Kitabı oku: «Dahlen - Kleine Stadt mit Geschichte(n)», sayfa 5
Dahlen als Kreuzung von Handelswegen
Der Grund, weshalb gerade Dahlen sich (im Unterschied zu anderen kleinen Orten) zu einer Stadt entwickelte, mag wohl auch darin liegen, dass sich hier zwei wichtige Handelsstraßen der damaligen Zeit kreuzten. Quer durch Dahlen verlief vom Westen nach Osten die sogenannte Obere Salzstraße, auf der das Salz von Halle an der Saale herbeigebracht wurde. Sie kam über Wurzen (hier querte sie die Mulde, wobei Wurzen zeitweise nördlich über Püchau umgangen wurde) und Dornreichenbach als sogenannte „Kleine Straße“ (auch als ein Zweig der „Hohen Straße“) nach Dahlen und führte weiter über Lampertswalde, Liebschütz bis an die Elbefurt bei Strehla. Strehla war in der ältesten Zeit einer der wichtigsten Elbübergänge. Von hier aus führte der Weg zur „Hohen Straße“, dem Rollweg nach Hain (heute Großenhain). Die „Hohe Straße“, auch Via Regia (Königsstraße) genannt, kam aus der Ukraine, Polen, Schlesien, der Lausitz und ging von Bautzen über Großenhain bis an die Elbe. Bei Merschwitz überquerte sie die Elbe und verlief von hier aus über Seerhausen nach Oschatz, Wurzen und Leipzig. Die andere Handelsstraße, die durch Dahlen ihren Weg nahm, kam aus Südosten. Der nächstgelegene größere Ort, den diese Straße durchquerte, war die südöstlich von Dahlen gelegene Amtshauptmannschaft Oschatz. Von hier aus verlief sie in nordwestlicher Richtung weiter über Torgau und Wittenberg.
Im Mittelalter siedelten sehr oft an solchen Kreuzungen für die Handelszüge wichtige Gewerbetreibende, wie Schmiede, Sattler, Wagenbauer, aber auch Wirtsleute. Meist bildeten sich auch Märkte heraus. So lag es für die Lehnsherren nahe, solchen Marktflecken das Stadtrecht zu verleihen, da sich hierdurch für sie ein finanzieller Vorteil ergab.
An Hand von verschiedenen Urkunden kann man davon ausgehen, dass Dahlen das Stadtrecht vom Naumburger Bischof erhalten hat. Ein wichtiger Grund für den Ausbau der Stadt Dahlen durch die Naumburger Geistlichkeit könnte auch der Umstand gewesen sein, dass Dahlen der westlichste Stützpunkt des Bistum Naumburg zu dieser Zeit war.
Es gilt als sicher, dass Naumburger Herren bereits im letzten Drittel des 12. Jahrhunderts einen befestigten Edelhof bzw. ein Gebäude für Senatssitzungen (Rathaus) in Dahlen errichtet und bewirtschaftet haben. Von diesem Hof, der in der Urkunde von 1210 Curiam et pomerium genannt wird, was auch bedeuten könnte: innerhalb und außerhalb der Stadtgrenze befindlicher Raum, also „Stadtgebiet“. Von hier wurden der Marktort und durchführende Straßen kontrolliert und bewacht. Aus diesem Hof ging später vermutlich das Rittergut hervor.
Über die Handelswege aus der Zeit des Mittelalters lässt sich noch Folgendes sagen: Das Wegenetz war äußerst dünn. Die sogenannten Königsstraßen sollten nach einer Vorschrift mindestens so breit sein, dass zwei Fuhrwerke zuzüglich der neben den Fuhrwerken gehenden Fuhrleuten aneinander vorbeifahren konnten. Das wird unter anderem auch im um 1230 verfassten Sachsenspiegel (2.Buch/Art.60/§ 3) gefordert. Für die Unterhaltung des Wegenetzes waren diejenigen zuständig, durch deren Fluren die Wege führten. So zumindest lautete die Theorie. Real glichen selbst bis weit in das 19. Jahrhundert hinein die sächsischen Fernhandelsstraßen eher unbefestigten Feldwegen und befanden sich in einem katastrophalen Zustand. Dass der sächsische Landesherr schon Ende des 16. Jahrhunderts die schlechten Straßenverhältnisse als Problem erkannte, zeigen uns zwei recesse12 aus jener Zeit, die die Dahlener betreffen.

