Kitabı oku: «Superfaktor Geld», sayfa 2
Einleitung
„Permanent geht es ums Geld: Bei so trivialen Vorgängen wie dem Bezahlen an der Supermarktkasse, beim Blick aufs Konto oder dem Planen.“
(Kremer, 2018)8
Geld, so wie wir es heute kennen, hat nach M. Miller9 3 grundsätzlich unterschiedliche Funktionen:
1 die Wertaufbewahrungsfunktion
2 die Wertmessungsfunktion und
3 die Zahlungsmittelfunktion.
In der Diskussion stehen diese Funktionen bereits bei Ökonomen der österreichischen Schule10 im Fokus. Miller weist nun zudem darauf hin, dass die Wertaufbewahrungsfunktion die wohl wichtigste Funktion ist, und sich in akuter Gefahr befindet. Es ist richtig, wenn er auch feststellt, dass es dabei keine Rolle spielt, ob Geld als Bargeld oder in Bits gespeichert und aufbewahrt wird. Dabei ist Kapital, das durch Akkumulation von Geld entsteht, nichts anderes als angesammeltes Bargeld und digital gespeichertes Geld, also eingesammeltes und dann gespeichertes Geld. Deshalb können Kreditkarten und Guthabenkarten, die auf gespeichertes Geld zurückgreifen, auch wie Geld eingesetzt werden. Die Aufbewahrung von Geld bei den Banken11 leidet natürlich, wenn Zinsen und Kostenrechnungen das Geld entwerten und damit das Geld selbst schneller an Wert verliert als der Rost das Eisen zerstört. Die Aufbewahrungsfunktion ist nun insofern auch eine Art Tausch, weil dabei nicht der aktuelle Wertetausch eine Rolle spielt, sondern der zeitversetzte Wertetausch. Die Wertbemessungsfunktion stellt hingegen einen Tauschwert im nichtrealen Raum dar, der allerdings im Tausch zwischen realer und irrealer Welt zu einem realen Tauschwert werden kann. Die irreale Welt ist bei genauerer Betrachtung auch nicht ganz so irreal wie auf den ersten Blick. Als irreal möchten wir hier all die Phänomene aufführen, die den physikalischen Zeitenraum zwar beeinflussen, aber in ihm vordergründig nicht real skalierbar sind.12
Das Kapital als real einsetzbares Tauschmittel scheint nun nicht nur für die Akteure an den Marktplätzen, vor allem den Finanzmarktplätzen, sondern auch für Ökonomen und Sozialphilosophen wie Marx13 und Piketty14 eine besondere Anziehungskraft auszuüben. Ohne Geld gäbe es aber das dabei angesprochene Finanzkapital überhaupt nicht, weshalb Geld doch zunächst anzusprechen ist. Kann man Kapital erklären und sogar die Gesetze des Kapitalismus herausarbeiten, ohne Entstehung und Funktion von Geld zu kennen und zu verstehen? Wohl kaum! Deshalb hier der Versuch, dies möglichst kompakt aufzuarbeiten!
Wenn der Ökonom Thomas Mayer in seinem Buch „Die neue Ordnung des Geldes“15 in der Einleitung davon ausgeht, dass in Podiumsdiskussionen, an denen er teilnahm, unter sogenannten Experten … „heillose Verwirrung über die einfachsten Begriffe herrschte“16, so ist es wahrlich vonnöten, diese Begriffe hier näher zu betrachten, zumal sich dieses Buch nicht so sehr an die Experten als vielmehr an den Normalbürger richtet. Dieser will doch endlich wissen, wie Geld und Kapital dazu herangezogen werden können, Wachstumsvorgänge in der Wirtschaft anzukurbeln, um so den Wohlstand zu mehren.
