Kitabı oku: «Handbuch Schulbibliothek», sayfa 2
Vorwort zur zweiten Auflage
Über die positive Aufnahme des Handbuchs Schulbibliothek in der Fachwelt und bei Schulbibliothekspraktikern1 (bzw. solchen, die es werden wollen) haben wir uns sehr gefreut. Die zweite überarbeitete Auflage des Handbuchs ist nach sechs Jahren notwendig geworden, weil sich im Bereich der elektronischen Medien einerseits und der Unterrichtskonzepte andererseits viel getan hat. Wenn sich Schule und Lernen verändern, sind auch unterstützende Einrichtungen wie die Schulbibliothek gefordert. E-Medien*, E-Learning, Datenbanken, Virtual Reality, Tablet, Smartphone und Co sind inzwischen in der Schulbibliothek angekommen, aber bei weitem noch nicht flächendeckend im Einsatz. Wer sich hier auf den Weg machen will, findet in dieser Neuauflage Anregungen und Hilfestellung. Kapitel 4 zur digitalen und multimedialen Technik in der Schulbibliothek wurde deshalb komplett neu geschrieben, die übrigen Kapitel überarbeitet, neue Entwicklungen aufgegriffen und aktuelle Literatur eingearbeitet, Links überprüft und aktualisiert.
Der Aufbau der 1. Auflage wurde beibehalten und durch ein Kapitel zur Rolle der Schulbibliothek in der zukünftigen Schule, geschrieben von einer schwedischen Schulbibliothekarin, ergänzt. Das schwedische Schulsystem unterscheidet sich ebenso vom deutschen, wie die Rahmenbedingungen für Bibliotheken in beiden Ländern verschieden sind. Aber auch in Schweden gab es nicht immer schon ein Schulbibliotheksgesetz und auch dort wird das entsprechende Gesetz von den Schulbibliothekaren als noch nicht ausreichend empfunden. Aber der Grundstein ist gelegt und von Jahr zu Jahr können sich die Rahmenbedingungen entwickeln und Schulen wie Schulbibliotheken schieben diese Prozesse gemeinsam voran. Wo liegt der Schlüssel zu diesem erfolgreich angestossenen Entwicklungsprozess? Was können wir in Deutschland daraus lernen?
Diese Aussensicht war uns wichtig, weil die Rolle des Schulbibliothekspersonals und die Frage, wie die Schulbibliothek politisch verankert werden kann, bisher in Deutschland nicht wirklich nachhaltig thematisiert werden. Die „Frankfurter Erklärung“ des Deutschen Bibliotheksverbandes (s. S. 257 dieses Handbuches) ist ein erster Ansatz dazu.
Der Zeitpunkt, diese politische Diskussion zu führen, ist im Rahmen der allgemeinen politischen Diskussionen um die Verbesserung der digitalen Kompetenzen deutscher Schüler günstig. Zeigt doch das schwedische Beispiel auch, dass andere Länder bereits auf die Idee gekommen sind digitale Bildungsstrategien in Schulen direkt mit den Schulbibliotheken zu verknüpfen.
In erster Linie soll diese Neuauflage aber auch wieder allen in Schulbibliotheken Aktiven helfen, den Alltag im Hier und Jetzt zu organisieren und zu meistern.
Unser Dank gilt einmal mehr den Autoren und Unterstützern dieses Handbuches, die mit viel Engagement und persönlichem Einsatz zum Gelingen dieser zweiten Auflage beigetragen haben.
Anmerkungen
1Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in diesem Buch auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten für beiderlei Geschlecht.
*Begriffe, die im Text mit * gekennzeichnet sind, werden im Glossar erläutert.
