Kitabı oku: «SINODIS», sayfa 4

Yazı tipi:

»Was hast du da?« Er wollte mich weiterhin mit aller Macht nehmen, seine Knie drückten meine Beine auseinander. Ich bekam Panik und schrie ihn an: »Aufhören!« Doch genauso gut hätte ich mit einer Wand reden können. Aus Verzweiflung riss ich ihm dieses grüne Teil aus der Haut. Er sackte augenblicklich zusammen, wie ausgeknipst. Ich atmete auf, gleichzeitig fühlte ich mich elend, den Mann meiner Träume in diese Lage gebracht zu haben. »Jack? Sag doch was. Bitte, du machst mir Angst!« Er konnte sich offenbar nicht mehr rühren. Sein Zustand glich einer Starre. Doch er lag auf mir, erdrückte mich fast. Scheiße! Um Hilfe zu rufen war zwecklos, Alfons war ja nicht da. Wer sollte mir also helfen?

»Jack, bitte! Stirb nicht, lass mich nicht allein.« An den Haaren hob ich seinen Kopf hoch, um mich zu vergewissern, dass er noch lebte. Ich stellte mit Herzrasen fest: tot ist er jedenfalls nicht. Gott sei Dank. Aber ich musste seinen massiven, neunzig Kilo schweren Körper irgendwie von mir runterschieben, denn ich bekam Luftnot. Ich drehte mich unter Schmerzen zur Seite, zog mein Bein unter ihm hervor. Es tat höllisch weh. Ich weinte mittlerweile, aber ich war frei. Meine Sorge galt nun Jack. Der hatte geweitete Pupillen, die verrieten, dass er wahrscheinlich an einer Art Vergiftung litt. Keine Ahnung, woher, aber ich wusste es irgendwie. Ebenso wie ich wusste, was ich als Nächstes zu tun hatte. Ich besorgte eine Flasche Wasser aus der Küche und flößte es ihm nach und nach ein.

»Du musst trinken, verdammt.« Nur allmählich erfolgte eine Regung: Zusammenhanglose Wortfetzen, die keinen Sinn ergaben. Ich musste unbedingt einen klaren Kopf bekommen und beschloss, mich im Bad ein wenig abzukühlen. Zudem fühlte ich mich beschmutzt, schaute aber immer wieder nach Jack, der die Augen verdrehte. Konnte ich ihn kurz allein lassen? Er lallte pausenlos unverständliche Laute wie ein Baby, das Sprechen lernt. »Jack, was ist? Ich kann dich nicht verstehen.« Verzweifelt fasste ich mir an den Kopf, auf eine Eingebung hoffend.

»Pass auf, Jack. Hör genau zu, was ich sage. Du bewegst die Augen nach rechts oder links, das kannst du doch, oder? Wobei rechts ja oder richtig und links nein oder falsch bedeutet, ist das klar?« Jack bewegte seine Augen nach rechts. Okay, ich war noch nie gut im Raten gewesen, aber wie heißt es immer so schön? Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn.

»Ich glaube, du wurdest vergiftet. Meinst du, dass es auf dem Weg von der Bucht hierher passiert sein könnte?« Jack bewegte die Augen nach rechts. Ja.

»Gut, ich auch. Glaubst du, dass es mit der Rolle zu tun hat?« Seine Augen wanderten erneut nach rechts.

»Alles klar. Aber es weiß doch niemand, dass wir hier sind. Die, die es wussten, sind tot. Na ja, außer Alfons natürlich. – Ob es an der Zeit ist, die Rolle zu öffnen?« Er starrte mich nur an. »Ja, ist ja gut.« Ich gab ihm einen Kuss. Mein Magen rumorte vor Aufregung. Jack wirkte, als wollte er mir noch etwas mitteilen.

»Ja, ich weiß: Fenster, Türen, Gardinen schließen und mich erst einmal ruhig verhalten.« Jack schloss müde die Augen. Ich atmete ein paarmal tief durch. Man konnte eine Stecknadel fallen hören. Aber nun war die Zeit gekommen, die Rolle hinter der Bettverkleidung hervorzuholen. Diese ließ sich mit einem Trick leicht lösen. Eine Weile hielt ich den Atem an, horchte auf die Stille und holte dann die Rolle hervor.

»Soll ich wirklich?« Ich schüttelte das Gefäß, versicherte mich bei Jack, das Richtige zu tun, löste die rote Kordel von Deckel und Rollenende, drehte den Deckel behutsam hin und her und schob dann mit beiden Daumen die Kappe von der Trommel. Der unverwechselbare Geruch nach altem Papier stieg mir in die Nase. Ich schaute in den Behälter, dort waren ein paar alte Dokumente ineinander gerollt. Die Rolle hatte einen Durchmesser von circa acht Zentimetern und war etwa fünfundvierzig Zentimeter lang. Sie war mit schwarzem Leder bezogen und besaß einen Tragegurt. Ich kippte die Rolle so, dass die Dokumente leicht herausrutschen konnten.

