Kitabı oku: «Handbuch Schulbibliothek», sayfa 3
1.3 Schulbibliothekskonzepte
Die vorgestellten Konzepte sind in der Regel nicht in Reinform zu finden.
1.3.1 Lesebibliothek und Leseecken-Konzept
Vor allem in der Grundschule ist das Konzept der Lesebibliothek verbreitet. Sie unterstützt den Prozess des Lesenlernens, der Lese- und Sprachförderung. Ihr Ziel ist es, den Schülern eine gute Lesefertigkeit zu vermitteln, denn müheloses Lesen ist der erste Schritt zum „gerne Lesen“. Unbestritten ist der Wert der Lesekompetenz für alle Lebensbereiche. In der Primarstufe wird hierfür der Grundstein gelegt. Aber auch in der Unter- und Mittelstufe darf der Prozess nicht abbrechen. In weiterführenden Schulen hat die Lesebibliothek ebenfalls ihren Platz, oft verwirklicht als Teil eines Kommunikationsbereiches mit Sofas, Zeitschriftenpräsentation und Jugendbuch-Regalen.
Die kleinere Schwester der Lesebibliothek ist die Leseecke – nicht zu verwechseln mit der Klassenbibliothek. Im Unterschied zur Klassenbibliothek ist die Leseecke keine Einrichtung nur für eine Klasse, sondern sie hat die Funktion der übergreifenden Leseförderung. Sie kann Teil eines Multifunktions-, Computer- oder Pausenraumes sein und selbst im Flur lässt sich in manchen Fällen ein Plätzchen finden. Ihre Aufgabe ist es, den Schülern das „Erlebnis Buch und Medien“ nahezubringen (Dahm 2008, 4).
Entgegen landläufiger Meinung enthält die Lesebibliothek nicht nur Print-medien. Auch andere Medien wie animierte Bilderbücher, Filme und Hörspiele sind enthalten. Leseförderung mit Tablets und Apps ist eine ausgesprochen erfolgreiche Form der Leseanimation, die auch bei der Integration von Flüchtlingskindern punkten kann. Die Schulbibliothekarische Arbeitsstelle der Stadtbücherei Frankfurt a.M. hat eine eigene Broschüre mit Anregungen für Tabletprojekte herausgegeben (s. http://www.frankfurt.de/sixcms/media.php/738/ANSICHT_STB_Broschuere_iPaed_170x240_dy250416.pdf, Abruf: 11.10. 2017).
Die Lesebibliothek enthält aber nicht nur fiktionale Stoffe. Jungs lesen oft lieber Sachbücher als Romane und auch mit einem Buch über Fussball, einer Autozeitschrift oder einem Comic lässt sich lesen lernen. Lesebibliothek und Leseecke sind Orte der Leseanimation und des ausserunterrichtlichen Lesens (Dahm 2008, 9), gehen also deutlich über das hinaus, was im Unterricht an Themen behandelt wird, knüpfen an die Freizeitinteressen der Kinder und Jugendlichen an und eröffnen neue Horizonte.
Die Gestaltung des Raumes ist farbenfroh und gemütlich. Die Lesebibliothek enthält keine oder wenige Tische. Sie ist auf das Lesen – alleine oder in Gruppen – ausgerichtet. Man findet deshalb in der Lesebibliothek vorwiegend gemütliche Sofas, Sessel, Sitzsäcke, Sitzwürfel, Hocker, eine Liegelandschaft oder Sitztreppe. Ausserdem sind Hörstationen für die parallele Nutzung von Hörbuch und gedrucktem Buch, ein grosser Bildschirm oder ein Smartboard zur Vorführung von Bilderbuchkino und animierten Bilderbüchern sowie ein Tabletwagen für Tabletprojekte sinnvoll.