Vierspänniger Kaufmannswagen, Titelholzschnitt der dritten Auflage von Jörg Wickram "Das Rollwagenbüchlein" 1557
Der erste wurde am 11. Februar 1586 zwischen Christian, Herzog zu Sachsen und Markgraf zu Meißen (1560-1591), Herrn Wolff Abraham von Schleinitz zu Dahlen, sowie dem Rathe undt der gemeine von Dahlen verabschiedet. In Artikel 11 dieses Vertrages heißt es: „So soll der von Schleiniz die brücken so ehr vormöge mehr gedachtes vortragen zu halten schuldigk also zu richten laßen“. Der Gemeinde von Dahlen dagegen wurde auferlegt, „die stege undt wege im stedtlein Dahlen zu vorsehen (…) [und] dieselben [Steinwege] in der zeit beßern, undt in gutem wesenn [zu] erhaltten“. Diese Aufgabenteilung wird innerhalb der Stadt vielleicht noch zu einem passablen Ergebnis geführt haben, wobei Herr von Schleinitz seinen Anteil der Aufgabe vermutlich an die Gemeinde als Teil der Fron weiter delegiert haben dürfte. Die für ihre Wirtschaft wichtigen Wege mussten die Dahlener ohnehin selber in Ordnung halten.
Dies wird rund ein Jahr später in einem weiteren recess vom 22. März 1587 noch einmal schriftlich fixiert, in dem festgelegt wird: „das der Rath (…) nicht alleine im Stedtlein Sondern auch außerhalb bey der Zigelscheunen unndt nach dem Hospittal holze die, wege beßerung (…) zu thuen schuldigk sein.“ Herrn von Schleinitz wird nun noch auferlegt, die „landtstraßen zu beßern (…) [und] uff seine kosten vorrichten“ zu lassen. Dem Grundherren aber kann man wohl unterstellen, dass er keine Lust hatte, Geld für solche für ihn unnütze Arbeiten auszugeben. Der Landesherr war weit weg und besaß auch kaum eine Möglichkeit, solche Forderungen durchzusetzen. Die Dahlener Bürger hatten ebenso wenig Interesse an der Instandhaltung der Fernwege und waren ohnehin durch ihre eigene Existenzsicherung über die Maßen beansprucht. Hinzu kamen für sie noch zahlreiche Frondienste. Indem man ausgerechnet diejenigen für den Wegebau zuständig machte, die keinerlei Vorteil daraus zogen, konnte man dieses Problem kaum lösen. Solche und ähnliche Regelungen wird es überall entlang der Fernhandelswege in Sachsen gegeben haben, was zwangsläufig zu deren miserablem Zustand führte.
Die Grundherren des mittelalterlichen Dahlen
Wie bereits erwähnt, schenkte Heinrich IV. im Jahr 1065 Dahlen den Bischöfen von Naumburg. Im 13. Jahrhundert geriet das Bistum Naumburg, vor allem unter den Bischöfen Meinherr (*vor 1246-1280) und Dietrich II. (1190–1272), durch wirtschaftliche Probleme in große finanzielle Schwierigkeiten. Daraufhin sah sich Bischof Ludolf (*?-1285) im Jahr 1282 genötigt, die Städte Dahlen und Strehla nebst anderen Besitzungen an das Kloster Riesa zu verpfänden. Dies brachte jedoch nur eine kurze finanzielle Entspannung, sodass sich der Nachfolger von Bischof Ludolf, Bischof Ulrich (*?/1304-1315), im Jahr 1307 veranlasst sah, die Städte Dahlen und Strehla an Bodo IV. (1379–1430) von Yleburg (Eilenburg) und „Herrn zu Liebenwerda“ zu verkaufen. Dieser veräußerte die beiden Städte im Jahr 1338 für 500 Mark „Freiberger Silber“ an die Brüder Heinrich („der Jüngere“, 1306-1346) und Albrecht (1306-1349), Burggrafen von Leisnig, weiter. Nach dem Tode der Leisniger Burggrafen fielen die Städte Dahlen und Strehla wieder an das Bistum Naumburg zurück.
