Kitabı oku: «Der Penis-Komplex», sayfa 3

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Auch bei den Walzenspinnen verläuft die Kopulation auf bemerkenswerte Weise: Das Männchen, das bei dieser Ordnung der Spinnentiere ausnahmsweise nur wenig kleiner ist als das Weibchen, fällt seine Geschlechtspartnerin regelrecht an und umklammert sie, wobei das Weibchen wie hypnotisiert in Bewegungslosigkeit verharrt. Danach wird es vom Männchen an einen sicheren Ort geschleppt und dort auf den Rücken gedreht. Mit Hilfe seiner Mundwerkzeuge weitet das Männchen die Geschlechtsöffnung des ›ohnmächtigen‹ Weibchens, setzt einen Samentropfen auf ihm ab und stopft ihn mit den Mundwerkzeugen hinein. Danach verschließt es die Ränder der weiblichen Geschlechtsöffnung, indem es diese zusammenkneift, und macht sich flink aus dem Staub, bevor das Weibchen aus seiner Sexualstarre erwacht. Auch beim Menschen gibt es Männchen, die am liebsten mit schlafenden oder sich schlafend stellenden Frauen koitieren – eine narzisstische Vorliebe, die dem Fetischismus zuzuordnen ist, genauer: dem Antifetischismus der Kinephobie (= Bewegungsangst).

Milben, die ebenfalls zu den Spinnentieren zählen, sind fast noch erfindungsreicher in ihrem Sexualverhalten als die Echten Spinnen. Bei einigen Wassermilben wird das Weibchen bei der Begattung vom Männchen nicht nur umklammert, sondern mit einer klebrigen Masse regelrecht festgekittet. Auch die Milbenmännchen haben sich darauf spezialisiert, ihren Samen mit den Mundwerkzeugen in die Geschlechtsöffnung des Weibchens zu stopfen. Bei manchen Arten legen sie allerdings keinen Wert mehr auf Körperkontakt beim Sex. Sie setzen ihre Samenpakete in der Nähe eines Weibchens ab und machen sich aus dem Staub. Die Weibchen stopfen sich diese Samen-Wurfpost, sobald sie sie entdecken, selber in ihre Geschlechtsöffnung – eine Art von masturbatorischer Kopulation. Freilich können die Männchen nie sicher sein, ob ihre abgelegten Samenpakete auch ans Ziel kommen oder womöglich nur in der Sonne vertrocknen.

Bei den Zecken – auch sie zählen zu den Spinnentieren – kriecht das penislose Männchen unter das an einem Warmblütler festgebissene Weibchen und steckt seinen Rüssel in die weibliche Geschlechtsöffnung, um diese zu weiten. Danach dreht das Männchen sich um, setzt ein Samenpaket ab und schiebt dieses mit Rüssel und Tastern in die geweitete Geschlechtsöffnung des Weibchens.

Die vielfältigen Sexualpraktiken bei den Spinnentieren, die postkoitale Tötung und Verspeisung des Männchens inbegriffen, bringt einem als Menschenmann zu Bewusstsein, dass auch die menschliche Fortpflanzung sehr gut ohne Penis auskommen könnte. Der Samen des Mannes muss halt irgendwie in die Vagina der Frau gelangen, um den biologischen Sinn des Lebens, der Fortpflanzung heißt, zu erfüllen. Der Natur ist es letztlich egal, auf welche Weise das geschieht. Wo immer bei den Spinnentieren so etwas wie Begattung stattfindet, sind es die aktiven Männchen, die sich an den passiven Weibchen sexuell abarbeiten, nicht selten mit tödlichem Ausgang. Im Grunde kann man als männlicher Vertreter der Säugetierklasse froh sein, hin und wieder mit Frauen kopulieren zu dürfen, ohne bei ihnen während des Geschlechtsakts einen weiblichen Beutetrieb zu wecken, der aus mehr als nur Kratzen und Beißen besteht. Umgekehrt können freilich auch die Frauen froh sein, dass wir ihnen nach dem Geschlechtsverkehr nicht die Vagina mit unserer abgetrennten Peniseichel zustöpseln, um Nebenbuhlern den Zugang zu versperren. Die sexuelle Aktivität des Mannes gänzlich auf die Masturbation zu beschränken und die dabei anfallende Samenmasse gut sichtbar im öffentlichen Raum, etwa auf Parkbänken, in Bushäuschen, unter Straßenlaternen oder gleich in öffentlichen Damentoiletten zu deponieren, damit sich Frauen mit Kinderwunsch frei bedienen können, wäre zwar praktisch, aber auf Dauer sehr langweilig. Dann doch lieber penetrierend in den Klauen der Frauen lustvoll verenden.