»Hier sind ganz viele ziemlich alte Papiere.«

Das erste Dokument war ein geöffneter Brief. Weitere lose Dokumente lagen ihm bei. Die Botschaft war auf Englisch verfasst und richtete sich an den Rollenüberbringer, in diesem Fall an uns. Sprachlos las ich aufmerksam weiter. Ich wurde gebeten, alle Dokumente dieses Behältnisses im Stillschweigen und zum Wohle der Menschheit nach Frankreich zu schaffen, genauer gesagt nach Paris, in die Kirche Sacré Coeur de Montmartre. Dort gäbe es nur eine Person, die die Rolle überhaupt entgegennehmen dürfe, nämlich Monsieur Lavida Nivelle, der Verwalter. Weiter wurde in diesem Brief gemahnt, äußerste Vorsicht walten zu lassen. Ich fand das etwas dick aufgetragen. »Aha! Sacré Coeur. Das war damit gemeint.« Mehr und mehr wurde mir die mir auferlegte Verantwortung bewusst. Schließlich wurde mir bereits mehr als einmal gesagt, dass ich die Überbringerin sein sollte. Das erste handgeschriebene Dokument stammte aus der Nazizeit und beinhaltete Angaben über Führungspositionen, Personen und deren Aufenthaltsorte sowie Angaben über deren unbeschadetes Überleben des Zweiten Weltkriegs. Mir wurde ganz mulmig.

»Was für ein Fund«, flüsterte ich fasziniert. Das zweite Dokument war auf Latein und handelte vom Vatikan, aber ehrlich gestanden war mein Latein seit der Schulzeit extrem eingerostet. Ich schaute Jack mit tränenverhangenem Blick an.

»Wenn du das hier sehen könntest, Schatz, es ist unglaublich.« Das dritte Dokument stammte von den Templern. Ich erkannte es sofort an dem alten Siegel. Von den Templern, unfassbar!

SIGILLUM MILITUM CHRISTI (Siegel der Soldaten Christi).

Die Templer waren ein Ritterorden, dessen Gründung infolge des ersten Kreuzzuges stattgefunden hatte, bis Papst Clemens V ihn am 22.03.1312 aufgelöst hatte. Ich konnte jedenfalls mit diesem unleserlichen Text nichts anfangen, dazu benötigte man einen Code. Mich traf der Schlag, als ich das letzte Schriftstück genauer betrachtete. Ich konnte gar nicht fassen, was ich in meinen Händen hielt. Das Dokument war eindeutig Alexander dem Großen zuzuordnen. Ich erkannte das, weil ich während des Abiturs eine Studie darüber schreiben musste. Als Teenager hatte ich es gehasst, weil ich sie erstellen musste, jetzt war ich dankbar dafür. Da hatte meine alte Lehrerin, Frau Funke, doch recht behalten als sie sagte, wer weiß, wofür es später noch gut ist.

Du lieber Gott, was für ein Fund! Nie hätte ich es für möglich gehalten, dass ich, Amily Simon, etwas derart Wertvolles jemals zu sehen bekommen würde. Einzig die Tatsache, dass wir, um das Dokument zu entschlüsseln, einen Spezialisten bräuchten, trübte meine Euphorie. Wie konnte ich an den- oder diejenige herankommen? Allerdings …

»Jack, ich glaube, wir befinden uns in großer Gefahr. Ich verstehe nur nicht, warum ausgerechnet uns die Verantwortung auferlegt wurde, die Dokumente zu beschützen. - Ach, du kannst mir ja nicht antworten.« Ich packte alles behutsam wieder ein. Dabei flatterte ein Schnipsel aus den Dokumenten und vor meine Füße.

»Nanu, was ist das denn?« Das könnte womöglich der Code sein. Nein, dieser Zettel war unbeschriftet, aber ich legte ihn zurück in die Rolle und verschloss sie sorgfältig. Wir mussten unbedingt fort von hier. Ich streichelte Jack zu meiner und seiner Beruhigung, versteckte die Rolle wieder ordnungsgemäß.