Vorwort
„Bibliotheken sind gefährliche Brutstätten des Geistes …“, so stand es im Jahresbericht des Generalinspekteurs für das Bibliothekswesen des preussischen Kultusministeriums schon im Jahre 1857 zu lesen. Es muss etwas dran sein, denn bis heute sind Diktaturen weltweit immer bemüht, den Zugang zu Literatur und Informationen zu behindern, wenn nicht gleich zu verhindern. Sie wissen nur allzu gut, was belesene und gut informierte Menschen anrichten können – sie sind kreativ, erfindungsreich und lassen sich nicht so leicht täuschen und für dumm verkaufen. Ob Bücherverbrennung oder Sperrung des Internetzugangs: Wissen ist und bleibt gefährlich oder, anders gewendet, Verfügbarkeit von Wissens- und Informationsmedien ist für die Erziehung zum demokratischen Handeln unverzichtbar.
Freien Zugang zu Literatur und Wissen für alle Kinder eines Jahrgangs – auch diejenigen, die im Elternhaus keine Bücher vorfinden –, das bieten öffentliche Bibliotheken und Schulbibliotheken. Mit ihrer Hilfe verbessern die Kinder ihre Lesekompetenz und lernen, alle Medien kritisch und zielführend für eigene Zwecke zu nutzen. Was mehr kann man, neben dem nötigen Grundlagenwissen, Kindern und Jugendlichen mit auf einen erfolgreichen und erfüllten Lebensweg geben? Um dieses Ziel zu erreichen, kann eine gut ausgestattete Schulbibliothek ein Schlüssel zum Erfolg sein, für Lehrer und für Schüler.
Besonders leicht gemacht wird es einem in Deutschland bislang nicht, wenn man diesen Weg beschreiten und eine Schulbibliothek aufbauen oder umgestalten will. Im Gegenteil, die Wahrscheinlichkeit, dass man mit Unterstützungsangeboten überschüttet wird, ist eher gering. Zum Glück hat es aber schon immer und auf ganz Deutschland verteilt „Überzeugungstäter“ gegeben, die sich auf den Weg gemacht haben. Viele erfolgreiche Schulbibliotheken zeugen davon. Und zum noch grösseren Glück sind in den letzten Jahren durch die Stärkung der Ganztagsschule viele neue dazugekommen.
Solche Schulen haben durch ihre besonderen Möglichkeiten der Ausgestaltung von Lernen die Chance, als Ganzes eine „Brutstätte des Geistes“ zu werden, und die Schulbibliothek kann darin als die „Keimzelle“ fungieren, deren Saat in jedem Kind aufgehen kann.
Wie man solch eine Infrastruktur aufbaut und dauerhaft am Leben hält, dazu soll dieses Buch Hilfestellungen geben. Es wendet sich an all jene, die die Neugründung einer modernen Schulbibliothek planen – möge sie nun Mediothek, Lerninsel, Selbstlernzentrum oder ganz unkonventionell „Medientanke“ heissen –, und an alle, die einen vielleicht in die Jahre gekommenen „Bücherhort“ umgestalten und zu neuem Leben erwecken wollen. Der Aufbau des Handbuches folgt dabei dem Weg von der ersten Konzepterstellung in der Schule über die Planung und Möblierung des Raumes, die Auswahl und Beschaffung der Bücher und Medien, die Organisation der Bibliothek mit EDV bis hin zu den Aktivitäten und Kooperationen, die den Erfolg der Schulbibliothek letztendlich ausmachen.
In den Texten finden sich immer wieder Querverweise, sodass es leichtfällt, einzelne Aspekte herauszugreifen und gezielt zu vertiefen. Ergänzende Hinweise bietet ein kommentiertes Literaturverzeichnis, das eine Auswahl weiterführender Literatur und Links bereithält. Grundsätzlich wurde darauf geachtet, dass jedes Kapitel für sich stehen kann, sodass man auch dann fündig wird, wenn man nur einen Aspekt der Bibliothek verbessern will bzw. gezielt nach Informationen sucht. Das Buch will alle diejenigen ermutigen, die sich auf den Weg machen. Viele Empfehlungen beziehen sich auf Stufenkonzepte immer eingedenk der Tatsache, dass wer nicht beginnt, auch keinen Erfolg haben kann. Wir wünschen uns, dass sich viele mit uns auf den Weg machen und dass die Anregungen in diesem Band den Weg leicht und erfolgreich gestalten mögen.