Die hohe Liebeskunst des Maikäfers

Bei den Insekten geht es, im Vergleich zu den Spinnentieren, eher gesittet zu, mit einer Ausnahme: der zur Ordnung der Fangschrecken zählenden Gottesanbeterin. Bei dieser Art ähnelt das kannibalische Sexualverhalten des Weibchens dem der Spinnen. Hierzu liest man in Grzimeks Tierleben: »Selbst während der Paarung beginnt die Gottesanbeterin oft, den Mann vom Kopfe her zu verzehren, während dessen Hinterende die Begattung unentwegt fortsetzt« – eine kopflose Kopulation, so könnte man sagen.

Bei Käfern und Schmetterlingen wird man solche Sexualpraktiken vergeblich suchen; sie koitieren im Prinzip nicht anders als der Mensch, begnügen sich also mit Penetration ohne kannibalische Anwandlung. Zu diesem Zweck haben männliche Insekten Penis und Hoden, die durchaus mit denen des Menschen zu vergleichen sind. Der Penis sitzt auf der Unterseite des neunten Hinterleibsegments an dessen Hinterrand. Er ist, je nach Insektenart, einfacher oder komplizierter gestaltet. Die paarigen Hoden bestehen aus einfachen Schläuchen, die sich in den Samenleiter fortsetzen. Der Samen wird entweder in flüssiger Form oder eingeschlossen in einer Samenkapsel übertragen. Bei den meisten Käferarten, aber zum Beispiel auch bei vielen Fliegenarten, lässt sich die Paarung mit dem Coitus a tergo (= von hinten) beim Menschen vergleichen: Das Käfermännchen reitet beim Weibchen von hinten auf, beziehungsweise sitzt auf dessen Rücken und hält sich mit den Beinen an ihm fest. Manche Männchen suchen zusätzlich Halt, indem sie sich auch noch mit den Mundwerkzeugen am Weibchen festbeißen – ein Koitusreflex, der auch bei manchen von hinten koitierenden Menschenmännchen zu beobachten ist, ebenso beim Gockel, der seine Henne, oder beim Kater, der die Kätzin besteigt.

Bei den meisten Käferarten dauert der eigentliche Koitus, nicht anders als bei so manchem Menschenpaar, nur wenige Sekunden. Hingegen kann er sich, etwa beim Maikäfer, auch über mehrere Stunden hinziehen, was, auf den Menschen übertragen, zu dem geflügelten Wort ›Sie vögeln wie die Maikäfer‹ geführt hat. Der Maikäfer erweist sich überhaupt als ein versierter Liebeskünstler im Stil eines Casanova, vor allem, was das Nachspiel betrifft, das sonst im Tierreich kaum vorkommt und auch beim Menschen eine eher weibliche Vorliebe ist, während der Mann nach vollzogenem Akt meist den unbändigen Drang verspürt, entweder den Ort des Geschehens fluchtartig zu verlassen oder ebenso fluchtartig einzuschlafen. Das Maikäfer-Männchen hingegen lässt sich nach vollbrachtem Liebesopfer wie ohnmächtig auf den Rücken fallen und vom Weibchen in dieser Position vollkommen nutz- und ziellos in der Gegend herumtragen, bis sie sich endlich voneinander lösen.

Bei den Fliegen, etwa der Taufliege, ist vor allem das weibliche Paarungsverhalten interessant: Sie allein entscheidet, wann er darf. Dem Werben des Männchens wird nicht sofort nachgegeben, sondern das Weibchen inszeniert ein regelrechtes Programm der Zurückweisung. Es lockt, indem es sich ziert. Es gibt sich nur einem Freier hin, der sich werbend so richtig ins Zeug legt. Anders wäre es gar nicht begattungsbereit, das heißt, überhaupt nicht in der Lage, minutenlang stillzuhalten, was den rastlosen Fliegen naturgemäß schwer fällt. Denn das Männchen braucht ziemlich lange, bis es auf seine Partnerin geklettert ist und seinen Penis in die richtige Abschussposition gebracht hat. Aber auch das Weibchen benötigt diese Zeit, bis sich endlich seine Vaginalplatten öffnen. Mit den Spermien wird dem Weibchen auch ein Arsenal von Eiweißstoffen verabreicht, darunter ein so genanntes Sexpeptid. Dieses bewirkt, dass das Weibchen weitere Verehrer zurückweist; gleichzeitig regt es die Eierproduktion an. Das Weibchen wird also bei der Begattung vom Männchen chemisch auf Monogamie programmiert. Sexualität ist nun mal in hohem Maße Chemie, eben die Chemie der Hormone. Das ist beim Menschen im Prinzip nicht anders.