Was ist Geld? Das wäre damit die erste Frage, die es zu beantworten gilt. Die beiden Quellen, aus denen sich die Beantwortung ableiten lässt, sind nach Mayer in folgenden Auffassungen manifestiert: Für die einen ist Geld eine besondere Ware, die durch gesellschaftliche Konvention zu einem Mittel für den Tausch wirtschaftlicher Güter geworden ist. Für die anderen ist Geld nur ein Maß für die Schuld, in der wir Mitmenschen gegenüberstehen, die uns ein wirtschaftliches Gut überlassen haben.17 Vielleicht ist der Ausgleich einer Schuld in sakraljuristischer18 Sicht sogar der Ursprung des Geldes überhaupt19. Geld als Ware oder Geld als Schuld, damit sind zwei konträre Auffassungen auf dem Tisch zu dem, was Geld für die Menschen in der Regel zu sein scheint. Dem möchte ich eine dritte, eine vermittelnde Definition entgegenstellen: Geld hat sich zu einem Äquivalent für erbrachte Leistungen in der Form von Gütern oder Dienstleistungen entwickelt. Damit wird die Wertschätzung für diese Arbeitsleistungen zum Ausdruck gebracht, so dass dieses Geld selbst Schulden tilgen kann. Dabei entsteht immer ein Gläubiger-Schuldner-Verhältnis, selbst dann, wenn Ware und Geld gleichzeitig ausgetauscht werden. Gibt der Verkäufer eine Ware, zum Beispiel eine Schachtel mit Pralinen an den Käufer, so erwartet er dafür Geld vom Käufer. Der Verkäufer ist dabei der Gläubiger und der Käufer der Schuldner. Der Ausgleich wird mit Geld erzielt, in jedem Fall eine Art Schuldschein, der anschließend als Geld weitergegeben wird, um zum Beispiel damit Kakaopulver oder auch eine Zeitung einzukaufen. Als transferierbarer Schuldschein kann dieser Geldschein prinzipiell ewig im Umlauf bleiben, es sei denn, er enthalte eine aufgedruckte Markierung zur Entwertung. Das kann ein festgelegtes Datum sein oder auch nur der Registriercode, dem ein entsprechendes Datum unterlegt wurde, zu dem der Schein als Schuldschein ungültig wird, vielleicht, weil der Kredit dann fällig wird, oder auch die noch bestehende Schuld neu zu justieren ist. Mit der heute sehr verbreiteten Geldschöpfung durch einen Kredit ist auch das Datum für die Entwertung festgelegt, wobei in der Regel nicht genau der Schein zurückgegeben wird, der bei Kreditvergabe ausgezahlt wurde. Generalisierend kann also nur das nicht an einen Kredit gebundene Geld ohne ein offizielles Verfallsdatum sozusagen ewig im Umlauf bleiben.20
In der Folge stellt sich die Frage danach, was denn Kapital ist, und damit verbunden, was der Zins ist, den man für Geld und Kapital erwarten darf.
Gehen wir erst mal davon aus, dass Kapital durch die Akkumulation (Ansammlung) von Geld entsteht, so liegt der Gedanke nahe, dass Sparen die Grundlage für eine Kapitalbildung und die Kreditvergabe sei. Vielfach wurde nun der Zins auf zur Verfügung gestelltes Kapital als eine Belohnung für den damit verbundenen Konsumverzicht aufgefasst. Dieser Zins kann aber nur an der Knappheit des zur Verfügung stehenden Kapitals bemessen werden, wie dies schon Keynes aufzeigt. „Der Besitzer von Kapital kann Zinsen erhalten, weil das Kapital knapp ist, gerade wie der Besitzer von Land einen Pachtzins erhalten kann, weil das Land knapp ist“ (Keynes, 1974).21
Zu unterscheiden ist hierbei die künstlich erzeugte Knappheit durch Erzeuger und Händler von der natürlichen Knappheit der Ressourcen und aller anderen Waren, die ihren Wert nicht aus der Knappheit einer Arbeitsleistung erhalten, sondern aus einer Knappheit jenseits von Arbeitsleistungen. Keynes geht auf diese wesentliche Unterscheidung nicht ein, was zu Zeiten der 1. Industriellen Revolution und davor auch kein wirkliches Thema war, und zwar deswegen, weil natürliche Knappheit nicht generell, sondern nur eher marginal in begrenzten Bereichen vorlag. Dies hat sich bereits im Verlauf der 2. Industriellen Revolution geändert und wird erst im Zeitalter des Internets der Dinge sich grundlegend ändern. Je kapitalintensiver produziert wird und je mehr dieses Kapital auch entsprechende Erträge abwirft, umso mehr wird sich Kapital ansammeln und die Knappheit auflösen.
Kapital können wir nun auch als eine Ansammlung von Schuldscheinen betrachten, noch nicht eingelöste Schuldscheine, oder auch als einen Schuldschein, der vom Kapitaleigner über einen Kredit zu seinen Lasten entstanden ist, indem er Geld aus einem Kreditvertrag erhalten hat. Kapital muss demnach nicht aus einem Sparverhalten heraus entstehen, womit ein wesentliches Hindernis in Form der Knappheit nicht grundsätzlich beseitigt ist, aber doch nicht mehr in der bislang angenommenen Ausschließlichkeit vorliegt. Durch den Verlust der bisherigen Knappheit im noch näher zu erläuternden „Sicheren Geldsystem“ kann Kapital leichter bereitgestellt und damit auch eher Wachstum durch den Faktor Geld angestoßen werden.