Die Erkenntnisse, die in die Texte dieses Buches eingeflossen sind, wurden über Jahre schulbibliothekarischen Arbeitens und Forschens gesammelt. Jeder, der ein Handbuch herausgibt, ist auf eine solche Basis angewiesen. Vielen müssten wir also danken. Besonders nennen möchten wir hier die Expertengruppe Bibliothek und Schule des Deutschen Bibliotheksverbandes, die in ihrer Besetzung von 2003 bis 2009 und mit Unterstützung des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) das Portal www.schulmediothek.de aufgebaut hat. Ausserdem sind Tipps und Veröffentlichungen vieler Praktiker aus Schulbibliotheken des In- und Auslandes eingeflossen, ohne deren
Vorarbeit dieses Buch nicht hätte entstehen können. Last but not least gilt unser Dank den Autoren der Beiträge, die uns immer wieder ermutigt haben und unsere Überarbeitungs- und Ergänzungswünsche mit Geduld und Tatkraft umgesetzt haben.
Angelika Holderried, Birgit Lücke
Anmerkung
Begriffe, die im Text mit * gekennzeichnet sind, werden im Glossar erläutert.
Aus Gründen der Lesbarkeit wird in diesem Buch auf die Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten für beiderlei Geschlecht.
Angelika Holderried, Birgit Lücke, Andreas Müller
1. Vom Nutzen der Schulbibliothek für die Schule und die Schüler
Mittendrin. Diesen Lagevorteil hat die Schulbibliothek als Ort des Lernens für Schüler gegenüber einer räumlich getrennten Öffentlichen Bibliothek. Aber das ist kein Vorteil gegenüber anderen Räumen in der Schule. Wo kann im Vergleich die Schulbibliothek ihren Platz finden?
Der Klassenraum ist der Ort, an dem fast der gesamte Unterricht stattfindet. Man hat als Schüler seinen festen Platz, seine Nachbarn, seinen Blickwinkel auf den Lehrer, auf die Tafel, auf das zentral gesteuerte Unterrichtsgeschehen. Insofern ist der Klassenraum auch identitätsstiftend für den Einzelnen. Wenn der Lehrer mit den Schülern den Klassenraum bewusst als gemeinsamen Lernraum gestaltet, indem er zum Beispiel Schülerprodukte aus dem Projektunterricht aushängt, wird auch Klassengemeinschaft und damit Gruppenidentität dokumentiert. Der Klassenraum ist so im Idealfall ein wenig die Heimat des Schülers in der Schule.
Der Fachraum ist der Ort, an dem bestimmter Fachunterricht stattfindet: Turnhalle, Chemieraum, Physikraum, Biologieraum, Kunstraum und Musikraum, das sind die Klassiker. Der Fachraum hat die jeweils passende Ausstattung: Kletterwände und Basketballkörbe die Turnhalle, zahlreiche Wasser-, Strom- und Gasanschlüsse und Schränke mit Reagenzgläsern der Chemieraum. Der Fachraum lenkt den Blick auf die Besonderheiten des jeweiligen Fachs, der Blick geht damit auch weg vom Frontalunterricht hin zu anderen Sozial- und Arbeitsformen, zur Gruppe zum Beispiel als Mannschaft im Sport, zum Projekt zum Beispiel beim Versuch im naturwissenschaftlichen Unterricht.