Offenbar steckte das Bistum Naumburg immer noch in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Bereits kurze Zeit, nachdem es die beiden Städte wiedererlangt hatte, verkaufte 1367 Bischof Gerhard I. (*?-1400) von Naumburg Dahlen und Strehla zusammen mit Leisnig, Tiefenau und Elsterwerda, für „4600 breite Schock Groschen“ an Herzog Bulko (1308-1368), Fürst von Schweidnitz und Markgraf in der Lausitz. Als Bulko bereits ein Jahr später kinderlos starb, fielen alle seine Besitzungen, darunter auch Dahlen, an die Tochter seines Bruders, Anna. Diese war mit dem böhmischen König und deutschen Kaiser Karl IV. (1346-1378) vermählt. Somit erscheinen Dahlen und Strehla von 1368 an als Lehen der böhmischen Könige Karl IV. und Wenzel IV. (1361/1378-1419).
1383 schenkte König Wenzel IV. Dahlen an den Ritter Luthold von Torgau, während Strehla an den Ritter Otto von Pflugk (*?-um1427) kam. Die Bischöfe von Naumburg machten jedoch alte Rechte geltend und so musste Luthold von Torgau seinen Dahlener Besitz wieder an das Bistum abtreten. Im Jahr 1404 belehnte der Naumburger Bischof Ulrich II. von Radefeld (*?-1409) Dahlen an den Herzog Friedrich den Streitbaren (1370-1428), der es 1429 an Herzog Friedrich „den Sanftmütigen“ abtrat. Dieser belehnte noch im selben Jahr Heinrich von Schleinitz mit Dahlen, was aus dem ersten Eintrag des Dahlener Stadtbuches vom 28. November 1429 hervorgeht.
1443 beurkundet Friedrich „der Sanftmütige“ den von Schleinitzens wiederum das Lehen. Im Lehnsbrief heißt es unter anderem: „Hugold von Slinitz, Hugold von Slinitz Son und Heinrich von Slinitz sinen vettern (außer anderen Gütern) den marktt zu Dolen mit den forwercken Dorffern, zcinsen, renten, allen und iglichen iren zcugehorungen wie die namen han und gelegen sind, nichts ausgeschlossen, zcu rechten gesampten manlehen13 gnediglichen hatt gereicht und geliehen.“ Verständlicher ausgedrückt: „Hugold von Schleinitz (um 1425-1490), dessen Sohn Heinrich sowie dessen Vettern erhalten den Markt zu Dahlen, die zugehörigen Vorwerke14 und Dörfer sowie deren jegliche dazu gehörenden Grundstücken als Lehen, sowie alle auf ihnen lastenden Abgaben und Frondienste.“
1472 kaufte Dietrich (der Ältere) von Schleinitz (Titzen von Schleinitz) den Rittersitz zu Dahlen, das Städtchen Dahlen, die Dörfer Czüssen (Zissen), Kakeldburg (Jäckelsburg) und Smanewitz (Schmannewitz).
Mit Beginn des 15. Jahrhunderts bekommen wir einen besseren Überblick über die Geschichte von Dahlen, da aus dieser und den späteren Zeiten immer wieder Stadtbücher angelegt wurden, in denen Rezesse, Verträge, Käufe und sonstige Urkunden dokumentiert sind. Dadurch erhalten wir wertvolle Aufschlüsse über die Verhältnisse im Ort.