Mehr als andere Formen der Schulbibliothek ist die Lesebibliothek auf Aktionen in und mit der Bibliothek angewiesen. Die Ergänzung einer Bühne oder eines Podests ist deshalb zu überlegen. Dort können die oben genannten Medienprojekte stattfinden, aber auch Kamishibais* vorgeführt oder kleine Theaterstücke aufgeführt werden. Die Bibliothek aufzubauen und dann darauf zu hoffen, dass die Kinder und Jugendlichen schon kommen werden, funktioniert heute nicht mehr. „Das Lesen fördern mit allen Sinnen und allen dem Zweck dienlichen analogen und digitalen Materialien – das ist die Devise …“ (Lücke/ Holderried 2016, 202), der die Lesebibliothek folgt.
1.3.2 Selbstlernzentrum und Informationspool
Die Bibliothek als Informationszentrum findet sich in verschiedenen Ausprägungen. Meist dient sie der selbstständigen Vor- und Nachbereitung des Unterrichts oder der spontanen Benutzung während des Unterrichts, und zwar immer dann, wenn spezielle Fragen auftauchen (Deutsches Bibliotheksinstitut, Materialien 1994, H. 13, 1).
Bei der Fülle an Literatur und Medien, die der Markt bietet, ist zwangsläufig immer eine Auswahl erforderlich. Sie richtet sich nach dem Bibliotheksprofil, das durch die zu erfüllenden Aufgaben bestimmt wird. Ein umfassendes Selbstlernzentrum benötigt Literatur, Medien und Datenbanken für alle Fächer und deshalb eine ausreichend grosse Fläche für Präsentation und Nutzung.
Hat man nur begrenzte räumliche und finanzielle Ressourcen, ist die Verwirklichung von Teilfunktionen in Erwägung zu ziehen. Dann hat die Bibliothek eben kein Angebot für alle Unterrichtsthemen, was bei schlechter Finanzlage eine mangelhafte Ausstattung auf breiter Front bedeuten würde, sondern konzentriert sich auf wenige Themen, zu denen ausreichend und gezielt Bücher und Medien gekauft werden. Eine Hausaufgabenbibliothek wird beispielsweise vorwiegend Lernhilfen, Lehrbücher und PC-Plätze für Internetrecherchen bereithalten, eine Projektbibliothek orientiert sich an bestimmten Unterrichtsthemen, die bevorzugt abgedeckt werden. Hier wären zum Beispiel für die Grundschule Themen wie „Jahreszeiten“, „Ritter“, „Säugetiere“ zu nennen, für die Unterstufe kommen Themen wie „Regenwald“, „Märchen, Sagen, Fabeln“, „Leben in England“ oder Ähnliches infrage.
Es versteht sich von selbst, dass alle Teilfunktionen auf Erweiterung angelegt sind und Bestandteile eines Stufenkonzeptes sein können.
Grosser Beliebtheit in Gymnasien erfreut sich die Oberstufenbibliothek, in der Abiturhilfen, Spezialliteratur und Fachdatenbanken für die Zielgruppe der Oberstufenschüler – beispielsweise für Facharbeiten – bereitgehalten werden. Sinnvollerweise sind dort auch die oft verstreut gelagerten Fachschafts- und Lehrerbibliotheken integriert, die dann zum Wohle aller professionell erschlossen und zugänglich gemacht werden. Gegen diese Bibliotheksform ist zwar nichts zu sagen, sie lässt aber das Fundament vermissen. Wie alles andere auch, muss die Nutzung der Bibliothek eingeübt und gelernt werden, und das kann nicht erst in der Oberstufe geschehen. Bibliothekskompetenz*, Medien- und Informationskompetenz müssen „von unten“ aufgebaut werden, um in der Oberstufe als Basis vorhanden zu sein. In der Oberstufe kann man dann die Früchte der Bibliotheksarbeit, die in der Unter- und Mittelstufe geleistet wurde, ernten: Die Schüler können selbstständig und kompetent in allen Medienarten recherchieren, die gefundenen Informationen auf Verlässlichkeit prüfen, auswählen und in neuen Zusammenhängen anwenden. Die Nutzung der Schulbibliothek führt – wie zahlreiche amerikanische, britische und kanadische Studien beweisen (s. http://www.iasl-online.org/advocacy/make-a-difference.html, Abruf: 28.08.2017) – zu besseren Prüfungsergebnissen und erfolgreicheren Abschlüssen, ganz zu schweigen von der Entlastung, die die Lehrkräfte erfahren, wenn ihre Schüler medien- und informationskompetent sind.