Sowohl durch eine hohe Sparleistung wie auch durch billige Kredite kann die Knappheit des Kapitals abgebaut werden. Ist Kapital nicht mehr knapp, so sinkt die Bereitschaft dafür, hohe Zinsen zu zahlen bis hin zu dem Zeitpunkt, ab dem Kredite nur noch mit Nullzinsen unterzubringen sind. Die Bereitschaft, Kapital ohne Zinserträge herzugeben, kann jedoch nur mit entsprechenden Absicherungen gefördert werden. Fehlende Inflation ist zum Beispiel ein Anzeichen für den sicheren Rückerhalt langfristig bereitgestellter Gelder. Ebenso kann eine Einlagensicherung helfen Vertrauen zu schaffen, Vertrauen darauf, dass das geliehene Geld zurückgezahlt wird. Vertrauen und Sicherheit schafft aber auch eine privatrechtliche Absicherung durch Verträge, die eine Arbeitsleistung absichern, wie beim noch näher zu besprechenden „Sicheren Geld“.22
Im Regelfall sollte es in einem auf Krediten aufbauenden Geldsystem kein irgendwo gelagertes und aufbewahrtes Geld geben, da das im Umlauf befindliche Geld immer ein Schuldverhältnis darstellt. Aufbewahrtes Geld, das im Sparstrumpf steckt, ist vergleichbar dem Schuldschein in der Kommode, der nicht eingelöst wurde. Es gibt immer, wenn auch nur virtuell, einen Gläubiger und einen Schuldner. Erhalte ich bei einem Geschäftsvorfall 100 Euro als Entgelt für eine Ware, so bin ich der Gläubiger der Ware und mein Gegenüber, der mir dafür Geld gegeben hat, tritt als Schuldner auf, bis der Austausch der Ware gegen das erhaltene Geld dieses Schuldenverhältnis auflöst. Das Geld steht für einen Schuldschein, der mit Arbeitsleistungen oder Waren ausgelöst wird. Wird Geld dem Umlauf entzogen, so besteht das Schuldverhältnis dennoch weiter, außer der auf einer Banknote ausgewiesene Schuldwert wird per Deklaration oder Gesetz für nichtig erklärt.23 Genau diese Entwertung des Geldes per Deklaration oder Gesetz sollte bei einem abgesicherten Geld ausgeschlossen sein.
8 Geld regiert die Welt (Kremer, 2018).
9 Miller, 2017.
10 Geld ist nach Mises das allgemein akzeptierte Tauschmittel, in dem die anderen Funktionen aufgehen, also untergeordnet sind.
11 Hier soll der Einfachheit halber von Aufbewahrung gesprochen werden, obwohl genau betrachtet das Geld der Kunden nicht aufbewahrt, sondern geliehen ist, der Bankkunde leiht der Bank Geld.
12 Vor allem psychische und soziale Phänomene sind hier zu nennen, da diese den Handlungsraum der Menschen mitbestimmen, nicht aber in den drei physikalischen Raumdimensionen bestimmbar sind.
13 Marx, 1872.
14 Piketty, 2014.
15 Mayer, Die neue Ordnung des Geldes, 3. aktualisierte Auflage 2015 (2014).
16 Mayer, Die neue Ordnung des Geldes, 3. aktualisierte Auflage 2015 (2014), S. 12.
17 Mayer, Die neue Ordnung des Geldes, 3. aktualisierte Auflage 2015 (2014), S. 15.
18 sakraljuristisch = kirchenrechtlich in einem nicht auf ein bestimmtes Kirchenrecht bezogenes Recht, das sich aus der allgemein akzeptierten Moral, somit aus der Schuld den Göttern bzw. dem Gott gegenüber als dem Heiligen, Sakralen sich ableitet.
19 Höffe, 2017, 24. September: Der bestialische Ursprung des Geldes, ein Artikel, in dem Höffe die Geburt des Geldes in einen Entstehungszusammenhalt bringt mit der Tilgung der Schuld des Mörders gegenüber der Familie des Getöteten, nicht als Sühne oder Strafe, sondern als Ausgleich für entgangene Leistungen und als Ersatz für die dann nicht mehr notwendige Blutrache.