»Jetzt zu dir, Jack.« Ich schaute ihn an und war immer wieder fasziniert von seinen schönen braunen Augen. Mein Kuss sollte ihn glücklich stimmen. Ich konnte es nicht lassen, seine Brustmuskeln zu streicheln. Jack bewegte mit großer Mühe seinen Arm und legte eine Hand auf meinen Rücken. Von dieser schlichten Berührung war ich so ergriffen, wie selten in meinem Leben. Den Fehltritt von vorhin hatte ich ihm bereits verziehen, es war ja nicht wirklich Jack gewesen, der versucht hatte, mich mit Gewalt zu nehmen, sondern sein vom Gift getrübter Geist.

Ich schmiegte mich an seine Brust. »Ach Jack, ich wünschte, wir hätten noch heiraten können, dann wärst du mein Ehemann.« Allmählich konnte er seine Arme wieder voll gebrauchen und hielt mich ganz fest. Es tat so gut. Niemals zuvor hatte ich so viel Geborgenheit bei meinem Liebsten gespürt wie in diesem Moment. Ich zog die Decke über uns, bedachte ihn mit einem liebevollen Blick und schlief an ihn geschmiegt ein. Ein Klopfen, begleitet von einer Stimme, weckte uns. Ich wollte gerade antworten, da kam mir Jack zuvor:

»Ja, bitte.«

»Ich bin es, Alfons, ich bringe das Frühstück.«

»Ist gut, stellen Sie es bitte auf den Tisch.« Alfons trat ein, stellte das Tablett ab und verließ den Raum, ohne ein weiteres Wort zu verlieren.

»Du kannst ja wieder sprechen«, flüsterte ich erfreut. Mir fiel ein Stein vom Herzen, so groß wie der Etna. Jack antwortete gleich großspurig:

»Nicht nur das. Ich kann auch noch viel mehr. Gestern war ich ja wehrlos.«

»Ja, erzähl du nur«, meinte ich. »Aber ich bin sehr froh, dass du wieder der Alte bist.«

»Das bin ich auch. Aber da ist noch etwas.« Er umarmte mich, raunte dicht an meinem Ohr: »Ja, ich will.«

»Was?« Es dauerte ein wenig, dann schlug die Erkenntnis ein wie eine Bombe. Au Backe! Ich schluckte, er hatte meinem Wunsch entsprochen. Unweigerlich schossen mir die Tränen in die Augen.

»Im Ernst? Wir kennen uns ja kaum ...«

»Ja, Amily. Es wird für mich keine andere Frau mehr geben.«

»Oh Jack, das ist so süß von dir. Aber ich muss dir so viel über diese Dokumente erzählen ...«

»Ich weiß schon alles. Du hast gestern beim Lesen leise gesprochen.«

»Habe ich?«

»Ja, und du liegst mit deiner Annahme richtig, wir müssen wirklich sehr vorsichtig sein.«

»Sollten wir Alfons nicht von dem Attentat auf dich erzählen? Vielleicht kann er uns helfen?«

»Vielleicht. Ich weiß nicht. Wollen wir frühstücken, Amily?«

»Ja, komm. Wie immer?« Ich setzte mich ihm gegenüber, schenkte uns Kaffee ein und stellte meine Füße auf den Stuhl nebenan. Ich schlürfte ab und zu genüsslich und spielte mit meinen weiblichen Reizen, indem ich rein zufällig meine Schenkel öffnete. Jack betrachtete mich mit verstohlenen Blicken. Mir gefiel das. Eigentlich machte es mich auch heiß, ich ließ mir aber nichts anmerken. Jack sollte mich nicht für einen Nimmersatt halten. Dabei wollte ich mich schon lange von meinen selbst auferlegten Fesseln befreien und die Liebe in vollen Zügen genießen. Nur vielleicht nicht gerade jetzt.

Ich stand auf, wollte mich an Jack vorbeiquetschen, da klopft es erneut. Durch die geschlossene Tür drang Alfons Stimme:

»Ich bin es noch einmal. Ich möchte nicht lange stören, sondern wollte nur sagen, dass Sie morgen Früh gegen zehn Uhr abgeholt werden. Einen schönen Tag noch.«

»Ja, gut, danke!«, rief ich und fügte leise hinzu: »Dann kommen wir von hier weg, Jack.«

»Ich hab`s gehört. Aber morgen ist nicht heute.« Ich sah ihm seine Erregung an, beugte mich zu ihm, küsste ihn.

»Ach, Jack!« Seine Hand streichelte die weichen Innenseiten meiner Oberschenkel. Das war so gut. Auf diese Art wollte er Leidenschaft entfachen. Ich stöhnte und merkte, dass ich schon wieder feucht wurde. »Was machst du mit mir, Jack?«

»Was immer du möchtest, Schatz«, zwinkerte er.