Es gibt einen weiteren Unterrichtsraum in der Schule, der weder Klassennoch Fachraum ist: der Computerraum. Er wird nur punktuell für bestimmten Unterricht und deshalb von vielen verschiedenen Lerngruppen genutzt und ist insofern vom Klassenraum als „Heimat“ verschieden. Aber er kann andererseits in vielen verschiedenen Fächern gute Dienste leisten und unterscheidet sich insofern vom Fachraum. Ist also die Schulbibliothek eine Art Computerraum mit Büchern und anderen Medien als „Zugabe“? Die Frankfurter Erklärung des Deutschen Bibliotheksverbandes (Abdruck, S. 257) dreht den Spiess um, indem sie feststellt: „Die moderne Schulbibliothek ist der ideale Knotenpunkt für das Medienangebot und die Medienpädagogik der Schule. Sie führt gedruckte und digitale Angebote an einem Ort zusammen: aktuelle Bücher und Internet, Lesen und Surfen. Indem die Schulbibliothek neben Büchern die digitalen Ressourcen bündelt, ersetzt sie den wenig flexiblen konventionellen Computerraum (jenseits des Informatikunterrichts)“ (Frankfurter Erklärung 2015, 1). Die moderne Schulbibliothek ist heute also ein Ort der Medienbildung und der Leseförderung, doch was heisst das konkret?
1.1 Was die Schulbibliothek alles kann
„Eine Schulbibliothek ist ein zentral gelegener Marktplatz, ein im Herzen der Schule gelegenes Wissenszentrum. Einzeln oder in Gruppen wird hier Wissen geholt, geliefert, getauscht, gesucht und gefunden. Entweder mit Hilfe neuer Medien oder auf traditionellere Weise durch Bücher“ (G. Fischer-Kosmol 2009, 33). Bei dieser Definition der Schulbibliothek steht die Funktion der Bibliothek im Mittelpunkt und man kann sich gut vorstellen, dass es auf diesem Markplatz bunt und lebendig zugeht. Schüler und Lehrer treffen sich dort, um in Gemeinschaft oder alleine zu recherchieren, zu arbeiten und zu lernen. Wer hätte nicht gern ein solches Wissenszentrum in der Schule?
Und in der Tat ist der Gedanke an eine Bibliothek, die alle Bücher und Medien zentral sammelt, verzeichnet und für die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts zugänglich macht, immer der erste, wenn es um die Neueinrichtung einer Schulbibliothek geht. Die traditionelle Funktion einer Bibliothek, Bücher und Non-Books bereitzuhalten, gilt unbestritten auch für Schulbibliotheken.
Die Schulbibliothek ist „… zentraler Medienraum, zentraler Informationsbereich, Ort der Leseförderung, Unterrichtsraum und Kommunikationsraum“, definiert das Fachportal www.schulmediothek.de (Abruf 28.08.2017) und erweitert damit das „Wissenszentrum“ um die Funktionen „Leseförderung“, „Unterricht“ und „Kommunikation“. Wenn man den Marktplatz ernst nimmt, ist zumindest die Kommunikation aus dem Bild nicht wegzudenken.
Grundlegend für die Schulbibliothek ist jedoch nach wie vor die Leseförderung, die vor allem in Grundschulen einhergehen muss mit Sprachförderung. „Auf der Basis bundesweiter Elternbefragungen konnte wiederholt gezeigt werden, dass knapp ein Viertel der vor der Einschulung stehenden Kinder in einem Sprachtest als förderbedürftig im Deutschen diagnostiziert wurde“ (Bildung in Deutschland 2016, 66). 21% der Kinder mit verzögerter Sprachentwicklung stammen dabei aus deutschsprachigen Haushalten (vgl. ebd., 66). Zur Leseund Sprachförderung lässt sich vorwiegend in weiterführenden Schulen noch eine Erweiterung ergänzen, die der Leitfaden der LAG Hessen auf den Punkt bringt, indem er die Schulbibliothek auch als „kulturelles Zentrum“ definiert (LAG-Bausteine für ein hessisches Schulbibliothekswesen 2006, 10). Was das tatsächlich heissen kann, ist überall dort zu besichtigen, wo Schulbibliotheken Veranstaltungen anbieten – von der klassischen Autorenlesung über den Poetry Slam bis hin zur Aufführung von Filmen der Film-AG.
