Kitabı oku: «Mondschein», sayfa 5
„Sehr gut, Eleonora, nur musst du mich wenn wir nur zu dritt sind nicht beim Titel nennen. Dann kannst du mich ohne Probleme Geron nennen. Macht euch jetzt fertig, Priovan, du bleibst als Knappe gekleidet. Uns wird jetzt erstmal der Herzog empfangen, also hauptsächlich wird er mich empfangen. Erst danach wird es eine königliche Audienz geben, in der du dann als König auftrittst. Eleonora, solange Priovan als Knappe wahrgenommen wird, wirst du dich neben ihm halten, wenn er dann König ist, wirst du dich hinter mir halten. Priovan, du nimmst dein Schwert mit, das solltest du als Knappe tragen. Jetzt müssen wir los.“ Geron wartete noch kurz, bis sich Finn sein Schwert umgeschnallt hatte und dann gingen die drei nach unten.
Der Kleinere der beiden Audienzsäle war prachtvoll geschmückt. An den Wänden hingen die verschiedenen Wappen, die es im Herzogtum Fendron gab. Über dem großen Thron, der am Kopf einer langen Tafel stand, war das Wappen des Herzogs zu sehen, daneben prangten die Wappen von Dämmertan und Valorien. Neben dem Herzog saßen seine beiden Söhne, Berlan und Ludwig, neben letzterem saß eine junge Dame, die wohl kurz vor der Erreichung des zwanzigsten Lebensjahres stand. Sie trug ein hellblaues Kleid, das ausgezeichnet mit ihren glatten hellblonden Haaren und grünen Augen harmonierte. Ansonsten war sie zierlich, aber durchaus als sehr schön zu bezeichnen. Herzog Richard selbst war mittlerweile ein alter Mann. Schon bei der Schlacht am Eisentor war er in die Jahre gekommen, seitdem waren fast zehn Jahre vergangen. Seine Haare waren komplett grau, ebenso wie sein Kinnbart. Falten zeichneten sein Gesicht, trotzdem waren seine blauen Augen klar und durchstechend, wie die eines jungen Mannes. Als der Herr von Dämmertan von einem Diener geführt den Saal betrat, stand Richard auf. Er nahm einen Stock, der an seinen Thron angelehnt war. Die anderen Personen erhoben sich ebenso. Berlan stütze seinen Vater am rechten Arm, in der linken Hand hielt er seinen Stock, und der Herzog ging mit einem herzlichen Lächeln auf Geron zu. Jetzt erkannte man das Schwert an der Seite des Herzogs. Es erinnerte an Gerons Schwert, und dennoch sah es völlig anders aus. Die Scheide war aus Gold oder zumindest vergoldet und hatte tiefblaue Saphire eingearbeitet, auch im Knauf war wie bei Gerons Schwert ein solcher Stein. Richard reichte Geron die Hand zum Gruß.
„Ich grüße dich, alter Freund, und ich bin wirklich froh dich mal wieder bei mir zu Hause willkommen heißen zu können. Mein Sohn Berlan berichtete mir bereits, dass deine Reise gut war. Ich hoffe auch sonst, dass dir hier in Tjemin alle Annehmlichkeiten zu Gute kommen, die du dir wünschst.“
„Vielen Dank, Euer Gnaden. Auch ich bin froh wieder in Fendron zu sein. Darf ich Euch meinen Knappen vorstellen, Priovan, und eine weitere Gefolgsfrau, ihr Name ist Eleonora.“
Richard nickte den beiden Kindern begrüßend zu. „Es freut mich, eure Bekanntschaft zu machen. Meine Söhne Berlan und Ludwig sind dir ja bekannt. Forgat habt Ihr ja bereits in Tandor getroffen. Ich darf dir noch mein Mündel vorstellen, ihr Name ist Isabel von Andtweil, sie ist die Tochter unseres alten Freundes Victor.“
Die junge Dame knickste vor dem Ritter, der auf sie zuging.
„Es freut mich, Eure Bekanntschaft zu machen.“, begrüßte Geron Isabel und nahm die ihm gereichte Hand zum Kuss.
„Setz dich doch bitte, wenn es dir nichts ausmacht, sollen sich auch dein Knappe und das Mädchen dort neben hinsetzten, dann lass ich uns eine kleine Stärkung auftragen.“, forderte Richard seine Gäste auf und zeigte Geron seinen Platz an der anderen Kopfseite der Tafel. Geron zeigte auf einen kleineren Tisch, der an der Wand stand und Priovan und Lora setzten sich an den für sie bestimmten Tisch.