Beim Studium all dieser Dokumente wird von Anfang an deutlich, dass Dahlen gegenüber anderen Städten recht klein war. So formuliert man oft in alten Schriftstücken Bezeichnungen wie „hier bei uns im stetichen Dolen“. Häufig fällt auch das Wort „Stedtlein“. Dennoch zeigt sich, hier ist ein wohlgeordnetes Gemeinwesen mit „Burgermeister und Radmannen“ zu finden.
Dahlen als entwickelte Stadt am Ende des Mittelalters
Für die Entwicklung einer Stadt spielen natürlich auch überregionale Ereignisse eine große Rolle. Vor allem dann, wenn wie im Falle der Stadt Dahlen, vieles auch vom Handelsverkehr abhing.
So hatte sich der wettinische Gesamtbesitz zu einem der am weitesten entwickelten deutschen Staaten nach dem habsburgischen Kaiserhaus herausgebildet. Im Jahr 1485 konnten sich jedoch die beiden Erben des wettinischen15 Besitzes nicht auf eine gemeinsame Regierung einigen und so beschlossen sie im November 1485 die Aufteilung des sächsischen Landes, bekannt geworden als sogenannte „Leipziger Teilung“. Sie verfuhren dabei so unglücklich, dass jeder ein zersplittertes Territorium regierte. Dabei beachteten sie weder historische, noch ökonomische Bindungen. Einige gegenwärtige Historiker sind allerdings der Meinung, dass die Landesherren mit dieser Art der Teilung die Absicht verfolgten, eine dauerhafte Teilung zu erschweren, bzw. unmöglich zu machen, so dass beide sächsischen Länder in absehbarer Zeit wieder zusammengeführt würden.
Dem von nun an ernestinischen16 Kursachsen gehörte der nördliche Landesteil mit der Residenz in Torgau und dem südwestlich gelegenen Thüringen. Diese beiden Gebilde waren nur durch einen schmalen Landstreifen zwischen Wurzen und Machern verbunden.
Das albertinische17 Herzogtum, zu welchem Dahlen nun gehörte, bestand aus den östlichen Gebieten um Meißen und den westlichen mit Leipzig und Nordthüringen. Inmitten dieses „Grenzknotens“ lag zudem auch noch das Stiftgebiet des Wurzener Bischofs.
Das Ganze sollte jedoch nach der Reformation eine abermals gesteigerte Brisanz erfahren. Da die beiden sächsischen Staaten nun auch noch unterschiedlichen Konfessionen angehörten (Albertiner katholisch / Ernestiner evangelisch reformiert), kam es in der Folge zu Repressalien für Durchziehende, die der jeweils anderen Glaubensgemeinschaft angehörten. Diese religiösen Verhältnisse blieben nicht ohne Auswirkungen auf die Richtung der Handelszüge. Man war gezwungen, das Gebiet des jeweils anderen zu umgehen, und so kam es zu einem recht komplizierten Wegenetz in der unmittelbaren Umgebung von Dahlen. Dieser Weg resultiert aus einer südlichen Umgehung des Wurzener Stiftgebietes über Börln, Schwarzer Kater, südlich an Dahlen vorbei (im Bereich des Bahnhofs), weiter über Großböhla nach Oschatz. Der zwischen Schwarzer Kater und Großböhla zu jener Zeit vermutlich neu angelegte Weg wird auf einer Karte von 1621 als „langer Trab“ bezeichnet. Der heutige Begriff Hainstraße geht sicher auf den diesen Weg säumenden Wald (Hain = Wald) zurück. Erst im Jahr 1547, nach der Beendigung des Schmalkaldischen Krieges, wurde Sachsen wieder ein einheitlicher Flächenstaat, und die Handeltreibenden konnten wieder die traditionellen Wege benutzen.

Karte Leipziger Teilung
Auf Handelswegen, die durch Dahlen führten, rollten nun fast täglich Wagenzüge. Wenn sie die Tore der Stadt passierten, prüften Stadtwächter die Geleitzeichen der Fuhrleute und kassierten das Geleite, eine Gebühr für die Passage durch die Stadt. Diese Einnahme kam aber ausschließlich dem Grundherren zugute.