Bei entsprechender Ausstattung und Betreuung kann man von Schulbibliotheken sogar „Produkte“ erwarten. „Makerspaces*“, also Bereiche, in denen die verschiedensten Dinge entwickelt und produziert werden, gibt es in Schulen schon lange: Werkraum, Physiksaal, Handarbeitsraum oder Chemielabor. Für die Schulbibliothek muss definiert werden, welche Produkte dort entstehen sollen und welche Ressourcen hierfür zur Verfügung gestellt werden. Naheliegend ist die Schulbibliothek als digitale Kreativwerkstatt. Wichtig dabei: die technische Ausstattung muss den konzeptionellen Vorgaben dienen. So hat zum Beispiel die amerikanische Big Walnut Middle School in Sunbury, Ohio, die Aktivitäten der Schulbibliothek streng auf die Unterstützung der Unterrichtsinhalte hin ausgerichtet und bietet hierfür moderne digitale Technik an vom interaktiven Touchscreen über Digitalkameras bis hin zum als Monitor nutzbaren TV-Gerät (vgl. Gonzales 2016).
Bleibt noch eine letzte Funktion, die die Schulbibliothek vor allem in der Ganztagsschule erfüllen sollte, sie kann nämlich auch ein Ort für Freizeit und Entspannung sein. Das Spielen von Spielen – traditionell oder digital –, das Hören von Hörbüchern und das Schmökern in einem Kinder- oder Jugendbuch gehören in vielen Schulbibliotheken zum Programm. Von den Schülern wird dieses Angebot gerne in Anspruch genommen, durchaus auch, weil man sich so im Schulalltag eine Auszeit nehmen, sich zurückziehen und sammeln kann. Damit einher geht oft die soziale Funktion der Schulbibliothek, in der Schüler auch jenseits von Schule und Lernen vielfach ein offenes Ohr finden. Diese Funktion ist zwar im Zeitalter von Schulpsychologen und Schulsozialarbeit nicht beabsichtigt, lässt sich aber nicht ganz ausblenden. Es bedarf einer bewussten Entscheidung, wie weit das Personal, ggf. mit entsprechender Schulung, hier gehen kann, darf und will.
Betrachtet man diese Bandbreite, so lassen sich die folgenden zentralen Funktionen der Schulbibliothek ausmachen:
• Ort der Leseförderung und der Sprachförderung
• Trainingsort für den Umgang mit neuen Medien und dem Internet
• Informationszentrum
• Lernzentrum und Unterrichtsraum
• Kommunikationsplattform und Treffpunkt
• Kulturelles Zentrum, Veranstaltungsraum
• Makerspace
• Ort für Entspannung und Rückzug, soziale Funktion
Geht es um die Verwirklichung einer Schulbibliothek, sollte man diese Möglichkeiten kennen, um dann für das eigene Konzept fundiert entscheiden zu können.
Die wichtigste Entscheidungsgrundlage ist die pädagogisch-didaktische Gesamtkonzeption der jeweiligen Schule, mit deren Hilfe zum Beispiel Aussagen zur Rolle der Schulbibliothek bei der Erreichung der Lernziele getroffen werden können. „Es muss z.B. festgestellt werden, in welchen Bereichen Lernziele ohne Schulbibliothek nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen erreicht werden können“ (Deutsches Bibliotheksinstitut: Materialien 1994, H. 11, 2).
Ideal ist es, wenn an der inhaltlichen Definition der Schulbibliothek die Schulgemeinschaft insgesamt beteiligt werden kann, denn so erreicht man eine breite Akzeptanz der Massnahme. Schliesslich handelt es sich oft um eine beträchtliche Investition an Zeit und Geld und diese knappen Ressourcen müssen zielgerichtet eingesetzt werden. Was erwarten die Lehrer, die Schüler, die Eltern, der Träger von der Schulbibliothek? Erst wenn die Sammlung der Erwartungen vorliegt und in Beziehung gesetzt wurde zu den möglichen Funktionen der Bibliothek, können die zentralen Fragen beantwortet werden:
• Welche Aufgaben soll die Schulbibliothek in unserer Schule erfüllen?