Nachdem Diener einige Teller mit Früchten und anderen kleinen Speisen aufgetischt hatten, begannen die Gespräche zwischen Geron und dem Herzog. Lora versuchte noch möglichst lang zu folgen, verlor aber sehr schnell den Faden. Alleine die Unkenntnis über die genannten geographischen Orte und Personen ließen ihr es wirklich schwer fallen, das zu verstehen, was da besprochen wurde. Sie schaute zu Finn. Dieser folgte dem Gespräch aufmerksam und schien mehr zu verstehen, offensichtlich sogar alles. Das war aber auch gut so, immerhin war er ja König und sollte Valorien mal regieren. Die beiden Adeligen redeten über die Reise, die Geron mit dem König unternahm, über die Vorkommnisse in Tandor und in Rethas, den beiden Herzogtümern, in denen sie vorher gewesen waren, und den immer noch anhaltenden Frieden mit Kargat. Sie redeten über alte Zeiten und auch über Aussichten für die Zukunft. Nach etwa einer halben Stunde schien sich das Gespräch dem Ende zu neigen, als Geron noch etwas einfiel.
„Ach, mir ist aus verlässlichen Quellen zu Ohren gekommen, dass eine Kutsche, die in den nächsten Tagen aufbrechen soll, auf der Reise von Tjemin nach Andtweil überfallen werden soll. Kennt Ihr einen solchen Transport, bei dem sich ein solcher Übergriff lohnen könnte?“
Geron erkannte, wie die Farbe aus dem Gesicht der Dame Isabel wich. Auch Richard wirkte offensichtlich besorgt. „Ja, Geron, in der Tat weiß ich von einer Kutsche, bei der sich ein Überfall lohnen könnte, und umso glücklicher bin ich, dass du mich warnst. Mein Mündel, Isabel, wollte in den nächsten Tagen zu ihrer Mutter nach Andtweil reisen, um diese zu besuchen. Ludwig wollte sie begleiten, da er oft dort an der Universität arbeitet. Ich hatte eigentlich nur vor, eine kleine Eskorte mitzuschicken, da man ja eigentlich davon ausgehen kann, in Fendron sicher zu sein. Aber deine Warnung belehrt mich eines Besseren. Ich werde genug Männer zu beider Schutz mitschicken. Vielen Dank für den Hinweis.“
„Das ist selbstverständlich“, antwortete Geron. „Wenn ich darf, würde ich gerne ebenfalls mitreisen. Meine neue Gefolgsfrau ist keine gute Reiterin und die ersten Tage der Reise in einer Kutsche mitzureisen würde ihr sehr gut tun. Außerdem liegt mir natürlich auch viel an dem Schutz der Tochter von Victor und Eures Sohnes. Ganz davon abgesehen ist unser nächstes Ziel sowieso Andtweil, von dort reisen wir dann nach Lyth Valor weiter.“
Richard lächelte zufrieden. „Es würde mich sehr freuen, die beiden unter deinem Schutz zu wissen.“
Der alte Herzog seufzte angestrengt. Anscheinend waren die langen Gespräche für ihn kräftezerrender, als für seine jungen Gesprächspartner. „Gut, ich denke, das war es. Wenn ihr erlaubt, ziehe ich mich jetzt kurz zurück. Wir sehen uns dann in einer Stunde in der großen Halle, ein Diener wird euch dorthin führen. Ich denke das wäre es. Geron, es war mir wie immer eine Freude.“
Richard erhob sich und nach ihm alle anderen, die am Tisch saßen. Priovan ging zu Geron, um sich hinter ihn zu stellen. Wie angewiesen folgte ihm Lora und stellte sich an dessen Seite. Nachdem der Herzog den Raum verlassen hatte, drehte sich auch Geron um und ging wieder hoch in Richtung ihrer Gemächer.
Kapitel 4
Ikran Khan sah die feindlichen Linien näher kommen. Er sah die Angst in den Augen der Verteidiger, die mit Speeren nach vorne gerichtet der Front aus urbischen Reitern entgegen sahen. Er sah die Angst nicht nur in ihren Augen, er spürte sie auch. Er spürte sie, wie sie ihm entgegen schlug. Es war diese Angst, die er stets hervorrufen wollte. Er labte sich an der Angst seines Feindes, bevor er ihn zerschmetterte. Er zog seinen Bogen aus, um mit allen anderen Reitern einen Pfeilhagel auf den Feind niederzulassen. Gleich waren sie nah genug dran für den Angriff. Dann würden sie sich wieder zurückziehen und dann wieder angreifen. Die Valoren würden langsam zermürbt werden, um dann am Ende endgültig von der Kavallerie besiegt zu werden. Er schaute über den angelegten Pfeil auf seine Feinde. Dann sah er etwas, das ihn sowohl überraschte als auch erschreckte. Hinter den Reihen der Feinde erhoben sich auf einmal Bogenschützen, Langbogenschützen. Und sehr viele davon. Ikran Khan wusste noch gar nicht, wie ihm geschah, als auf einmal dreihundert Pfeile auf die Urben zu flogen.
Die Pfeile aus Rethas waren gut gezielt. Die meisten fanden ihr Ziel. Pfeile durchschlugen die leichten Rüstungen der Steppenkrieger, sie brachten Pferde zu Fall und warfen Reiter aus dem Sattel. Kaum war die erste Salve abgefeuert, flogen schon die nächsten Pfeile von den Langbögen auf die Urben zu. Ikran Khan schaute sich nach links und rechts um. Zwei seiner Söhne waren getroffen worden, nur zögerlich flogen auch Pfeile auf die Valoren zu, die aber aufgrund der Schilde keinen größeren Schaden anrichteten. Auf der Seite der Urben war der Angriff dafür umso verheerender. Pferde und Reiter wurden getötet und blockierten den Weg für die hinteren Krieger. Alles ging drunter und drüber. Der Überraschungsangriff der Bogenschützen aus Rethas war wirklich gelungen, ebenso wie es Celan geplant hatte.
Ikran Khan warf den Bogen davon und zog seinen Säbel. Er reckte die Klinge in die Luft und ritt wieder zurück Richtung Osten. Von dem ersten Schock des Gegenangriffs erholt ordneten sich die Reiter wieder hinter ihrem Anführer. Nun war es Zeit für den Gegenangriff. Ikran Khan wendete sein Pferd. Er schaute auf den Feind und deutete, als er einen seiner Söhne anschaute, auf die rechte Flanke des Feindes, der den Befehl wortlos mit einem Nicken bestätigte und mit seinen Reitern einen Angriff auf die rechte Flanke vorbereitete. Dann begann ein erneuter Hauptangriff. Die Urben hatten aus ihrem ersten Fehler gelernt. Ihre Reihen waren jetzt weiter aufgefächert und so nicht so leicht zu treffen. Obwohl ihnen wieder die rethanischen Pfeile entgegenschlugen, konnten die Urben ihren Angriff diesmal besser durchführen. Statt direkt zurückgeworfen zu werden gelang es den Steppenkriegern einige Lücken in die Infanterie des Feindes zu schießen. Und gleichzeitig begann der Flankenangriff und stiftete so weitere Unordnung. Ikran Khan war erst von dem Gegenangriff verwirrt gewesen, aber jetzt war er wieder zuversichtlich. Da hörte er den Klang von Trompeten.
Arthur achtete nicht darauf, ob sein erster Pfeil traf oder nicht. Er zog direkt seinen zweiten Pfeil aus den Boden und schickte ihm den Feind entgegen, ebenso schnell ließ er die nächsten drei Pfeile folgen. Dann schaute er nach vorne. Der Angriff war wirklich gelungen. Nicht nur war der erste Angriff der Urben gestoppt worden, sondern sie drängten die Reiter auch noch zurück. Arthur sah zufrieden wie sie zurückwichen, erkannte aber, dass sie sich nur neu ordneten. Dann kam der erneute Angriff und dieser würde nicht so leicht zurückzuwerfen sein. Arthur erkannte, wie sich ein Teil der Angreifer löste und die Flanke attackierte. Das Zentrum stand wie eine Mauer, dessen war sich Arthur sicher, aber wie gut es um die rechte Flanke bestellt war, konnte er nicht so gut einschätzen. Zumindest würde ihnen etwas Feuerhilfe gut tun. Er lief hinter den Reihen entlang. Während die regulären rethanischen Bogenschützen ihren Beschuss fortsetzten, folgten die schwarzen Pfeile ihm zu der rechten Flanke. Die fünfzig Bogenschützen formierten sich um Arthur und ein weiterer gezielter Angriff ging auf die Urben los, die die rechte Flanke bedrohten.
Doch der Angriff wurde nicht gestoppt. Nur einzelne Reiter wurden von den Pfeilen aus dem Sattel gehoben. Trotzdem traf fast die gesamte Wucht der urbischen Kavallerie die rechte Flanke der tandorischen Truppen. Die leichten Soldaten, die zum größten Teil das erste Mal in einer Schlacht standen, hatten den erfahrenen Steppenkriegern nichts entgegen zu setzten. Reihenweise wurden die Soldaten von den Reitern abgeschlachtet. Doch langsam kam der Sturm zum Stehen und es entwickelten sich mehr und mehr Zweikämpfe. Arthur ließ den Beschuss durch die schwarzen Pfeile fortsetzten, aber langsam schwand seine Hoffnung, da er auch sah, wie der Hauptangriff nach und nach das Zentrum schwächte. Wann kam endlich der Angriff des Herzogs? Oder ließ er sie hier alleine mit den Urben? Kurz zweifelte Arthur, als er endlich die Trompeten hörte, die den Angriff der tandorischen Reiterei einleiteten. Und Arthur sah die herannahenden Pferde im Osten des Tals.
Celan ritt neben Forgat zu seinen Reitern herunter. Der Herzog hatte mit Freuden den Beginn der Schlacht beobachtet und gesehen, wie der erste Angriff der Urben durch die rethanischen Langbogenschützen zurück geschlagen worden war. Nun begab er sich an die Spitze seiner Reiterei, die er selber anführen würde. Neben Ulf und Forgat umgab ihn noch seine persönliche Leibwache, eine Auswahl der besten Reiter seines Herzogtums. Sein Banner wehte neben Celan im Wind. Er schaute zu ihm hoch und sah, wie der Wolf sich langsam im Wind bewegte. Dieser Wolf würde nun auf die Urben niederfahren und den letzten von ihnen zerschmettern. Dann ritt der Herzog von Tandor los und sein Heer aus fünfhundert Reitern folgte ihm.
Im noch nicht allzu schnellen Trott erreichte die Kavallerie den Übergang vom Hügel in das Tal. Celan schaute nach unten und erkannte, dass sich die Urben von ihrem ersten Schock erholt hatten. Statt weiter zurückzuweichen waren sie selbst zu einem Angriff übergegangen. Celan erkannte besonders die rechte Flanke in Gefahr.
„Ulf, du wirst unsere rechte Flanke entlasten, Forgat bleibt an meiner Seite.“, befahl er seinen Untergebenen, während sich die Reiter um sie herum formierten.
„Auf Männer!“, rief der Herzog von Tandor, während er sein Schwert in die Luft reckte. „Für Tandor und Valorien, lasst uns diesen Wilden zeigen, dass niemand ungestraft unser Land beschmutzt.“ Und dann ließ er die Trompeter das Signal zum Angriff schmettern, das durch die gesamte Schlucht hallte und selbst den Lärm der angreifenden Horden der Urben übertönte.
Das Heer setzte sich in Bewegung. Ebenso wie die Urben vor einigen Minuten preschten die Pferde herunter in das Tal, dem Geschehen der Schlacht entgegen. Noch immer schallte der Klang der Trompeten, dazu kamen der Lärm der Pferdehufe und das Brüllen der Reiter. Celan lachte grimmig. Er fühlte sich gut, hier in erster Reihe vor seinen Männern. Sein Plan war bis dahin genauso verlaufen, wie er es sich gedacht hatte, und er war sich sicher, dass dieser Angriff den Schlussstrich setzten würde. Er war sich seines Sieges sicher, und der Triumph, der mit ihm kam. Jeder andere Herzog hätte den König um Hilfe gebeten, hätte gefordert, dass Valorien gemeinsam gegen die Aggressoren antreten sollte. Doch Celan hatte es geschafft, fast nur mit der Kraft Tandors die Urben zu besiegen. Tandor war stark. Stärker als Rethas und Fendron, stärker gar als die Krone, und das bewies der Herzog an diesem Tag. Dann erreichte der Angriff die hintersten Reiter der Urben.
Der Anführer der Urben fühlte sich deutlich in Bedrängnis. Das Selbstbewusstsein, das er am Anfang der Schlacht gehabt hatte und das durch den Angriff auf die rechte Flanke des Feindes noch bestärkt worden war, wich endgültig, als er die Macht der tandorischen Kavallerie in das Tal stürmen sah. Es waren viele, und sie waren gut ausgerüstet. Herzog Celan führte eine Streitmacht an, die Ikran Khan weit unterschätzt hatte, und das machte ihm jetzt Angst. Er musste überlegen, was jetzt zu tun war. Viele seiner Reiter beschossen noch die feindliche Infanterie mit ihren Pfeilen, nur an einzelnen Stellen waren die Linien gestürmt worden und mehrere Nahkämpfe kristallisierten sich heraus. Ikran Khan hatte einen dieser Stürme selbst angeführt, was ihn auch kurz aus seinen Gedanken riss, als er einen herannahenden Speer abwehren musste. Er ließ das Holz des Schaftes an seiner Klinge abprallen und packte dann den Speer mit seiner anderen Hand. Mit einem kräftigen Ruck riss er an der Waffe und tötete dessen Träger mit einem kräftigen Hieb seines Säbels. Dann nahm er den Speer und versenkte ihn in den Rücken eines Tandorers, der gerade mit einem anderen Urben kämpfte.
Erneut schaute sich Ikran Khan um. Hier im Kampf gegen die Infanterie stand es gar nicht schlecht, besser als er es sich eigentlich erhofft hatte. Er zog sich einige Schritt aus dem Kampfgeschehen zurück und musste erkennen, dass seine Nachhut vom Feind zerlegt wurde, auch wenn der Ansturm des Feindes durch die eigenen Reiter gestoppt worden war. Dennoch befanden sich die Streitkräfte von Ikran Khan in einer Zange aus feindlicher Infanterie und Kavallerie, der sie nicht lange standhalten würden. Letztere war gerade auch sehr erfolgreich dabei, ihren Angriff auf die rechte Flanke zum Erliegen zu bringen. Es war klar, dass sie sich jetzt befreien mussten, sonst wäre diese Schlacht verloren. Jetzt musste ein energischer Angriff folgen, um eine der beiden tandorischen Reihen zu durchbrechen.
Ikran Khan schaute zur feindlichen Kavallerie. Die meisten der Soldaten sahen erfahren aus, dazu waren sie noch gut ausgerüstet, dennoch zahlenmäßig leicht unterlegen. Die zahlenmäßig überlegene Infanterie des Feindes konnte nur im Zentrum wirklich starke Soldaten aufweisen, ansonsten waren es eher bewaffnete Bauern. Auch die Bogenschützen aus Rethas waren einfache Opfer, wenn die Urben die Reihen erstmal durchbrochen hatten. Ikran Khan hatte sich entschieden.
„Zum Angriff, durchbrecht die feindliche Infanterie. Zerschmettert sie!“, brüllte er in der rauen Sprache der Urben und griff dann mit einem lauten Kriegsschrei selbst an, gefolgt von einem großen Teil der urbischen Reiter.
Arthur sah wie der Angriff auf ihre rechte Flanke langsam zurückgedrängt wurde und sich dann ganz verflüchtigte, als die feindlichen Reiter zusätzlich durch die angreifende tandorische Kavallerie abgelenkt wurden. Herzog Celan war wirklich in letzter Minute gekommen. Noch einige Momente später und ihre Reihen wären verloren gewesen. Ein Zusammenbruch der gesamten rechten Flanke wäre nicht zu verkraften gewesen. Jetzt wurde die Flanke aber nach und nach von der herannahenden tandorischen Kavallerie wieder aufgestockt, sodass sich Arthur mit seinen schwarzen Pfeilen wieder auf das Zentrum konzentrieren konnte. In strammem Laufschritt bewegte er sich wieder zu der Mitte der Schlacht, um die tandorische Infanterie dort mit ihren Bögen zu unterstützten. Die Schlacht schien sich endgültig zu ihren Gunsten zu drehen, als Arthur erkannte, wie die feindliche Nachhut von Herzog Celan aufgerieben wurde. Nun mussten sie den Feind nur noch in einer Zangenbewegung endgültig vernichten. Arthur wollte gerade den tandorischen General aufsuchen, um ihm zu befehlen mit der gesamten Infanterie vorzurücken, als ihm ein besonderer Reiter auffiel.
Der Krieger hatte mehrere, offensichtlich sehr kriegserfahrene Reiter um sich geschart und auch seine Kleidung und Waffen zeigten, dass er kein normaler Urbe zu sein schien. Als er dann etwas brüllte erkannte Arthur den Anführer in ihm. Dies war also der berüchtigte Ikran Khan, der für so lange Zeit den Osten Valoriens unsicher gemacht hatte. Wäre Celan von Tandor nicht so stolz und hochnäsig gewesen, dann hätten sie diese Bedrohung mit der vereinten Kraft Valoriens wohl schon längst abgewehrt. Aber der Herzog war ein ehrgeiziger Mann, der nach ebensolchem Ruhm und Ehre strebte, wie sie sein Vater inne gehabt hatte. Dann sah Arthur den Angriff der Urben kommen. Die gesamte Macht des feindlichen Heeres stieß in das Zentrum der tandorischen Infanterie.
Arthur sah wie die Soldaten Tandors einbrachen. Er ließ das Bogenfeuer auf den feindlichen Vorstoß konzentrieren, aber nichts schien diesen Angriff zum Stoppen zu bringen. Wie ein wildes Tier führte Ikran Khan seine Männer an und hinterließ eine Schneise des Todes. Wenn der Feind das Zentrum durchbrechen würde, dann stand es schlecht um die Infanterie, dessen war sich Arthur sicher. Dann war es egal, ob der Herzog noch so viele Reiter hinter sich hatte, dann würden sie große Verluste erleiden. Wie konnten sie diesen Ansturm stoppen?
Arthur zog einen Pfeil aus seinem Köcher, legte ihn auf seinen Bogen und hakte ihn in der Sehne ein. Dann zog er den Pfeil nach hinten und zielte. Sein Ziel bewegte sich schnell und willkürlich hin und her. Der Mann, den er anvisierte, teilte nach jeder Seite kräftige Hiebe mit seinem Säbel aus und tötete einen Soldaten nach dem anderen. Immer wieder ritten andere Kämpfer in seinen Weg und beeinträchtigten so das freie Schussfeld. Dann hatte Arthur auf einmal freie Schussbahn. Er zielte noch einmal und ließ dann den Pfeil frei. Der Pfeil bohrte sich in den Leib eines Mannes und ließ ihn nach einem kurzen Schmerzensschrei aus dem Sattel fallen. Jedoch war es nicht der Mann gewesen, den Arthur angepeilt hatte. Mit einer schnellen Bewegung hatte sich Ikran Khan noch aus seinem Schussfeld befreit und der Reiter hinter ihm hatte den Tod durch Arthur erfahren. Blitzschnell zog er den nächsten Pfeil, legte ihn auf und spannte seinen Bogen. Arthur schaute hoch und schien Ikran Khan, dem Anführer der urbischen Stämme, direkt in die Augen zu schauen. Er spürte den Blick des großen Mannes auf sich, spürte den Hass und die Verachtung, die der Urbe den Menschen Valoriens entgegenbrachte. Arthur spürte das Verlangen nach Ruhm, den Ehrgeiz und den durchdringenden Blick eines geborenen Anführers. Dann schickte er seinen Pfeil auf den Weg. Seinen letzten Pfeil, den er im Köcher gehabt hatte.
Obwohl es nur wenige Sekunden dauerte, schien der Moment stundenlang zu sein, als Ikran Khan von einem Pfeil durch den Kopf durchbohrt von seinem Pferd zu Boden sank. Im letzten Moment hatte er noch das Gesicht des Mannes gesehen, der ihm den Tod gebracht hatte, und noch immer schien sich der rote Fuchs in seinen Augen zu spiegeln. Als er auf den Boden aufschlug war er bereits tot. Der wilde Sturm der Urben kam jäh zum Erliegen. Niemand führte sie mehr an, niemand befehligte, Panik und Unruhe machte sich breit und nichts blieb übrig von dem Sturm, der gegen das Zentrum des Feindes entfesselt worden war. In dem Moment, in dem sich der Pfeil durch das Auge Ikran Khans gebohrt hatte, war die Schlacht bereits verloren gewesen.
