einem leichten Knicks, schloss die Türen behutsam von Aussen und entschwand.
„Ja mein lieber Herr Boromeo, was mag Sie wohl zu mir führen? Was hat das Schicksal denn heute für mich parat?“
Blumenstein, mit leicht geröteten Wangen und erhobenen, ausladenden Armen flog Carl buchstäblich in die Arme. Mit theatralischer Gestik beeilte er sich, Carl um das Monstrum von Lese- und Arbeitstisch herumzunavigieren.
„Ist mir ein grosses Vergnügen, Sir, Sie hier begrüssen zu dürfen!“ Dabei wies er auf buntbezogene Sessel einer Relaxsitzgruppe: „Bitte, nehmen Sie doch Platz.“
Blumenstein beklagte seit seiner Jugendzeit die hohe Stirnglatze, die er mit einem Toupet geschickt zu kaschieren wusste. Seine braungelockten, gepflegt geschnittenen Haare wiesen keine einzige graue Stelle auf. Eine Lesebrille baumelte an einem goldenen Kettchen auf seiner Brust. Es gehörte zu seinen ureigenen Gepflogenheiten, auch im Sommer bei grosser Hitze Anzug, Gilet und Krawatte zu tragen.
Carl musste es auch jetzt wieder feststellen: Er sah gepflegt, aber einfach spiessig aus, dieser Blumenstein. Overdresst, würde man heute sagen. Mit den beiden aus dem Gilet baumelnden Taschenuhrketten und den massigen Manschettenknöpfen wollte er wohl alten Reichtum unterstreichen. Dies signalisierte auch ein goldener Ring mit blutrotem Stein am rechten kleinen Finger, sowie ein alter, protzig wirkender Goldsiegelring am linken Ringfinger.
Wenn man sich überall ein bisschen umsah, konnte man sich des Eindruckes nicht erwehren, dass Blumenstein nicht wusste, wo überall er seinen Reichtum verstreuen sollte. Skulpturen auf Steinsockeln oder erlesene Blumengefässe mit entsprechendem grünem Inhalt sorgten in den ausgedehnten Räumlichkeiten und Gängen wenigstens dafür, dass man sich nicht so verloren vorkam.
Ein Blick durch die offene Tür in den angrenzenden Speise- und Ballsaal zeigte die Ahnengalerie. Blumensteins besonderer Stolz. Er pflegte jeweils immer zu betonen, wie wichtig es sei, Familiengeschichte und Kulturgut zu pflegen. So eine Galerie zeige dem Besucher ohne grosse Worte den gesellschaftlichen Stand. Carl erinnerte sich:
Dies waren jetzt also seine mehr- oder weniger erfolgreichen Vorfahren? Alle kunstvoll an die Wand gepinselt. Dereinst würde auch er hier hängen. Ja wenigstens gepinselt, und hängen höchstens im Rahmen. Momentan liess aber ein leerer Bilderrahmen an der Wand, etwas links seines Vaters selig ahnen, dass es noch nicht ganz soweit war.
Blumenstein hatte Carl einmal etwas verschämt gestanden, dass auch er sich unlängst von einem namhaften Porträtisten in Öl hatte malen lassen. Erst nach seinem Tode soll dieses aber gerahmt, und dem erlauchten Kreis der Ahnen angegliedert werden. Es zeigte einen Jakob Blumenstein, etwas gesetzter als heute, und noch gedankenverlorener am Studierpult sitzend als heute schon. Vor sich Zirkel und Vergrösserungsglas in der Hand, beugte er sich über einen Bunsenbrenner. Daneben handgeschriebene, alte und vergilbte Manuskriptrollen aus Pergament. Im Hintergrund gut sichtbar den riesigen, antiken Globus, sein weiterer, besonderer Stolz.
Unterdessen hatte ein Lakai in goldbedresster Jacke mit unterwürfigem Knicksen eine Flasche alten Armagnacs und zwei bauchige Schwenker auf einem Silbertablett behutsam hingestellt, und sich dann lautlos verdrückt.
„Na dann Prost mein Freund, und jetzt schiessen Sie endlich los!“ sagte Blumenstein nach dem Einschenken, und rieb sich in Vorfreude auf die kommenden Enthüllungen die dicken Patsch-Händchen.