Bei den Fischen haben die Männchen in Sachen ›Penis‹ sehr wenig oder rein gar nichts vorzuweisen. Das verwundert kaum, denn im Lebensraum Wasser bietet es sich an, die Befruchtung der Eier außerhalb des weiblichen Körpers zu arrangieren, also Eier und Samen im freien Wasser zueinander zu bringen. Einzig bei den lebend gebärenden Fischarten, etwa den Haien oder den Rochen, haben sich »Begattungsorgane in Form von langen knorpeligen Anhängen […] der Bauchflossen ausgebildet. Andere lebend gebärende Fische […] besitzen Begattungsorgane, die aus der Afterflosse gebildet werden.« (Grzimeks Tierleben, Bd. 4, S. 65) Das Sexualleben der Fische ist von daher eine ziemlich langweilige Angelegenheit, die hier nicht weiter ausgebreitet werden muss.

Auch bei den Amphibien bleibt dem Penis, falls überhaupt einer vorhanden ist, nichts anderes zu tun, als mehr am Rande als im Innern der weiblichen Kloake herumzumachen, um schließlich unterhalb derselben einen so genannten Samenträger am Boden abzusetzen, den das Weibchen, wenn es Lust dazu hat, mit seiner Kloake aufnimmt. Dieses Prinzip der körperlosen Sexualität ist ja bereits vertraut. Es gibt auch Amphibien-Arten, bei denen die Weibchen den aufgenommenen Samenträger in einer Körpertasche verstauen, um sich bei Gelegenheit daraus zu bedienen. Von Penisaktivitäten auch hier keine Spur! Einzig ein nordamerikanischer Frosch mit dem zutreffenden Namen Schwanzfrosch bemüht sich um eine Kopulation, die diesen Namen aus menschlicher Sicht verdient. In der Tat verdankt diese Froschart ihren Namen nicht einem Schwanz im Sinne eines verlängerten Hinterteils, sondern einem Schwanz im Sinne von Penis. Gemeint ist eine bescheidene, nur fünf bis zehn Millimeter lange, nach hinten ausgestülpte röhrenförmige Verlängerung der Kloake, die dem Frosch-Mann als ›Penis‹ dient. Die Befruchtung geschieht also im Körperinnern des Weibchens. Das ist bei dieser Froschart auch sinnvoll, denn sie lebt in Gebirgsbächen mit reißender Strömung, was eine äußere Befruchtung unmöglich machen würde. Der Samen ginge buchstäblich den Bach runter.

Bei den Weichtieren (Mollusken) erwartet man von vornherein keinen Penis, zumindest keinen, der durch Härte beeindruckt. Der Tierklasse der Schnecken würde man damit allerdings Unrecht tun. Bei ihnen findet man sogar einen Penis, der zumindest optisch nichts zu wünschen übrig lässt. Da die Schnecken Zwittertiere sind, können sie sexuell mal als Männchen, mal als Weibchen aktiv werden. Oder sie sind beides zugleich, indem sie sich selber befruchten – aus menschlicher Sicht eine beneidenswerte Fähigkeit, die unser Sexualleben zweifellos bereichern würde. Man erlebte beim Höhepunkt der Selbstbegattung sowohl männliche als auch weibliche Orgasmen. Nicht nur unter orgastischen Gesichtspunkten erscheint die lebenslange Festlegung des Individuums auf ein Geschlecht nicht unbedingt als die glorreichste Erfindung der Evolution. Welcher Mann wäre nicht gern auch mal Frau – und umgekehrt! Aus purer Neugier. Tatsächlich hat die Evolution den Geschlechtswechsel bei der einen oder anderen Art ausprobiert, doch für die höheren Tiere bedauerlicherweise wieder verworfen.

Das Glied des Gliederwurms

Doch kehren wir zum Penis bei den Weichtieren zurück: Bei den Tintenfischen, diesen erstaunlich intelligenten Vertretern dieses Tierstamms, dient den Männchen einer ihrer acht oder zehn Arme als Penis. Man bezeichnet ihn wissenschaftlich als Hectocotylus. Ihn führt das Männchen bei der Begattung in die Mantelhöhle des Weibchens ein. Dann wird in einer Längsrinne des Begattungsarms eine Spermatophore mittels Kontraktionswellen bis zur weiblichen Geschlechtsöffnung transportiert, die sich tief in der Mantelhöhle verbirgt.