20 Ob die Rückführung der Kredite zu der notwendigen und erwünschten Verringerung der Geldmenge im derzeitigen System führt, das sollte durch die Kontrolle der Notenbank gesichert sein, kann aber hinsichtlich der Wirksamkeit bezweifelt werden.
21 Keynes, 1974 (5. Auflage, aus dem Englischen übersetzt von Fritz Waeger).
22 Möltgen, H.M., Dauerhaftes Wachstum, 2017!
23 Dies geschieht mit jeder Währungsreform und der Einführung neuer Zahlungsmittel.
A. Neues versus altes Geldsystem
I. Geld und Geldsysteme
„It is an old and tempting trap the belief that only the strong arm and single mind of ‘Despotic Power’ can really generate loyalty in politics and credibility in finance.”
(Felix Martin: Money, S. 182, 2015)24
Ob wir nun Geld auffassen als reines Tauschmittel oder als Kreditgeld, es entwickelt sich immer ein Geldsystem heraus, das durch den Gebrauch und die Entstehung von Geld zu charakterisieren ist. Eucken25 differenziert die klassische Auffassung, dass Geld entweder reines Tauschmittel oder Kreditgeld sei, indem er mit der Lieferung einer Ware das für die Ware gezahlte Geld als Schuldschein auffasst und dies dem Tausch gegenüberstellt, wodurch Geld zur Ware wird oder auch zu dem durch Kredit geschaffenen Geld. Mayer26 fasst die Geldordnung Euckens dementsprechend zu drei Punkten zusammen: 1. Geld wird beim Tausch zur Ware, 2. Geld entsteht bei der Lieferung als Schuldschein, und 3. Geld wird durch den Kreditgeber geschaffen. Damit werden wesentliche Punkte eines Geldsystems aufgezeigt: 1. Es muss einen definierten Entstehungsprozess für Geld geben, und es muss 2. einen allgemein akzeptierten Gebrauch des Geldes geben.27
Unabhängig von dieser systematischen Unterteilung kann man sich die Frage stellen, wie Geld entstanden ist, ob als Tauschmittel oder als Schuldanerkennung.28
Damit werden noch nicht die Kraftpole erfasst, von denen die systembestimmenden Kräfte ausstrahlen. Einer der Machtzentren, die einen Kraftpol bilden, ist die staatliche Macht, die ein entsprechendes Geld in Umlauf bringen kann. Andere Machtzentren bilden die privaten wirtschaftlichen Kräfte, die anfänglich nur zögerlich, inzwischen aber immer stärker mit eigenen Geldschöpfungen in den Markt drängen. Es stellt sich die Frage, ob der Bürger sich so sein Geld zurückholen kann, ein Geld, das doch letztlich seine Arbeitskraft repräsentiert.
Kommen wir zurück zu der Frage, was Geld denn nun sei: Nach Eucken, von dem Mayer29 seine Klassifizierung ableitet, sind alle existierenden Geldsysteme Mischsysteme aus Warengeld, staatlichem Schuldgeld und einer Art von privatem Kreditgeld.
Mayer vereinfacht das Ganze noch, indem er in Anlehnung an die Bilanzierungsregeln nur noch zwischen Aktivgeld und Passivgeld unterscheidet. Danach kann man dann bei den unterschiedlichen Geldsystemen unterscheiden zwischen Aktivgeldsystemen und Passivgeldsystemen.
Historisch betrachtet hat Geld zunächst als Aktivgeld das Licht der Welt erblickt. So wie Ländereien als Lehen für erworbene Verdienste bei vorangegangenen Feldzügen vergeben wurden, so wurde Geld für die Dienstleistung am Hofe und auch für gelieferte Waren der Bürger hergegeben und damit für die Hand des Bürgers Aktivgeld geschaffen. Passivgeld hingegen betrat vor allem mit der Schaffung von Wechselstuben und Banken, insbesondere auch Notenbanken die Bühne. Dabei wird in der letzten historischen Phase von den Notenbanken Geld an die zugelassenen Geschäftsbanken als Kredit herausgegeben. Damit haben wir auch bereits 2 der 4 Positionen im Aktiv-Passiv-Geldsystem herausgestellt. Mayer zeigt in seiner Tabelle neben dem Aktivgeld und dem Notenbankgeld aber auch noch das Warengeld und das Giralgeld auf.30
Warengeld ist dabei eindeutig privater Natur und bei genauerem Hinsehen wird man auch erkennen, dass ebenfalls Giralgeld privater Natur ist. Reines Aktivgeld und Zentralbankgeld sind hingegen staatlicher Natur. Fassen wir nun die historische Entwicklung in den Geldmarktsystemen als evolutive Entwicklung auf, so kann man eine Abfolge festhalten, die bei dem Warengeld in einfachen Tauschgesellschaften beginnt und in der 2. Etappe über Aktivgeld der Herrschenden als Zahlungsmittel dann in der folgenden 3. Etappe als Notenbankgeld das Licht der Welt erblickt, um in der 4. Etappe zum Schluss als Giralgeld, ein privat geschaffenes Geld, den Markt zu beherrschen. Auch wenn der Handel mit Geld einmal ein solcher mit Warengeld war, so ist dies nicht ein Beweis dafür, dass der Tauschhandel der Beginn des Handels und des Geldes an sich ist. Geld kann auch als Ersatz für Waren eine Opfergabe sein und zur Ablösung einer Schuld eingesetzt werden und wurde auch unter anderem genauso eingesetzt.