1.3.3 Schulbibliothek und Unterricht
„Für die Schülerinnen und Schüler bewährt sich die Schulbibliothek im Unterricht und ausserhalb als multimediale Lernumgebung“ (Frankfurter Erklärung, S. 257). Das bedeutet, dass sowohl die Bibliothek als Ort als auch ihre Inhalte konsequent im Unterricht genutzt werden sollten. Um das zu erreichen, müssen verbindliche Absprachen getroffen werden, die die Verzahnung von Schulbibliothek und Unterricht festlegen. Hat man in den entsprechenden Schulgremien vereinbart, dass bestimmte Themen des Lehrplans mit und in der Bibliothek zu bearbeiten sind oder dass bestimmte Kompetenzen in Klassenstufe x mit Hilfe der Bibliothek erworben werden, erhält die Nutzung eine gewisse Verbindlichkeit, die mit einem reinen Selbstlernzentrum kaum erreicht werden kann. Als gelungenes Beispiel seien hier die Medienkompetenzbausteine der zum Netz der Stadtbibliothek gehörenden Mediothek der Gymnasien in Biberach genannt (s. https://miz.biberach-riss.de/media/custom/1516_3387_1.PDF?1357270938), die verbindlich für einzelne Klassenstufen zwischen Bibliothek und Schule vereinbart sind.
Die Schulbibliothek mit ihren Medien und ihrer technischen Infrastruktur bietet also einen Unterrichtsort, an dem die neuen kompetenzorientierten Lehrpläne besonders gut umgesetzt werden können. Bardo Herzig und Silke Grafe fassen das in ihrem Aufsatz „Zukunftsfähiges Lernen an Freien Lernorten“ zusammen: „… es geht insbesondere darum, Lernenden solche Umgebungen bereitzustellen, in denen sie – mit Unterstützung durch Lehrpersonen – eigene Vorstellungen entwickeln, erweitern und erproben können“ (Herzig/Grafe 2006, 24). Gedacht ist dabei an Lernarrangements, „… welche traditionelle und moderne Medien sowie unterschiedliche Methoden und Unterrichtskonzepte vereinen …“ und an denen „verschiedene Sozialformen des Lernens umgesetzt werden können“ (Freie Lernorte – Raum für mehr, 2006, 23). Auf diese Weise wandelt sich die Schulbibliothek zum unterrichtlichen Lern- und Kommunikationszentrum.
1.4 Damit alle Bescheid wissen – das Leitbild der Schulbibliothek
Hat man sich für ein Bibliothekskonzept entschieden, kommt es darauf an, dieses auch nach aussen transparent zu machen. Jeder kennt das Leitbild der Schule. Es trifft Aussagen zur Organisation (Wer sind wir?), zu den Zielen (Was wollen wir langfristig erreichen?) und zur Art und Weise, wie die Schule ihre Ziele erreichen möchte (Wie wollen wir vorgehen?). Auch die Schulbibliothek benötigt ein Leitbild, das dann wiederum eng mit dem Leitbild der Schule verknüpft ist. Es trifft bibliotheksbezogene Aussagen zu den oben genannten Fragen.