Ein wichtiger Zugewinn für die Stadt ergab sich durch die Übernachtung der durchreisenden Fuhrleute. Sie konnten in Herbergen wie dem „Goldenen Engel“ oder dem „Schwan“ ihre Pferde ausspannen und selbst übernachten. Das jetzige Gebäude des Gasthofes „Zum goldenen Engel“ wurde etwa um 1600 im Renaissancestil erbaut. Es hat als eines von wenigen Häusern (am Markt das einzige) alle nachfolgenden Stadtbrände fast unbeschadet überstanden und ist damit neben der Kirche das derzeit älteste unter Denkmalschutz stehende Gebäude von Dahlen. An dessen Stelle soll sich aber auch schon im 13. Jahrhundert ein Gasthof mit Ausspanne befunden haben.
Ihre Wagen stellten die Händler auf dem Markt ab. Dieser Umstand erklärt sicher auch den relativ großen Marktplatz (100 m x 65 m) für eine so kleine Stadt wie Dahlen, in deren Mauern selbst bis in die jüngste Vergangenheit, kaum einmal mehr als 3000 Einwohner gelebt haben. Meistens waren es wesentlich weniger. Der Marktplatz entstand an der Stelle, wo sich die „Hohe Straße“ mit der Torgau/Oschatzer Straße kreuzte. Vor allem die langen Wagenzüge mit den Salzladungen, welche Dahlen passierten, haben die Entwicklung der Stadt günstig beeinflusst.
Wie wichtig diese „Durchgangsstraßen“ als Einnahmequellen für den Grundherrn gewesen sind, und das selbst noch einige hundert Jahre später, zeigt ein Erlass des Wolff Abraham von Schleinitz aus dem Jahr 1578. Darin hat er für (fast) alle Durchziehenden eine Gebühr – das „Geleide“ – festgelegt. Wir würden das heute als Maut bezeichnen. Mehr darüber soll im nächsten Kapitel ausgeführt werden.
Für einen weiteren Verdienst, vor allem für die Handwerker, dürften die zumeist schlechten Straßenverhältnisse gesorgt haben. Reparaturen an den Frachtwagen sowie am Zaumzeug der Zugtiere wurden immer wieder notwendig. Das brachte viel Arbeit für Schmiede, Sattler und Wagenbauer. Aber auch andere Handwerker dürften mitverdient haben. So boten sich durch den Handel für viele Berufszweige gute Verdienstmöglichkeiten in Dahlen. Dies wird auch ein Anreiz gewesen sein, dass sich im Laufe der Jahrhunderte doch der eine oder andere in Dahlen niederließ und so die Bevölkerungszahl allmählich zunahm.
Der vermutlich älteste noch erhaltene Stadtplan von Dahlen ist etwa um das Jahr 1619 entstanden. Darauf wird der Weinberg noch als „meines gnädigen Herren Weinbergk“ ausgewiesen. Diese Bezeichnung kam nur einem Landesfürsten zu und wirklich besaß von 1619 bis 1632 Kurfürst Georg I. von Sachsen das Rittergut Dahlen. Dieses ist an der Stelle des heutigen Schlosses mit „MGH. Hoff“ (meines gnädigen Herrn Hof) eingezeichnet. Ein Lehnsbrief vom 12. Mai 1602 nennt für das Jahr 1592 Georg von Schleinitz noch als Lehnsherr. Auch der Burgberg wird auf dieser Karte als „alter Weinbergk“ bezeichnet. Zu jener Zeit muss das Klima für den Weinanbau in unserer Gegend recht günstig gewesen sein, denn Dahlen hatte 13 ½ Eimer (1 Eimer = 67,362 Liter) Wein vom Weinberg an den kurfürstlichen Hof zu liefern.