Wenn Thomas Mayer nun als Neue Geldordnung eine Aktivgeldordnung fordert, so ist dies aus der Sicht der Evolution ein Rückschritt, wenn auch die Analysen von Mayer selbst sehr brillant sind und im Einzelnen neue Erkenntnisse zu Tage fördern, die seine Bevorzugung der Aktivgeldordnung durchaus verständlich machen. Der aktuelle Stand mit einem Mischsystem aus vor allem staatlichen und privaten Passivordnungen ist sicherlich nicht die beste aller vorstellbaren Ordnungen, der Rückschritt zur Aktivgeldordnung aber auch nicht, vielmehr sollten wir der Evolution bis hin zum letzten Schritt folgen und die Hilfestellungen geben, die es braucht, um die letzte Stufe einer reinen privaten Passivgeldordnung zu erreichen. Zur Vermeidung von Missverständnissen sei darauf hingewiesen, dass auch dann, wenn am Ende einer evolutionären Entwicklung das private Passivgeldsystem steht, andere Systeme sich daneben noch halten werden. Private Kredite hat es sicherlich auch schon zu Zeiten der Babylonier gegeben, jedoch gab es noch kein Bankensystem im heutigen Sinne. Selbst die Wechselstuben, die bis in die Zeit des römischen Imperiums teils nur als Tisch im Tempelbezirk existierten, waren noch keine Banken im heutigen Sinn, wenn auch als Vorläufer einzustufen. Die Gründung der Bank of England im 17. Jahrhundert stellt da einen Quantensprung hinsichtlich der Auffassung über Geld dar, an der John Locke nach Martin31 einen durchaus beachtlichen Anteil hatte. Der zu erhoffende nächste Schritt im 21. und im 22. Jahrhundert könnte eine Art Paradigmenwechsel sein, hin zu einer Entnationalisierung der bisherigen Geldschöpfung durch die neue Geldschöpfung Freier Banken und privater Geldinstitute als private international agierende Finanzinstitute mit vertraglicher Absicherung der Kundengelder!32
II. Klassifizierung nach Mayer
„Aktivgeld ist mit dem Vertrauen der Nutzer ausgestattet, dass es von anderen Nutzern als Tauschmittel akzeptiert wird. Passivgeld ist dagegen ein Finanzinstrument, das den Charakter eines Schuld- oder Eigenkapitalmittels annehmen kann.“
(Thomas Mayer: Die neue Ordnung des Geldes, S. 25–26, 2014)33
Thomas Mayer unterscheidet wie bereits angesprochen zwischen der Aktivgeldordnung und der Passivgeldordnung. Dabei zählen zur Aktivgeldordnung das Warengeld und das Aktivgeld. Im Gegensatz dazu führt Mayer unter der Passivgeldordnung das Giralgeld und das staatliche Zentralbankgeld an.