Genauso wie das Leitbild der Schule sollte auch dasjenige der Bibliothek auf der Schulhomepage zu finden sein. Sinnvollerweise nutzt man die konzeptionellen Aussagen, die im Vorfeld der Bibliotheksgründung getroffen wurden, für die Formulierung. Gleichzeitig weist das Leitbild aber auch über den Status quo hinaus, indem es Aussagen zur Arbeitsweise der Bibliothek und zu ihren künftigen Vorhaben trifft.
Mit dem Leitbild wird sozusagen das „Grundsatzprogramm“ in schriftliche Form gebracht und für alle sichtbar gemacht. Hieran lässt sich das Erreichte dann auch messen.
Eine umfassende Konzeption der Schulbibliotheken an beruflichen Schulen wurde im Landkreis Esslingen von den Schulleitungen der beruflichen Schulen, den Leitungen der Schulbibliotheken sowie dem Amt für Kreisschulen und Immobilien (inkl. Kreismedienzentrum) erstellt (Landkreis Esslingen, 2017). Sie trifft Aussagen zu Selbstverständnis, Zielen und Massnahmen der Bibliotheken sowie zur künftigen Entwicklung. Einige Beispiele seien hier zitiert:
1. Selbstverständnis: „Aufgabe der Schulbibliotheken ist es, Schüler und Lehrkräfte mit Medien und Informationen für Unterricht und Freizeit zu versorgen. Als betreutes Selbstlernzentrum und multimedialer Aufenthaltsraum stehen sie während der Öffnungszeiten allen Schülern und Lehrkräften zur Verfügung“ (ebd., S. 6).
2. Ziele: Die Schulbibliotheken … „tragen mit ihrer Fachlichkeit dazu bei, Schülern wichtige Schlüsselkompetenzen für eine zukünftige digitale Wissensgesellschaft zu vermitteln.“ Genannt werden in diesem Zusammenhang: Informationskompetenz, Medienkompetenz, Lesekompetenz, Sprachkompetenz und soziale Kompetenz (ebd., S. 6).
3. Massnahmen: „Dem Medienverhalten der Jugendlichen entsprechend werden Spiele, CDs und Filme angeboten … Bei der Auswahl der Medien werden die verschiedenen Unterrichtsmethoden und -formen sowie die didaktischen Erfordernisse berücksichtigt“ (ebd., 10). „Buchvorstellungen, Bookslams, Autorenbegegnungen, Schreibwerkstätten und ähnliche Veranstaltungen der Schulbibliothek helfen nicht nur bei Schülern den Spass am Lesen zu fördern, sondern regen auch zur Entdeckung neuer, bislang unbeachteter Themen, Zusammenhänge, Gattungen und Medien an“ (ebd., 8). „Nur eine enge Zusammenarbeit zwischen Bibliothek und Schule ermöglicht den optimalen Einsatz der Ressource Schulbibliothek. Deswegen wird die Bibliothek grundsätzlich in den innerschulischen Kommunikationsfluss mit eingebunden (z.B. Teilnahme an GLKs, Intranet, E-Mail-Verkehr, Kooperationslehrer, Bibliotheksbeirat etc.)“ (ebd., 12).
4. Zukünftige Entwicklung: „Die fortschreitende Digitalisierung schlägt sich auch im Leistungsbild der Schulbibliotheken nieder. So werden gerade bei der Vermittlung von Medien- und Informationskompetenzen künftig verstärkt entsprechende Unterstützungs- und Ergänzungsangebote der Schulbibliothek benötigt und nachgefragt“ (ebd., 16).
Diese übergreifende Konzeption versteht sich als Fahrplan in die Zukunft und kann als deutliches Zeichen gewertet werden, dass die Schulbibliotheken des Landkreises Esslingen ihre Rolle im Schulleben aktiv gestalten.
Auch wenn es nicht in dieser Ausführlichkeit geschieht, ist es politisch sinnvoll, ein Leitbild für die Schulbibliothek zu formulieren. Die Schulgemeinschaft, vor allem diejenigen, die nicht ständig vor Ort sind, beispielsweise die Eltern und der Träger, können sich mit Hilfe eines solchen Textes ein Bild von den Zielen und der Arbeit „ihrer“ Schulbibliothek machen. Dieses Wissen kann existenziell sein, wenn es darum geht, ob und wie die Bibliothek finanziell und personell unterstützt wird.