Im Juli 1619 brannten in Dahlen 40 Häuser nieder, was auf dem Plan nicht ersichtlich ist, so dass man davon ausgehen kann, dass er im ersten Halbjahr 1619 entstanden sein muss. Auf diesem Plan lassen sich schon die stattlichen Ausmaße des Marktes erkennen, was auf einen regen Handelsverkehr der damaligen Zeit schließen lässt. Auf dem Plan sieht man deutlich die Stallungen, die heute noch vom Hof des „Goldenen Engel“ ausgehend, entlang der Wurzener Straße zu erkennen sind. Sie beherbergten die zahlreichen Zugtiere der hier übernachtenden Fuhrleute, während die mit Planen überdachten Frachtwagen auf dem Markt parken mussten.

| Der Gasthof zum Goldenen Engel(Fotografie um 1900) | Das Portal des „Engels“ im Stil der Renaissanceerbaut (Fotografie um 1950) |

Leider von vielen Farbschichten bedeckt – aber immer noch gut sichtbar – der Engel im Schlussstein (2012)
Auf dem Plan ist zudem ersichtlich, dass die Peterskirche noch nicht abgerissen war. Sie findet sich südlich neben dem später errichteten Schloss eingezeichnet. Besonders fällt die sehr geschlossene Reihenbebauung in den Straßen auf. Man erkennt aber auch deutlich eine Vierteilung der Stadt auf dem Stadtplan. Diese vier Teile sind die Gebiete um die Kirche „Unser Lieben Frauen“, um das Rittergut und spätere Schloss, die Stadtanlage um den Markt und das Dorf Zissen.

Stadtplan aus dem Jahr 1619
Das Schloss, es wird schon als solches bezeichnet, obwohl es zu dieser Zeit noch ein Fachwerkgebäude war, liegt auf einer Anhöhe, an deren Fuße sich die städtischen Anlagen südlich und östlich ausbreiten. Auf dem Plan ist auch ein mit Reihenhäusern bebauter Weg zu sehen, der einstmals nördlich um die Stadt führte. Ein Rest davon ist das Mühlgässchen. Den größten Teil dieses Pfades hat man vermutlich bei der Anlage des Schlossparks beseitigt.
Aus dem Stadtbuch von 1480 erfahren wir weiterhin noch einiges über die Gesamtanlage der Stadt. So finden wir für verschiedene Stadtteile noch Bezeichnungen, die heute nicht mehr bekannt sind. Der Teil der Stadt, der nördlich der Peterskirche lag, wurde „Hinter St. Peter“ genannt, während der Teil südlich der Peterskirche bis zum Markt „St.-Peters-Ende“ hieß. Als wichtige Straßen werden die „Lange Straße“ (August-Bebel-Straße) und die „Kirchgasse“ (Kirchstraße) erwähnt. Das Zentrum der Stadt bildete, wie bereits mehrfach erwähnt, der Markt. Ihn bezeichnete man seinerzeit als „Ring“. Das Rathaus befand sich, wie ebenfalls auf dem Plan von 1619 zu erkennen ist, mitten auf dem Markt.
Das Rathaus war zu jener Zeit wesentlich kleiner als heute. Trotzdem nutzten die Bürger für die Verwaltung der Stadt nur einen Teil des Gebäudes in der oberen Etage. Die Räume im Erdgeschoss dienten Händlern und Gewerbetreibenden, sodass man das Rathaus im Volksmund auch als „Kaufhaus“ bezeichnete. Dem Stadtbuch von 1610 kann man entnehmen, dass es dazu 5 Kammern gab, die um 1494 gegen einen jährlichen Mietzins von 6 Groschen pro Kammer vermietet wurden, und zwar die eine Hälfte am Dienstag nach Ostern, die andere zu Michaelis (29. September). Laut einer Eintragung im Stadtbuch von 1483 verpflichten sich die „ehrsamen und vorsichtigen Handwerksmeister der Schusterinnung“, dem Rate jährlich 10 Groschen in bester Münze dafür zu zahlen. Dafür erhielten sie das Recht, „mit ihren Waren unten im Kaufhaus zu stehen“. Allerdings war ihnen dieses Recht während der Jahrmärkte untersagt. Das Ganze endete aber im Jahr 1719, da das Rathaus bei diesem letzten großen Stadtbrand ein Opfer der Flammen wurde.