• Welche Ressourcen (räumlich, personell, Sachmittel, Geld) können dafür zur Verfügung gestellt werden?
Je nachdem, wie die Antwort auf diese Fragen ausfällt, kann man entweder sofort in die Verwirklichung eintreten oder einen Stufenplan entwickeln. Häufig ist ein schrittweises Vorgehen erforderlich, weil die Räume, in denen die Schulbibliothek entstehen soll, zu klein sind. Je erfolgreicher die Bibliothek arbeitet, desto eher wird es gelingen, bei passender Gelegenheit (Erweiterungsbau, Umstrukturierung) zusätzliche Räume zu erhalten. Aktive Bibliotheken haben die Chance, sich zum „Standortfaktor“ für die Schule zu entwickeln.
1.2 Warum Schulbibliothek? – ein Beispiel
Wie die Gründung einer Schulbibliothek vonstatten gehen kann, verdeutlicht ein Interview mit dem Schulleiter des Fürstenberg-Gymnasiums Donaueschingen, Herrn OStD Mario Mosbacher. Das Fürstenberg-Gymnasium ist Teil einer Schullandschaft der Stadt Donaueschingen (ca. 22.000 Einwohner) und des Schwarzwald-Baar-Kreises, die alle Schularten incl. gewerbliche, kaufmännische und technische Schulen bietet. Aktuell besuchen rund 850 Schüler das Fürstenberg-Gymnasium, ein grosser Teil davon im „offenen Ganztag“. Das Interview führte Angelika Holderried.
Herr Mosbacher, Sie haben sich dazu entschlossen, die sechs kleinen Bibliotheken, die es an Ihrer Schule gab, zu einer grossen Bibliothek zusammenzuführen und ein neues Bibliothekskonzept zu verwirklichen. Was hat Sie dazu bewogen, diesen Schritt zu gehen?
In den vergangenen Jahren wurde unsere Schule von Grund auf generalsaniert, d.h. bis auf den Rohbau zurück- und dann wieder aufgebaut. Leitend und bindend bei dieser Sanierung war ein von der Schule in einem mehrmonatigen Prozess ausgearbeitetes Pädagogisches Konzept. Hier haben alle am Schulleben Beteiligten gemeinsam festgehalten, welche Anforderungen ein neues Schulgebäude für den Unterricht von heute und auch von morgen erfüllen muss. Wichtige Überlegungen in diesem Zusammenhang waren u.a.:
• in der Schule Räume für erlebnishaltiges Lernen zu schaffen,
• im Rahmen des offenen Ganztages Aufenthalts- und Freizeiträume zu schaffen,
• universitäres Lernen vorzubereiten,
• im gesamten Haus durch Licht, Farbe und Materialien eine Atmosphäre zum Wohlfühlen zu schaffen,
• innerhalb des Hauses eine klare funktionale Gliederung der Räume zu finden.
Alle diese Aspekte haben zum jetzigen Bibliothekskonzept beigetragen. Vor der Sanierung hatten wir in der Tat sechs kleinere Bibliotheken: eine für die Unterund Mittelstufe, eine für die Oberstufe, zwei Selbstlernräume in einem Nebengebäude, eine Lehrerbibliothek und eine historische Bibliothek. Die Flächen dieser Räume und auch ein Grossteil des Buchbestandes sind nun in einer grossen Bibliothek zusammengeführt. Der neue Ort gab uns gestalterisch, aber auch inhaltlich ganz neue Möglichkeiten.
Können Sie uns bitte den Entstehungsprozess schildern?