1.5 Was die Schulbibliothek nicht kann – oder doch?
Eines ist gewiss: Da der gesellschaftliche Wandel fortschreitet, werden die Anforderungen an das „Auffangbecken“ Schule eher wachsen denn schrumpfen. In jeder Schule muss man sich also genau überlegen, wo und wie die Weichen am effizientesten für die eigene und die Zukunft der Schüler gestellt werden. Der Betrieb einer passgenau ausgestatteten Schulbibliothek kann eine entscheidende Weiche sein.
Bildung beginnt nicht am Schultor und sie hört auch nicht dort auf. Gesellschaftliche Veränderungen haben direkten Einfluss auf den Unterricht. Vom demografischen Wandel bis zu grundlegend geänderten Familienstrukturen, von den Forderungen der Wirtschaft nach flexiblen, lebenslang lernwilligen Menschen bis zur multikulturellen Vielfalt der Lebensentwürfe – alles steht im Zusammenhang miteinander und wird durch den rasanten digitalen Wandel in einer globalen Welt geprägt und verändert.
Neben die traditionellen Kulturkompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen tritt eine weitere: der kompetente Umgang mit digitalen Medien. Welche Lösungen kann eine Schulbibliothek bei diesen Aufgabenstellungen anbieten?
1.5.1 Lesen – eine Schlüsselkompetenz auf dem Abstellgleis?
„Die Fähigkeit zu lesen schafft in unserer Gesellschaft Zugang zu Informationen, Wissen und Bildung, ermöglicht aber auch den Zugang zu Geschichten und Fantasie-Welten. Dabei stärkt das freiwillige Lesen in der Freizeit ebenso die Lesekompetenz wie die Lektüre, die im Rahmen des Schulunterrichts angeeignet werden muss“ (KIM-Studie 2016, 21).
Angesichts dieser Bedeutung des Lesens für die persönliche Entwicklung ist es bedauerlich, dass der heimische Zugang zu Büchern oder anderen gedruckten Medien in Deutschland vom Bildungsgrad des Haupterziehers abhängt. „In Familien mit hoher formaler Bildung der Haupterzieher (Abitur/Studium) ist die hauseigene Bibliothek mit 208 Büchern (Eigenbesitz der Kinder: 32 Bücher) merklich höher als im Durchschnitt. Eltern mit mittlerem formalen Bildungsgrad haben 124 Bücher zuhause (Kinder: 27 Bücher), bei niedriger formaler Bildung beträgt die Anzahl zuhause 72 Stück (Kinder: 18 Bücher)“ (KIM-Studie 2016, 23).
Erstaunlicherweise geben trotzdem 47% der Kinder zwischen sechs und dreizehn Jahren an, dass sie am Thema „Bücher und Lesen“ interessiert sind. 52% sagen von sich sogar, dass sie gerne oder sehr gerne lesen. Mindestens einmal pro Woche greifen immerhin 48% der Kinder und Jugendlichen in diesem Alter in ihrer Freizeit zum Buch (KIM-Studie 2016, 22).
Und wenn die Kinder älter werden? „In der Zeitreihe belegen die Ergebnisse (der JIM-Studie, Anmerkung der Hg.) seit 1998, dass der Einzug digitaler Medien in die Jugendzimmer andere Mediengattungen nicht zwingend verdrängen muss. Betrachtet man den Anteil derjenigen Mädchen und Jungen, die in ihrer Freizeit mindestens mehrmals pro Woche gedruckte Bücher zum Vergnügen lesen (also keine Bücher, die für die Schule durchgearbeitet werden müssen), so pendelt dieser Wert innerhalb der letzten zehn Jahre immer um die 40-Prozent-Marke. Im Jahr 2016 zählen mit 38 Prozent abermals zwei von fünf Jugendlichen zu den regelmässigen Lesern gedruckter Bücher, was die These nahelegt, dass Bücher in der Phase des Erwachsenwerdens einen so besonderen Stellenwert innehaben, dass sie auch in Zukunft nicht aus dem Nutzungsrepertoire der Jugendlichen verschwinden werden“ (JIM-Studie 2016, 15).