Ich weiß nicht, wie viel Zeit vergangen war, denn ich besaß keine Armbanduhr mehr. Wir lagen auf den zerwühlten Laken und starrten an die Decke. Mein Pulsschlag beruhigte sich langsam und leise begann ich zu summen. Es bestätigte nur, dass ich mich richtig entschieden hatte. Mein Körper verlangte nach einer warmen Dusche.

»Wir sollten schon unsere Sachen packen, dann brauchen wir das morgen nicht mehr.«

»Bin dabei, Amily.«

Fertig geduscht kam ich zurück ins Schlafzimmer.

»Hast du Lust, mich einzuölen?« Jack ließ sich nicht zweimal bitten und ich genoss die großen kräftigen Hände, die mich in den Schlaf beförderten.

06 - Der Aufstieg

Unbarmherziges Trommeln an der Tür weckte Jack. Die Sonne war noch nicht aufgegangen, was ihn irritierte. War es schon so weit?

»Was ist denn, um Himmels willen. Es ist vier Uhr dreißig!«, beschwerte er sich und rieb sich die Augen. Durch die geschlossene Tür drang Alfons immer gleichmütige Stimme.

»Planänderung. Ihr werdet in einer Stunde abgeholt. Ich habe schon das Frühstück dabei mit extra starkem Kaffee zum Wachwerden.«

»Herrje. In einer Stunde? Dann kommen Sie rein, stellen Sie das verdammte Frühstück da hin!« Träume hatten ihn in dieser Nacht heimgesucht und Spuren hinterlassen, was sich in einer morgendlichen Unausstehlichkeit äußerte.

»Amily, aufwachen!« Die Stimme drang bis in mein Gehirn vor, doch der Tiefschlaf hielt mich fest im Griff. Einfach weiterschlafen. Er wird schon aufgeben.

Jack rüttelte an mir und flüsterte:

»Komm, meine zukünftige süße Ehefrau, aufstehen.« Die lieben Worte zauberten mir im Handumdrehen ein seliges Lächeln ins Gesicht, doch meine Augen wollten noch nicht so recht.

»Ja doch. Es ist viel zu früh für mich.«

»Ich weiß«, erwiderte Jack. »Denkst du, für mich nicht? Aber wir werden gleich abgeholt.«

»Na toll.« Er drehte mich auf den Rücken, beugte sich über mich und gab mir einen Kuss.

»Guten Morgen, meine Liebe. Na komm. Es hilft nichts, wir müssen uns beeilen.« Ich trottete ins Bad. Es war gerade genug Zeit für eine kurze Katzenwäsche. Ich zog mir frische Wäsche, Jeans, ein Shirt und Strümpfe über. Es gab ein paar leichte Sneakers oder Ballerinas. Meine Wahl fiel auf die Sneakers. Nach einer gefühlten Ewigkeit kam Jack aus dem Bad. Er hatte die Ruhe weg. Ich hingegen war schon ganz gespannt, was uns heute erwartete. Wohin ging die Reise diesmal? Alfons tat immer so geheimnisvoll.

»Zieh dich an«, tadelte ich und fragte mich, was Transuse auf Englisch hieß. Ich befreite die Rolle aus ihrem Versteck hinter der Wandverkleidung, knotete sie an der Innenseite des Rucksacks fest, den wir von unserem Gastgeber bekommen hatten und legte noch die restliche Wäsche darüber, die ich nicht leiden mochte, die mir aber gute Dienste geleistet hatte. Schon klopfte es. Die Zeit war nur so verronnen.

»Jack, wir müssen los. Bist du so weit? Und nimm dieses komische grüne Ding mit. Ich will wissen, was das ist. Eventuell kann uns jemand etwas dazu sagen.«

»Ja, Sir!«, salutierte er und verstaute es in seiner Umhängetasche.

Es klopfte erneut.

»So, Leute, wir müssen los. Der Jeep wartet am Treffpunkt. Wir haben einen strammen Fußweg von zwei Stunden vor uns.«

»Im Ernst?«, stöhnte ich. »Hat er wirklich zwei Stunden gesagt?«

Wir pirschten aus dem Haus, vornweg Alfons. Der Weg führte weg vom Meer, durch eine schmale Schlucht, danach steil den Berg hinauf. In der Ferne konnte man den Jeep schon erahnen, aber es zog sich noch verdammt lang hin und ich war heute nicht gut drauf. Niemand sprach ein Wort, denn bei dem steilen Anstieg brauchten wir unsere Puste. In der Morgendämmerung waren die Umrisse von kleinen und großen Höhlen auszumachen. Alfons sagte:

»Jetzt müsst ihr besonders vorsichtig sein, ab hier geht es gut zwanzig Grad nach oben, nur loses Geröll. Bitte achtet aufeinander.« Mit jedem Schritt spürte ich die Anstrengung in meinen Beinen. Es fiel mir schwer, mich zu konzentrieren, aber wir mussten da hoch, egal wie. Zwei Schritte vor, einer wieder zurück, es war deprimierend. Jack bewältigte den Anstieg anscheinend am mühelosesten. Nur langsam kamen wir voran, schließlich versperrte ein kleiner Felsvorsprung unseren Weg. Ich runzelte die Stirn.