Bleiben zum Schluss dieser flüchtigen biologischen Betrachtung noch die Niederen Tiere, die zumindest im Sexuellen alles andere als niedrig sind. Gerade im Hinblick auf den Penis erlebt man Überraschungen, vor allem, was die Plattwürmer, Schnurwürmer, Schlauchwürmer, Gliederwürmer und Spritzwürmer betrifft. Schon in den Namen ist der Penis mehr oder weniger präsent, am stärksten natürlich beim Spritzwurm. Bei diesen recht einfach gebauten zwittrigen Tieren findet man erstaunlich fortentwickelte Geschlechtsorgane. Während zum Beispiel die ebenfalls sehr einfach gestalteten Schwämme oder Hohltiere ihre Samenzellen einfach dem Lebensraum Wasser übergeben, ähnlich wie die Fische, basiert der Wurmsex auf echter Penetration, soll heißen: Ein Wurmpenis dringt in eine Wurmvagina ein. Weil der Wurm selber schon einem Penis gleicht, haben wir hier gewissermaßen einen Penis mit Penis vor uns. Damit erweisen sich männliche Würmer als die Penis-Tiere schlechthin.

Nicht umsonst rückt auch der menschliche Penis wegen seiner wurmartigen Gestalt sprachlich in die Nähe des Wurms. ›Spritzwurm‹, ›Schlauchwurm‹ oder ›Gliederwurm‹, diese biologischen Klassifizierungen von Würmern, würden als volkstümliche Ausdrücke in idealer Weise zum menschlichen Penis passen. In manchen Gegenden Deutschlands wird der Penis volkstümlich als Hosenwurm bezeichnet.

Die zwittrige Fruchtbarkeit der Würmer ist erstaunlich. Das liegt vor allem daran, dass sie sich als schmarotzende Organismen zum Lebenserhalt um nichts kümmern müssen. Ihr einziger Lebensinhalt ist der Sex. Der Einfachheit halber begatten sie sich meistens selber, genauer: Der männliche Abschnitt des Wurms begattet den weiblichen. Diese einfachen Tiere sind bei passender Gelegenheit aber auch zur Begattung eines anderen Wurm-Individuums in der Lage. Bei den zu den Plattwürmern gehörenden Strudelwürmern hat sich der Penis aus ursprünglichen Abwehrwaffen des Tiers entwickelt. Im Grunde hat ja jeder Penis, voran der besonders groß geratene des Menschen, etwas von einer Waffe, freilich mehr von einer Angriffs- als von einer Abwehrwaffe. Bei den Strudelwürmern übernehmen so genannte ›birnenförmige Organe‹ oder ›Drüsenstacheln‹, die ursprünglich der Feindabwehr dienten, die Aufgabe der Samenübertragung. Mit ihnen wird die Körperwand des Partners durchstoßen; sein Körper wird gewissermaßen als ganzer penetriert. Einer eigens dafür vorgesehenen Geschlechtsöffnung bedarf es nicht.

Bei manchen Arten von Plattwürmern verwachsen beide Partner nach der Begattung miteinander und bilden für den Rest des Lebens einen einzigen Organismus. Bei den ebenfalls zu den Plattwürmern gehörenden Bandwürmern ist es ohnehin so, dass jedes Körpersegment fast nur aus männlichen und weiblichen Geschlechtsorganen besteht, wobei die männlichen Segmente neben zahlreichen Hodenbläschen auch einen beachtlichen ausstülpbaren Penis aufweisen. Bandwürmer wachsen beständig in die Länge und bilden dabei reihenweise immer neue Fortpflanzungsorgane. In der so entstehenden Gliederkette reifen die zwittrigen Geschlechtsorgane von vorne nach hinten, und zwar die männlichen vor den weiblichen. So können oftmals die vorderen oder mittleren männlichen Glieder mit ihren langen Penissen die hinteren, eben erst entstandenen weiblichen Glieder sofort begatten, ohne dass diese schon geschlechtsreif sind. Sie reifen gewissermaßen dem in ihnen abgelegten Samen entgegen. So bildet sich eine Art von Begattungskette, die auch dann noch funktioniert, wenn der Wurm zerteilt wird. Das führt zu einer extrem hohen Rate an Nachkommenschaft.