Carl schwenkte das Glas und betrachtete wie hypnotisiert den leuchtenden, bernsteinfarbigen und stark duftenden Inhalt. Dicke Tränen rannen am Innenglas herunter, genau so, wie es sein musste. Diese andächtige Betrachtung verhalf ihm zu etwas Abstand für seine kommende, verrückte Geschichte. Er hatte ein wenig Bammel und wusste nicht recht, wie er damit beginnen sollte.
Carl nahm einen Schluck des köstlichen Nass, und liess ihn im Munde hin und her rollen. Das schnörkellose Aroma dieses herrlichen Brandweins entfaltete sich rasch in seinen Geschmacksknospen. Aber es nützte nichts, auch dieser Augenblick ging vorbei. Noch einmal durchatmen, dann berichtete Carl. Das mit seiner persönlichen Angst erzählte er etwas kürzer, und das Angebot der fremden Wesen dafür etwas mystifizierter, ganz dem Gusto Blumensteins entsprechend.
Etwas musste Carl ihm zugestehen: Blumenstein unterbrach ihn nicht ein einziges Mal, zog nicht mal die Stirne kraus. Mit grossen Augen folgte er konzentriert den Ausführungen, seufzte zwischendurch und nickte an bestimmten Stellen. Er akzeptierte die fast unglaubliche Geschichte mit der grössten Selbstverständlichkeit, wie Carl es schien.
„Mensch, das ist ja ein Ding!“ meinte er am Ende staunend. Seine Härchen im Nacken sträubten sich, und er fuhr versonnen fort:
„Und ist es nicht faszinierend, dass ausgerechnet wir zwei von einer höheren Macht dazu ausgewählt worden sind, die nächsten, wichtigen Schritte der Menschheit einzuleiten?“
Carl atmete tief durch, als er feststellte, dass Blumenstein seine nächsten Schritte erwartete. Er wollte ihn aber noch etwas auf die Folter spannen und versprach, sich gelegentlich, ja gelegentlich melden zu wollen. Wenn die Sache sich erst etwas setzt, wird der Appetit noch grösser, dachte ein durchtriebener Carl.
17
Als er später nach hause kam, fand er Tanja tratschend mit ihrer besten Freundin Traude Hertig in der Gartenlaube. Traude wohnte schräg gegenüber und war beinahe jeden Tag zu Besuch.
Sie war seit bald zwei Jahren von ihrem Mann David geschieden; ein hässlicher Rosenkrieg, der auch finanzielle Spuren hinterlassen hatte. Es hatte ihn unzählige Flaschen guten Weins, und eine ganze Menge Abendstunden gekostet, bis Traude wieder auf die normale Lebensspur zurückfand. Seither war sie für Carl fast so etwas wie eine Schwester, die er nie hatte.
Traude bot ihm ein Glas selbstgemachter Himbeer-Bowle an, was er jedoch dankend ablehnte. Stattdessen setzte er sich mit einer Dose Bier aus dem Kühlschrank an eine Ecke des Tisches, und lauschte mit halbem Ohr ihren Gesprächen. Halbherzig riskierte er einen Blick auf seinen Blackberry, froh um jede Nachricht, die er weiterleiten konnte.
Er fokussierte seinen inneren Blick wieder auf den vergangenen Nachmittag. Die Sache mit Blumenstein war nicht schlecht gelaufen. Fragte sich nur noch, was James für Anliegen und Wünsche hatte, und mit den Wesen, er nannte sie inzwischen so, hatten sie vereinbart, dass sie sich melden würden. Nächste Woche, vermutlich. Auf Diskussionen, wo und wann es denn sein sollte, liessen sie sich erst gar nicht ein.
Eigentlich wusste er gar nichts über sie. Nicht mal so banales, ob sie sich untereinander beim Namen riefen, oder solche Nebensächlichkeiten. Geschweige denn, aus welchem Sternhaufen sie kamen. Sie ähnelten sich frappant, fast wie ein Tupfen Wasser. Auch hatte er keine Ahnung, welchen Geschlechts sie waren.
Vielleicht gibt es dort ja nur gleichgeschlechtliche Wesen, ging es ihm durch den Kopf.
Somit müssten sie sich sogar noch selber befruchten? Eine Freude weniger im Leben. Bei diesem Gedanken musste er lächeln. Es waren bisher so einschneidende Szenen und Geschehnisse, dass solche Fragen verständlicherweise untergingen. Vielleicht bekam er später sogar Einblick in ihr Raumschiff, vielleicht durfte er sogar mitfliegen? Ein Schauer huschte über seinen Rücken.