Nehmen wir die von Mayer erstellte Tabelle34 und betrachten das Ganze hinsichtlich der darin aufgeführten vier Felder: Der Aktivgeldordnung in der ersten Spalte ordnet er zwei Felder zu: 1. das Warengeld und 2. das Aktivgeld. In der 2. Spalte ordnet er 2 weitere Felder unter der Passivgeldordnung ein: 3. das Giralgeld und 4. das staatliche Zentralbankgeld. Damit stehen Position 1. und 3. in einer Reihe, also Warengeld und Giralgeld. Aktivgeld und Zentralbankgeld befinden sich in der darunter angeordneten Zeile. Warengeld und Giralgeld betonen den privaten Ursprung bei der Geldschöpfung, Aktivgeld (2) und Zentralbankgeld (4) die staatliche Hand bei der Geldschöpfung. Dabei kann man wie schon angesprochen mit der folgenden Reihenfolge die phylogenetischen Stadien in der Entwicklung hin zu einer modernen Geldwirtschaft beschreiben:
A: Waren wurden schon getauscht, bevor es das Geld gab, mit dem der Tausch dann allerdings einfacher wurde. Vor der Einführung des Geldes wurde unter anderem Gold als Tauschäquivalent eingesetzt, Gold als abwägbares Edelmetall, und dann davon abgeleitet Geld eingeführt als Zwischenschritt im Tauschhandel bzw. Ersatz für die Ware zur Tilgung von Schuld und Sühne.
B: Danach kommen wir zum Aktivgeld, indem ein Herrscher aus dem Tauschmittel Gold, das noch als Ware gehandelt wurde, vermittels einer Prägung abzählbare Münzen formte und damit das Aktivgeld geschaffen war.
C: Viel später erst wurden die Notenbanken gegründet, die den Übergang vom Aktivgeld zum staatlichen Zentralbankgeld als Kreditgeld in die Wege leiteten.35 Die Bank von England sah sich im Laufe des 17. Jahrhunderts genötigt Papiergeld einzuführen, um das Einschmelzen von Münzen zu unterbinden, weil vielfach der Metallwert höher war als der Münzwert.36
D: Erst im vergangenen Jahrhundert entwickelte sich die Loslösung des Kreditgeldes von den staatlichen Institutionen, ohne sich bis heute je voll davon gelöst zu haben, es entstand das Giralgeld.
E: Deshalb sollte der letzte Schritt die totale Loslösung der privaten Kreditgeldschöpfung von staatlichen Vorgaben innerhalb eines gesetzlich geregelten Geldsystems möglichst umgehend umgesetzt werden, womit die vier Felder dann nachhaltig aufgelöst werden, indem sie in eine Wachstumsspirale eintauchen. Die optische Klärung soll hier durch eine tabellarische Listung der Entwicklungsreihe als Graphikersatz dargestellt werden. Die Felder folgen in einer Spirale aufeinander, mit dem Feld 1 in der Urzeit beginnend und mit dem Feld 4 in der Jetztzeit endend.
Feld 1: Die Ware zur Begleichung von Schulden!
Feld 2: Die Münze zur Begleichung der Schuld!
Feld 3: Papiergeld zur Auflösung von Schuldverhältnissen!
Feld 4: Die Kreditkarte (das Handy) zum Ausgleich von Schulden!
Im heutigen System existieren die 4 Felder noch nebeneinander, die Ware als Tauschobjekt und Objekt zur Begleichung von Schulden, die Münze als Teil eines überkommenen Aktivgeldsystems und das Papiergel als Teil eines Aktivgeldsystems und als konvertibler Kreditschein im Passivgeldsystem, sowie Kreditkarte und Handy im Übergang zum rein kreditorientierten Passivgeldsystem!
Verfolgt man den historischen Ablauf in der vorab dargelegten Weise, so sollte zum Schluss der historischen Entwicklung das gesetzlich abgesicherte Passivgeldsystem in privater Verwaltung stehen. Dabei ist nun nicht davon auszugehen, dass die anderen Geldsysteme verschwinden, es handelt sich lediglich um einen evolutionären Endstand, der nicht ohne die Vorläufer existiert, diese auch nicht gänzlich aus dem Weg räumen muss. Allein schon die Tatsache, dass ein Warengeld nach wie vor immer noch existiert, und zwar ausgehend von der „Primitivkultur“ bis hin zu den ausgefeiltesten Formen der modernen Zivilisation beim privaten Tausch unter Freunden. Auch ist die Entstehung des Passivgeldes nicht mit der Entstehung von Schuldverhältnissen gleichzusetzen. Die Schuld im bürgerlich-rechtlichen Sinn und vorab auch schon im sakralen Sinn gibt es wahrscheinlich bereits, seitdem der Homo sapiens die Weltbühne betreten hat. Das Passivgeldsystem entsteht erst mit den Banken und dem Notenbankkredit, der die Geschäftsbanken im Geschirr der geregelten Geldschöpfung am Zügel hält. Die zunächst mit den Geldreserven straff gehaltenen Zügel wurden mit der Rücknahme einer Golddeckung stark gelockert. Für die völlige Freigabe der Geldschöpfung durch die Geschäftsbanken fehlt es noch an Regeln, die eine grenzenlose Schaffung von neuem Geld verhindern können. Erst entsprechende Regeln können die notwendige Begrenzung der Kreditaufnahme garantieren. Wenn bei wegfallenden Zinsen auch noch die Anforderungen an die Absicherung nicht hinreichend sind, wird es schwierig, eine Begrenzung der Kreditaufnahme durchzuführen.