»So, wartet hier«, keuchte Alfons. »Ich klettere zuerst hinauf und ziehe euch hoch, okay?«

Alfons hatte redlich Mühe, alleine dort hochzukommen und rutschte ab. Jack erwischte gerade noch dessen Arm. Alfons keuchte erleichtert und dankte ihm. Jack schlug vor, eine Räuberleiter zu bilden, indem er sich eng an den Felsen lehnte, damit der Franzose einen besseren Halt hatte. So funktionierte es gleich viel besser. Endlich hatte er es geschafft, den Vorsprung zu überwinden. Ein dickeres Seil, welches er sich um die Hüfte geschlungen hatte, sollte uns den Aufstieg erleichtern. Erst Jack, der diesen mit Leichtigkeit bezwang. Mir allerdings flößte dieser scharfkantige Fels Muffensausen ein, aber wen interessierte das? Ich musste tief durchatmen, wie ich es im Meditationskurs gelernt hatte, und dachte mir: Was Jack kann, schaffe ich auch. Aber die leichten Turnschuhe machten mir einen Strich durch die Rechnung. Bei jedem Schritt bohrten sich gnadenlos Steine in meine Fußsohlen. Die Schmerzen waren unbeschreiblich. Ich klammerte mich, so gut ich konnte, an dem Seil fest, ein leiser Hilfeschrei an Jack gerichtet unterstrich meine Angst.

»Hilf mir, bitte.« Jack legte sich bäuchlings auf den Felsvorsprung, nahm mich bei den Handgelenken und hievte mich hoch. Alfons griff auch nach mir und schließlich war ich oben. Wir hatten ihn gemeinsam überwunden, einen der schwersten Abschnitte unseres Marsches. Völlig aus der Puste ruhten wir uns ein paar Minuten aus. Mir lief der Schweiß am ganzen Körper hinunter. Ich nahm die kleine Flasche aus dem Seitenfach des Rucksacks, trank ohne an Jack zu denken, was mir dann sofort leidtat, aber es war nicht mehr zu ändern.

»So«, meinte Alfons. »Jetzt kommt der schwierigste Teil der Strecke, aber dann ist es geschafft. Es sind ungefähr achtzig Meter leicht links und anschließend scharf rechts. Wir müssen alle dicht hintereinander bleiben, damit wir uns gegenseitig einen besseren Halt geben können.« Ich brachte nur ein Nicken zu Stande. Alfons sagte: »D’accord, also los.« Dann bewegten wir uns im Gänsemarsch in einer Linkskurve steil nach oben. Es war verdammt anstrengend. Ich keuchte und hielt mich dabei an Jack fest. Er zog mich wie eine Lokomotive unermüdlich nach oben. Nach zwanzig Minuten sagte unser Anführer:

»Achtung, jetzt scharf rechts. Es ist nicht mehr weit, aber sachte, nur einen Fuß vor den anderen. Achtet auf die losen Steine, denn die können einen schnell aus dem Gleichgewicht bringen.« Der Schweiß bahnte sich Wege in Regionen meines Körpers, die unaussprechlich waren. So geschwitzt hatte ich schon ewig nicht mehr. Früher als ich noch regelmäßig Laufen war, also bevor ich zur Schreibtischtäterin verkam, gehörte das zur Tagesordnung.

Endlich waren wir angekommen. Dort parkte das Auto, von dem Alfons gesprochen hatte. Ich machte drei Kreuze und beugte mich vornüber, keuchte den letzten Rest Luft aus meiner Lunge. Schweiß strömte unentwegt über mein Gesicht. Alfons, der zwischenzeitlich Handtücher aus dem Jeep geholt hatte, reichte jedem eins. Ich zog die Jacke aus und trocknete mich unter dem T-Shirt notdürftig ab. Ein weiteres Handtuch wickelte ich mir um den Kopf. Jack nahm die Flasche Wasser aus dem Rucksack. Er ließ mir nur noch einen winzigen Schluck übrig, aber das war nicht so schlimm. Vorhin hatte ich ähnlich egoistisch gehandelt, was gar nicht in meiner Natur lag, aber unter Extrembedingungen tat man manchmal Unüberlegtes. Mit einem Zug war das Thema erledigt, und die Flasche leer.