Bibliotheken und insbesondere Schulbibliotheken können und müssen mit Blick auf gleiche Chancen für alle Kinder einen besonderen Beitrag dazu leisten, Kindern und Jugendlichen die elementare Kulturtechnik ‚Lesen‘ über die Welt der Bücher dauerhaft nahezubringen und zu erschliessen.
Sie leisten damit nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Bildung der Kinder und Jugendlichen, sie sind vielleicht – oder könnten es zumindest sein – näher an deren Interessen, als immer wieder behauptet wird. Entscheidend für den Erfolg kann der niedrigschwellige Zugang zur Literatur durch moderne Vermittlungs- und Präsentationsmethoden sein, die in weiteren Kapiteln vorgestellt werden.
1.5.2 Digital Natives und digitale Bildung – die Gnade der späten Geburt?
Lesen, Schreiben und Rechnen, die traditionellen Kulturkompetenzen muss man lernen, das bezweifelt niemand. Aber ist es wirklich so, dass Kinder und Jugendliche, im Gegensatz zu den schon Erwachsenen, die erforderlichen Kompetenzen im Umgang mit digitalen Medien ‚einfach so‘ und nebenbei spielerisch erlernen? „Kinder und Jugendliche nutzen digitale Medien vor allem freizeitbezogen, sodass man wenig hoffen kann, dass sie auch lernen kompetent und reflektiert mit Informationen umzugehen. Wir wissen, dass Kinder im Grundschulalter von ihren Eltern lange Zeit begleitet werden, dass dann aber die Förderung von Medienkompetenz im Elternhaus auch in bildungsnahen Haushalten abbricht und viele Jugendliche auch Dinge mit den digitalen Medien tun, die die Eltern gar nicht mehr begleiten können“ (http://www.ndr.de/nachrichten/netzwelt/Ergebnis-der-ICILS-Bildungstudie,eickelmann102.html, Abruf: 10.09.2017). Diese Feststellung trifft Birgit Eickelmann, eine der Koordinatorinnen der ICILS-Studie 2013, die den Umgang von Achtklässlern mit digitalen Medien und auch mit digitalen Informationen vor allem aus dem Internet untersucht hat. Im gleichen Interview sagt sie: „Dieses Ergebnis ist erschreckend … Wenn man sich die Ergebnisse genau anschaut, dann sieht man, dass ein Drittel der Jugendlichen abgehängt ist, sie verfügen nicht mal über grundlegende Fertigkeiten. Das sind Jugendliche, die gerade eben einen Link anklicken oder den Kontrast eines Bildes verstellen können. Das reicht nicht aus, um an der Gesellschaft teilhaben zu können und einen entsprechenden Beruf ergreifen zu können.“ Ein blosses Aufwachsen in einer digital geprägten Welt führt also allem Anschein nach nicht automatisch zu einer kompetenten Nutzung dieser Technologien.
Im Gegensatz zu den traditionellen Kompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen fehlt Schulen für die Vermittlung der nötigen Kompetenzen im Umgang mit digitalen Medien bisher sowohl die technische als auch die personelle Ausstattung. Die nötige schulische Infrastruktur ist sozusagen gerade erst im flächendeckenden Ausbau begriffen.
Schulbibliotheken sollten sich in diesem Prozess klar positionieren und eine zentrale Rolle als Medienzentrum und multimediale Lernumgebung im Unterricht übernehmen.