1. Aktiv- und Passivordnung
Nehmen wir den Tauschhandel mit Gold, so ist dies ein Aktiv-Aktiv-Tausch, wird doch eine Ware auf der Aktivseite gegen eine andere Ware aus den Aktiva eingetauscht. Dies gilt auch noch, nachdem die Münzprägung aus der abwägbaren Ware „Gold“ eine abzählbare Ware „Geld“ gemacht hat. Selbst in der rein goldgedeckten Papierwährung konnte man noch von einer Warenwährung sprechen, soweit man jederzeit diese Banknoten gegen Gold eintauschen konnte. Wie die Währungen in den Zeiten der Teildeckung einzuordnen sind, das wird dann schon etwas komplexer und damit schwieriger in der rechten Einordnung.
In jedem Fall geht man bei der Aktivgeldordnung von vorhandenen Werten aus und nicht davon, diese Werte erst zu schaffen. Neben vorhandenen Sachwerten kann aber auch ein nicht sachbezogenes, sondern rein auf Konventionen aufbauendes und durch Zusagen abgesichertes Geld im Aktivum verbucht werden. Wird Geld von einer staatlichen Institution zur Verfügung gestellt, ohne dies mit einem Kreditvertrag abzusichern, so kann dies funktionieren, wenn jedem Bürger die gleiche Geldmenge zugesprochen wird oder aber Leistungen für den Staat mit Geld entlohnt werden, das zu diesem Zweck ohne Kreditvertrag geschaffen wird. Aber Achtung, auch wenn jeder bei einer Geldreform die gleiche Geldmenge erhält, so sind die Startbedingungen dennoch bei weitem nicht für alle die gleichen, eher schon bei gleicher Bezahlung für vergleichbare Leistung. Vorhandene Sachwerte und generell nichtpekuniäres Kapital kann leicht in Finanzkapital umgewandelt werden, so dass die Gleichgewichte sich bei einer Währungsreform bereits innerhalb weniger Tage erheblich verschieben können und schnell auch die neuen Millionäre in den neuen Währungen auszumachen sind. Aktivgeld ist auch das Gold oder generell Edelmetall, wenn es als Zahlungsmittel und zur Aufbewahrung von Ansprüchen aus jeder Art von Rechtsgeschäften eingesetzt wird.
Alles über Kredite geschaffene Geld ist hingegen Passivgeld und begründet die Passivgeldordnung, doch betrachten wir zunächst die Aktivgeldordnung näher.
1.1 Die Aktivgeldordnung
Bewegen wir uns in der Historie zurück zu den Anfängen der Geldordnungen, zu den ersten Geldschöpfungen, so tauchen wir ein in einen Kosmos der Tauschgeschäfte und Warenwährungen. Der einfache Tauschhandel bewegte sich zunächst sicherlich voll in der privaten Verantwortung von Privatpersonen, dies auch noch, nachdem es sich einbürgerte, die Waren nicht mehr direkt einzutauschen, sondern wertvolle Edelmetalle als Zwischenstufe beim Tausch einzusetzen. Die Ware Gold wurde schließlich zur besseren Handhabung in leicht abzuzählende Goldstücke mit Prägung umgewandelt. Geld aber ist an sich dennoch keine Ware, sondern eine gesellschaftliche Konvention, und somit eine soziale Errungenschaft.37
Die gesellschaftliche Konvention kann von einem Herrscher für seinen Einflussbereich durchgesetzt werden, kann aber auch in einem kleineren Rahmen durch aktive Gruppierungen durchgesetzt werden wie bei dem Freigeld in dem Modellexperiment „Wörgl“.38 Eine kurze, aber das Wesentliche herausarbeitende Beschreibung findet sich bei Kennedy, die auch andere vergleichbare Experimente und Ansätze beschreibt.