Als aus menschlicher Sicht geradezu skurril erweist sich das Sexualleben der Fadenwürmer. Bei einigen Arten nehmen die Geschlechtsorgane im Laufe ihrer Entwicklung stark an Umfang zu, bis am Ende das ganze Tier fast nur noch aus dem Geschlechtsteil besteht. Die Tiere kopulieren nicht mehr mit ihren Geschlechtsorganen, sondern als Geschlechtsorgane. Auf den Menschen bezogen wären wir Männer irgendwann nur noch Penis, was wir auf der gedanklichen Ebene ohnehin meistens sind. Die Frauen wären nur noch Vulva. Das muss man sich mal bildhaft vorstellen, zum Beispiel als menschliches Treiben auf einem großstädtischen Boulevard. Überall wären flanierende Penisse und Vulven unterwegs! Bei der Kopulation, die freilich nicht auf dem Boulevard stattfände – oder vielleicht doch –, würde der Penis-Mann vollständig in der Vulva-Frau verschwinden. Den meisten Männern dürften solche Fantasien nicht fremd sein. Das hat mit ihrer Neigung zu tun, sich besonders stark mit ihrem Geschlechtsteil zu identifizieren. »Solchen Tagträumen«, meint Ernest Borneman, »liegt die sogenannte Mutterleibsphantasie zugrunde, in der man sich beim Akt wünscht, in den Leib der Frau (= Mutter) zurückzukehren, was nur dann möglich ist, wenn der gesamte Körper (zumindest in der Phantasie) durch den Penis […] ersetzt wird.« (Lexikon der Liebe, 1978, S. 1260)

Und so endet dieses Kapitel, zumindest für uns Männer, in der Erkenntnis: Fadenwurm müsste man sein! Dann könnten wir endlich jenen unbewusst herbeigesehnten Liebesakt erleben, bei dem Eros und Todestrieb in eins zusammenfallen – der Anfang unseres Seins mit dem Ende.

Drittes Kapitel

Ein aufrichtiges Organ

Sobald ein Penis entblößt und aufgerichtet im Raum steht, wird er zum obszönen Gegenstand, der in dem Maße, wie er vom Körper absteht, dem Betrachter buchstäblich entgegensteht. Man stößt sich leicht an abstehenden Gegenständen; sie sind anstößig. Der erigierte Penis, dieses ›Ding‹ des Mannes, ist eigentlich ein Unding – wie alles Obszöne. Im schlaffen Zustand, wurstförmig am Körper hängend, ist er nicht mal ein Unding: ein formloses Etwas, das man nicht so recht definieren kann: ein Dings.

Anders als die normalen Glieder des Körpers, die dem Menschen als Gliedmaßen zur Verfügung stehen, erweckt der erigierte Penis den Eindruck, als gehöre er nicht zum Körper und wäre diesem nur aufgepfropft zu einem temporären Zweck. Er hat etwas von einer Bestückung oder Bewaffnung. Nicht umsonst preisen sich Männer in sexuell motivierten Kontaktanzeigen mit dem Terminus ›gut bestückt‹ an – oder gleich mit der Konfektionsgröße eines Kleidungs-Stücks: L, XL, XXL mit nach oben offener Skala.

Das männliche Glied ist einmalig unter den Gliedern. Es ist das Glied der Glieder, oder treffender, nämlich obszön ausgedrückt: der Schwanz der Schwänze. Unter den Schwänzen ist er auch deshalb einmalig, weil er vorne am Körper sitzt. Nur Satan, religiöser Inbegriff der Perversion, trägt seinen Penis hinten – oder er tritt gleich in phallischer Gestalt auf.

Einzigartig am Penis ist vor allem die Fähigkeit, auf einfache und gerade dadurch beeindruckende Weise seine Gestalt zu verändern. Souverän bewegt er sich in zwei Welten: schlaff in der urologischen, steif in der sexuellen. Damit müssen wir ihn als ein ›urogenitales Mischglied‹ betrachten. Oder mit den Worten Heinrich Heines (1797 – 1856): »Was dem Menschen dient zum Seichen, damit schafft er seinesgleichen.« Hierzu passt ein anderes Bonmot des Dichters: »Der frühen Zeit gedenk’ ich, / Da alle Glieder noch gelenkig. / Bis auf eins. / Diese Zeiten kehren niemals wieder, / Versteift sind alle Glieder. / Bis auf eins.«