„Die moderne Schulbibliothek ist der ideale Knotenpunkt für das Medienangebot und die Medienpädagogik der Schule. Sie führt gedruckte und digitale Angebote an einem Ort zusammen: aktuelle Bücher und Internet, Lesen und Surfen. Indem die Schulbibliothek neben den Büchern die digitalen Ressourcen bündelt, ersetzt sie den wenig flexiblen konventionellen Computerraum … Die digitalen Medien und ihre mobilen Geräte sind ideale Werkzeuge für das Lernen in unterschiedlichen Situationen. Die Schulbibliothek bietet den Rahmen für die ganze Vielfalt von Lernsituationen: Sie kann für den Fachunterricht genutzt werden, aber auch für das selbstständige, individuelle Lernen und für ausserunterrichtliche Projekte. Die Schulbibliothek umfasst einen räumlich zusammengefassten und systematisch erschlossenen Medienpool mit geeigneter Informationstechnik und bietet ausreichend Platz sowohl für individuelles Lernen als auch für das Lernen in Gruppen. Durch die Breite ihres Angebots kann sie zugleich als ein Motor der Unterrichtsentwicklung dienen und auf den Unterricht in den Fach- und Klassenräumen ausstrahlen“ (Frankfurter Erklärung 2015, 1).
Und auch wer seine Schulbibliothek für diese Ansprüche noch nicht ausgestattet sieht, sollte sich bewusst machen, dass Kinder allein durch die regelmässige Nutzung der Schulbibliothek mit ihrer Vielfalt von Medien bei der Lösung kleiner oder auch grösserer Suchaufgaben (ein Mal vielleicht Daten zu Persönlichkeiten, ein anderes Mal zur Entstehung des Moores) ein Gefühl für Vor- und Nachteile einzelner Medienformen entwickeln können. Daran angeknüpft können sie mit der Zeit auch Qualitätskriterien entwickeln, die ihnen eine eigenständige kritische und dadurch dauerhaft effiziente Mediennutzung ermöglichen.
Hilfreich ist es, wenn dafür im Fachunterricht die Lernprozesse, jenseits der Vermittlung von abprüfbarem Fachwissen, immer wieder auch Elemente des Kompetenzerwerbs aufgreifen. Ganz „normales“ Unterrichtsgeschehen in der Schulbibliothek kann zum Beispiel in vier aufeinanderfolgende Schritte untergliedert werden. Der Schüler bekommt eine Aufgabe und damit wird der Lernprozess ausgelöst:
Suchen: | Der Schüler erkennt seinen Informationsbedarf und entschei det sich für den Suchweg, den er einschlagen möchte. |
Prüfen: | Der Schüler untersucht seine Fundstellen und bewertet sie. |
Wissen: | Der Schüler ordnet sein neu gewonnenes Wissen in sein Vor wissen ein. |
Darstellen: | Der Schüler präsentiert sein Ergebnis und ist in der Lage, es auch anderen zu vermitteln. |
Der Referenzrahmen Informationskompetenz (http://www.bibliotheksverband.de/fachgruppen/kommissionen/informationskompetenz/publikationen.html, Abruf: 02.10.2017) greift diese Schritte auf und untergliedert sie nach Schwierigkeitsgraden von der Primarstufe bis zum Studium. Damit bietet er Schulen und (Schul-)Bibliotheken eine Orientierungshilfe bei der Erstellung geeigneter Lerneinheiten.
Suchen und Prüfen gehört zu typischen bibliothekarischen Handlungsfeldern. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Bibliotheken eine Vielzahl von Angeboten für den Unterrichtseinsatz dazu entwickelt haben. Einige davon werden in Kapitel 7 vorgestellt. Sie sollen dazu ermutigen, auch in scheinbar kleinen Schritten anzufangen und die Vermittlung von Informations- und Medienkompetenz selbstverständlich in den Schulalltag einzubinden.