Im Rahmen der Sanierung sollte eine neue Bibliothek zentral im Mittelpunkt des Schulhauses geschaffen werden. Auf der „didacta“ 2012 traf ich nun durch Zufall auf einen Bibliotheksplaner und wir kamen ins Gespräch. Ein ausgesprochener Glücksfall, denn wir stellten beide schon bei der ersten Tasse Kaffee fest, dass wir denselben Blick auf das Thema „Schulbibliothek“ hatten. Erstens waren wir sicher, dass gerade in Zeiten der Digitalisierung Schulen und Schüler einen Ort benötigen, an dem es Begegnungen mit dem Medium Buch gibt, an dem Schüler das Lesen zum Lernen und zur Unterhaltung entdecken können, einen Ort, der in den Unterricht ausstrahlt. Wir waren uns zweitens aber auch sofort einig, dass es hierfür neuer Konzepte bedurfte, dass es also nicht genügen würde – überspitzt gesagt – einen Raum mit Buchregalen vollzustellen und zu hoffen, dass der dann genutzt würde. Und so beschlossen wir an diesem Tag, uns gemeinsam auf den Weg zu machen. Hinzu kamen dann noch der damalige Schulleiter des Fürstenberg-Gymnasiums (ich wurde erst im September 2013 Schulleiter), unsere Architekten sowie aus der Schule selbst noch der betreuende Lehrer. Wir alle zusammen haben unser Herz an die neue Bibliothek verloren und haben gemeinsam dann das entwickelt, was man heute schlussendlich gebaut sehen kann.
Wenn Sie Ihre neue Bibliothek einem Besucher vorstellen, welche Punkte heben Sie besonders hervor?
Nun, wir haben in der Tat öfter Besuchergruppen bei uns, ehemalige Abiturjahrgänge oder auch Interessenten von anderen Schulen, und ich hebe bei Führungen verschiedene Aspekte hervor:
• Architektur: Wir haben in diesen Räumen eine Architektur mit einer klaren, zeitgemässen Formensprache geschaffen, die dennoch durch die Gliederung, durch das Lichtkonzept und durch die Farbgebung eine Wohlfühlatmosphäre schafft.
• Details der Ausstattung: es gibt eine kleine Bühne, auf der Lesungen oder Kleinkunstaufführungen stattfinden – und die Bühnenakustik ist extra hierauf angepasst. Im grössten Raum der Bibliothek schaffen wir durch den gelben Boden, eine gelbe Wand und eine abgehängte gelbe Decke – die letzteren beiden aus schallabsorbierendem Material – eine Art „Höhlencharakter zum Reinkuscheln“. Es gibt eine Podestlandschaft, auf der man sich zum Lesen „hinlümmeln“ kann, selbstverständlich stehen PCs zum Arbeiten und für Recherchen zur Verfügung und nicht zuletzt trägt die Möblierung mit hochwertigen weissen Buchregalen sehr zum gelungenen Ambiente bei.
• Die Betreuung unserer Bibliothek: Beim Blick auf die Architektur fällt den Besuchern sehr schnell die zentrale Ausleihtheke auf, an der während der Öffnungszeiten der Bibliothek (täglich von 8-14 Uhr) unsere Betreuerinnen arbeiten. Dies ist eine aus meiner Sicht entscheidende Weiterentwicklung gegenüber dem früheren Konzept der von einer einzigen Lehrkraft betreuten, nur in den grossen Pausen geöffneten Schulbibliothek. Heute gibt es nach wie vor einen Lehrerkollegen, der die Bibliothek betreut – dieser arbeitet aber konzeptionell und ist nicht für die Ausleihe tätig. Zusätzlich engagieren sich noch eine hauptberufliche Bibliothekarin, welche uns für ca. einen Tag je Woche unterstützt, sowie mehrere Mütter von jetzigen oder ehemaligen Schülern. Sie alle werden durch die Schule vergütet, managen den Buchbestand, betreuen die Ausleihe, sind Ansprechpartner für Schüler und erarbeiten auch in Rücksprache mit den Lehrkräften Konzepte zur Leseförderung in der Bibliothek. Dieses Engagement ermöglicht uns eine Bibliotheksarbeit auf einem ganz anderen Niveau.

Blick in die Bibliothek des Fürstenberg-Gymnasiums Donaueschingen
Welche Funktion erfüllt die Bibliothek in Ihrer Schule und wie ist sie mit dem pädagogischen Konzept und dem Unterricht vernetzt?