Arthur schaute sich um. Ebenso wie er selbst hatten die Meisten der schwarzen Pfeile keine Pfeile mehr, die sie dem Feind hätten entgegenschicken können. Er warf seinen Bogen weg und zog sein Ritterschwert, das Zeichen seines Ranges und seiner Ehre. Das Schwert war etwas größer als die meisten anderen Ritterschwerter und Arthur konnte es deshalb mit zwei Händen führen. Wie er zogen auch seine Gefolgsleute ihre Schwerter. Arthur erkannte das Chaos, dass sich in den Reihen der Urben ausbreitete. Diesen Moment mussten sie nutzen. Jetzt mussten sie den Feind zurückdrängen und so die Zange zwischen Infanterie und Kavallerie zudrücken. Arthur stürmte nach vorne und mit ihm die fünfzig Männer aus dem weit entfernten Freital. Gemeinsam mit dem rethanischen Ritter rückten auch die tandorischen Soldaten weiter vor und drängten so die Urben Stück für Stück zurück. Reiter wurden aus ihren Sätteln gehoben, am Boden liegende Urben wurden entwaffnet oder getötet und die restlichen Steppenkrieger hatten keine Chance mehr, in eine Formation zu gelangen. Als der Vormarsch der Infanterie immer zwingender wurde, begannen die ersten Urben ihre Waffen niederzulegen. Ohne Anführer und Hoffnung auf den Sieg blieb ihnen nur ihr Leben, und viele Männer entschieden sich dafür, zumindest um dieses zu bitten.
Celan hatte erwartet, dass die Urben ihre ganze Kraft gegen sie lenkten, um den Angriff der tandorischen Kavallerie abzuwehren, aber darin hatte er sich offensichtlich getäuscht. Stattdessen hatten die Urben noch energischer als zuvor die Infanterielinien angegriffen. Das war schlecht. Sehr schlecht. Würden die Linien halten? Was wenn nicht? Der Herzog von Tandor wusste, dass es jetzt auf seine Infanterie und darunter auch auf den Ritter Arthur von Freital ankommen würde. Dann erreichten seine Reiter die feindlichen Linien. Schnell wurden die tandorischen Reiter in Zweikämpfe mit der Nachhut der Urben verwickelt. Celan war noch immer von seinen getreuen Gefolgsleuten und Leibwächtern umgeben und konnte so zusehen, wie sich die Schlacht entwickelte. Er sah wie ein Urbe von der Axt seines Leibwächters getroffen aus dem Sattel gehoben wurde. Er sah, wie sich Forgats Schwert in dem Leib eines schon am Boden laufenden Urben bohrte. Er sah, wie sein Banner noch immer stolz im Wind wehte und die Kavallerie weiter Richtung der tandorischen Infanterie ritt. Aber er sah auch, wie die Mitte offensichtlich immer schwächer wurde. Gerade befürchtete Celan, dass das Zentrum brechen würde, als auf einmal Unruhe zwischen den Urben ausbrach. Was war passiert? Celan trieb sein Pferd weiter an und konnte dann die Szene erkennen, die sich im vorderen Teil der Schlacht abgespielt hatte. Ikran Khan, sein lange verhasster Feind, war von einem Pfeil getroffen worden. Der Herzog von Tandor sah Arthur mit seinem Bogen hinter den Reihen stehen, und das erzeugte Wut in ihm. Dieser Tag hatte sein Sieg werden sollen. Er hatte als der Krieger in die Geschichte eingehen sollen, der den gefürchteten Urben Anführer Ikran Khan getötet hatte. Und dieser verdammte Arthur von Freital hatte ihm diese Ehre genommen.
Die Schlacht war entschieden, dessen war sich Celan sicher und er sah, wie viele der Urben ihre Waffen streckten. Er schaute über das Schlachtfeld. Hier gab es nichts mehr zu tun. Wuterfüllt wendete er sein Pferd und ritt von dem Schlachtfeld weg.
„Nehmt die Urben, die sich ergeben, in Gefangenschaft und bringt sie mit nach Taarl.“, befahl er Forgat, bevor er sich endgültig vom Schlachtfeld zurückzog. Dieser Freital, dieser verdammte Lümmel, der sich Ritter nannte. Hatte er vor diesem Tag eine Abneigung gegen Arthur gehabt, war es nun blanker Hass, den Celan von Tandor verspürte.