Dabei sind die unterschiedlichen Ansätze einer neuen Geldordnung bei Kennedy alle einer Aktivgeldordnung zuzuschreiben, worin auch die historische Tragödie versteckt ist. Kennedy hielt wahrscheinlich die kreditbasierte Passivgeldordnung auch nur deshalb für nicht vertretbar, weil für sie damit unumstößlich der Zins und Zinseszins verbunden war. Sollte es jedoch möglich sein, die Zinsgeschäfte aus der Passivgeldordnung herauszuhalten, so könnte ich mir auch bei Kennedy39 eine Meinungsänderung durchaus vorstellen, so dass sie eine auf dem zinslosen Kredit aufbauende Passivgeldordnung willkommen heißen könnte. Die von Kennedy angeführten Ersten Experimente40 passen allerdings eindeutig in die Aktivgeldordnung. Dennoch soll hier in diesen Ansätzen auch die mögliche Wende zu einer Passivgeldordnung nicht ausgeschlossen werden.
1.2 Die Passivgeldordnung
Beim Aktivgeld geht es immer um Institutionen, die gemäß ihrer Machtposition in der Lage sind, eine Art Freigeld in der Sprache von Gesell, oder in der Diktion des 21. Jahrhunderts ein Helikoptergeld, in Umlauf zu bringen oder einen bürokratischen Apparat mit dem notwendigen Geld zu versorgen. Nur aufgrund der besonderen Machtposition der Geldgeber kann sich dieses Geld der Akzeptanz der Bürger in ihrer Region gewiss sein. Das Passivgeld hingegen gewinnt seine Akzeptanz in erster Linie durch den zugrundeliegenden Kreditvertrag und wird heutzutage durch die Geschäftsbanken geschaffen, indem Privatkredite ohne oder mit den unterschiedlichsten Absicherungen vertraglich festgelegt ein Geld schaffen, das durch die Laufzeit der Kredite ein zeitlich beschränktes Leben mit auf den Weg bekommt. Durch die partielle Rückbindung an die Notenbanken und die fraktionelle Reservehaltung beim Abschluss von privaten Krediten wird allerdings dieses private Kreditgeschäft in dem rein privaten Charakter gestört und verwässert.41 Zum einen wird über die Absicherung durch die Zentralbank die Privatheit verwässert, zum anderen führt die Abspaltung von 1 % der Kreditsumme dazu, dass das so erzeugte Geld mit jeder Kreditrunde an Wert verliert. Dieser Verlust ist dem Verlust durch Inflation noch hinzuzurechnen, so dass mit einem Verlust von mindestens 2,5 % pro Jahr zu rechnen ist, legt man eine Inflation von bis zu 2 % zugrunde. Will man ein stabiles Geldsystem, sollten diese Verluste ausgeschlossen werden. Wie aber kann man diese Verluste minimieren bzw. ausschließen? Die fraktionale Reservehaltung42 kann man per Gesetz verbieten, wie das im Römischen Recht der Fall war. Eine Inflation kann man hingegen weder per Gesetz noch durch die Aktivitäten der Notenbank grundsätzlich verhindern. Wohl aber kann man bezogen auf die tatsächlich aufgewendeten Arbeitszeiten an Preisbildungsgrenzen denken oder aber gleich die aufgewendete Arbeitszeit zum Äquivalent für den Geldwert heranziehen.
Ein Problem beim Passivgeld wird von Mayer richtig aufgearbeitet. Passivgeld bedarf stets Sicherheiten oder Sicherheitsgeber, wobei oft der Staat als letzter Sicherheitsgeber ins Spiel gebracht wird. Dadurch wird die Auffassung in den Raum gestellt und bestärkt, dass eine Passivgeldordnung nur funktionieren kann, wenn sie auf staatliche Absicherungen baut. Diese staatliche Absicherung aber lehnt Thomas Mayer zu Recht ab. Ersetzen wir nun die staatliche Absicherung durch eine äquivalente private Absicherung, so erscheint die Passivgeldordnung in einem neuen anderen Licht. So auch nur ist die totale Abkopplung vom staatlichen System möglich. Eine private Institution kann zwar Geld auf den Markt bringen, als Aktivgeld aber immer nur in einem beschränkten Gültigkeitsbereich oder in der Abhängigkeit von anderen Währungen, insofern handelt es sich dabei um nicht frei konvertierbare Währungen oder um sogenannte Kryptowährungen.43 Wird das Aktivgeld hingegen von staatlichen Institutionen herausgegeben, so führt dies zu einer klaren Abhängigkeit von diesen Institutionen, schließlich können auch Geschenke unerwünschte Abhängigkeiten erzeugen.