»Im Wagen findet ihr noch mehr Wasser«, beruhigte uns Alfons und nach ein paar Minuten: »Ich will Sie nicht antreiben, aber wir haben einen engen Zeitplan, liegen aber gut im Rennen.«

»Wohin fahren wir denn?« Die Frage lag mir schon seit Stunden auf der Zunge. Aus der Ferne sah man ein Fahrzeug heranrasen, das stetig näher kam und genau neben dem ersten hielt.

»Nur Geduld, Amily.«

07 - Über den Klippen

Eine rege Unterhaltung mit den Insassen des zweiten Wagens stellte die weitere Vorgehensweise infrage.

Ich hatte nur Wortfetzen, die der Wind zu mir herüberwehte, verstanden und wollte daraufhin wissen:

»Was ist denn los, Alfons?«

Er meinte in seiner gewohnt ruhigen Art, ein paar Leute würden verschärft nach uns suchen. »Aber keine Sorge. Ihr seid in guten Händen. Wir fragen uns jedoch, ob wir euch getrennt fahren sollten, wegen der möglichen Gefahr.«

»Oh nein. Jack!« Ein extrem ungutes Gefühl plagte mich, alleine mit Alfons die nächste Etappe in Angriff zu nehmen. Ich wollte meinen starken Mann an meiner Seite wissen. Dass ich so eine Mimose war, schob ich auf die Erschöpfung. Das frühe Aufstehen, der anstrengende Aufstieg in mehr oder weniger ungeeignetem Schuhwerk, Schmerzen von den frisch verheilten Verletzungen, das brachte mich an die Grenzen meiner Psyche. Jack strich sanft über mein Gesicht:

»Komm, Kleines, ist doch nur für die Fahrt zum nächsten Treffpunkt, oder, Alfons?«

»Oui, Monsieur.«

Mein lieber Jack versuchte, mich zu trösten.

»Siehst du. Es wird schon nichts geschehen. Mach dir keine Sorgen. Wir kleben euch an der Stoßstange. Ich kann sofort eingreifen, sollte etwas passieren. - Schau mich an!« Er umfasste mein Kinn. Sein Kuss sollte mich wohl beruhigen.

»Bis später. Es dauert nicht lange.«

»Jack, ich liebe dich mehr, als tausend Worte ausdrücken könnten.« Er warf mir einen Handkuss zu, dann stieg er in den Geländewagen. Ich kletterte in das vordere Fahrzeug zu Alfons. Jack und der andere Fahrer folgten uns im zweiten Wagen, wie es abgesprochen war. Immer wieder schaute ich mich um, auch Alfons kontrollierte automatisch alle paar Sekunden den Rückspiegel. Er fuhr zügig und extrem sicher. Wir hatten bereits einige Kilometer zurückgelegt auf einer Straße, die diese Bezeichnung nicht verdiente, und die sich oberhalb der Küste entlang schlängelte. Aus dem Seitenfenster hätte ich einen phantastischen Blick auf das Meer gehabt. Hätte. Plötzlich gab es ein ohrenbetäubendes Krachen, gefolgt von einem undefinierbaren Knirschen. Die Erde bebte. Alfons trat abrupt auf die Bremse. Hier strafte mich meine Zerstreutheit. Ich hatte vergessen, mich anzuschnallen, mit der Folge, dass ich gegen den vorderen Sitz geschleudert wurde. Der Wagen rutschte über den Schotter und kam zum Stehen. Benommen drehte ich mich um. Gerade rechtzeitig, um zu sehen, wie Jacks Geländewagen die Klippen hinunterstürzte. Die Ereignisse liefen wie in Zeitlupe ab. Ich schrie, was meine Lungen hergaben. Alfons schob den Vorwärtsgang rein und trat aufs Gas.

»Stopp! Sofort anhalten!« Aber stattdessen fuhr der Wagen einfach weiter, beschleunigte sogar. »Sie sollen anhalten!«, kreischte ich.

»Halten Sie den Mund!« Alfons hatte auf dem Wasser ein Fischerboot entdeckt, dieses versuchte er anzufunken, aber er konnte wegen meines Kreischens nichts verstehen.

»Verzeihung, aber wir wollen Jack retten, oder? Ich habe einen Fischer am Funkgerät. Bitte Ruhe.« Er nannte auf Französisch die ungefähren Koordinaten. »Retten Sie beide Insassen. Es soll nicht Ihr Schaden sein. Sie werden großzügig entlohnt.« Der Fischer funkte zurück:

»Oui, oui«, dann kehrte Stille ein.