In seiner phallischen Gestalt ist der eben noch schlaffe Penis nicht wiederzuerkennen – eine echte Metamorphose: Ein amorphes, eher unansehnliches fleischiges Püppchen verwandelt sich im Idealfall in eine ansehnliche, vor Kraft strotzende Erektions-Imago, die freimütig und für jeden verständlich mitteilt, wonach ihr einzig der Sinn steht: Penetration. Sieht man dieser phallischen Entpuppung nicht zu, sondern nimmt nur ihr Endergebnis wahr, so könnte man meinen, das schlaff, ja geradezu defätistisch hängende Ausgangsobjekt habe mit dem harten, aufrecht stehenden, fordernden Endprodukt nichts zu tun. Es wäre gewiss nicht einfach, den Fotos von schlaffen Penissen das jeweilige Erektions-Foto zuzuordnen. Das gilt vor allem für kleine schlaffe Penisse (so genannte Blutpenisse), die beim Erigieren nicht nur viel stärker an Größe zulegen als große schlaffe Penisse (so genannte Fleischpenisse), sondern auch einen größeren Formwandel zeigen.

In seiner triumphalen Feldherrenpose gleicht der erigierte Penis einem dicken ausgestreckten Finger, der einem unmissverständlich sagt, wo’s langgeht. Erigierter Penis und erigierter Finger sind auf dem Felde des Sexus nicht nur Brüder im Geiste, sondern auch Brüder der Tat. Nicht umsonst spricht man vom Penis als dem ›elften Finger‹– eine Metapher, die auch der Erotiker Goethe im obszönen Teil seiner Venezianischen Epigramme verwendet hat: »unklug schob er den kleinsten der zehen finger ins ringchen, nur der gröszte gehört würdig, der eilfte, hinein.« Auch in Träumen und archaischer Symbolik ist mit dem Finger fast immer der Penis gemeint. Selbst der erhobene Zeigefinger des Moralisten muss als verschlüsselte Drohung mit Penetration gedeutet werden. Beim erigierten Mittelfinger weiß ohnehin jeder, mit welcher Art von Penetration gedroht wird.

Somit ist der erigierte Penis verkörperte Sprache. Eine Erektion ist Körpersprache in ihrer einfachsten, klarsten und direktesten Form; sie spricht Klartext. Stehend sagt ein Penis alles, was er zu sagen hat; er verheimlicht nichts. Freilich ist es immer das Gleiche, was er sagt. Aufgerichtet ist er absolut aufrichtig. Er bringt die Sache, um die es ihm geht, knallhart, unübersehbar und unmissverständlich auf den Punkt. Er behauptet steif und fest das männliche Begehren in seiner rohen Einfachheit. Im Gegensatz dazu manifestiert sich das weibliche Begehren fast gänzlich im Verborgenen. Vom Schlüpfrigwerden ihrer Vagina weiß oft nicht mal die Frau etwas.

Das phallische Aufrichten ist ein schamloses Aufzeigen eines inneren Zustands des Mannes: seiner Geilheit. Damit ist der zum Phallus sich wandelnde Penis ein äußerst verräterisches, den Mann bloßstellendes Organ. Er steht im wahrsten Sinne des Wortes für das Obszöne, nach dem ihm der Sinn steht. Sein Stehen ist verkörperte Obszönität. Im Erigieren wandelt sich der Penis vom banalen ›Seich-Zeug‹ zum exponierten ›Zeig-Zeug‹: ein ›Zeug‹, das nicht nur einen Gefühlszustand des Mannes aufzeigt und bezeugt, sondern zu allem Überfluss auch noch zeugen kann.

Schon Hegel (1770 – 1831) philosophierte, nicht anders als Heine, über das triviale biologische Faktum, dass das männliche Organ des Seichens auch das Organ des Zeugens ist. Dazu passt der Hinweis, dass mit ›Zeug‹ ursprünglich das Pfluggerät gemeint war. Mit dem Pflug – und mehr noch mit dem Schwert – hat sich der patriarchalische Penis von jeher, wenn auch unbewusst, identifiziert. Die Frau wird, nicht anders als Mutter Erde, vom Penis-Pflug aufgerissen, um anschließend den Samen in sie ausschütten zu können. Hierzu sei nur nebenbei bemerkt, dass sich mit Pflug und Schwert, diesen archaischen Penissymbolen, das Patriarchat in vorantiker Zeit gewaltsam gegen das auf den Hackbau gegründete, weder Pflug noch Schwert kennende Matriarchat durchgesetzt hat.