Carl erstarrte mit grossen Augen inmitten grüblerischer Gedanken: Es kramte in seinem Gehirn. Und dies wiederum von alleine:
Da. Da ist es wieder! Ein Sturzbach ungefragter Bilder zog in seinem Gehirn vorbei. Kunterbunt wie eine Fotosichtung, und ohne persönliches zutun.
Sie sind es wieder! Nein heute ist Wochenende, da mag ich nicht. Wir wollten uns doch erst nächste Woche treffen?
Es nützte nichts. Er hatte das zwingende Bedürfnis, wegzufahren. Tanja und Traude schauten verwundert:
„Carl, was ist denn los? Was schaust du so belämmert drein?“ fragte Tanja ahnungsvoll, und zu Traude gewandt so leise, dass Carl es nicht hören sollte:
„Ich mache mir ernste Sorgen, Traude. Siehst du jetzt die Symptome, die ich dir beschrieben habe? Sie treten öfters auf. Ich glaube, es wäre jetzt höchste Zeit, einen Spezialisten herbeizuziehen!“
Carl versuchte krampfhaft, die Situation abzuwiegeln und wehrte gestikulierend und in fast schrillem Tone ab:
„Nein, nein es ist nicht so wie ihr denkt. Mir geht es gut. Ich Esel. Habe bloss vergessen, dass ich mit einem Kunden noch eine Verabredung habe. Irgendwie ist dies mir heute komplett durch die Lappen gegangen. Bin bald wieder zurück. Entschuldigt mich!“
Tanja und Traude kreuzten vielsagende Blicke und zuckten die Schultern.
Carl fuhr ziellos über Land, wie er meinte. Nervös zog er an einer Zigarette. Er dachte, sich bereits ein wenig in die Gedankenwelt seiner neuen Bekannten hineinversetzen zu können. Die Panik war nicht mehr so hoch, das Herzklopfen schon. Nach einiger Zeit des hin- und her Fahrens fühlte er, bei der nächstbietenden Gelegenheit anhalten zu müssen.
Auf dieser Anhöhe parkte er auf dem Rastplatz, der an ein Wäldchen grenzte, und als Aussichtspunkt in der Umgebung bekannt war. Er zog den Zündschlüssel und wollte abwarten. Sein Augenmerk fiel unter anderem auf drei Personen, die angeregt miteinander diskutierten. Die eine war eine blonde, jüngere und gut aussehende Frau. Sie hatte eine Ponyfrisur mit hinten hochgesteckten Haaren. In den Haaren lugte eine grossrandige Sonnenbrille heraus, mehr Zierde denn Zweck, wie es Carl vorkam. Auch fiel ihm ein viel zu breiter Gürtel auf. Einer der Männer hatte schneeweisse, der andere graumelierte, braune Haare. Beide trugen bequeme, graufarbene Trainer mit dem bekannten Häkchen, roten Seitenstreifen und Laufschuhe mit einer schwarzen, springenden Katze drauf. Auch sie trugen modische Sonnenbrillen, aber auf der Nase, und den gleichen, überbreiten Gürtel wie die Frau.
Es schien Carl, als wollten sie aufbrechen. Sie näherten sich diskutierend seinem Wagen. Auf Höhe der Fahrertür klopfte der Weisshaarige unvermittelt an die Seitenscheibe. Unwillig, aber doch etwas aufgeschreckt öffnete Carl einen Spaltbreit das Fenster:
„Ja bitte?“ Carl wollte eigentlich seiner Stimme einen festen Klag geben. Es missriet aber gründlich.
„Schön, dass Sie gleich kommen konnten“, meinte der Fremde etwas steif und ungelenk.
Carl hatte das Gefühl, als trete ihn ein Pferd. Die Kippe fiel brennend auf den teuren Teppichboden, und vor lauter Schreck konnte er kaum sprechen, noch sich rühren:
Herrgott, sie haben sogar Fähigkeiten, sich in menschlicher Gestalt zu zeigen? Und heute schweben sie nicht, sie laufen, wie normale Menschen dies tun. Sie laufen!
Ein paar Herzschläge später fühlte er sich langsam imstande, diesen Wesen ins Gesicht zu schauen. Die blonde Frau drückte ihre Sonnenbrille tiefer ins Haar und ergriff energisch die Initiative.
„Ich bin Eclipse!“ meinte sie mit einer angedeuteten Verbeugung, aber ohne die Hand anzubieten, „Und das ist mein Vater Uro“ auf den Weisshaarigen zeigend.
Und der graumelierte Herr meinte mit angedeutetem Lächeln und vollendeten Manieren:
„Und ich bin Zenaco, der Mann für alles!“
Carl hockte wortlos im Wagen und stierte wie ein Depp vor sich hin.
„Bitte Carl, steige aus! Ich darf dich doch duzen und Carl nennen, nicht? fragte Eclipse in einem Tonfall, als wäre es das Normalste der Welt. Carl brachte nur ein dümmliches Nicken zustande.
„Wollen wir ein paar Schritte gehen? Wäre das für dich okay?“ fragte Eclipse. „Wir möchten gerne etwas mit dir besprechen!“
Ohne eine Antwort abzuwarten, steuerte sie einem schmalen Spazierweg zu.
„Wir haben festgestellt, dass du über unser wirkliches Aussehen sehr geschockt warst, und dies tut uns leid und lag nie in unserer Absicht. Wir haben beschlossen, uns wenn immer möglich, nur noch in menschlicher Gestalt zu zeigen, denn wir möchten, dass du dich in unserer Gegenwart wohlfühlst.“
Es folgte ein längerer Monolog von Eclipse. Darin schilderte sie nochmals ihren Auftrag und informierte Carl über das neu aufgetretene Problem mit dem Nahrungsbrei. Carl meinte, falsch verstanden zu haben:
„Ja aber wie soll ich euch denn helfen? Ich habe keine Ahnung, was ihr so braucht, respektive essen dürft. Ihr dürft doch unsere Nahrung…..? Ich bin einfach kein Ernährungsexperte.“
Eclipse lächelte:
“Wir möchten jetzt alle drei mit dir an den Ort gehen, wo Menschen die Nahrungsmittel abholen!“
Jetzt war es an Carl, zurückzulächeln:
„Das scheint ein Irrtum zu sein. Wir holen dort keine Lebensmittel ab, sondern wir entscheiden aus freien Stücken, was wir so alles einkaufen möchten. Und unseren Einkauf, den müssen wir auch bezahlen: Das heisst, wir müssen Geld ausgeben …….“
Carl kam er ins Stottern. Uro schaltete sich klärend in die Diskussion ein:
„Sicher meint er damit, dass für Lebensmittel eine Art Gegenleistung erbracht werden muss!“
„Jaja, richtig“, meinte Carl fahrig, den Faden langsam wieder findend und dankbar dafür, dass seine ins Stocken geratene Erklärung allgemein verstanden wurde. Etwas mutiger geworden fügte er an, dass jeder Mensch den freien Willen habe, nach Lust und Laune einzukaufen, sofern er es auch bezahlen könne. Die drei hörten erstaunt zu, und Zenaco meinte:
„Wieso vergeudet ihr soviel Energie, um von diesem riesigen, und im Grunde doch nutzlosen Angebot zu profitieren? Es geht doch bei Ernährung sicher nur darum, seinem Körper das zu geben, was er für eine gute Gesundheit braucht?“
Carl widersprach und erklärte, dass hier auf Erden Essen nebst dem Zweck des Sattwerdens auch noch so eine Art sozialen Charakter erfülle. Denn gute Sensorik in Gaumen und Nase führe zu einer Art Wohlfühlatmosphäre und Zufriedenheit.
Endlich mal eine schlaue Erklärung und etwas, womit ich bei denen auftrumpfen kann! dachte er.
Die drei hatten offensichtlich noch nie etwas derart Merkwürdiges gehört, und das Staunen nahm kein Ende. Carl nahm sich jetzt Zeit, die Drei etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.
Eclipse trug eine farbige, kurzarmige Sommerbluse, die die gebräunten Arme und schlanken Finger mit den buntlackierten Fingernägeln vorteilhaft zur Geltung brachte. Dazu leichte, weisse Pumphosen. Die schlanken Füsse steckten in luftig offenen, zitronenfarbigen Sandaletten. Ein Admirals-Schmetterling hielt die gekreuzten Bänder auf der Höhe der Zehen zusammen. Nebst dem auffallenden Gürtel trug sie seltsamerweise keinen weiteren Schmuck.
Die Herren schienen sportlich durchtrainiert, und ihrer Körperfarbe nach zu urteilen fanden sie offensichtlich auch Gefallen am Sonnenbaden? An den Handgelenken konnte Carl weder Uhr noch sonstigen Tand sehen, und der überbreite Gürtel passte einfach scheusslich zum Trainingsanzug.
„Ja dann wollen wir mal!“ meinte Carl.
18
Alle drei nahmen neugierig in Carls Wagen Platz. Als stolzer Besitzer erklärte er detailgenau mit viel Herzblut die Funktionen. Er fühlte sich in ihrer Gesellschaft erstmals wohler, und hatte das Gefühl, gehört und verstanden, und nicht nur benutzt zu werden.
„Wir haben nicht mehr viel Zeit, da die Geschäfte bald schliessen. Ein Einkaufscenter liegt hier ganz in der Nähe, da werden wir sicher was Passendes finden, wenn wir uns sputen.“
Zusammen betraten sie etwas später mit steigender Spannung das Zentrum. Voll des Staunens begutachteten die Gäste wie kleine Kinder das überladene Angebot mit all den tausend unbekannten Sachen. Gemüse, Käse, Fleischprodukte, Molkereiartikel. Und dann das Hartwarensortiment vom Kaffee über Waschmittel bis zu den Ravioli. Einfach alles war da und noch viel mehr, was der Mensch sowieso nicht brauchen kann. Voller Aufregung zupfte Eclipse Carl am Arm und zeigte aufgeregt auf Frühstücksflocken und Müesli:
„So etwas in dieser Richtung können wir sicher gebrauchen, etwas grob sieht es zwar aus, aber sonst gut!“
Carl erstarrte. Seine Nackenhaare sträubten sich bis zu den Lenden: Gerade hatte ihn ein Wesen eines andern Sterns berührt! Er fühlte eine sich überschlagende Gefühlswallung aufsteigen. Ganz heiss und schweissig wurde sein Kopf, und er musste tief durchschnaufen.
„Ja sicher, das könnte was sein“ meinte er ganz atemlos, und noch völlig neben den Schuhen stehend.
„Wir mischen dies gewöhnlich mit Milch.“
„Was? Kuh? Was ist das? Melken? Neiiiiin! Alle drei schauten sich gegenseitig erschreckt an, und schüttelten im Gleichtakt energisch den Kopf, als sie vom Schicksal des armen Nutztiers erfuhren.
„Als Alternative könnten wir Fruchtsaft nehmen!“ schlug Carl rasch vor.
„Früchte? Ja gerne!“ Jetzt nickten alle drei begeistert und glücklich. Eigentlich wollte Carl so schnell als möglich von hier verschwinden, da bei seinen Gästen schnell einiges zu Verkrampfungen neigte. Die drei zeigten aber überhaupt keine Eile. Es gab da unendlich viel zu entdecken.
„Was ist denn das?“ fragte Zenaco, auf eine PlayStation zeigend, die im Angebot stand.
„Und was tun die Menschen hier auf der Pappschachtel? Nein! Täusche ich mich oder schiessen sie wirklich aufeinander, um sich gegenseitig umbringen?“
Sechs Augen guckten Carl ratlos an. Er versuchte zu erklären, was eine Spielkonsole sei. Die Gäste waren ganz Ohr. Das eigentliche Spiel zu erklären, fiel ihm aber sichtlich schwerer. Immer wieder hakten die Drei nach dem eigentlichen Sinn des Spiels, da ihnen dies völlig unbegreiflich war.
„Das kann sich doch nicht um Spass handeln, den eigenen Nachbarn zu ermorden?“, meinte Eclipse mit weit aufgerissenen, erschreckten Augen. Er sah dabei in verdutzte, fragende Gesichter, die sich plötzlich mit dem Mörderspiel nicht mehr länger beschäftigen mochten.
„Soso, ihr ermordet euch also gegenseitig, nur so zum Zeitvertrieb, und findet dies lustig? Aber Kindern gibt man doch so ein völlig falsches Bild vom Leben?“, doppelte Uro nach, und kratzte sich in den Haaren.
Carl wurde dies alles höchst peinlich. Hatte er doch gerade versucht, die Menschheit in einem positiven Licht und hohem Entwicklungsstand darzustellen. Nicht mehr so rückständig wie zu Zeiten der Pfahlbauer. Und jetzt dies!
Auf der Heimfahrt wurde nicht mehr viel gesprochen. Carl konnte die Ernüchterung seiner Gäste förmlich spüren. Als er dann selbst über das Spiel nachdachte, konnte er plötzlich ihren Unglauben und ihr Entrüsten verstehen. Man verabschiedete sich rasch.
Zuhause angekommen, erwartete Tanja ihn bereits mit dem bekannten, fragendem Gesicht, und der noch mehr gefürchteten Zornesfalte. Wie die Donnergöttin persönlich stand sie breitbeinig und kampfeslustig da:
„Das hast du aber das letzte Mal mit mir gemacht, mein Lieber! Dein Essen steht in der Mikrowelle, wenn du denn überhaupt noch Appetit hast!“
Dabei zeigte sie mit ausgestrecktem Zeigefinger auf das Gerät. Carl brachte verschiedene Entschuldigungsvarianten vor. Sie kamen zäh wie Schleim über die Lippen. Krampfhaft versuchte er, das Gespräch in Gang zu halten. Nach einigem Hin und Her versuchte Tanja nochmals, seinen aktuellen Seelenzustand zu ergründen:
„Carl!“ meinte sie jetzt etwas versöhnlicher, denn der Zorn war etwas verraucht, und auch der Dampf nicht mehr gar so heiss:
„Ich bin echt in Sorge um dich. Du machst seit Tagen einen absolut abwesenden, ja entrückten Eindruck. Offenbar hat es nichts mit dem Geschäft zu tun, wie du sagst. Dann tu mir aber bitte den Gefallen und verrate mir endlich, wo dich der Schuh drückt?“
Nach erfolglosen Ausflüchten überwand sich Carl und war gewillt, seiner Frau reinen Wein einzuschenken:
„Ja weisst du, das alles ist etwas kompliziert. Ich weiss gar nicht genau, wie ich es erzählen und wo ich anfangen soll. Du erinnerst dich neulich, als ich eine Sitzung mit James, Abramowitsch und Konsorte wegen der Börsenbaisse hatte?“
Tanja machte stumm eine ungeduldige Handbewegung, die wohl heissen sollte: Weiterfahren weiterfahren, spuck‘s endlich aus.
„Ja und dann auf dem Heimweg haben mich Ausserirdische im Wald regelrecht geentert. Ich habe mich furchtbar erschreckt, und mir haben diese Aliens dann gesagt, dass sie ein Geschäft mit mir machen möchten! Das war folgendermassen. Ich ……“
Kreischend und Ohrfeigen austeilend unterbrach ihn Tanja: „Jaja, und darauf kam der Ali Baba mit seinen vierzig Räubern und hat dir deine Geliebte gestohlen! Dir hat wohl der Oberkuckuck ins Gehirn geschissen?“ heulte sie und riss sich an den Haaren. Zornesröte überzog ihr Gesicht. Sie ergriff die nächstbeste Blumenvase und schleuderte sie samt Inhalt nach ihm. Carl wusste nicht mehr, wie ihm geschah.
„Solche Fabeln kannst du Ramon erzählen, aber so nicht mit mir! So eine bodenlose Frechheit hätte ich nach alldem von dir nicht erwartet: Kommst seit Tagen nach Mitternacht ins Bett gekrochen, verschläfst dich neuerdings morgens, und veräppelst mich obendrein. Carl, es ist genug Heu drunten. Rück jetzt sofort mit der Wahrheit heraus, oder ich verlasse dieses Haus auf der Stelle!“
„Tanja!“ Jetzt war es auch Carl, der ernstlich böse wurde. Er schlug mit der Faust dermassen auf den Tisch, dass Gläser Geschirr und Besteck schepperten und mit lautem Gepolter zu Boden fielen. Tanja fing dar ob furchtbar zu weinen an. Nach einer Weile steckte er ihr wortlos ein Taschentuch zu. Danach schien sie sich etwas zu beruhigen. Carl setzte nochmals an:
„Also, ob du es nun glaubst oder nicht. Es war so. So unglaublich es tönen mag. Ich kann es nicht ändern und muss es auch nicht. Es entspricht der Wahrheit und hat mit keinem Kuckuck der Welt etwas zu tun!“
Tanja sah ihn mit grossen, wässrigen Augen, verschmiertem Make-up und nassem Taschentuch vor dem Mund noch immer skeptisch an. Carl redete sich immer schneller den Druck und seine ganze Angst von der Seele, so, als ob ein Dampfventil geöffnet würde. Es wurde ihm langsam leicht ums Herz. Sie redeten noch die halbe Nacht bei Kerzenschein und einer Flasche Rotwein im Bett und beratschlagten, wie es weitergehen solle. Beide waren trotz des langen Gesprächs sehr aufgewühlt, und Tanja fand erstmals wenig Schlaf in dieser Nacht.
Ücretsiz ön izlemeyi tamamladınız.