»Sehen Sie Amily, wir tun unser Möglichstes. Haben Sie ein wenig Zuversicht. Es wird alles wieder gut.« Außer dem monotonen Motorengeräusch nahm ich nichts mehr wahr. Wir hingen unseren Gedanken nach. Ich malte mir die fürchterlichsten Szenarien aus. In mir tobte die nackte Angst um meinen Zukünftigen. Alfons schaute fortwährend zu mir rüber, aber seine Sorge galt nicht mir. Gebete gen Himmel hatte ich schon vor langer Zeit aufgegeben, aber hier ging es nicht um mich, sondern um den Mann meiner Träume.

Ich liebe doch meinen Jack so sehr! Gott, warum tust du mir das an? Wie konnte das nur geschehen? Ich fühlte mich bestraft, nur für was?

»Ja, ja, die Liebe«, meinte Alfons. »L`amour.« Während der restlichen Autofahrt rüttelte es uns immer wieder ordentlich durch.

08 – Chambery

»Wir sind gleich da.« Gegen Mittag erreichten wir den Stadtrand des zweiten Etappenziels, Chambery. Ich wollte ohne Jack nicht mehr weitermachen, es war mir und ihm gegenüber so ungerecht. Der Geländewagen verschwand direkt in einer von der Straße uneinsehbaren Tiefgarage, die von zwei Männern bewacht wurde. Ich schaute skeptisch. War das wirklich nötig? »Wo sind wir hier?« Das Haus, welches zu der Garage gehörte, war ein Privathaus. Der Franzose sagte:

»Es ist alles in Ordnung, keine Sorge.« Er hatte gut reden. Dann fragte er die Wachen, ob die Fracht schon angekommen sei.

»Ja, vor zwanzig Minuten.«

»Gut, gut, danke. Kommen Sie, Amily, ich bringe Sie jetzt zu Ihrem Zimmer. In zwei Stunden hole ich Sie ab, somit haben Sie genügend Zeit, sich von der anstrengenden Autofahrt zu erholen oder frischzumachen. Hier ist der Schlüssel.« Mittlerweile standen wir vor einer Tür, ich bedankte mich und schloss sie auf. Mein Aufschrei war nicht zu überhören, meine Beine wollten mir den Dienst versagen, ich weinte, als wäre die Welt untergegangen.

»Alfons, da ist Jack!« Ich hatte mich noch nie im Leben so gefreut. Stürmisch umarmte ich meinen Beschützer, drückte ihm einen Schmatzer auf den Mund und fiel Jack in die Arme. »Jack, mein Jack!«, überschüttete ich ihn mit meinem Gefühlsausbruch. »Alfons! Wie haben Sie das gemacht?« Aber der hatte die Tür schon lautlos hinter sich zugezogen. Am liebsten wollte ich Jack gar nicht mehr loslassen. »Du lebst!«

»Amily, setz dich bitte aufs Bett.« Ich tat wie mir geheißen. Sein Gesichtsausdruck war extrem ernst.

»Okay, ich höre?«

»Ich habe den Leuten hier dieses grüne Ding gezeigt, du weißt schon, die Stecknadel. Und tatsächlich ... Die meinten, dass es mit einem Nervengift getränkt war, gewonnen aus dem gefleckten Schierling. Ich habe riesiges Glück gehabt. Koniin lähmt nämlich auch die Atmung. Wenn das Zeug nicht chemisch modifiziert worden wäre ... wäre ich mit Sicherheit gestorben.«

»Ach du liebe Güte.« Ein dicker Kloß blockierte meinen Hals. Er setzte sich dicht neben mich.

»Ja, dank dir sitze ich heute überhaupt hier. Durch das Wasser konnte das Gift zügiger ausgeschwemmt werden.«

Das hatte ich gehofft. Dann ließ ich noch einmal den letzten Strandbesuch gedanklich an mir vorbeiziehen.

Das Meeresufer war menschenleer gewesen, wie stets. Es war aber nicht auszuschließen, dass jemand in den Büschen gelauert haben könnte. Jemand mit einem Blasrohr?

»Hattest du in den Dünen nicht das Gefühl, dass dich etwas gestochen hat?«

»Allerdings. Aber dort war niemand.«

»Offensichtlich doch.« Ich presste Jacks Oberkörper auf das Bett, legte mich auf ihn und küsste ihn leidenschaftlich, dabei liefen mir unentwegt die Tränen.