Der steife, grotesk vom Körper abstehende Phallus ist bei nüchterner Betrachtung weder schön noch hässlich. Er überzeugt weniger in ästhetischer als in funktionaler Hinsicht. Ein zumeist recht kleines, belanglos wirkendes Ding wächst sich zu einem ziemlich großen, Aufmerksamkeit heischenden Monstrum aus – und dies im wahrsten Sinne des Worts. Denn das Wort ›Monstrum‹ (= großer, unförmiger Gegenstand) leitet sich von lateinisch monstrare ab, was ›herzeigen, hinweisen‹ bedeutet und sich zum Beispiel auch im Wort ›demonstrieren‹ verbirgt, ebenso in der Monstranz, diesem katholischen Kultgerät, das der Priester, symbolisch erigierend, vor seiner Gemeinde in die Höhe reckt als sichtbaren Beweis der Anwesenheit Gottes. Der Phallus ist, wenn man so will, ein Demonstrant. Als solcher will er mit fast schon drohendem Gestus auf etwas hinweisen beziehungsweise eine unmissverständliche Absicht bekunden und deren Verwirklichung einfordern.

Anschwellen und versteifen kann am menschlichen Körper so manches. Aber dass sich das Anschwellend-Versteifende dabei auch noch aufrichtet, macht immer wieder staunen, selbst wenn man als stolzer Eigentümer dieses körpertechnischen Wunderwerks schon unzählige Male dabei zugeschaut hat. Das weibliche Pendant zum Penis, die Klitoris, genauer: ihre aus dem Körper ragende Spitze, ist zwar auch zur Schwellung fähig, richtet sich dabei aber nicht auf, und selbst wenn sie es täte, würde es keiner bemerken.

Synchron zum Anschwellen des Penis schwillt naturgemäß auch die sexuelle Erregung des Mannes an, mehr noch, der Mann erlebt eine Art von innerem Anschwellen seiner ganzen Person und Persönlichkeit. Wer hier wen zum Anschwellen bringt – der Mann den Penis oder der Penis den Mann –, ist nicht eindeutig zu sagen: der klassische Fall einer dynamischen, sich selbst verstärkenden Wechselwirkung.

Das Anschwellen/Versteifen/Aufrichten könnte man von daher als ein dreifaches Synonym für den männlichen Sexus verwenden, ja vielleicht sogar für den Mann schlechthin. Der Ausdruck ›seinen Mann stehen‹ meint unterschwellig genau das: ein zutiefst sexuelles Gefühl. Freilich gilt dies auch in einem negativen Sinn für den Fall, dass der Mann meint, sich künstlich ›aufmanndeln‹ zu müssen, indem er sich körperlich aufrichtet, breitbeinig dastehend und in seinem ganzen Habitus versteifend, was beim Gegenüber höchste Potenz assoziieren soll. Zu allem Überfluss wird dann auch noch verbal erigiert.

In der allgemeinen Fixierung auf den erektilen Schwellvorgang beim Mann wird leicht übersehen, dass das Sexuelle schlechthin von anschwellender Art ist, bei der Frau nicht weniger als beim Mann. So schwillt bei der sexuell erregten Frau nicht nur die Klitoris, sondern es schwellen ebenso die großen und kleinen Schamlippen, wie auch die im Schwellen sich versteifenden Brustwarzen. Was den sexuell erregten Mann betrifft, so schwillt und versteift in gewisser Weise auch das sonst eher schlaff hängende Skrotum, wobei es sich im Idealfall als pralle Halbkugel an den Penis heranzieht, als suche es mit ihm jene verschworene Potenz-Gemeinschaft zu bilden, die in früherer Zeit als Gemächt bezeichnet wurde: Sinnbild eines mächtigen virilen Strotzens. Schließlich geht, was selten bedacht wird, die ganze sexuelle Kraft des Penis von den Hoden aus.

Der Penis als Waffe

Die zylindrische Grundform des erigierten Penis überzeugt bei einem Sexus, der die Penetration, also das Eindringen und Durchdringen, zum Ziel hat. Penetration ist ja überhaupt nur nötig, sobald der zu penetrierende Körper, genauer: dessen Öffnung, der Aufnahme des Fremdkörpers einen gewissen Widerstand entgegensetzt, den es penetrierend zu überwinden gilt. Denkbar wäre ja auch eine Begattung, bei der ein weiches männliches Geschlechtsorgan in eine weite weibliche Öffnung gehängt wird, ähnlich wie man einen Teebeutel in eine Tasse hängt. Denkbar wäre auch ein ohne Penetration auskommender Kloakensex, wie bei den Vögeln. Doch wenn es ums Penetrieren geht, dann stellt der an seiner Spitze gerundete Zylinder zweifellos die Idealform eines penetrierenden Sexualorgans dar. Die Evolution hat für die Säugetiere den zylindrischen Penis und die ebenfalls zylindrische Vagina gewiss nicht umsonst als bestes aller möglichen Genitalmodelle kreiert.

Begattung bedeutet bei den Säugetieren das Versenken eines mehr oder weniger harten Rohrs in einen elastischen Schlauch. Der Vorgang verspricht eine optimale, nämlich reibungsintensive Verbindung. Tiefgründige Penetration verlangt mit geradezu physikalischer Notwendigkeit nach dem Zylinder: dem vollen männlichen, der sich in den hohlen weiblichen zwängt und sich darin mehr oder weniger schnell vor- und zurückbewegt. Natürlich lässt sich der Penetrationsvorgang auch umgekehrt formulieren: Der hohle weibliche Zylinder stülpt sich über den vollen männlichen. Das ist immer dann der Fall, wenn die Frau im Geschlechtsakt den aktiven Part übernimmt.

Das Aggressiv-Penetrierende der zylindrischen Form findet sich auch in archaischen, Körper durchdringenden Waffen wieder: Dolch, Schwert, Lanze, Speer, Spieß oder Pfeil. Ihnen fühlt sich der Penis insgeheim anverwandt. Entsprechend wurde die männliche Potenz im misogynen antiken Griechenland als ›Waffenkraft‹ verstanden und gegenüber der Frau auch so eingesetzt. Das Wort ›Kraft‹ ist hier im Sinne von Beherrschung gemeint. Doch jeder Wille zum Beherrschen hat seinen Ursprung in der Schwäche. Denn insgeheim weiß der Mann, dass er der weiblichen sexuellen Potenz unterlegen ist. Das Patriarchat verschafft ihm die Möglichkeit, seine Schwäche in Herrschaft umzumünzen – auf Kosten der Frau.

Seit der griechischen Antike, jener Gründer- und Hochzeit des Vaterrechts, hat man den heterosexuellen Koitus mit dem Zufügen einer klaffenden Wunde verglichen. Als solche wurde das weibliche Geschlecht ohnehin assoziiert. Nach antikem Verständnis fügt der penetrierende Penis der Frau auf paradoxe Weise eine Wunde zu, die sie schon hat und die, passend zum Bild, auch einmal im Monat blutet. Der Koitus mit einer Frau erscheint so als kriegerischer Kampf, bei dem die Frau unterworfen und besiegt werden muss, indem sie aufgespießt wird. Der Penis ist die Stich- und Stoßwaffe, die bei diesem Kampf zum Einsatz kommt. Am Ende, wenn der Mann ›abschießt‹, verwandelt sich sein Penis sogar in eine Schusswaffe, die freilich nur die Qualität einer harmlosen Spritzpistole hat.

Der soldatische Penis

Die Begriffspaare Mann/Penis und Soldat/Waffe stehen zueinander in einer auffallend starken Wechselbeziehung. Der strammstehende Soldat hat etwas von einem erigierten Penis, der ja auch nichts anderes tut, als stramm zu stehen – auf Befehl des Gehirns. Wenn der Soldat sein Gewehr ›präsentiert‹, verkörpert er gewissermaßen eine Doppelerektion: Der versteifende und sich dabei aufrichtende Soldat zeigt auf exhibitionistische Weise seine steil nach oben gerichtete Schusswaffe – stellvertretend für seinen erigierten Penis. Beim soldatischen Parade-Stechschritt, der besonders im NS seine groteske Übertreibung fand, wird das Gehen mit den nach oben geworfenen steifen Beinen in gewichsten Schaftstiefeln zu einer Art voranschreitender Dauererektion. Mehr noch: Im Wort ›Stechschritt‹ schwingt ein gewaltsames Penetrieren mit, insofern der obszöne Wortschatz mit ›Stechen‹ das Koitieren meint. In diesem Zusammenhang bringt sich auch der so genannte Hitlergruß als symbolische Erektion ins Spiel. Die Kommunisten ›erigieren‹ symbolisch auf ähnliche Weise, wobei der hochgereckte und dabei abgewinkelte Arm wegen der geballten Faust erst recht einem erigierten Penis gleicht.

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Litres'teki yayın tarihi:
22 aralık 2023
Hacim:
391 s. 3 illüstrasyon
ISBN:
9783866746534
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