Die Bibliothek erfüllt am Fürstenberg-Gymnasium ganz verschiedene Funktionen:
• Sie ist, offensichtlich, ein Ort des Buches. Hier kann man lesen, in Pausen, in Freistunden oder nach der Schule. Die Bühne ist dazu im Tagesbetrieb extra mit gemütlichen Sitzsäcken ausgestattet. Und hier kann man wie in einer öffentlichen Bibliothek auch Bücher ausleihen, der Buchbestand ist elektronisch erfasst und kann recherchiert werden. Die Schüler dürfen sich Bücher wünschen und die Favoriten werden dann angeschafft. Der Buchbestand beinhaltet dementsprechend Literatur für Jugendliche von 10 bis 18+ Jahren.
• Sie ist ein Ort zum Arbeiten. Schüler können hier Referate vorbereiten, in Büchern recherchieren, Hausaufgaben machen. Zahlreiche PCs mit Zugang zum Internet und zum schuleigenen Netz bieten hierfür das notwendige mediale Umfeld. Vor allem für die höheren Klassen beinhaltet der Buchbestand viele hochwertige Fachbücher. Die Oberstufen-Abteilung sieht schon rein optisch wie eine klassische Universitäts-Bibliothek aus, aus deren Bestand z.B. Handapparate zusammengestellt werden. Auch für die Lehrer ist die Bibliothek ein Ort zum Arbeiten. Die Fachbereiche haben einen Grossteil der Fachliteratur in den Oberstufen-Bereich eingegliedert.
• Sie ist ein Unterrichtsort. Klassen oder Kurse können die Bibliothek für Unterrichtsstunden reservieren. Das können Buchrallyes, Aufführungen kleiner Theaterstücke oder andere Vorhaben sein. Man kann auch als Klasse gemeinsam in die Bibliothek gehen, um zu einem bestimmten Thema zu recherchieren.
• Sie ist ein Ort für kleinere schulische Veranstaltungen. Diese reichen von der Durchführung von Lesewettbewerben in Deutsch oder den Fremdsprachen (wir haben übrigens auch einen guten Teil an fremdsprachiger Literatur, meist Englisch) über kleinere musikalische Aufführungen bis hin zu Veranstaltungen unserer Vortragsreihe „Campus FG“, bei der wir teils gemeinsam mit Partnern aus der Stadt zu spannenden aktuellen Themen – meist aus Politik und Forschung – Experten von auswärts einladen und bei denen auch die Einwohner Donaueschingens herzlich eingeladen sind und gerne teilnehmen.
Kurz: Die Bibliothek ist in ihren eineinhalb Jahren, in denen sie nun geöffnet ist, zu einem lebendigen Ort des Lebens und Lernens mitten in der Schule geworden und es macht uns allen Spass, diese Entwicklung, die sicher noch weitergehen wird, zu verfolgen.
Was würden Sie einem befreundeten Schulleiter raten, der sich mit dem Gedanken trägt, eine Bibliothek an seiner Schule aufzubauen?
Hier kann ich mich kurz fassen:
1) Eine Schule benötigt heute und in Zukunft eine Bibliothek als lebendigen Ort des Lernens – mit gedruckten Büchern sowie elektronischen Medien.
2) Wenn es die Möglichkeit gibt, ein solches Projekt umzusetzen, dann sollte man sich die passenden Partner suchen und es wagen.
3) Es ist ungemein hilfreich, in der Konzeptionsphase andere Schulen mit Bibliotheken zu besuchen und sich Anregungen zu holen. Wir haben das auch getan und von allen Besuchen Ideen mitgenommen.
4) Und dann … Machen!
Herr Mosbacher, ich danke Ihnen für das Gespräch.
Um die Entscheidung für ein tragfähiges Konzept zu erleichtern, sollen im Folgenden einige Möglichkeiten vorgestellt werden.