Auf dem Stadtplan von 1619 sind vier Stadttore zu erkennen. Im Westen, am Ende der Kleinen Straße (Wurzener Straße), befand sich etwa in Höhe des Stadtgrabens das Wurzener Tor. Nach Osten zu in Richtung Strehla, am Ende der Kirchgasse (jetzt untere Kirchstraße), befand sich das Strehlaer Tor. Dieses ist etwa am Platz des heutigen Pfarrhauses eingezeichnet. Die nach Norden in Richtung Torgau führende Straße verließ die Stadt durch das Torgauer Tor, welches sich in Höhe der Lindenallee befand und wegen seiner Lage am Petersviertel bzw. der Nähe zur Peterskirche auch als Peterstor bezeichnet wurde. Das Oschatzer Tor stand am südlichen Ende der jetzigen Oschatzer Straße, etwa in Höhe der Hausnummer 17. Man erkennt aber auch, Dahlen war von keiner Stadtmauer umgeben. Wahrscheinlich ist, dass man die Stadtbefestigung mit dem Bau der Tore begonnen hatte, dann aber vermutlich aus Geldmangel nie fortsetzte. Aus anderen Urkunden kann man aber schließen, dass es eine Art Verhau gegeben hat, der sich längs des Stadtgrabens hinzog.
Dieser führte vom Wurzener Tor zum Oschatzer Tor, entlang des heutigen Stadtgrabens, die heutige Lindenstraße, bis zum Strehlaer Tor. Sodann folgte er dem heutigen Schwanengässchen, dem Mühlgässchen und jenem Weg, welcher bei der Anlage des Schlossparks verschwand, bis zum Torgauer Tor.
Der Schwanenteich wird auf dem Plan von 1619 als Badeteich bezeichnet. Weiterhin sind drei Wassermühlen, die Quatzschmül, die Mittelmül und die Kerstenmül (dazu mehr in einem späteren Kapitel) sowie das Hospital zu sehen. Dieses befand sich hier bereits am Standort in der Hospitalstraße, die aber zu jener Zeit noch außerhalb der Stadt lag. Im Stadtbuch von 1610 werden zudem noch zwei Badehäuser erwähnt, deren eines sich neben der Peterskirche befand, und das andere am Badeteich.

Der Dahlener Markt um 1840 (Lithographie)
Ein wesentlich späterer Hinweis bezüglich eines noch vorhandenen Durchgangsverkehrs auf dem durch die Stadt Dahlen verlaufenden Handelsweg lässt sich auf einem Stich entdecken, der etwa um 1840 angefertigt worden sein dürfte. Auf ihm ist der Dahlener Markt bereits mit seinem neuen im Jahr 1818 eingerichteten Rathaus zu sehen. Auch eine Distanzsäule steht hier noch mitten auf dem Markt, obwohl sie bereits 1820 abgebaut worden sein soll.
Die Handelswege, die für viele Orte überhaupt erst die Entwicklung zu einer Stadt ermöglichten und für ihren wirtschaftlichen Aufschwung sorgten, brachten aber nicht nur Vorteile. Dies galt vor allem in Kriegszeiten. Schon seit der Zeit der Völkerwanderung wählten die Heere, ob Freund oder Feind, diese Straßen. Hier zogen Ungarn, Polen und Hussiten durch. Aber auch die Truppen im Schmalkaldischen Krieg, im Dreißigjährigen Krieg sowie im Siebenjährigen Krieg. Jeder Krieg traf die an diesen Straßen liegenden Ortschaften besonders schwer. So erging es auch der Stadt Dahlen, wie wir in nachfolgenden Kapiteln noch sehen werden. Im Laufe ihrer langen Geschichte bildete jeder Krieg, der in der Mitte Deutschlands stattgefunden hat, eine Zäsur in der Entwicklung der Stadt Dahlen.
Quellen und Literaturverzeichnis
1. Johannes Fuchs: „Ein mittelalterliches Bauwerk in Dahlen“ Rundblick 1956/21.
2. W. F. Semjonow: „Geschichte des Mittelalters“, Verlag Volk und Wissen, Berlin 1952.
3. Gross, Reiner: „Geschichte Sachsens“, Edition Leipzig, 2007.
4. Joseph Fritscher: „Einige Bemerkungen zu den Geschichtlichen Nachrichten aus der Dahlener Heide“, Rundblick 22/56.
5. 5. Mutzsch-Reichenbach, Carl v.: „Die interessanten alten Schlösser und Burgen Sachsens“, erschienen 1940 bei Wilhelm Baeusch, Dresden.
6. Buchwald, D. Georg: „Neue sächsische Kirchengalerie. Ephorie Oschatz“, erschienen 1901 bei Arved Strauch, Leipzig.
7. Festschrift zur 700-Jahrfeier der Stadt Dahlen, erschienen 1928 bei F. Irrgang, Dahlen.
8. Ruppel, H. Gotthelf: „Aus Strehlas vergangenen Tagen“, erschienen 1936 bei Georg Luck Nachfahren, Strehla.
9. Kleber, Julius: „Chronik der Stadt Strehla und Umgegend“, erschienen 1909 bei Robert Noske, Borna und Leipzig.
10. Lepsius, C. P.: „Geschichte der Bischöfe des Hochadels Naumburg“, erschienen 1846 bei Franz Littfas, Naumburg.
11. Ernst Burkhardt: „Geschichtliche Nachrichten aus der Dahlener Heide“, Rundblick 1957/1.
12. „Neue Sächsische Kirchengalerie“, Verlag Arwed Strauch, Leipzig 1901.
13. „Sachsens Kirchen-Galerie“, 3. Band, Inspection Oschatz erschienen bei Herrmann Schmidt, Dresden 1840.
14. M. Carl Samuel Hoffman: „Historische Beschreibung der Stadt, des Amtes und der Dioces Oschatz“, Verlagsbuchhandlung Oschatz, 1813.
Archivalien
1. „Copien der Stadt Dahlen Hebenden privilegien und Vortrege 1461–1591.“, Heimatmuseum Dahlen.
2. „Heimatbuch der Stadt Dahlen /Band I“, Heimatmuseum Dahlen.
3. Brief des Dietrich von Schleinitz wegen Überlassung des Rathauses zu Dahlen an den Rat und die Gemeinde der Stadt Dahlen gegen jährlichen Zins, (1479) 1681, Staatsarchiv Leipzig.
4. „Bestandsliste zwischen derer von Schleinitzens und der Gemeinde zu Dahlen, 1429“ (meist als Stadtbuch betitelt) Staatsarchiv Leipzig. Inhaltlich konnte man hier nur auf die Recherchen von J. Fritscher zurückgreifen, da es derzeit wegen Schimmelbefall nicht zugänglich ist.
Bildquellen
1. Blick vom Burgberg: Lithographie von Julius Möckel.
2. Wasserburg Burkhardtsdorf: (Foto: Harry Gugisch).
3. Urkunde 1210: Urkunde Nr. 51, Vereinigte Domstifter Naumburg.
4. Urkunde 1228: Urkunde Nr. 64, Vereinigte Domstifter Naumburg.
5. Fuhrleute: Holzschnitt, aus „Illustrierte Geschichte der deutschen frühbürgerlichen Revolution“, Dietz Verlag Berlin 1982.
6. Karte Leipziger Teilung: Grafik Hartmut Finger.
7. Der Gasthof zum Goldenen Engel: Heimatmuseum Dahlen.
8. Portal: Sammlung Kathleen Schmidt, Dahlen (Foto J. Fritscher).
9. Schlussstein: (Foto Hartmut Finger).
10. Stadtplan von 1619: Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden.
11. Markt um 1840: Lithographie von Julius Möckel, Verlag Renner und Ketzschau.