»Ich bin nur froh, dass du heil davongekommen bist, Amily.«

»Jetzt erzähl, was war los?«

»Ich hatte ständig euren Jeep im Blick. Alfons ist ja gefahren wie ein Berserker. Mein Fahrer hat etwas mehr Abstand gelassen, weil die aufgewirbelten Steine herumflogen wie Granatsplitter. Aus heiterem Himmel brach eine Autolänge des Küstenweges vor uns weg. Keine Chance noch etwas zu unternehmen, der Wagen wurde steil nach unten katapultiert. Instinktiv habe ich mich mit Händen und Füßen am Vordersitz abgestützt. Beim Aufprall auf dem Wasser zerbrach die Windschutzscheibe. Gleichzeitig bekam ich die hintere Tür auf, dann ging alles blitzschnell. Der Wagen lief in Sekunden voll. Die Tasche hatte ich Gott sei Dank noch um. Wir tauchten aus dem Autowrack an die Oberfläche und wollten an Land schwimmen, wahrscheinlich hätten wir das auch geschafft, doch ein Fischerboot kam auf uns zu, dessen Besatzung uns an Bord nahm. Sie setzten Kurs auf den nächstgelegenen Hafen und dort hat uns ein Geländewagen abgeholt. Nun bin ich hier, bei dir.«

»Oh Jack, ich bin so froh, dich zu sehen! Die Sorge hat mich fast wahnsinnig gemacht. Alfons hat einen Fischer angefunkt, nachdem ihr abgestürzt wart, das habe ich mitbekommen, aber danach war ich nicht mehr aufnahmefähig.« Er hörte zu, saugte jedes Wort auf, das meinen Mund verließ, dabei war er derjenige, der beinahe sein Leben eingebüßt hatte. Mein Gesicht in seinen Händen haltend, gab er mir einen Kuss auf die Wange. Ich rümpfte unwillkürlich die Nase.

»Was ist das? Du stinkst wie eine Kläranlage, das rieche ich jetzt erst. Geh duschen!«

»Entschuldige.« Er sprang förmlich aus seinen Sachen.

»Kommst du mit?« Natürlich würde ich mitgehen, so etwas ließ ich mir nicht zweimal sagen. Schnell hatte ich mich meiner Klamotten entledigt. Das Wasser rieselte lauwarm aus dem Duschkopf. Mr. Absturz sollte sein blaues Wunder erleben. Ich wollte alles von ihm, bevorzugte eine Stellung, die mir den höchsten Grad der Befriedigung bot. Ich schaute ihm in die Augen, legte meine Arme auf seine Schultern, Jack half kurz nach, dann umschlossen meine Beine seine Hüften. Die Magie der Leidenschaft entfesselte unsere Sucht nach einander. Diesen Augenblick sollte er so schnell nicht vergessen.

»Wie konntest du einfach ins Meer stürzen, du hattest dazu keine Erlaubnis.« Er hielt mich fest an meinem Po und steuerte das Geschehen. Die Energie entlud sich mit einem Knall.

Doch er hatte vor, die Seine in ihre Schranken zu weisen, mir kam es vor, als hätte ich Herzflattern. Seine Kräfte schwanden, er stellte mich auf meine Füße, und da war es wieder das satte Brunften. Er knetete meine Brüste und schenkte mir einen Kuss. Seine Augen leuchteten. Dieses Gesicht würde ich für immer im Gedächtnis behalten. Gedankenverloren griff ich nach der Seife und schäumte Mr. Jack ein. Seinem Lustspender stand eine besonders intensive Pflege bevor. Wenn ich wollte, konnte ich richtig gemein sein. Dementsprechend fiel das Ergebnis aus.

»So, meine Liebe, jetzt bist du an der Reihe.«

»Nein, nein, das mache ich schon selber«, antwortete ich, aber Jack bestand darauf, er wollte, dass mir das Gleiche widerfuhr. Jede Kurve wurde mit den Händen nachgefahren. Seine Finger tänzelten über meine Brüste, zelebrierten weiter die Massage an meinem Gesäß. »Oh Gott!« Er besaß auch noch die Frechheit, sich nach meinem Befinden zu erkundigen:

»Na, Amily, alles okay?«

»Ja, super«, wimmerte ich. Zwei Finger, die sich von hinten zwischen die Schenkel nach vorne arbeiteten, sollten mich ins Gefühlschaos stürzen. Wie recht er damit hatte, so hatte ich mir das nicht vorgestellt. Seine kreisenden Finger um meinen Schoß hatten einen Großbrand entfacht. Jack setzte alles daran, mich in die völlige Ekstase zu treiben. Seine Arbeit wurde mit meinem orgastischen Aufschrei quittiert. Jetzt war Jack zufrieden, und ich konnte auf meinen puddingweichen Beinen kaum noch stehen. Er hatte mich geschafft, ich schleppte mich zum Bett.

₺206,78

Türler ve etiketler

Yaş sınırı:
0+
Hacim:
460 s. 1 illüstrasyon
ISBN:
9783745014426
Yayıncı:
Telif hakkı:
Bookwire
İndirme biçimi: